Furchteinflösende Dämonenscharen, Tod und Verderben. Das ist die Devil May Cry-Serie, die nun schon seit sechs Jahren PlayStation-Spieler rund um den Globus in ihren Bann zieht. Verantwortlich dafür ist vor allem die unglaubliche Coolness von Dante, der sich in rasender Geschwindigkeit und mit viel Engagement durch die anrückenden Monsterhorden metzelt.

Mit Devil May Cry 4 lehnen sich die Entwickler von Capcom nun wieder ein wenig weiter aus dem Fenster und wollen der Serie mit Jungspund Nero zu neuen Höhenflügen verhelfen. Ob sich das teuflische Halbdämonen-Duo im vierten Teil des Franchise durchsetzen kann und ob der Titel auf der Xbox 360 ein furioses Debüt feiert, erfahrt ihr in unserem Review.

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Es ist schon verwunderlich, welchen Weg Capcom mit dem vierten Teil der Serie einschlägt: Da erschuf die japanische Spieleschmiede im Jahr 2001 mit Dante einen eiskalten Dämonenjäger, der im Laufe seiner Abenteuer zu einem der wohl coolsten Videospielcharaktere mutierte, um in Devil May Cry 4 von einem jungen, unerfahrenen Ritter namens Nero auf den zweiten Platz verdrängt zu werden.

Devil May Cry 4 - Style über alles: Auch beim vierten Teufelstanz gibt es keinen Grund für Spielertränen.

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Die Zwischensequenzen sehen bombastisch aus.
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Klar, Dante bleibt den Fans weiterhin als spielbare Figur erhalten, rückt aber bis zur Mitte des Spiels in den Hintergrund. Aber genau das scheint es zu sein, was Capcom mit dem Charakterwechsel bezwecken wollte. Schließlich präsentierte sich Dante immer wieder als egozentrisches Großmaul und hinterließ dabei einen eher oberflächlichen Eindruck beim Spieler. Und Oberflächlichkeit ist keine Charaktereigenschaft, die man Nero guten Gewissens nachsagen könnte.

Der bietet nämlich Emotionen, Zuneigung zur schönen Kyrie und Selbstzerissenheit, was seine dämonische Seite anbelangt. Nero ist also das genaue Gegenteil zu Dante. Wer jetzt allerdings denkt, Devil May Cry 4 verfällt mit seinem neuen Charakter zu einer romantischen Schnulze in einem apokalyptischen Setting, der irrt sich. Nero bringt lediglich frischen Wind mit sich und verhilft der Geschichte zu mehr Tiefgang.

Packshot zu Devil May Cry 4Devil May Cry 4Erschienen für PS3, Xbox 360 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Story mit Biss

Überhaupt präsentiert sich die Story des vierten Devil May Cry-Ablegers äußerst abwechslungsreich. Zum einen gibt es da die Liebesgeschichte zwischen Nero und Kyrie, zum anderen die ewige Frage nach Gut und Böse. Und genau das sorgt für ungebrochene Motivation, schließlich erlebt man so neben der einen oder anderen Überraschung auch durchweg spannende Momente.

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Die Frau der Begierde: Kyrie ist Neros Herzdame.
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Dass die Geschichte einen dermaßen packenden Eindruck hinterlässt, ist aber vor allem den hochkarätigen Zwischensequenzen zu verdanken. Mehr als eine Stunde Filmmaterial haben die Entwickler zusammengetragen, um die Story mit dem Gameplay zu verbinden. Zur Ausgabe der Sequenzen kommt die Grafikengine des Spiels zum Einsatz, die euch aufgrund detailverliebter Charaktergestaltung und einer hervorragenden Kameraführung immer wieder vor den Bildschirm fesselt.

Devil May Cry 4 kann aber nicht nur allein durch die Story überzeugen. Das Hauptaugenmerk liegt – wie schon bei den Vorgängern – immer noch auf den eindrucksvollen Actioneinlagen. Hier baut Nero auf das gleiche Prinzip, das Kollege Dante schon in den drei Vorgängertiteln etablieren konnte: ein eingängiges Kampfsystem kombiniert mit aberwitzigen Manövern und schneller Action. Vom Buttonsmasher bis zum eingefleischten Tekken-Fetischisten wird hier eine breite Riege an Action-Fans bedient.

Action vom Feinsten

Einige Mankos bringt das Ganze dann doch mit sich, weil sich im Kern eigentlich nicht viel geändert hat: Ihr bewegt euch mit euren Protagonisten immer noch durch lineare Levelstrukturen, die wieder und wieder von magischen Sperren durchzogen werden. Ihr müsst euch also erst den Gegnern eines bestimmten Abschnittes stellen, bevor ihr eure Reise durch die Fantasy-Welt fortsetzen könnt.

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Die Dschungel-Idylle ist trügerisch: In jedem Abschnitt lauert atemlose Nonstop-Action.
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Veteranen unter euch werden sich aber erst einmal an Neros Kampfstil gewöhnen müssen. Spätestens hier wird nämlich ersichtlich, dass die spielerischen Unterschiede zwischen den beiden Charakteren größer sind als ursprünglich angenommen. So verfügt Nero im Gegensatz zu Dante nicht über Stilvarianten, die seine Angriffe beeinflussen. Stattdessen darf der Jungspund auf einen Dämonenarm zurückgreifen, mit dem er Gegner aus größerer Entfernung an sich heranziehen kann, um ihnen dann mit einem vorgeskripteten Move den Garaus zu machen. Damit aber nicht genug: Mit Hilfe des mutierten Arms kann sich Nero auch über Abgründe schwingen und in der Entfernung versteckte Items einsacken.

Devil May Cry 4 ist ein Action-Feuerwerk der Extraklasse, das in keiner Sammlung fehlen darf.Fazit lesen

Sein Potential entfaltet der dämonische Grabscher vor allem in den Bosskämpfen, die wie schon in den Vorgängern aufwändig inszeniert, spannend und fordern sind. Glücklicherweise hat Capcom hier den teils frustrierenden Schwierigkeitsgrad des Vorgängers deutlich entschärft, so dass ihr mit der richtigen Taktik eigentlich immer als eindeutiger Sieger aus dem Kampf hervorgeht.

Am Ende einer jeden Mission präsentiert euch das Spiel dann ein Abschlusszeugnis, in dem unter anderem euer Stil und das Tempo zu einer Gesamtnote addiert werden. Je höher diese Note ist, desto mehr Aufrüstungspunkte werden euch gutgeschrieben. Damit ist es euch schließlich möglich, euren Charakter mit neuen Fähigkeiten auszustatten und weitere Combos zu erlernen. Solltet ihr für einen Levelabschnitt hingegen eine spezielle Fähigkeit benötigen, habt dafür aber nicht genug Aufrüstungspunkte zur Verfügung, könnt ihr sie jederzeit durch das Deaktivieren der Skills wieder eurem Konto gutschreiben lassen.

Play it again, Dante

Während ihr in der ersten Hälfte des gut zwölfstündigen Abenteuers mit Nero zu Felde zieht, dreht sich das Blatt ab einer bestimmten Mission. Dann schlüpft ihr in die Haut von Dante, um der Höllenbrut das Fürchten zu lehren. Allerdings gibt es hier einen gewaltigen Negativpunkt: Sobald ihr die Steuerung von Dante übernommen habt, müsst ihr die gleichen Levels absolvieren, in denen ihr schon mit Nero für Recht und Ordnung gesorgt habt – nur in umgekehrter Reihenfolge.

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Die Zwischengegner sind wie immer imposant und bildschirmfüllend.
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Dabei fallen sogar die wenigen Rätseleinlagen weg. Beispielsweise müsst ihr jetzt kein Brettspiel mehr absolvieren, sondern euch durch Missionen schlagen, die mit Zeitlimits, ständig sinkender Lebensenergie durch Giftgas oder nervigen Teleporterpassagen versehen wurden. Damit aber nicht genug: Auch die Bossgegner müssen ein weiteres Mal erledigt werden, um wieder zum Ausgangspunkt eurer Odyssee zu gelangen.

Grafische Referenzklasse

Über dieses dreiste Levelrecycling kann eigentlich nur die wunderschöne Grafik von Devil May Cry 4 hinwegtrösten. Hier muss vor allem der Gestaltung der Charaktere großes Lob ausgesprochen werden, die noch nie so schaurig schön und detailverliebt aussahen, wie es hier der Fall ist. Das trifft aber auch auf die Umgebung zu: Abwechslungsreiche Texturen sorgen für eine plastisch wirkende Welt, die von der schönen Beleuchtung ins richtige Licht gesetzt wird.

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Erst in der Nahaufnahme erkennt man, wie detailverliebt die Figuren gestaltet wurden.
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Selbst übertroffen haben sich die Mannen von Capcom hingegen bei ihren Effekten. Sei es ein Schneesturm in einer unwirklichen Eiswüste, ein tosender Regenfall in einer tropischen Umgebung oder einfach nur Nebelschwaden. Auf einer Konsole hat man bisher nichts Besseres gesehen. Dabei bleibt die Framerate durchgehende konstant. Nur äußerst selten kommt es zu Geschwindigkeitseinbrüchen. Negativ fallen eigentlich nur die Schatteneffekte auf, die bei Umgebungsobjekten und Hauptdarstellern im Vergleich zur Restoptik ziemlich grob aufgelöst wirken.

Soundtechnisch zeigt sich Devil May Cry 4 von seiner besten Seite. Die einzelnen Schauplätze werden von hörenswerten Orchestralklängen untermalt, die nur in Kampfszenen verstummen. Dann kommt Zombie-Rock zum Einsatz, der euch zu Höchstleistungen im Gefecht anspornt. Auch die englische Sprachausgabe weiß zu überzeugen. Aber keine Angst: Wer des Englischen nicht mächtig ist, der verfolgt die Story eben über die eingeblendeten deutschen Untertitel. Bleibt lediglich noch die Steuerung als Manko zu nennen, die kamerabedingt leider häufiger versagt, weil sich die Szene zusammen mit der Perspektive ändert.