In der letzten Woche sorgte im Vorfeld der Verleihung des Deutschen Computerspielpreises die Nominierung von Crysis 2 bei der CDU/CSU für Aufregung - es sei unvertretbar, dass ein "Killerspiel" überhaupt nominiert werde.

Deutscher Computerspielpreis - CDU-Politiker verteidigt Auszeichnung von Crysis 2

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Nicht alle CDU/CSU-Politiker sehen in Crysis 2 und Co. den Teufel.
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Nachdem Crysis 2 letztendlich dann doch den Award als "Bestes deutsches Spiel" mit nach Hause nehmen konnte, verteidigte nun CDU-Politiker Peter Tauber diese Entscheidung. Tauber ist unter anderem Mitglied der Jury des Deutschen Computerspielpreises.

Gegenüber Spiegel sagte er, in Crysis 2 gehe es nicht um das planlose Töten von Menschen. Denn wer nur herumballern wolle, habe mit dem Spel keinen Spaß. Man müsse mit taktischem Geschick vorgehen, und es bedarf kognitiver Fähigkeiten: "Die Grafik, das Design und der Soundtrack des Spiels sind sensationell gut gemacht. Wie in einem Actionfilm aus Hollywood."

Zu der Kritik, die die anderen Politiker äußerten, sagte er: "Ich finde die Kausalität, die Sie da herstellen, pietätlos, fast zynisch. Ich habe großes Mitgefühl mit den Opfern von Erfurt. Aber zu sagen, dass dieses schlimme Ereignis nicht passiert wäre, wenn es gewisse Computerspiele nicht gegeben hätte, ist mir zu monokausal. Es nervt mich, dass die Politik reflexartig Gewalttaten von Jugend lichen mit dem Spielen von Ego-Shootern erklärt. Damit ändert man nichts an den Ursachen, die einen Jugendlichen dazu bringen, sich vor dem Computer in Parallelwelten zu verlieren."

Es sei zudem nicht verwerflich, ein Spiel wie Crysis 2 durch eine staatlich organisierte Preisverleihung ins Rampenlicht zu stellen. Man müsse Computerspiele mit demselben Maßstab wie Filme messen: "Der Tarantino-Film 'Inglourious Basterds' wurde mit mehreren Millionen Euro gefördert. Dabei übersteigen die darin enthaltenen Gewaltdarstellungen die Brutalität von 'Crysis 2' um ein Vielfaches."

Ebenso empfindet Tauber es als schräg, es in Beziehung zu dem in der vergangenen Woche vom Bundestag beschlossenen deutschlandweiten Waffenregister zu setzen. Beides hätte nichts miteinander zu tun. Ebenso der Versuch vom bayerischen Innenminister Joachim Herrmann, solche Spiele wie Kinderpornografie zu betrachten, wäre völlig abwegig.

Wie Tauber betonte, sind Computerspiele längst ein Teil unserer Kultur, teilweise sogar Kunst: "Wir leben in einem freien Land, in dem viele Menschen gern Ego-Shooter spielen. Darunter sind nicht nur Bekloppte, sondern Rettungssanitäter genauso wie Richter, Architekten oder Bundestagsabgeordnete wie ich."