Wie wär's mal wieder mit einer richtig guten Pizza? Ihr wisst schon, hoch wie breit, mit leckerem Käserand, fluffigem Teig und einem mühevoll gestöhnten „Das war's wert!“ hinterher. Vielleicht noch ein großzügiges Trinkgeld für das gute Gewissen. Zehn Euro für einen gelungenen Abend – kein schlechter Deal eigentlich. Es sei denn, ihr investiert die Mäuse doch lieber in Deus Ex: The Fall.

Deus Ex: The Fall - PC-Launch-TrailerEin weiteres Video

Mit schmatzenden zehn Minuten ist es natürlich nicht getan, viel länger als einen Abend werdet ihr aber auch nicht für den erneuten Trip ins Jahr 2027 brauchen. Fünf, höchstens sechs Stunden lassen sich mit dem verbringen, was ursprünglich für iPad und iPhone konzipiert wurde und im AppStore mit durchschnittlich dreieinhalb Sternen überraschend positiv abgeschnitten hat. Aber was sagt das schon über einen Tummelplatz bunter Zeitvertreiber, unter denen „Hits“ wie Candy Crush Saga mit vier von fünf möglichen Punkten bewertet werden?

Deus Ex: The Fall ist kein Reinfall, nicht einmal ein schlechtes Spiel, wenn man fair ist – und die ursprüngliche Plattform im Hinterkopf behält. Im Sommer vergangenen Jahres gab es schlechtere Apps, mit denen ihr im Park lümmeln oder im Wartezimmer etwas Zeit totschlagen konntet. Im Schein eines abendfüllenden PC-Spiels sieht die Sache aber schon wieder ganz anders aus.

Deus Ex: The Fall - Und irgendwo lacht sich Adam Jensen heimlich ins Fäustchen

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Ben Saxon: Protagonist und genauso langweilig wie sein Name.
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Gemeinsam mit N-Fusion Interactive werkelte ein kleiner Teil des ursprünglichen Human-Revolution-Teams am Quasi-Spin-off, das parallel zu den Geschehnissen des Hauptspiels aus dem Jahre 2011 spielt, sich jedoch nicht direkt mit den Schicksalsschlägen Adam Jensens überschneidet.

Es ist dieselbe dystopische Welt, die noch immer viel zu erzählen hat, wenn man sich nur die Zeit nimmt, ihr zuzuhören. Überall verstreute eBooks geben neben allgemeinen Informationen vor allem Hintergrundwissen über eine Zukunft preis, die heute noch so glaubhaft ist wie vor knapp drei Jahren, der Mailverkehr gehackter Computer zeichnet Bilder verzweifelter Angestellter, eingeschüchterter Männer und Frauen, denen leidenschaftliche Autoren mehr als einen Namen und ein grobes Motiv geben wollten.

Packshot zu Deus Ex: The FallDeus Ex: The FallErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Ein Wiedersehen, das so nicht nötig gewesen wäre

The Fall weiß nicht ganz so viel mit sich und seiner Welt anzufangen wie Human Revolution, hat den ausschweifenden Erzählstil seines großen Bruders gegen einen knapperen, aus das Wesentliche beschränkten eingetauscht, und zeigt sich dennoch als atmendes, pulsierendes Universum.

Eine unnötige Umsetzung, die ihre Tablet-Herkunft nicht verbergen kann und bis auf seine aus Human Revolution bekannte Welt nichts zu bieten hat.Fazit lesen

Es ist die größte Stärke eines Spiels, das sonst nicht viele hat.

Deus Ex: The Fall - Und irgendwo lacht sich Adam Jensen heimlich ins Fäustchen

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Mit zusammengekniffenen Augen, ganz viel Wohlwollen und etwas Schlafmangel könnte man das hier kurz für Human Revolution halten. Schön wär's.
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Wer den hölzernen Ben Saxon noch vor einigen Monaten mit Fingerwischen und viel gutem Willen durch deutlich schmalere, sehr lineare Areale geschubst hat, konnte noch über Kleinigkeiten hinwegsehen, die mit Maus und Tastatur unverschiebbare Brocken sind. Square Enix hat die App nicht völlig unverändert in die Steam-Bibliothek geladen, wollte uns mit höher Auflösung, Anti-Aliasing, leicht verbesserter KI, gestrichenen In-game-Käufen und kleineren Verbesserungen zumindest ein wenig entgegenkommen. Ein Bein ausgerissen hat sich dabei aber auch niemand.

Noch immer steht die App-Herkunft in großen Lettern über das gesamte Spielerlebnis geschrieben: riesige Menüs, ein unbegrenzt großes Inventar, enorm steife Gesichtsanimationen, sehr wenig verschiedene Charaktermodelle und gelegentliche Bugs wie Clipping-Fehler zählen noch zu den verschmerzbaren Kleinigkeiten in einem Pool aus Vereinfachungen und plattformbedingter Zugänglichkeit.

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Spielerisch ist The Fall ein auf das absolut Nötigste heruntergebrochene, an allen Ecken und Enden vereinfachtes Human Revolution. Inhaltlich sieht's immerhin etwas besser aus.
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The Fall ist seiner Vorlage so treu wie nur möglich und tut vieles, um dieselben Gefühle wie damals heraufzubeschwören – hat dafür jedoch bedeutend geringere Mittel zur Verfügung. Es versucht, euch mehrere Wege anzubieten, kann statt einer Kreuzungen mit etlichen Abzweigungen aber stets nur aus einer Abzweigung wählen. „Gehe geradeaus für den Actionweg“ und „Krieche durch den Lüftungsschaft rechts für den Schleichweg“ wären Hinweise, deren Aufploppen mich nicht gewundert hätten.

Überall fehlt es an Größe, um eine glaubhafte Levelarchitektur zu schaffen. Weil Deus Ex aber immer auch Möglichkeiten zum behutsamen Vorgehen und Ballern lassen muss, wird eben zumindest ein Schacht platziert – so unlogisch und deplatziert er in der Welt auch sein mag.

Zeit zum langsamen Krabbeln werdet ihr euch ohnehin nicht lange nehmen. Der blasse Ben Saxon mag nicht über unmenschliche Kräfte verfügen (von seinen Augmentierungen einmal abgesehen), verträgt aber wesentlich mehr Treffer als es Jensen zuletzt im großartigen Director's Cut tat und ist deutlich versierter im Umgang mit Schusswaffen. Mehr als eine einfache Pistole braucht ihr oft nicht zum Ausräuchern eines ganzen Gegnernestes – simple Levelstruktur und dümmliche KI tun ihr Übriges. Wollt ihr dennoch den Solid Snake markieren, drückt euch das Spiel durch die sich in Luft auflösenden Leichen allerdings auch dafür einen Freifahrtschein in die Hand.