Kein Online-Zwang, kein Auktionshaus und dazu noch intelligente Itemdropps? Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würde die Konsolenversion von Diablo 3 den Spielern alles geben, was man sich schon für die PC-Version gewünscht hatte. Doch ist es wirklich eine verbesserte Version von Diablo 3 oder muss man im Gegenzug auf andere Dinge verzichten? Wir haben den Test gemacht.

Diablo 3 - Das ist neu in Patch 2.4.0!152 weitere Videos

Wo fängt man bei einem Nachfolger an, der zwölf Jahre hat auf sich warten lassen und der die Fans wie kaum ein anderer Titel in zwei Lager gespalten hat. Doch vermutlich wird man es ohnehin nie allen rechtmachen können, da es immer einen Fanboy oder Hater geben wird, dem die Bewertung zu gut, zu schlecht oder zu durchschnittlich ist. Fakt ist: Am 15. Mai letzten Jahres erschien mit Diablo 3 der Nachfolger der Hack'n'Slay-Legende Diablo 2: Lord of Destruction. Die Erwartungen waren dementsprechend hoch, wurden aber bedauerlicherweise besonders zu Anfang stark geschmälert.

Die benötigte Onlineverbindung, die zum Spielen von Diablo 3 Voraussetzung ist, sorgte in den ersten Tagen für reichlich Frust, als es Spielern teilweise unmöglich war, sich überhaupt einzuloggen oder zu spielen (Hallo, Error 37). Hinzu kamen Balancing-Probleme der einzelnen Klassen, sowie das neue Auktionshaus, das heute noch von vielen Fans und D2-Veteranen als Spielkiller betrachtet wird.

Das Auktionshaus gibt es zwar immernoch, die anderen Probleme hat Blizzard inzwischen jedoch durch Patches nahezu ausgemerzt, und so sind wir bei dem, was Diablo 3 heute ist: ein erstklassiger Hack'n'Slay-Titel, der zwar hinter mancher Erwartung der Fans geblieben ist, aber sich dennoch zur Spitze des Genres zählen kann.

Und eben diese Version diente nun als Grundlage für Diablo 3 für die aktuellen Konsolen. Wie auf dem PC könnt ihr beim Starten des Spiels und Erstellen eures ersten Helden zwischen einer von fünf verschiedenen Klassen wählen, wobei mit dem Barbar und Mönch zwei Nahkämpfer und mit dem Zauberer, Hexendoktor und Dämonenjäger drei Fernkampfklassen zur Wahl stehen.

Diablo 3 - Joa, passt scho...

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Auch auf der Konsole beginnt euer Abenteuer im Gasthaus zum Geschlachteten Kalb.
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Bei der folgenden Auswahl des Modus und der Schwierigkeitsgrade, fallen einem die ersten Änderungen auf. Wie auch auf dem PC könnt beziehungsweise müsst ihr das Spiel mehrfach durchspielen, um nacheinander die Stufen Albtraum, Hölle und Inferno freizuschalten. Zusätzlich dazu stehen euch auf den Konsolen neben den Schwierigkeitsgraden Leicht, Mittel und Schwer noch die Stufen Master 1 bis 5 zur Auswahl, die die Gegner noch weiter verstärken und ihnen erhöhte Lebenspunkte und Schadenswerte verpassen.

Packshot zu Diablo 3Diablo 3Release: PC: 15.5.2012
PS3, Xbox 360: 3.9.2013
PS4: 2014
kaufen: ab 13,99€

Dieses System bietet dem Spieler somit insgesamt acht unterschiedliche Härtegrade und kann als Pendant des MP-Systems (Monsterstärke) der PC-Version verstanden werden, welches Blizzard mit einem späteren Patch nachreichte.

Des Pudels Kern

Die Steuerung. Wohl keine andere Sache ist für den Erfolg oder Misserfolg einer Portierung von PC auf Konsole oder andersrum so entscheidend wie eine sinnige Steuerung der Spielfigur. Während ihr auf dem PC mit der Maus den Ort anwählt, zu dem sich euer Held bewegen soll, übernehmt ihr auf der Konsole direkt die Kontrolle über euren Charakter und lasst ihn mit dem linken Analogstick über das Schlachtfeld laufen. Das fühlt sich etwas direkter an als auf dem PC und spielt sich stimmig. Eure Fähigkeiten könnt ihr frei nach Belieben auf den vier Actionbuttons des Gamepads verteilen, wobei euch zusätzlich noch zwei Schultertasten zur Verfügung stehen, um wie bei der PC-Version auf insgesamt sechs verschiedene Skills zu kommen.

Absolut gelungene Konsolenumsetzung mit hier und da kleinen Schwächen, aber auch guten Neuerungen. Macht Spaß und nur darauf kommt's an.Fazit lesen

Auf den übrigen zwei Schultertasten befindet sich euer bester Freund, der Heiltrank, sowie die Konsolen-exklusive Zielfunktion. Mit ihr ist es möglich, bestimmte Feinde anzuvisieren und als Ziel zu behalten, auch wenn ihr beispielsweise gerade zurücklaufen müsst. Der Grundgedanke dieses Systems mag von Blizzard ganz gut gewesen sein, um einen Ausgleich für den fehlenden Cursor zu schaffen, in der Praxis kommt diese Funktion jedoch leider viel zu schnell an ihre Grenzen.

So könnt ihr beispielsweise keine Feinde anvisieren, die sich hinter euch aufhalten, was allerdings meistens der Fall ist, wenn ihr auf der Flucht seid, und ihr könnt in größeren Gegnergruppen auch nur durch mühsames Durchtabben durch die einzelnen Gegner wechseln, indem ihr die Taste immer und immer wieder drückt. In unserem Test haben wir diese Funktion daher in einzelnen Situationen genutzt, wirklich nötig oder sinnvoll schien sie jedoch nicht zu sein.

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Einmal ordentlich eingerichtet, geht die Steuerung gut von der Hand.
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Eine weitere Neuerung zur ansonsten gelungenen Steuerung ist das Ausweichmanöver, das ihr mit dem rechten Analogstick auslösen könnt. Dabei macht euer Held eine Rolle, einen Hechtsprung oder Slide in die Richtung, die ihr ausgewählt habt, um beispielsweise einem Geschoss auszuweichen. Leider fällt auch diese Funktion in die Kategorie "Nett gemeint" und funktioniert in der Praxis mehr schlecht als recht. Im Normalfall könnt ihr euch das so vorstellen: Großer fieser Dämon holt zu einem dicken Schlag aus, der euch bei einem Treffer sofort töten würde. Ihr macht eine Rolle nach hinten und seid außerhalb seiner Reichweite. Im nächsten Moment kommt der Schlag und ihr fallt tot um. Das hört sich nicht nur ziemlich bescheuert an, sondern sorgt auch im Spiel immer wieder für ungewollt komische Situationen, in denen ihr zehn Meter weit weg von einem großen Dämon im Dreck liegt, weil ihr euch auf das Ausweichen verlassen habt.

Man bekommt dort schnell den Eindruck, dass man erst dann in Sicherheit weilt, wenn das Manöver komplett ausgeführt ist. Da dies aber selbst bei militärischer Präzision und dem Lesen der Muskelzuckungen eures Gegners kaum möglich ist, da ein Angriff meist schneller geht, als eure Rolle, gesellt sich dieses Feature zu den unnützeren Neuerungen.

Kleider machen Leute

Einer der wohl auffälligsten und wirklich, wirklich sinnigstens Unterschiede zur PC-Version sind die sogenannten Smart-Dropps. Das bedeutet, dass im Spiel mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit Gegenstände droppen, die euer aktueller Held auch gebrauchen kann. Spielt ihr beispielsweise einen Zauberer, so werden die meisten Gegenstände, die ihr findet, auch Intelligenz haben. Stärke und Geschicklichkeit können allerdings trotzdem vorhanden sein, da sie ja neben dem Schaden für Barbaren oder Mönche auch eure Verteidigung erhöhen. Dieses System kündigte Blizzard ebenfalls für die kommende Erweiterung Reaper of Souls an und somit hat die Konsolenversion hier dem PC sogar etwas voraus.

Apropros Items. Da auch auf der Konsole die Jagd nach neuen und besseren Gegenständen ein essentieller Bestandteil des Gameplays ist und für Langzeitmotivaiton sorgt, hat sich Blizzard auch bei der Gestaltung der Item-Menüs Gedanken gemacht. Findet ihr einen neuen Gegenstand, erscheint dieser neben eurem Gesundheitsbalken und wird mit drei einfachen Icons umschrieben: Schaden, Verteidigung und Leben. Mit roten oder grünen Pfeilen wird euch so aus einen Blick angezeigt, ob ein Gegenstand eine Verbesserung darstellt oder nicht.

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Zu neuer Ausrüstung dürfen natürlich auch die passenden Sockel nicht fehlen.
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Natürlich ist diese kleine Anzeige besonders im späteren Verlauf nicht aussagekräftig genug, um zwei nahezu gleichwertige Gegenstände wirklich miteinander zu vergleichen, doch binnen drei Klicks erreicht ihr euer Inventar, welches ringförmig aufgebaut ist und anfangs etwas unübersichtlich wirkt, und seht das neue Item und euren angelegten Gegenstand und könnt ihre Werte vergleichen.

Doch nicht nur neue Items lassen die Feinde Sanktuarios fallen, sondern auch magische Kugeln, die sogenannten Orbs. Während man auf dem PC ebenfalls die roten Gesundheitsorbs zu schätzen weiß, gibt es auf der Konsole noch eine neue Sorte. Diese goldgelben Kugeln geben eurem Helden für eine kurze Zeit den Stärkungszauber "Ruhm der Nephalem", der euren Schaden erhöht und euren Angriffen gelbe Blitze entweichen lässt. Dieser ist mehrfach stapelbar und erleichtert besonders große Gegnergruppen spürbar, wenn denn eine der seltenen Kugeln in einem solchen Moment droppt.

Fast genauso selten sind auf der Konsole übrigens Heiltränke. Während auf dem PC gefühlt jedes zweite Pack (zu Anfang) einen fallen lässt, müsst ihr auf der Konsole größtenteils mit langen Durststrecken rechnen und euch eure Vorräte gründlich einteilen oder mit Gold aufstocken.

Let's get ready to rumble!

Doch kommen wir endlich zu einem, nein, vielleicht sogar dem wichtigsten Feature von Diablo 3: dem Multiplayer. Insgesamt vier Spieler können sich dabei lokal oder online zusammentun und sich im Kampf gegen Diablos Schergen bewähren. Das funktioniert ganz ähnlich wie auf der PC-Version, bei der ihr eure Battlenet-Freunde einladen könnt, um eurem Spiel beizutreten. Sobald eure Party voll ist, wird auch sehr schnell deutlich, dass das ganze Interface-Design auf diese Art des Spiels ausgelegt ist.

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Wenn man alleine im Endgame unterwegs ist, könnten Abklingzeiten und Co. ruhig etwas großzügiger ausfallen.
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Bekommt man beim Einzelspielermodus noch gelegentlich den Eindruck, die eigene Gesundheit, das Mana oder die Abklingzeit von den Fähigkeiten wären zu dürftig angezeigt in der Ecke des Bildschirms, so versteht man das Konzept umso besser, wenn man mit drei Freunden zusammen loszieht. Dann nämlich ist alles absolut sinnig angeordnet und man ist stets in der Lage, den Überblick über das Geschehen zu behalten.

Und eben dieses sieht auch noch ziemlich gut aus. Selbst bei vier Spielern und mehreren Dutzend Dämonen, Untoten und anderen Kreaturen liefert Diablo 3 eine solide Framerate, bei weniger Action bewegt es sie sich nahe der 60 FPS. Auch die sehr kurzen Ladezeiten sorgen dafür, dass der Spielfluss nahezu kaum unterbrochen wird.