Nachwuchs
Noch während Diablo seinen unaufhaltsamen Siegeszug antritt, rauchen im Sommer 1997 unweit von Irvine in Washington die Köpfe: Der einstige Publishing- und Entwickler-Gigant Sierra Entertainment liegt im Sterben und braucht dringend finanzielle Neustarthilfe – was käme da gelegener, als sich vom ertragreichen Diablo-Kuchen eine ordentliche Scheibe abzuschneiden?
Bösewicht Na-Krul war der neue Obermotz im Hellfire-Addon.Um die eigenen Produktionskosten relativ gering zu halten, beauftragt man die winzige Sierratochter Synergistic Software mit der Programmierung des Diablo-Addons „Hellfire“. Doch Blizzard gibt sich hartnäckig: Zwar lässt man sich für viel Geld die Lizenz bezahlen, verweigert aber ansonsten jegliche Schützenhilfe. So verbietet man Sierra etwa die Verwendung des Diablo-Quellcodes auf der Hellfire-CD – ein Umstand, der für erhebliche Probleme sorgen soll.
Im November steht sie dann in den Läden: die einzige je von Blizzard genehmigte Zusatz-CD. Die schwierigen Umstände der Produktion sind „Hellfire“ jedoch anzumerken: Schon die Installation ist extrem umständlich, der Speicherbedarf auf der Festplatte (140 MB) für damalige Verhältnisse ein Unding. Durch unglückliche Datenverteilung sorgen vor allem ständige Performance-Einbrüche für Unmut.
Die schleimigen Insektenlevel schaute sich Blizzard später für den offiziellen Nachfolger ab.Auf der Habenseite lockt Hellfire die Diablo-Fans zwar mit neuen Inhalten wie dem Mönch oder Bösewicht Na’Krul, ansonsten besticht man aber eher durch Minimalismus: Bugs, Leichtsinnigkeiten und andere Ärgernisse vermitteln immer wieder den Eindruck, man habe das Addon unter Zeitdruck entwickelt. Für viele Spieler unverzeihlich: Eine LAN- bzw. Online-Funktion wurde nicht implementiert.
Die Fans waren verärgert, in wütenden Forenbeiträgen stellte man immer wieder eine Frage: Warum macht es Blizzard dann nicht lieber selbst? Die Antwort sollte sich erst ]zwei Jahre später klären: Während sich die Hack & Slay-Gemeinde noch durch die unfertigen Levels von Hellfire ärgerte, arbeitete man in Kalifornien längst an der nächsten Evolutionsstufe des Diablo-Universums.
Lest weiter in Teil 2 unserer Diablo History: Blizzard übertrifft sich selbst – Der Nachfolger „Diablo 2“ und dessen Addon „Lord of Destruction“ übertrumpfen ihre Vorgänger in Punkto Erfolg und Kritik um ein Vielfaches. Außerdem: Wir beleuchten die Bedeutung der Diablo-Reihe für das Rollenspiel-Genre und gehen der Frage nach, weshalb sämtliche Nachahmer nur als Diablo-Klone bezeichnet werden.
























