Und hier wären wir nun also mit Vorschau Nummer... vier? Wirklich? Meine Güte, man freut sich aber auch wirklich auf das neue Deus Ex, oder? Diesmal ging es nach London, wo Square Enix neben einigen anderen schönen Titeln (behaltet als RPG-Freunde auf jeden Fall I Am Setsuna im Auge!) einmal mehr Adam Jensens neuerliche Tour durch die tiefschürfend aktuelle Transhumanismus-Suppe gezeigt hat.

Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Vom Hauptspiel gab es nur erneut zu sehen, was wir euch in den letzten paar Vorschauen bereits ausführlichst beschrieben haben. Das ist, muss man schon sagen, enttäuschend. Nicht, dass wir nicht gerne noch mal das Dubai-Tutorial oder das Anpirschen an den ARC-Kultisten-Führer in Golem City spielen würden, aber entgegen landläufiger Meinung gehen wir auf solche Veranstaltungen nicht zu unserem Privatvergnügen, sondern, um euch schon vor Release möglichst viele Eindrücke zu vermitteln. Und zu unserem Privatvergnügen.

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Lasst mich also kurz zusammenfassen, was es dort zu sehen gab, bevor wir zu den Neuerungen abseits des Hauptspiels kommen. Zumindest kann man die Befürchtung aus Gregors Vorschau entkräften, Mankind Divided könnte sich zu einem Actiontitel entwickeln. Ganz kurz gesagt: Nö, wird es nicht. Stattdessen streut unser Auftraggeber vor der Mission nach wie vor mehr oder weniger geschickt die Fragen ein, ob wir tödlich oder nicht-tödlich vorgehen wollen, ob wir eine Pistole oder ein Scharfschützengewehr wollen. Und wie zuvor gibt es zwar die Option, actionorientiert vorzugehen, und sie ist mit ein paar Fähigkeiten und Upgrades sicherlich auch ausgebaut worden (und ja, es macht Spaß, Gegner mittels Pseudo-Armbrust an Wände zu nageln), aber es ist nach wie vor sehr fraglich, ob das eine gleichwertige oder auch nur valide Möglichkeit ist, das Game zu erleben.

Aus eigener Erfahrung weiß ich jetzt übrigens auch, dass es durchaus eine Möglichkeit ist, an Feinden vorbeizurennen, bis man am Ziel ist – neben Schleichen und Action die dritte und manchmal vielleicht nervenschonendste Option. Ich bin nach wie vor etwas skeptisch, ob die angepriesene Vielfalt der Vorgehensweisen nicht eher Illusion und Masche ist. Durch Deus Ex zu ballern und sprinten scheint doch irgendwie nicht ganz so prall, und wenn eine Alternative nicht gleichwertig ist, ist es dann wirklich eine Alternative? Hat man als Spieldesigner nicht die Verantwortung, die Vorgehensweisen, die man dem Spieler liefert, auch annähernd gleichwertig zu gestalten, spätestens, wenn man mit ihnen hausieren geht?

Sei es drum, der Eindruck der Wege und Architektur ist durchaus gut, wenn selbige auch öfter mal denselben Zwängen unterworfen zu sein scheint, wie es schon im Vorgänger der Fall war. Da steht dann schon mal eine überdimensionierte Kiste vor einem überdimensionierten-Kisten-großen Loch einer Wand, und weder hat das Loch eine andere erkennbare Funktion, als Jensen durchzulassen, noch die Kiste einen Zweck, als ihm im Weg zu stehen. Passiert halt, die Konstruktion hat man schon organischer gesehen. Aber durch neue Spielzeuge und eine neu gewonnene Vertikalität der Levels ist das Geschleiche, um das es maßgeblich geht, dynamischer und offenbar besser als je zuvor.

Deus Ex: Mankind Divided - Wir haben sehr darum gebeten!

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Natürlich zieht uns Adam Jensens Reibeisenstimme immer noch das Höschen aus - aber eine neue Erkenntnis ist auch das nicht.
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Aber, wie gesagt: Das und ähnliches habt ihr von uns schon gehört. Was also gab es neues? Dreierlei. Zum einen haben wir alle aufgehorcht, als die Worte... Buchstaben... also, als der Terminus "VR" fiel. Aber, falscher Alarm und Pustekuchen, es wurden einfach vier Lokalitäten von Mankind Divided als Techdemo umgesetzt, damit sich Reporter vor Ort daran sattsehen konnten. Also nichts spielerisches, sondern einfach hübsch und statisch. Vielleicht kommt ihr irgendwann auch in den Genuss, aber angesichts der kurz aufflammenden Hoffnung, man könne vielleicht etwas wie Deus Ex in VR erleben, war man schon ein bisschen geknickt.

Packshot zu Deus Ex: Mankind DividedDeus Ex: Mankind DividedRelease: PC, PS4, Xbox One: 23.8.2016 kaufen: ab 42,95€

Dann kam die Ankündigung eines zuvor noch nicht enthüllten Titels, nämlich, wahnsinnig große Überraschung, Deus Ex GO. Wer die putzigen Puzzler zu Hitman und Tomb Raider bereits gespielt hat, wird sich höchstwahrscheinlich und völlig zu recht auf den erneuten Kopfnuss-Spaß mit neuerlichem Cyber-Ambiente freuen. Wenn die Zeit reif ist und wir mehr gesehen haben, wäre das Spiel sicherlich eine eigene, gesonderte Betrachtung wert. Fürs Erste sei gesagt, dass die Hacking-Spielereien von Manind Divided auch eine Widerspiegelung in GO finden werden und dass Deus Ex' Ableger der erste sein wird, der einen Karteneditor beinhaltet, sodass man sich nun eigene Puzzles gestalten kann – da fragt man sich glatt, warum das bislang noch nicht passiert ist.

Und dann wäre da noch die "große Neuerung", nämlich ein Modus namens "Breach". Zunächst einmal: Hattet ihr den bestenfalls leicht amüsanten Aprilscherz zu Deus Ex gesehen, nach dem das ganze Spiel optisch in grobe Polygon-Grafik gekleidet und weiß-pink eingetüncht werden soll? Falls nicht habt ihr nicht viel verpasst, falls doch sei euch aber gesagt, dass dieser Scherz keiner war. Nur ist die Kristall-Klotzerei mit dem fliedervioletten Farbton im neuen Modus zu finden.

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Dieser ist eine Art unabhängige Aneinanderreihung von Einzelmissionen, deren Schwierigkeit mit jeder Stufe eskaliert, und die dann mit Erfahrung, Ingame-Währung, neuer Ausrüstung und Fähigkeiten winkt. Außerdem geht es um Highscores und Leaderboards, wenn man sich für derlei interessiert. Leider ist der Beginn dieses Modus, der auch eine ebenso grobe wie unwichtige Rahmenhandlung hat, geradezu schmerzhaft langsam. Es wird zwar bald danach anziehen, wird zumindest versprochen, aber da passiert es schon mal, dass man in den ersten paar Levels nichts macht, außer durch leere Korridore zu hopsen und Fortschrittsbalken beim Saugen virtueller Daten zu beobachten. Yippee.

GO ist immer cool, Breach wird sich noch behaupten müssen – doch die Gründe, sich aufs Spiel zu freuen, häufen sich.Ausblick lesen

Auch, wenn dann das Tempo etwas anzieht, gehört Breach ziemlich eindeutig in die Kategorie "Kann man zwar spielen, aber man verpasst auch nicht viel, wenn man es nicht macht." Für diejenigen, die Ende der 90er die VR-Missionen von Metal Gear Solid: Integral mitgenommen haben, werden Erinnerungen wach, falls sie sich denn an das komplett unnötige Programm von damals erinnern. Ich jedenfalls seh mich nicht dabei, wie ich im Büro am Wasserspender ein Gespräch beginne mit dem Satz "Ey, ich hatte gestern Abend so eine geile Runde in Breach..."

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Breach ist ein eigenwilliger Modus - noch konnte man nicht genug sehen, um einen vollwertigen Eindruck zu gewinnen.
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Und eh man richtig einsteigen konnte, war die zugewiesene Zeit auch schon wieder vorbei, obwohl sich gerade der erste Loot ins Inventar verirrt hatte und es die Andeutung von Motivation schaffte, sich ins übermüdete Redakteursgehirn zu schummeln. Doch die Andeutung war da! Wer sich auch nur im Ansatz von dem hier Geschilderten angesprochen fühlt, der sollte also sicherlich die Augen offen halten nach weiteren Infos.

Dennoch betrachten wir Breach jetzt einfach mal als Dreingabe zu einem Spiel, das in seiner Substanz mit jeder Präsentation etwas besser aussieht und momentan verspricht, einfach einen großartigen Ausbau vorheriger Stärken abzuliefern, wenn es denn dann im August erscheint. Bis dahin üben wir uns in Geduld – aber wir tun es nicht gern.