Diablo 3 erscheint in wenigen Monaten. Endlich! So viele Fans warten seit Jahren darauf und die bevorstehende Beta dürfte den Hype rund um das Monstergeschnetzel noch einmal kräftig anheizen. Das neueste Spielvideo macht ebenfalls Lust auf mehr, sogar altvertraute Sounds haben die letzten zehn Jahre überstanden – so lange ist es nämlich her seit dem letzten Diablo.

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Was hat sich nicht alles verändert im vergangenen Spiele(r)-Jahrzehnt. Die Spieler sind erwachsener (nun ja, zumindest auf dem Papier) und MMOs salonfähig geworden. Die meisten Spiele werden online gespielt und die allermeisten Gamer haben zumindest mal einen Blick in World of Warcraft geworfen.

In den vergangenen Jahren konnte sich aber besonders ein Trend so richtig durchsetzen. Der Free-2-Play-Wahnsinn hat uns förmlich überrollt, das vermeintlich kostenlose Spielen hat die MMO-Berührungshemmschwelle vieler Spieler auf ein Minimum reduziert – downloaden, zocken, fertig. Wie finanzieren sich solche Games? Klar, wir wissen es alle: Item-Selling ist das Gebot der Stunde. Man kann sich ein wenig mehr Erfahrung kaufen, man kann seinen Avatar verschönern und man kann seinem Segelschiff eine andere Farbe verpassen. Und das alles gegen ein paar lumpige Euro. Firmen wie Gameforge oder Bigpoint sind damit zu Schwerverdienern geworden.

Diablo 3 - Blizzard lässt die Spieler handeln

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Trotz erster Gehversuche im Item-Selling: Blizz will die Free-2-Play-Weste sauber halten.
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Die Rechnung ist einfach: In der Industrie ist es üblich, von einer Konversionsrate von ca. zehn Prozent für ein Client-basiertes MMO auszugehen. Nehmen wir also an, ein Spiel hat 200.000 Spieler. Davon geben 20.000 Spieler monatlich ungefähr 20 Euro aus. Macht 400.000 Euro Umsatz pro Monat. Betreibt man eine ganze Reihe solcher Spiele, ist das schnell ein sehr einträgliches Geschäft und kein schlechter Verdienst für ein paar Zeilen Programmcode.

Auch Blizzard hat erste Erfahrungen mit Item-Selling gesammelt. Das eine oder andere Flugtier für World of Warcraft konnte man gegen 20 Euronen im hauseigenen Blizzard-Store erwerben. Die Warteschlange zeigte irgendwas um die 20.000 an - für Europa, versteht sich. Den Rest der einfachen Rechnung kann jeder für sich selber machen.

Packshot zu Diablo 3Diablo 3Release: PC: 15.5.2012
PS3, Xbox 360: 3.9.2013
PS4: 2014
kaufen: ab 23,49€

Ein richtiger Item-Seller ist Blizzard damit aber nicht. Bewusst lässt man kostenpflichtige Items nur sehr selten zu, um gar nicht erst den Vergleich mit anderen Anbietern solcher Spiele antreten zu müssen. Blizzard versucht eine saubere Free-2-Play-Weste zu behalten, aber ob das immer so sein wird, steht in den Sternen. Zumindest World of Warcraft wird sicherlich nicht mehr zu einem Free-2-Play-Spiel umgewandelt werden.

Aber nun kommt Diablo 3. Und seit heute wissen wir, dass Blizzard bereits im Vorfeld Anbieter wie Ebay und Co. auszuschließen versucht, indem man Item-Handel unter Spielern für echtes Geld zulässt. Das virtuelle Auktionshaus wird also zu einer richtigen Börse. Angebot und Nachfrage werden die Preise bestimmen – Europreise versteht sich. Und gewitzte Spieler (mit viel Zeit oder Farmbots) werden sich damit eine goldene Nase verdienen.

Blizzard wird damit jedoch erneut nicht zum Item-Seller. Schließlich bietet der Hersteller keinerlei Gegenstände zum Verkauf an, das überlässt man ausschließlich den Spielern. Man kassiert lediglich eine kleine Gebühr – für das Bereitstellen des virtuellen Auktionshauses.

Was ist davon zu halten? Nun, die Antwort ist einfach. Blizzard möchte mitverdienen am lukrativen Geschäft des Item-Sellings. Verständlich, ein Unternehmen ist schließlich auf Profit ausgerichtet und nicht auf Wohltäterschaft. Der kalifornische Hersteller weiß, dass er gegen das Millionengeschäft Item-Handel nicht ankommt – also nutzt er dessen Möglichkeiten selber. Ein absolut verständlicher Schritt, alles beruht außerdem auf freiwilligem Handel, und kein Spieler dieser Erde muss dieses Angebot überhaupt nutzen. Aber es bleibt ein bitterer Beigeschmack.

Diablo 3 - Blizzard lässt die Spieler handeln

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Die unternehmerische Kultur bei dem einstmals so beliebten Entwickler hat sich verändert. Die Fusion mit Activision und seinem aufgrund einiger unglücklicher Aussagen nicht gerade beliebten Oberindianer Bobby Kotick hat da sicherlich auch nicht gerade gutgetan – aus Spielersicht wohl gemerkt.

Blizzard ist heute ein großer Konzern mit mehreren tausend Mitarbeitern. Die Kosten sind gewaltig und man muss immer wieder nach Möglichkeiten suchen, dieses Unternehmen überhaupt finanzieren zu können. Da kommt ein virtuelles Auktionshaus, in dem sich Spieler gegenseitig das Geld aus der Tasche ziehen, ganz recht. Und man behält seine reine Free-2-Play-Weste.

Wie werden uns daran gewöhnen. Aber irgendwie ist aus dem einstigen Kultentwickler und seinen tollen Spielen ein umstrittener Koloss geworden, der durch seine Entscheidung „Items gegen harte Dollars“ unsympathisch wirkt. Unsympathischer jedenfalls als vor zehn Jahren.

Aber Geld verdirbt eben jeden Charakter. Spielen werden wir Diablo 3 selbstverständlich trotzdem. Und wer weiß, ob man nicht selber doch mal zehn Euro für das Item springen lässt, das man seit Monaten sucht…