Auch wenn man als PC-Spieler mittlerweile nicht mehr so wirklich begünstigt ist, haben doch viele Spieleentwickler wenigstens ein Einsehen und veröffentlichen die besten Konsolentitel – wenn auch mit gigantischer Verspätung – für die Heimcomputer. Assassin’s Creed oder Mass Effect ließen dabei ganze sechs Monate auf sich warten, sorgten aber mit liebevollen Portierungen für Genugtuung.

Dass derart sorgfältige Umsetzungen keinesfalls zum Standard gehören, bewies Capcom vergangenes Jahr mit einer lächerlichen Resident Evil 4-Version, die dem genialen Konsolenoriginal nicht mal im Ansatz das Wasser reichen konnte. Jetzt melden sich die Herren zurück, um auch PC-Spieler in den Genuss der sagenhaft coolen Dämonenjagd Devil May Cry 4 zu bringen. Ein erneuter Fehlschlag?

Devil May Cry 4 - L'Arc en Ciel6 weitere Videos

Die Definition von cool

Coolness – wie misst man so etwas überhaupt? Ist es cool, selbst für die absurdesten Situationen immer einen frechen Spruch auf den Lippen zu haben? Oder mit dem Schwert durch riesige Dämonenhorden zu fegen und dabei kaum die Miene zu verziehen? Wenn es nach Devil May Cry 4 geht, lässt sich diese Fragen nur mit einem klaren „Yeah bro’“ beantworten.

Devil May Cry 4 - Tanz der Teufel auf dem PC

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 232/2381/238
Atomic: Nur wer besonders cool kämpft erhält ein hohes Style-Rating.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das Hochgeschwindigkeits-Spektakel legt nun schon zum nunmehr vierten Mal die Messlatte für bitgewordene Coolness auf ein neues Höchstmaß. Mit Charakteren, die abgebrühter gar nicht sein könnten. Mit humorigen Dialogen, die vor Charme und Witz nur so sprühen und mit Kämpfen, für die das neumodische Wörtchen „stylisch“ wahrscheinlich extra erfunden wurde.

Devil May Cry 4 wirft im Gegensatz zu den Vorgängern gleich zwei Akteure ins Geschehen: Nero (sehr cool) und Serien-Veteran Dante (ultracool). Anfangs noch im Clinch, müssen die beiden Streithähne sich im Verlauf der Geschichte gegen eine dunkle Verschwörung zusammenrotten. Dank zahlreicher Wendungen und wahrlich gigantischer Schauerwerte wird es zum Glück nie langweilig.

Devil May Cry 4 - Tanz der Teufel auf dem PC

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden6 Bilder
Tragisch: In den toll inszenierten CutScenes geht es dramatisch zur Sache.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Story bietet dabei feinsten Japano-Kitsch: Hier eine alles bedrohende Supermacht, da eine dramatische Liebesgeschichte und Heldentode dürfen natürlich auch nicht fehlen. Erzählt wird das Ganze in wunderbar inszenierten Zwischensequenzen, die einem Metal Gear Solid beinahe in nichts nachstehen (dafür aber wesentlich kürzer sind). Besonders lobenswert sind dabei die geschmeidigen Animationen.

Metzeln mit Stylefaktor 12

Was so ein richtig cooler Held sein will, muss natürlich auch ordentlich was auf dem Kasten haben. Womit wir beim Kernfeature von Devil May Cry angelangt wären: dem möglichst effektiven und stylischen Zersäbeln von Monstern, Dämonen und anderem Gekreuch. Einfach drauf hauen fällt nämlich flach – gut aussehen muss das Ganze nämlich obendrein, um höhere Style-Ränge zu erreichen und so euer Punktekonto zu erhöhen.

Devil May Cry 4 - Tanz der Teufel auf dem PC

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 232/2381/238
Gemeinsam ist man stärker: Zunächst stehen sich Nero und Dante gegenüber, später müssen sie sich verbünden.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zunächst schlüpft ihr dabei in die Haut von Jungspund Nero. Bewaffnet mit einem Schwert, das wahrscheinlich selbst Arnie zu seinen besten Zeiten nicht alleine hätte anheben können, einem Revolver und dem mächtigen Teufelsarm, geht es immer neuen Gegnergrüppchen entgegen. Das relativ simple Metzel-Prinzip nutzt sich dank der schicken Kombos (von denen ihr im Spielverlauf stetig neue lernt) nie ab.

Auch dank vieler frischer Ideen: Immer wieder warten knackige Rätsel darauf gelöst zu werden, die den geschickten Einsatz eurer Fähigkeiten erfordern. So schwingt sich Nero dank seines Dämonenarms an leuchtenden Energiebällen über riesige Abgründe. Das Leveldesign könnte zwar etwas weniger linear sein, macht aber dank der genialen Optik und viel Abwechslung trotzdem eine gute Figur.

Devil May Cry 4 - Tanz der Teufel auf dem PC

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 232/2381/238
Im Laufe des Spiels schaltet ihr per Upgrade-System spektakuläre Kombos frei.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Gegen allzu repetitive Abläufe hilft das Upgrade-System: Dank roter Kugeln, die jeder eurer Opponenten hinterlässt dürft ihr an bestimmten Schreinen eure Kombos verbessern, neue Moves erlernen oder nützliche Gegenstände kaufen. Klasse: Sämtliche Kombos lassen sich dank der intuitiven Steuerung kinderleicht auslösen – verknotete Finger braucht man also nicht zu fürchten.

Kritik auf hohem Niveau

Soweit, so spaßig. Doch obwohl sich Devil May Cry technisch und spielerisch kaum eine Blöße gibt, muss trotzdem auf hohem Niveau gemeckert werden. Die Kamera ist ganz genre-typisch nur selten da, wo man sie haben möchte. Immer wieder erspäht ihr Gegner oder mögliche Sprungplattformen aufgrund ungünstiger Perspektiven viel zu spät – dann muss mühsam nachkonfiguriert werden.

Devil May Cry 4 - Tanz der Teufel auf dem PC

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 232/2381/238
Grandios: Die Bossgegner gehören zum besten, was man im Actiongenre bisher bestaunen durfte.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Besonders nervig wird’s ab der Hälfte des Spiels. Dann tauscht ihr zwar mit Dämonenjäger Dante die Rollen und erlangt Zugriff auf eine Reihe neuer Fähigkeiten, müsst dafür aber auch sämtliche der bereits gesehenen Levels erneut abgrasen – dreister kann man seine Inhalte wohl nicht recyceln. Selbst die Bossgegner am Ende jeder Mission müsst ihr ein zweites Mal erledigen.

Einmal Geschnetzeltes mit extra Coolness bitte: Devil May Cry bringt auch auf dem PC die Teufel zum Weinen – allerdings nur mit Gamepad.Fazit lesen

Da aber jeder einzelne der imposanten Fieslinge gut und gerne zwei Blicke wert ist, kann man das gern verschmerzen. Ob ihr nun gegen monströse Riesenkröten, feurige Dämonen oder fliegende Giftschlangen in Übergröße antretet – jeder der Finalkämpfe ist spektakulär inszeniert und extrem spannend. Besonders der letzte Obermotz dürfte jedem Action-Fan noch für einige Jahre im Gedächtnis verweilen.

Von der Konsole auf den PC

Die PC-Umsetzung ist Capcom durchaus gut gelungen. Großartige Neuerungen gegenüber der Konsolenversion darf man zwar nicht erwarten, dafür wurden zwei frische Modi implementiert, deren spielerischer Mehrwert sich allerdings in Grenzen hält. Im Turbo Modus läuft DMC4 in deutlich höherer Geschwindigkeit, der Legendary Dark Knight Modus wirft euch hingegen ganze Scharen von Dämonen entgegen.

Devil May Cry 4 - Tanz der Teufel auf dem PC

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden6 Bilder
Besonders schick dank DirectX 10: Die Grafikqualität lässt bis auf einige Aussetzer kaum Wünsche offen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Grafisch hält sich die PC-Version nah am Konsolenoriginal. Zwar gibt es die Möglichkeit zwischen DirectX 9 und 10 zu wählen, große Unterschiede wird man dabei aber nicht bemerken. Einzig die Framerate wurde im Vergleich zu PS3 und Xbox 360 stark erhöht. Unschön: Während unseres Tests sind wir immer wieder auf hässliche Tearing-Effekte gestoßen, auch das Schattenflackern wurde nicht behoben.

Zum Abschluss noch eine Warnung: Falls ihr nicht über ein Gamepad verfügt, solltet ihr euch den Devil May Cry 4-Kauf dringend überlegen oder einen Controler gleich mit einplanen. Mit der Tastatur ist die hektische Dämonenhatz nämlich unspielbar. Eine Mausoption fehlt ebenfalls. Darüber hinaus sorgen die Menüs für Verwirrung – Capcom hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Konsolensymbole auszutauschen.