In zwei Jahren hat es Diablo 3 in den Amazon Rezensionen von einem auf zwei Sterne geschafft. Das sagt eigentlich schon alles darüber aus, wie ungünstig der Start des Spiels im Mai 2012 verlaufen ist. Verpatzter Start inklusive legendärem Error 37, über tatsächlich vorhandene Designfehler, bis hin zum Auktionshaus und dem Zwang, das Spiel online zu spielen - all das hat Diablo 3 einen nicht gerade glänzenden Ruf beschert. Und doch hat es sich gut verkauft, was das ziemlich ambivalente Verhältnis der Spieler zu diesem Titel verdeutlicht. Nun steht Reaper of Souls, das erste Addon zu D3 an und es ist, mit neuem Chefentwickler an der Spitze, angetreten, alles besser zu machen. Es ist angetreten, bei einigen tiefe Wunden zu heilen, bei anderen, für noch größere Liebe zu sorgen.

Und hat man sich in den letzten Wochen auf den Servern umgesehen, so scheint es, als würde ihm das schon vor dem Release gut gelingen. Denn schon lange waren nicht mehr so viele Freunde, Bekannte, Gildenkollegen und Spieler in der Welt von Diablo unterwegs. Doch der Grund dafür ist nicht nur der anstehende Release, sondern ein Patch, der schon einiges rund um Reaper of Souls ins Spiel gebracht hat, vor allem das neue Lootsystem, von dem nicht nur Käufer des Addons profitieren dürfen.

Diablo 3: Reaper of Souls - Die diabolische Flucht aus der Hölle

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Einer der größten Designfehler in Diablo 3: das Auktionshaus.
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Ich hatte die Chance, Reaper of Souls schon eine ganze Weile lang in der Beta antesten zu können. Dabei ist uns ziemlich schnell klar geworden, dass es sich hier nicht nur um ein Addon mit neuer Klasse, neuem Akt und ein paar netten Features handelt, sondern dass Malthael Diablo 3 wesentlich mehr verändert hat, als es oberflächlich scheint. Das Team um den neuen Chefentwickler Josh Mosqueira hat sich tief in die Materie des Spiels gewagt und nicht nur korrigiert, was zu korrigieren war, sondern komplette Gameplay-Mechaniken über den Haufen geworfen. Zum Guten? Wir denken ja!

Packshot zu Diablo 3: Reaper of SoulsDiablo 3: Reaper of SoulsErschienen für PC kaufen: ab 14,90€

Jäger und Sammler

"Was erwartest du, wenn du ein Diablo-Spiel startest?" Mit dieser Frage leitete auf der vergangenen Gamescom eben dieser Lead Designer seine Erklärung dessen ein, was die größte Änderung an Diablo 3 durch das Addon sei. Und die Frage ist berechtigt. Denn was erwarten wir eigentlich von Diablo? Viele werden jetzt sagen, dass wir gerne Monsterhorden per Mausklick in das prächtig inszenierte Ableben schicken wollen, was sicher einen wichtigen Teil des Spielspaßes ausmacht. Doch viel tiefer in uns sitzt ein Sammler, der mehr als nur den Klicktod der nächsten 20 Monster möchte. Er lechzt nach mehr, nach Belohnung, nach Verbesserung, nach Items und nach Erfolg.

Und hier setzen die Entwickler an und haben erkannt, dass in Diablo 3 einige Fehler passiert sind. Denn selbst wenn wir dort einen ganzen Abend mit dem Niedermähen der Gegner verbracht haben, standen wir nicht selten mit schlechtem, unpassendem und einfach völlig bescheuertem Loot in der Gegend rum. Grund war die Designentscheidung des Teams, so viel wie möglich vollkommen zufallsbasiert zu machen. Welche Werte hat das Item, dass wir finden? Zufall. Muss das alles irgendwie Sinn ergeben? Nein. Und so stellte sich schnell der Frust ein, beziehungsweise haben wir gemerkt, dass nicht das Feld der Ehre der Ort war, an dem wir die besten Gegenstände bekommen, sondern das Auktionshaus.

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Das freut nicht nur den Schatzgoblin: Loot 2.0
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Denn irgendein anderer Spieler wird sicher auch ein unpassendes Item gefunden haben, eines, dass zwar gar nicht so übel ist, aber zum eigenen Charakter halt so gar nicht passt. Und so haben wir an den Monstern zwar das nötige Gold gefarmt, die wirkliche Verbesserung stammte aber selten aus dem eigenen Spiel.

Reaper of Souls ist das Diablo 3, das wir gern schon vor zwei Jahren gesehen hätten, lässt aber auch noch etwas Luft nach oben.Fazit lesen

Mit Reaper of Souls ist das nun endlich Geschichte. Das Auktionshaus ist weg, die Belohnung erfolgt wieder da, wo sie hingehört, nämlich im Spiel selber. Dieses Feature ist zwar nicht allein den Käufern des Addons vorbehalten, denn es wurde bereits mit dem letzten Patch an alle Kunden verteilt, doch trotzdem ist es eine der wichtigsten Änderungen, die zum Gesamtkonzept der Erweiterung beitragen.

Leider geht Blizzard in meinen Augen dabei einen kleinen Schritt zu weit, denn das Handeln gegen Gold ist im Spiel nun völlig unmöglich. Die Angst der Entwickler vor diesem Fallstrick hat nun wohl dazu geführt, dass man keinerlei bezahlten Itemtransfer zwischen den Spielern mehr zulässt. Schade, wie wir finden, denn gerade das Handeln unter Freunden oder Mitspielern hat auch einen Teil des Reizes von Diablo 2 ausgemacht.

Und wenn sie nicht gestorben sind,...

... dann spielen sie noch heute. Und Reaper of Souls bietet, dank einige Neuerungen neben dem neuen Lootsystem, noch bedeutend mehr Anreize, länger im Spiel zu verweilen. Ziel der Entwickler war es, auch dann für Spaß und Erfolgserlebnisse zu sorgen, wenn das Lootglück mal ausbleibt. Denn klar ist: Egal wie toll das Lootsystem ist, irgendwann kommt der Punkt, an dem der Lieblingscharakter schon nahezu vollständig ausgerüstet ist. Dann bleiben nur noch Kleinigkeiten, die durch neue Items verbessert werden können.

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Auch ohne Loot erfolgreich, danke Paragon 2.0!
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Und hier kommt das neue Paragon-System ins Spiel. Hat der Spieler die neue Maximalstufe 70 erreicht, levelt er einfach weiter. Er bekommt dann zwar keine normale Erfahrung mehr, sondern Paragonerfahung, aber nichts desto trotz stellt sich dadurch schnell eine Verbesserung des Charakters ein. Denn mit jedem Paragonlevel erhalten wir einen Attributspunkt, den wir frei verteilen dürfen, und das auf allen unserer Charaktere. Dadurch gestaltet sich auch ein lootarmer Abend nicht als Frustveranstaltung, sondern bringt uns immer ein kleines Stücken weiter vorran.

Ein Akt mit Klasse

Neben dieser grundlegenden Änderung der Spielmechanik gibt es natürlich auch ein paar klassische Addon-Features. So haben wir einen komplett neuen Akt vor uns, welcher uns in die düstere, mittelalterliche Stadt Westmark führt. Hier beginnen wir den Kampf gegen Malthael, welcher sich den Schwarzen Seelenstein unter den Nagel gerissen hat.

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Düster, dunkel, beklemmend - Westmark
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Grafisch ist Akt V eine wahre Pracht und vor allem so düster, wie es der Wunsch vieler Diablo-Jünger war. Die Gebiete haben weiterhin diesen handgezeichneten Stil, der schon in Diablo 3 begeistern konnte und sind mit sehr viel Liebe zum Detail erstellt. Mein persönliches Highlight ist hier definitiv das an die Werke des Künstlers M.C. Escher erinnernde Pandemonium. Hier kommt die volle Trost- und Hoffnungslosigkeit des Reiches des Todes zum Ausdruck und die sich immer wiederholenden Bögen und Gänge erzeugen schnell das Gefühl, der tatsächlichen Welt entrückt und verloren zu sein. Vom künstlerischen Aspekt her das bisher beeindruckendste, was wir in Diablo erleben durften.

Die Story wird gut und mit sehr schön gestalteten Events und kleinen Textpassagen in gewohnt guter Qualität erzählt, sie endet aber recht abrupt. Wir sind gerade richtig im Fluss, da steht plötzlich schon der finale Bossfight vor der Tür. Dabei ist Akt V nicht kürzer, als die anderen Akte, aber es wirkt trotzdem so, als habe Blizzard zum Ende des Handlungsbogens plötzlich gemerkt, dass sie doch mal langsam zum Punkt kommen sollten. Schade eigentlich, denn ein etwas entspannteres Ende hätte dem Akt sehr gut getan und diesen als stimmigere Einheit präsentiert.

Eine Klasse, passend zum Akt

Neben dem neuen Akt reiht sich dann noch der Kreuzritter in die Riege der Diablo-Klassen ein. Eigentlich ein ziemlich naher Verwandter des Paladins, bietet dieser doch ein völlig neues Skill-Set und toll in Szene gesetzte Fähigkeiten. Und: Endlich eine weitere Nahkampfklasse und endlich eine, die sich hinter zentimeterdickem Panzerstahl verbirgt und die volle mittelalterliche Macht des Waffenarsenals zum Einsatz bringt.

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Der Kreuzritter spielt sich gut, bietet aber wenig wirklich Neues.
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Optisch passt der Kreuzritter dabei natürlich perfekt in den neuen Akt. Auch vom Handling und im Spaß, den man beim Spielen der Klasse hat, ist nicht viel auszusetzen. Wollt ihr mit eurem Schlachtross durch die Gegnerhorden reiten? Oder euch mit einem gewaltigen Sprung tief in die Körperlichkeit des untoten Gegenübers prägen? Dann seid ihr hier richtig. Doch: Ein wenig zu bekannt kam uns ein Großteil der Fähigkeiten schon vor und die Klasse bring wenig Neues mit ins Spiel, bleibt sie von den Gameplay-Mechaniken her doch sehr dem bekannten Schema des Barbaren oder des Paladins aus D2 verhaftet. Hier hätte etwas mehr Innovation einen deutlicheren Pluspunkt ergeben. Leider kein Vergleich zu Assassine und Druide, die in Diablo 2 mit dem Addon Lord of Destruction das Spiel bereichert haben.

Langfristspaß Abenteuermodus

Neben der ganzen "Woher bekomme ich den besten Loot"-Thematik war einer der größten Kritikpunkte an Diablo 3 die fehlende Motivation, die Story immer und immer wieder von vorne zu spielen und immer wieder die gleichen Wege, Quests und Dungeons zu spielen. Damit ist es nun auch vorbei. Denn habt ihr die Story erst einmal hinter euch gebracht und auch Akt V beendet, könnt ihr den Kampagnenmodus verlassen und euch in ganz ungezwungene Abenteuer stürzen.

In eben diesem Abenteuermodus habt ihr die freie Wahl, welches Gebiet aus welchem Akt ihr spielen möchtet. Ist euch heute nach Akt 2 und morgen nach Akt 5? Kein Problem. Ein Klick und ihr seid umgezogen. Dazu kommen Quests und Kopfgelder auf bestimmte Bosse, die euch mit zusätzlicher Beute vorsorgen. Habt ihr alle Quests eines Akts erledigt, erhaltet ihr Zugang zu einem Nephalemriss, wobei es sich um einen vollkommen zufälligen Dungeon mit vollkommen zufälligen Gegnern handelt, an dessen Ende euch ein Boss mit entsprechender Beute erwartet.

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Im Abenteuermodus könnt ihr wesentlich freier spielen.
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Das Ganze hat genau ein Ziel, es soll die Wiederspielbarkeit deutlich steigern. Tut es das? Oh ja! Denn anstatt repetitiv immer wieder das gleiche zu machen, haben wir nun endlich die vollkommene Freiheit der Wahl. Wir springen zwischen den Akten, machen, was uns gefällt und wenn wir Lust haben, erledigen wir die Quests eines Akts und stellen uns dem Nephalemriss. Im Zusammenspiel mit neuem Lootsystem und der Dauerbelohnung Paragon entsteht so ständig das Gefühl, vorwärts zu kommen und noch etwas zu tun zu haben.

Wie lange dieses Gefühl anhält lässt sich nicht wirklich sagen. In der Beta hat es bei uns bis zum Ende durchgehalten und wir haben diese gern und viel gespielt. Aber im Endeffekt hängt das auch von den persönlichen Vorlieben ab. Die Voraussetzungen sind gut, nein, sie sind besser, als sie es in Diablo 3 je waren.

Mehr Individualität

Durch das oben schon erwähnte neue Paragonsystem und die damit verbundenen, frei zu verteilenden Attributspunkte kann der eigene Charakter schon um einiges freier gestaltet werden. Doch haben wir in Reaper of Souls noch eine weitere Möglichkeit zur Individualisierung. Denn mit der Mystikerin ist eine neue Handwerkerin eingezogen, welche uns zwei Features anbiete, die unsere Einzigartigkeit steigern.

Diablo 3: Reaper of Souls - Die Mystikerin - Einführung in das Verzaubern & Transmogrifizieren von Items28 weitere Videos

Und beide Features sind aus dem MMO-Kollegen World of Warcraft bestens bekannt. Zum einen können wir hier unsere Gegenstände verzaubern (in WoW Umschmieden), was bedeutet, dass wir Werte darauf unter bestimmten Kriterien verändern können. Dabei können wir diese nicht einfach steigern oder senken, aber wir können sie vom Spiel neu auswürfeln lassen. Dadurch kann ein nicht ganz passendes Item durchaus noch zum Traumgegenstand werden.

Weiterhin, und hier kommen wir nun zur optischen Individualisierung, können wir das Aussehen der Gegenstände nach unserem Belieben anpassen. Dieses System heißt nicht nur, wie in WoW, Transmogrifizieren, sondern es verhält sich auch genau so: Ihr überschreibt das Aussehen eures Gegenstandes mit dem eines anderen. Das Ergebnis ist, dass ihr nun mehr Kontrolle über das Aussehen und noch mehr Kontrolle über die Werte eures Charakters habt.