Nachdem wir im ersten Teil unserer Diablo-History die Entstehungsgeschichte des Action-RPGs portraitiert haben, konzentrieren wir uns dieses Mal ganz auf den genialen Nachfolger und das meisterliche Addon „Lord of Destruction“. Außerdem gehen wir dem Phänomen der Diablo-Klone auf die Spur und sagen, wie sich das beliebteste Hack & Slay aller Zeiten heute spielt.

Diablo auf die Ohren: Die komplette Diablo-History gibt es auch als gamona Podcast. Hier klicken!

Diablo - Intro Movie (1996)

Der ewige Zweite

Angestachelt vom Erfolg des ersten Diablos begibt sich das Ur-Team bei Blizzard North schon kurz nach dem Release in die Planungsphase. Der Weg ist klar: Ein Nachfolger muss vor allem eines werden: größer, schöner und besser. Für die Öffentlichkeit wird das Projekt – mittlerweile typisch für Blizzard – lange Zeit geheim gehalten. Einzig der Arbeitstitel des ominösen neuen Spiels macht schnell die Runde: The Calling.

Diablo History - Teil 2 - Die Geschichte der Diablo-Reihe - Teil 2: Der legendäre Nachfolger und die Folgen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/9Bild 19/271/27
Mit Lord of Destruction kam Baal als neuer Bösewicht hinzu.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Am 29. Juni 2000, also drei Jahre nach Diablo, steht die ersehnte Fortsetzung in den Läden – zwar mit erheblicher Verspätung, dafür aber in nahezu perfektem Zustand. Anders als das durchwachsene Hellfire kommt Diablo 2 quasi fehlerbereinigt in die Läden, allein der schiere Umfang der Einzelspielerkampagne ließ selbst hartnäckige Kritiker verstummen. Wieder einmal zückt die Presse Höchstwertungen.

Neben unzähligen Auszeichnungen zum (Rollen-)Spiel des Jahres, einem Ehrenpreis für das beste Sound- und Musikdesign und Wertungen jenseits der 90 Prozent-Marke darf sich Diablo 2 als Mitglied der MacWorld Hall of Fame bezeichnen. Jay Turner, Redakteur der US-Gamepro, erklärt den Hype folgendermaßen: „Jeder, der sich irgendwann einmal ein Action-RPG kaufen wollte, sollte in den nächsten Laden rennen und seine Seele für dieses Spiel verkaufen.“

Diablo History - Teil 2 - Die Geschichte der Diablo-Reihe - Teil 2: Der legendäre Nachfolger und die Folgen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/9Bild 19/271/27
Diablo 2 bot alles, was den Vorgänger ausmachte - und setzte in vielerlei Hinsicht noch eins drauf.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und genau das machen die Spieler: Innerhalb der ersten zwei Wochen wandert Diablo 2 über eine Millionen Mal über die Ladentheke und wird sogar ins Guiness Buch der Rekorde aufgenommen - als am schnellsten verkauftes Computerspiel aller Zeiten. Ein Rekord der kurze Zeit später von Warcraft 3 eingestellt wird und aktuell von World of Warcraft: The Burning Crusade gehalten wird – es bleibt also in der Familie.

Am 29. August 2001 meldet Blizzard ganze vier Millionen verkaufte Exemplare. Damit überholt Diablo 2 seinen Vorgänger um ein Vielfaches. In der Liste der meistverkauften Spiele aller Zeiten ruht die zweite Dämonenhatz seither auf dem zehnten Platz. Die Zahlen dürften künftig noch steigen: Kurz nach der Ankündigung von Diablo 3 stieg die Diablo-Reihe wieder in den deutschen Verkaufscharts ein.

Sucht als Prinzip

Die Gründe für diesen immensen Erfolg sind so vielfältig wie nahe liegend: Blizzard behält das bewährte Spielprinzip zwar bei, setzt aber verstärkt auf Zugänglichkeit und verbesserte Bedienerführung. Schon damals ergibt sich eine bis heute erprobte Blizzard-Formel: Einfach starten, sofort losspielen. Zudem verfeinern die Irviner das Original, wo es nur geht – Story, Grafik und Umfang verschmelzen zu einem genialen Ganzen.

Diablo History - Teil 2 - Die Geschichte der Diablo-Reihe - Teil 2: Der legendäre Nachfolger und die Folgen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/9Bild 19/271/27
Viele neue Quests führten Richtung Areat, dem Versteck des Weltsteines.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Vor allem ein Schraube zieht das clevere Entwicklerteam besonders an: Die Suchtspirale wird durch 99 Charakterstufen, sockelbare Gegenstände, kombinierbare Runenwörter, Edelsteine verschiedener Qualitätsstufen, Glücksspielhändler und unendlich viele Gegenstände ins Unmessbare getrieben. Bis heute Kult unter den Fans: Mit dem Horadrim-Würfel konnte man bestimmte Gegenstände miteinander kombinieren und Rezepte austüfteln.

Trotzdem ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht, mit der Erweiterung „Lord of Destruction“ liefert Blizzard noch einmal Inhalte nach. Das Addon erscheint auf den Tag genau ein Jahr nach Diablo 2 – anders als Diablo: Hellfire ist LoD jedoch keine Lizenzarbeit. Dank neuer Heldenklassen und einem frischen Akt wird auch die Erweiterung zum Hit, viele Kritiker bezeichnen Lord of Destruction noch heute als bestes Addon aller Zeiten.

Diablo History - Teil 2 - Die Geschichte der Diablo-Reihe - Teil 2: Der legendäre Nachfolger und die Folgen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/9Bild 19/271/27
Legendär: Das Cow Level galt zunächst als Gerücht, wurde spaßeshalber aber von Blizzard in Teil 2 implementiert.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Erstmals in der Diablo-Historie darf man das Action-RPG nun auch in einer Auflösung von 800 x 600 Bildpunkten spielen. Ein Problem kriegt jedoch auch die Erweiterung nicht in den Griff: Im Battle.Net tummeln sich ganze Scharen von Spielern, die ihre Charaktere per Bot hochleveln, besonders verhasst sind die so genannten „Duper“. Durch spezielle Methoden lassen sich so besonders rare Gegenstände im Spiel ganz einfach vervielfältigen.

Meisterliches Flickwerk

Selbst nach acht Jahren hat der Diablo-Kult nichts von seiner Zugkraft verloren. Auch weil Blizzard sich weiterhin um ihr Baby kümmern. Während erste Patches lediglich Fehler bereinigen und Battle.Net-Problematiken bereinigen, packen die Irviner mit Update 1.10 einen echten Hammer aus: Am 29. Oktober 2003 veröffentlich Blizzard nach zwei Jahren Entwicklungszeit sogar gänzlich neue Inhalte für „Lord of Destruction“.

Diablo History - Teil 2 - Die Geschichte der Diablo-Reihe - Teil 2: Der legendäre Nachfolger und die Folgen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/9Bild 19/271/27
Dank der Synergien wurde Skills der gleichen Art zusätzlich verstärkt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Neben neuen Gegenständen begeisterten vor allem die nagelneuen „Synergien“. Dieses System hatte großen Einfluss auf die Talentbäume der Charaktere, da bereits ausgewählte Talente die Fähigkeiten im unteren Teil der Skilltrees nun zusätzlich verstärkten. Manche Klassen spielten sich so auf einmal völlig anders, zudem kam plötzlich eine ungeahnte taktische Komponente ins Spiel.

Außerdem fügte man den ersten Weltevent ins Spiel ein, den viele Spieler bis heute nie zu Gesicht bekamen: Wurde auf einem Server eine bestimmte Anzahl der mächtigen Steine von Jordan an die NPCs verkauft, erschien die Nachricht „Diablo walks the Earth“. In einem zufällig ausgewählten Spiel konnte dann Über-Diablo erscheinen und bei seinem Ableben den Annihilus-Zauber droppen.

Diablo History - Teil 2 - Die Geschichte der Diablo-Reihe - Teil 2: Der legendäre Nachfolger und die Folgen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/9Bild 19/271/27
Der Annihilus-Zauber war zählt zu den begehrtesten Items in Diablo 2.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Später sollte Patch 1.11 noch einmal für Aufsehen sorgen: Mit Über-Tristram implementierten die Entwickler ein neues Event, in dem sich jeder Spieler den vielfach verstärkten Versionen der großen Übel stellen mussten. Besonders knifflig: Über-Diablo, Über-Baal und Über-Mephisto griffen gleichzeitig an. Als Belohnung winkte der Hellfire-Zauber sowie eine Heldenstandarte. Kurz vor der diesjährigen WWI in Paris entfernte Patch 1.12 übrigens den Diablo 2-Kopierschutz – ab sofort darf man das Kultspiel auch ohne CD-ROM spielen.

Angriff der Klonkrieger

Rückblickend wird der Diablo-Reihe heute die Funktion des Rollenspiel-Retters zugeschrieben. Tatsächlich inspirierte der immense Erfolg von Diablo 1 und seinem Nachfolger auch andere Hersteller, wieder Fuß in diesem totgesagten Genre zu fassen. Was zu einem recht skurrilen Phänomen führte: Sämtliche Vertreter des Action-RPG-Subgenres werden bis heute verächtlich als Diablo-Klon bezeichnet.

Diablo History - Teil 2 - Die Geschichte der Diablo-Reihe - Teil 2: Der legendäre Nachfolger und die Folgen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/9Bild 19/271/27
Das durchaus gute Nox stammt von den Westwood-Studios.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Denn Nachahmer, die auf den schier unaufhaltsamen Hack&Slay-Zug aufspringen wollen, gibt es zur Genüge: Das deutsche „Technomage“ etwa bietet kurz nach Diablo 2 schon 3D-Grafik, das spaßige „Nox“ von den Westwood-Studios kopiert zwar frech aber gelungen die Blizzard-Tugenden. Erst sehr viel später erscheinen mit „Dungeon Siege“ und „Sacred“ auch einige Titel, die mehr als bloße Zitatverwertung betreiben.

Trotz der immensen Fülle an „Diablo-Klonen“ schafft es keiner der Titel seinem geistigen Vater gerecht zu werden: Von mittlerweile über 30 erhältlichen Action-RPGs gelingt es keinem einzigen Spiel, Diablo bei Fans und Kritikern den Rang abzulaufen. Einzig das ambitionierte „Titan Quest“ erreicht ähnliche Wertungsregionen – die stimmige Atmosphäre und Tiefe des Blizzard-Originals erreicht die Sagenwelt-Metzelei jedoch nie.

Diablo History - Teil 2 - Die Geschichte der Diablo-Reihe - Teil 2: Der legendäre Nachfolger und die Folgen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/9Bild 19/271/27
Titan Quest war einer der wenigen Konkurrenten, die an Diablo anschließen konnten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wie schon so oft scheint es für das „legitime Nachfolger“-Problem nur eine Lösung zu geben: Blizzard muss eben selbst nachlegen. Für 2010 kündigt sich mit „Diablo 3“ endlich die Ablöse auf dem Genrethron an, an der sich andere Spieleteams seit Jahren chancenlos versuchen. Diablo-Klone, darüber lässt sich mit Sicherheit nicht streiten, wird es weiterhin geben – Konkurrenz belebt den Wettbewerb. Und Wettbewerb bedeutet für uns Spieler: höllisch viel Spaß!