Als ich mit dem Schreiben dieses Textes begann, waren nicht einmal zwei Tage seit der Veröffentlichung von Diablo 3 vergangen. 20 Spielstunden habe ich in diese Zeit gepresst und das meist erwartete Game des Jahres "angespielt". Klar, man könnte auch bereits viel weiter sein. Aber wer will schon hindurch eilen, wenn es so viel zu entdecken gibt?

Um möglichst viele Winkel des Action-Rollenspiels zu erkunden, alle Features so richtig auszuprobieren, haben wir uns extra ein paar Tage mehr Zeit gelassen. Mittlerweile sind über 30 Spielstunden zusammengekommen – nun also unser finaler Test.

Fast zwölf Jahre mussten wir auf die Fortsetzung zu Diablo 2 warten. Etliche jüngere Fans werden das Spiel gar nicht bei seiner Veröffentlichung gezockt haben - geschweige denn den ersten Teil. Doch weshalb hat sich der Name eigentlich so lange im kollektiven Gamer-Gedächtnis ganz oben in der Gunst gehalten? Warum ist Diablo samt seiner Nachfolger so begehrt und gingen die Vorgänger über 17 Millionen Mal über die Ladentheke?

Frustfreies Mausgeklicke

Das Geheimnis des Erfolgs liegt zum einen sicher im zugänglichen Spielablauf begründet, den Blizzard auch bei Diablo 3 kaum geändert hat. Im Gegenteil - vieles wurde sogar zusätzlich simplifiziert, um dem Massenmarktanspruch weiter entgegenzukommen. Die Charakter-Entwicklung der fünf Klassen (vier davon neu) geht jetzt grundsätzlich automatisiert über die Bühne - ihr habt keinen Einfluss mehr darauf, welche Attributspunkte wie verteilt werden.

Diablo 3 - Jetzt endlich: unser finaler Test mit Wertung

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 638/6421/642
So begann auch der Beta-Test - jetzt gibt es das gesamte Schnetzel-Menü.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Bei jedem Levelaufstieg erlernt euer Held neue Talente, die ihr nach Belieben auf die freigeschalteten Tasten legt - und jederzeit austauschen dürft. Damit ist gleichzeitig gewährleistet, dass keine Spielfigur mehr in Sackgassen landet und als "verskillt" gilt.

Das fühlt sich bisher auch sehr geschmeidig an - je nachdem, welcher Spielstil mir näher liegt, wähle ich immer wieder neue Fähigkeiten aus. Oder ich entscheide danach, was für neue Runen ich erhalten habe. Runen sind ein neues Feature, mit dem ihr bestehende Talente um zusätzliche Unterdisziplinen erweitert. Auch sie werden durch Levelfortschritte freigeschaltet. Eines ist der Talentbaum jetzt auf jeden Fall: übersichtlich.

Für viele gilt der "normale" Schwierigkeitsgrad von Diablo als erster Durchlauf zum "Warmspielen". Ich bin etwa in den 20 Stunden nur ein einziges Mal abgekratzt - aus Unachtsamkeit. Aber die Spielbalance ist hervorragend eingestellt - man muss schon aufpassen auf die diversen Fallstricke wie Giftbomben, um nicht plötzlich draufzugehen. Es ist aber auch eine ideale Möglichkeit, ohne großen Stress das Ambiente von Sanktuario aufzusaugen. Denn die Welt ist so atmosphärisch dicht und optisch beeindruckend gestaltet, dass einem oft genug die Kinnlade herunterklappt.

Atmosphärische Dichte

Dabei steigert sich Diablo 3 mit jeder Stunde: Jeder Dungeon oder Abschnitt wirkt opulenter als der vorherige. Vielleicht gewinnt Blizzard keinen Schönheitspreis, wenn es um die absoluten Details der Texturen geht. Aber das Gesamtwerk ist famos: tolle Licht- und Schatteneffekte, Feuer, Nebel, Sandstürme, herumspritzendes Blut- und Gore-Effekte (ja, es geht später ziemlich blutig zu!). Vor allem die Kerker bieten eine herausragende Kulisse für all das hektisch-herrliche Geschnetzel.

Zudem überzeugen die flüssigen Animationen mit unterschiedlichsten Spezialeffekten. Von den phänomenalen Zwischensequenzen gar nicht erst zu sprechen! Es wäre natürlich noch schöner, wenn wir in das Geschehen hineinzoomen und die Kamera drehen könnten. Die Perspektive bleibt aber strikt auf die isometrische Sicht beschränkt. Im Gegensatz zum Vorgänger ist Diablo 3 dafür aber auch in sehr hohen Auflösungen problemlos spielbar.

Packshot zu Diablo 3Diablo 3Release: PC: 15.5.2012
PS3, Xbox 360: 3.9.2013
PS4: 2014
kaufen: ab 13,95€

Und dann der Sound - Wahnsinn, was für einen enormen Produktionsstandard Blizzard hier erreicht! Angefangen bei den erstklassigen deutschen Sprechern, über extrem dichte Kampfgeräusche - feine Schritte, bombastische Schlagfolgen, herunterfallende Gegenstände, raschelnde Pflanzen und rieselnder Sand, das Gurgeln der Monster oder die hallenden Echos. Das ist einfach verdammt fett!

Diablo 3 - Jetzt endlich: unser finaler Test mit Wertung

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 638/6421/642
Der erste große Erfolg, dürfte dem einen oder anderen bekannt vorkommen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Blizzard übertrifft sich auch bei der abwechslungsreichen Gestaltung der fantasievollen Kreaturen ein ums andere Mal selbst: kaum ein Gebiet, das nicht mit neuen schrecklichen Mutationen aufwartet, mit bizarren Absonderlichkeiten der Hölle. Sicher, es gibt auch Standard-Gegner, über die ihr immer wieder stolpert - aber häufig gesellen sich eben neue, widerspenstige Viecher dazu und testen euer Geschick.

Diablo 3 ist der erhoffte Hack `n Slay-Hit, Blizzard schreckt jedoch vor Innovationen zurück.Fazit lesen

Am Spielprinzip hat sich selbstverständlich nicht viel geändert. Besser gesagt: nix. Per Dauergeklicke murkse ich Tausende Feinde ab und versuche dabei nicht selbst über die Klinge zu springen. Einfach, aber bewährt.

Item-Tsunami

Und was lassen die Unwesen nach ihrem Ableben fallen? Genau - Millionen von Gegenständen. Denn das ist - seien wir ehrlich - das Herz von Diablo 3. Kaum ein Spiel feuert die Sammelleidenschaft so nachhaltig an, wie dieses perfide Miststück (Sorry, Blizzard). Es vergehen kaum einmal mehr als zehn Minuten, bis das Inventar aus allen Nähten platzt.

Hier könnte ich mich natürlich darüber aufregen, dass der Beutel viel zu klein ist - tue ich aber nicht. Der Grund: Ich kann jederzeit von jedem Punkt des Spiels zurück in die letzte Siedlung porten, um den ganzen Kram gegen Gold einzutauschen oder auseinanderzunehmen. Im Handumdrehen spielt man Augenblicke später an genau der Stelle weiter, wo man aufgehört hatte. Einziger Wermutstropfen: ein Autolootbutton fehlt leider.

In Diablo 3 braucht ihr übrigens keine Identifizierungszauber für all die besonders guten Gegenstände mehr. Ein Klick genügt, und ihr wisst, wie gut das neue Teil wirklich ist. Hat das Ding einen Sockel? Baue ich es mithilfe des neuen Schmieds oder Juweliers zu noch mächtigeren Items aus? Je mehr Gold ihr in die Ausbildung dieser nützlichen NPCs investiert, desto bessere Objekte stellen sie für euch her.

Diablo 3 - Jetzt endlich: unser finaler Test mit Wertung

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 638/6421/642
Die Cinematics sind wieder mal atemberaubend.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Sie sind jedoch nicht die einzigen Begleiter in Diablo 3. Damit ihr nicht allein durch die dunklen Landen ziehen müsst, gibt es eine ganze Reihe von computergesteuerten Kameraden, die euch auf euren Reisen zur Seite stehen. Ihr dürft jeweils einen festen Waffenkumpel dabei haben, oft gesellen sich noch ein oder mehrere weitere KI-Kumpels hinzu.

Anders als die Söldner vergangener Zeiten rüstet ihr den Templer, den Dieb oder die Zauberin aber nicht nur mit individuellen Gegenständen aus, ihr verseht sie auch mit ihren eigenen Fertigkeiten und Talenten. Und optimiert die Helfer damit hinsichtlich eures persönlichen Spielstils.

Was ich nicht wirklich toll finde, ist die Pflicht zur permanenten Internet-Verbindung. Aber bei einem Spiel, dessen Features mittlerweile so viele Online-Komponenten enthalten, kann ich den Schritt zumindest nachvollziehen. Nach dem Schluckauf der Launch-Nacht hatte ich zudem weder Login-Probleme noch Lag-Störungen. Momentan scheint die Sache sehr rund zu laufen.

Nach der Anfangseuphorie...

Nach knapp über 30 Stunden habe ich schließlich den Abspann gesehen. Sicher ist es möglich, Diablo 3 auch viel schneller zu beenden. Doch dann lässt man unweigerlich viele Nebenquests, Zufallsevents und etliche "unwichtige" Dungeons links liegen. Und verzichtet dabei mitunter auf wichtige Handlungselemente. Über zu geringen Umfang sollte sich also niemand beschweren können.

Allerdings ist die Anfangs-Euphorie doch ein wenig verraucht, erscheint der vierte und letzte Akt fast überstürzt dem Ende zuzuhecheln. Die Wendungen innerhalb der Geschichte dürften außerdem kaum jemanden überraschen. Die Handlung selbst ist aber zumindest interessanter inszeniert als beim Vorgänger, nur teilweise etwas spröde umgesetzt. Dagegen beherrscht es Blizzard aber meisterhaft, den Spielablauf unglaublich flüssig und ohne Stolperer umzusetzen. Ladepausen? Gibt es praktisch keine. Der Übergang von einem Dungeontrakt zum nächsten erfolgt im Nu - lästige Wartezeiten gibt es nur, wenn die Server streiken.

Und natürlich kann es nerven, wenn man Diablo 3 nicht spielen kann, weil es gerade Wartungsarbeiten gibt. Doch dass die Blizzard-Server dem gewaltigen Ansturm nicht gewachsen sein würden, war im Grunde abzusehen. Erstaunlich ist nur, wie lange sie benötigt haben, um die Probleme halbwegs in den Griff zu kriegen. Auf unsere Wertung wirken sich diese zwar nicht aus, mit zahllosen 1-Sterne-Bewertungen auf amazon bekam Blizzard allerdings eine saftige Quittung aufgebrachter Fans.

Diablo 3 - Jetzt endlich: unser finaler Test mit Wertung

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 638/6421/642
In Spielgrafik sieht er weniger imposant aus, aber hier macht die gelungene Gesamtgestaltung den Reiz aus.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Aber zurück zum Spiel. Je weiter ich kam, desto mehr gefiel mir jedoch das Fertigkeiten-System, das mir mit seiner Aufgeräumtheit gleichzeitig viele Freiräume und Experimente ermöglicht. Nach dem ersten Durchspielen konnte ich auch endlich würdigen, dass verschiedene Charaktere sich den Geldbeutel und die Truhe, aber auch die aufgelevelten Handwerker teilen. Ausnahme: der Hardcore-Modus. Wer das Wagnis eines endgültig sterblichen Helden eingeht, bekommt keinerlei Erleichterungen und muss bei null anfangen.

Ein Ärgernis ist offenbar, dass es Blizzard mit der Ausstattung unserer Spielfiguren nicht genau zu nehmen scheint. So gibt es zwar bestimmte Restriktionen bei der Nutzung von Gegenständen, doch es mutet schon arg merkwürdig an, wenn der Hexendoktor mit Schwert und Schild und Zauberer mit Tankklamotten herumlaufen. Das ist arg inkonsequent und raubt einen Teil der Atmosphäre - von Balancingproblemen ganz zu schweigen.

Diablo 3 - Unsere Eindrücke vom Launch-Event152 weitere Videos

Bis heute hat Blizzard außerdem einige Features noch gar nicht geliefert: so fehlt zum einen das Echtgeld-Auktionshaus. Zum anderen warten wir immer noch auf den PvP-Modus. Während ich auf Ersteres gut verzichten kann, nagt die Abwesenheit der Spieler-gegen-Spieler-Wettkämpfe doch schon an mir.