Nach dem 'Serious Game'-Eklat im vergangenen Monat, geht es um den Deutschen Computerspielpreis weiterhin rund. Die beiden Journalisten und langjährigen Jurymitglieder Heiko Klinge und André Peschke kündigten in einem ausführlichen Video ihren Rücktritt an.

Begründet wird dieser vor allem mit einer im vergangenen Jahr eingeführten Neuregelung im Bezug auf Titel mit einer Altersfreigabe von "ab 18 Jahren". Wird ein solches Spiel zum Sieger einer Kategorie mit 2/3-Mehrheit der Hauptjury gewählt, geht er nicht automatisch als Sieger hervor. Sollten nämlich mindestens drei der etwa 15 bis 20 Jurymitglieder den pädagogischen oder kulturellen Wert infrage stellen, so werde das USK-18-Spiel in die extra eingeführte Kategorie "Jury Award" abgeschoben.

Geschaffen wurde diese Sonderkategorie nach der öffentlichen Diskussion um die Nominierung von Crysis 2 im Jahr 2012. Laut Klinge und Peschke würde sich die Politik bei dem "Jury Award" aus der Verantwortung ziehen, da Preis und Preisgeld vollständig von der Branche getragen werden. Das wiederum zeige, dass bei den politischen Akteuren gegenüber dem Spiele-Medium nach wie vor ein gestörtes Verhältnis herrsche.

Oder anders ausgetrückt: die Politiker wollen sich ein Hintertürchen offen halten, um keine Verbindung zum unerwünschten Preisträger zu haben. Es wäre damit ein Preis zweiter Klasse.

"Solange diese Regelung und die mit ihr verbundene Geisteshaltung Bestand haben, distanzieren wir uns von unserer Beteiligung am Deutschen Computerspielpreis", so Klinge.

Auf der anderen Seite loben beide aber auch die Fortschritte, die in den vergangenen Jahren erreicht wurden. Hoffnung bestehe etwa dadurch, dass die aufgeschlossene CSU-Politikerin Dorothee Bär (auch Jury-Mitglied) inzwischen Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur ist und damit Verantwortung für die Ausrichtung des Preises trägt. Es bestehe die Chance, den Preis in Zukunft wieder auf "vernünftige Beine zu stellen".

Bleibt zu hoffen, dass mit dem Rücktritt eine ernsthafte Debatte losgetreten wird und alle Verantwortlichen noch einmal über diese Klausel nachdenken. Vergeben wird der Preis am morgigen Donnerstag (15. Mai).