Jeder macht mal Fehler. Jensen mit seinem unbedingten Glauben an die Menschheit und eine gemeinsame Zukunft dieser zweigeteilten Spezies. Ich mit meiner Befürchtung, Mankind Divided würde alte Tugenden zugunsten dröhnender Effekthascherei über Bord werfen. Entwickler Eidos mit der Einschätzung, das Annehmen der Probleme vom vorangegangenen Human Revolution allein würde eine Fortsetzung tragen. Jeder macht mal Fehler – blöd nur, wenn alle auf einmal danebenliegen.

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Es ist das Henne-Ei-Problem der Entwicklung von Fortsetzungen: Was war zuerst da: der plötzliche Erfolg und die Aussicht auf eine Wiederholung desselben, nachdem einer komatösen Reihe wieder Leben eingehaucht wurde, ihre angestaubten Qualitäten sozusagen erfolgreich an moderne Maßstäbe angepasst wurden? Oder ein konkretes inhaltliches wie spielerisches Fundament, eine größere Vision dessen, was es dem bereits Bestehenden sinnvoll hinzuzufügen gäbe?

Deus Ex: Mankind Divided - Augmentiert und doch nicht perfekt

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Jensen ist zurück. Wurde aber auch Zeit.
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Wie ein Damoklesschwert pendelt diese Frage über Mankind Divided, bei dem ich mir über die gesamte Spielzeit von rund 25 Stunden nie ganz sicher war, warum es überhaupt existiert. Nicht dass wir es hier mit einer überflüssigen Fortsetzung zu tun hätten, alles andere als das: Der Vorgänger war und ist ein großartiges Spiel, aber gleichzeitig weit davon entfernt, perfekt zu sein. Bei aller Sympathie für etwas widerspenstige Mechaniken gab es jedenfalls mehr als genug Baustellen und, um das vorwegzunehmen, der meisten haben sich die Kanadier angenommen. Insofern: Fortsetzung? Wir haben sehr darum gebeten!

Packshot zu Deus Ex: Mankind DividedDeus Ex: Mankind DividedErschienen für PC, PS4 und Xbox One kaufen: ab 29,70€

Doch gibt es sicher einfachere Übungen als jene, dem Deus-Ex-Zeitstrahl einen weiteren Eintrag hinzuzufügen. Bereits Human Revolution stellte eine Vorgeschichte des Klassikers dar, spielte es doch 2027 und damit 25 Jahre vor dem eigentlichen Ursprung. Mit diesem neuen Teil sah sich Eidos Montreal nun mit der undankbaren Aufgabe konfrontiert, dieser bestehenden Chronik ein sinnvolles Mittelstück hinzuzufügen, ergo eine Geschichte zu erzählen, deren Anfang und Ende bereits klar definiert sind.

Aller Anfang ist schwer

Nun ist Jensen seine mysteriöse Verschwiegenheit gewissermaßen in die Wiege gelegt; er war schon immer ein eher verschlossener Zeitgenosse und nie besonders geübt darin, andere auf Geheiß um den Finger zu wickeln. Auch wenn sich Mankind Divided weniger kryptisch gibt als seine Vorgänger, müsst ihr dem Agenten schon ein paar Schritte entgegenkommen, euch nach wie vor auf ein ruppiges Kennenlernen einstellen. Mit viel Wohlwollen und anachronistischer Lesart lässt sich das als sympathische Verschrobenheit interpretieren; bitte sehr, das ist für alle, die sich von der mundgerechten Präsentation moderner Spiele unterfordert fühlen. Und so sehr ich geneigt bin, Eidos diesen schulterzuckenden „Du kannst einem alten Hund eben keine neuen Tricks beibringen“-Nostalgiebonus zu gewähren, komme ich doch nicht umhin, mich zu fragen, warum es nicht zumindest etwas besser geht.

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Die verschiedenen Augmentierungen ermöglichen zig verschiedene Spielstile, die sich prima ergänzen. Einzig der Tarnschild ist eine Spur zu mächtig: Wer's drauf anlegt, kann an ganzen Gegnergrüppchen einfach vorbeilaufen.
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Selbst mit Adam-Jensen-Starschnitt überm Bett stolperte ich während der Einführungsmission in Dubai wortwörtlich orientierungslos umher, mit Namen, Begriffen und Jahreszeiten ebenso überfordert wie mit Jensens übermenschlichen Fähigkeiten. Zwei Jahre nach seiner vorherigen Mission hat er diese konsequenterweise nicht plötzlich vergessen, weshalb ihr erst in die augmentierte Haut des Halbgotts gesteckt werdet, nur um all seine Fähigkeiten, ein Tutorial und eine halbgare Ausrede später, wieder entrissen zu bekommen. Haben wir billige Taschenspielertricks wie diese nicht eigentlich seit, sagen wir, 15 Jahren hinter uns?

Deus Ex: Mankind Divided ist eine Bilderbuchfortsetzung, die spielerische Schwächen des Vorgängers konsequent ausmerzt, dafür jedoch inhaltlich abfällt.Fazit lesen

Dieses Videospielunart ist nicht nur völlig zurecht als überholtes Klischee verschrien, sondern gleich doppelt unglücklich bei einem komplexen Spiel wie diesem, das man sich normalerweise über viele Stunden hinweg peu à peu erschließt. Euch ausgerechnet an dieses Abenteuer heranführen zu wollen, indem man euch dessen bunten Strauß an Möglichkeit augenblicklich ins Gesicht drückt, statt ihn euch selbstständig zusammenklauben zu lassen, ist, nun, fragwürdig. Hilft ja nichts: Zähne zusammenbeißen, da müsst ihr eben durch – wäre schade, wenn euch zwei kritische Stunden um zwanzig verflucht unterhaltsame bringen.

Tolles Setting? Czech!

Wird ohnehin schnell besser, sobald Eidos das beengte Dubai gegen die weitläufigen, dystopischen Straßen Prags eintauscht und gemeinsam mit Jensens üppigen Fähigkeitenkatalog das gesamte Spiel kickstartet. Steht die Uhr erst einmal auf Null, könnt ihr diese düstere Zukunftsvision in eurer eigenen Geschwindigkeit erkunden, nicht von Countdowns und Tutorial-Textboxen, sondern einzig eurem Entdeckergeist getrieben, der hiermit ganz gut beschäftigt sein dürfte.

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Prags Architektur ist wunderbar verspielt und bietet etliche dystopische Postkartenmotive.
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Sukzessive fügt ihr lose Fragmente zusammen, könnt erste Namen zuordnen und den größeren Rahmen erkennen, in den ihr noch kurz zuvor so unsanft geworfen wurdet. Zwei Jahre nach Human Revolution haben sich die ohnehin nicht gerade rosigen Aussichten kaum gebessert: Stärker als je zuvor gräbt sich eine tiefe Kluft mitten durch die Menschheit, unterscheidet nicht mehr zwischen Hautfarbe, Herkunft oder anderen Merkmalen, sondern einzig darin, ob eine Person augmentiert ist oder nicht. Noch vor wenigen Jahren wurden diese technischen Körpermodifikationen als Heilsbringer, ja Allheilmittel gefeiert. Körperliche Einschränkungen wurden mithilfe wissenschaftlicher Fortschritte überwunden, die Maschine siegt über den Körper, Stahl über den Fleisch – es ist das Zeitalter des Transhumanismus.

Der Preis jedoch ist buchstäblich ein hoher: Um der krampfartigen Abstoßungsreaktionen der unnatürlichen Implantate Herr zu werden, brauchen Augmentierte (auch „Optimierte“, kurz „Optis“) sogenanntes Neuropozyn ebenso dringend wie die Luft zum Atmen, doch das ließen sich Pharmakonzerne teuer bezahlen – der perfekte Nährboden für eine Zweiklassengesellschaft, die sich in der Folge rasend schnell herausbildete. Wohlhabende warfen das Medikament wie Gummibärchen ein, alle anderen verkauften notgedrungen ihr Hab und Gut, bis sie schließlich in der Gosse landeten. Der Stoff, aus dem Cyberpunkgeschichten gestrickt sind.

Erst in ihrer blinden Raserei waren sie wieder vereint: Als es 2027 zu diesem globalen Phänomen kam, verfielen Augmentierte einem wilden Blutrausch, töteten jeden, den sie durch ihren roten Schleier der Wut erspähten. Unveränderte Menschen hatten ihren technologisch verbesserten Gegenstücken kaum etwas entgegenzusetzen, die Opferzahlen schossen folglich in Millionenhöhe. Es war die größte Tragödie des Jahrhunderts. Zwei Jahre später stehen sich Augmentierte und Unveränderte nun unversöhnlicher denn je gegenüber; der Hass hat sich Tief ins Bewusstsein der Menschheit gegraben, mit der Opti-Hauptstadt Prag als Epizentrum und euch, Adam Jensen – unfreiwillig von der Fußsohle bis zum Haaransatz augmentiert –, mittendrin. Halleluja.

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Im separaten Breach-Modus hackt ihr in kurzen Missionen Datenterminals. Nette Spielerei, aber nichts, was man unbedingt bräuchte.
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„Es muss doch irgendwas geben, das wir anprangern können!“

Mehr als jeder andere Ort auf der Welt ist die tschechische Hauptstadt gezeichnet von den Folgen des tragischen Vorfalls. Wie ein toxisches Rinnsal findet der Rassismus einen Weg in jeden Winkel der Gesellschaft, durchzieht sie mit seinem fein verästelten Netz aus gelebtem, unverhohlenem Alltagsrassismus und subtilen, aber kaum weniger xenophoben Spitzen. Wie durch eine unsichtbare Mauer werden beide Schichten voneinander getrennt, sei es durch verschiedene Schleusen an Bahnhöfen, Geschäfte, die die Bedienung von Augmentierten verweigern, oder omnipräsente Polizeistreifen, die „racial profiling“ betreiben.

Diese Welt ist gespickt mit kleinen und großen Geschichten für jeden, der sie hören will. Mühselig hat Eidos eine Brotkrumenspur aus verstreuten Hintergrundinformationen gelegt, lässt euch in E-Books und E-Mails schmökern, in Zeitungen verfolgen, welche Konsequenzen auch euer Handeln nach sich zieht und Gesprächen von Einheimischen lauschen, die ihr Leid klagen. Ihr erschließt Prag auf ähnliche Weise wie vor fünf Jahren noch (das deutlich kleinere) Detroit und auch, wenn Eidos in minutiöser Kleinstarbeit eine dicht gewebte, atmosphärische Kulisse hochzieht, will die Interpretation einer düsteren Zukunft nicht so recht Farbe annehmen.

Vieles wirkt ein bisschen oberflächlicher, mit weniger Nachdruck inszeniert. In Human Revolution habe ich ob schräger Spam-Mails plötzlich losgeprustet, in PDA-Nachrichten von persönlichen Schicksalsschlägen erfahren und überhaupt so gut wie alles gelesen, was mir zwischen die Finger kam. Auch wenn ich damit nicht implizieren will, dass es solche Momente in der Fortsetzung überhaupt nicht mehr gibt, so ist der Ansatz der hier verstreuten Nachrichten doch ein anderer, eher pragmatischer. Damals habt ihr primär persönlich gefärbte Momentaufnahmen einer kaputten Welt erfahren, jetzt vor allem Codes, mit denen ihr das nächste Terminal hacken könnt.

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Das wird gleich ordentlich wehtun.
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Es ist das sinnbildliche Problem von Mankind Divided: einem Spiel, das nie bequem oder gar faul wäre, auf die Frage nach seiner Existenzberechtigung aber wenig mehr zu antworten scheint als „Warum nicht?“. Wir reden hier, und das ist wichtig, von Kritik auf ganz, ganz hohem Niveau, aber wir sprechen ja schließlich auch von Deus Ex. Doch wenn Jensen Dreh- und Angelpunkt dieser Geschichte sein soll, er, der die Anfeindungen beider Gesellschaftsteile hautnah zu spüren bekommt, und trotzdem eher als gleichgültiger Erfüllungsgehilfe denn unmittelbar Betroffener auftritt, fehlt ein wichtiger Funken Motivation. In Human Revolution konntet ihr neben dem im Verfall begriffenen Detroit auch Jensens eigene Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erforschen, diesmal arbeitet ihr wenig mehr als eine Strichliste seiner Auftraggeber ab. Eine verflucht unterhaltsame zwar, aber immer noch eine Strichliste. Nach dem ohnehin etwas überhasteten Ende steht der grimme Agent schließlich weitestgehend an derselben Stelle wie zuvor, hat sich charakterlich kaum weiterentwickelt.

Eidos inszeniert einen sehr kompetenten, unterhaltsamen Cyberpunk-Thriller mit Twists, Intrigen und allem, was eine gute Geschichte so zu bieten hat. Damit hätten sie sich zufriedengeben können, ja müssen, doch die Kanadier wollten mehr: Sie wollten ein brisantes, hochpolitisches Spiel abliefern, eine Botschaft vermitteln. Ein hehres Ziel, doch tatsächlich erschöpft sich das politische Sendungsbewusstsein von Mankind Divided in zwar löblichen, aber schrecklich oberflächlichen, plakativen „Rassismus ist schlecht“-Plattitüden, zumal Eidos (oder das zuständige PR-Team) bereits vorab mit Aktionen wie der historisch verankerten „Mechanische Apartheid“-Referenz wenig Fingerspitzengefühl zeigte.

Adam Jensen, die unsichtbare Killermaschine

Womit auch die eingangs gestellte Frage nach dem Grund für diese Fortsetzung vom Tisch wäre. Zu sagen, nach Human Revolution wäre Jensens Geschichte auserzählt gewesen, mag übertrieben sein. Der dickste Eintrag auf der Habenseite dieses Spiels und Ursache dafür, dass Mankind Divided aller Korinthenkackerei zum Trotz eine lohnenswerte Angelegenheit abgibt, ist jedoch dessen spielerische Komponente – und wenn die Entwickler ein Versprechen eingehalten haben, ist es jenes, möglichst all die Problemzonen des Vorgängers auszubessern.

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Mankind Divided, wortwörtlich.
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Der wurde bisweilen noch von seiner eigenen Technik ausgebremst, ausgerechnet. Als Eidos vor fünf Jahren Human Revolution und damit eine fantastische Interpretation eines modernen Deus Ex veröffentlichte, enthielt diese Phönix-aus-der-Asche-Wiederauferstehung bereits all jene Grundlagen, die damals bereits einen wesentlichen Teil der Faszination ausmachten und dem Nachfolger heute endgültig zum Vorteil gereichen.

Während einer Generation, die sich zuvorderst über grafischen Schnickschnack definiert, wissen die Kanadier mehr aus dem Plus an Leistung herauszuholen als schnöde Technik. Oder präziser: Sie tun mit dem Mehr an Bits und Bytes nicht nur ihrer PR-Abteilung einen Gefallen, die im Vorfeld mit (dezent geschönten) Screenshots und Trailern hausieren gehen konnte. Vor allem kommen sie denen entgegen, auf die es ankommt: uns, den Spielern.

Wo andere Spiele dem „Größer ist besser“-Credo hinterherrennen, ihre Open Worlds um jeden Preis aufblähen, geht Eidos einen eleganteren Weg, baut nicht in die Breite, sondern nach oben und unten, widmet sich Details, für die vorher schlicht kein Platz war. So schade die Entscheidung auch ist, mit Prag einen einzigen zentralen Hub anzubieten, der gelegentlich von kurzen Ausflügen an andere Schauplätze abgelöst wird, so sinnvoll ist diese Konzentration auf das Wesentliche. Statt lediglich an Fassaden vorbeizuflanieren, könnt ihr hier in einen Großteil der Gebäude einsteigen, Wohnungen erkunden, die nicht via Copy-Paste-Automatismus entstanden sind, und fast immer wird eure Neugier mit einem kleinem Leckerli belohnt, sei es eine Handvoll Geld oder ein paar Schuss Munition, die zwar kein Luxusgut ist, aber auch nicht gerade an jeder Straßenecke rumliegt – je nachdem, wie ihr die ganze Sache angeht.

Anders als noch vor fünf Jahren ist rustikales Vorgehen inzwischen nämlich nicht mehr nur eine theoretische Möglichkeit, einen Job zu erledigen. Erwartet nun keinen knackschnellen Ego-Shooter, von den zähen Kaugummi-Schießereien des Vorgängers ist Mankind Divided allerdings auch weit entfernt. Mit dem funktionalen Deckungssystem, etwas räumlicher Orientierung und Reaktionszeiten unter zweieinhalb Sekunden könnt ihr euch ganz gut voranpflügen, mit Jensens neuen Augmentierungen sowieso. Zu den bereits bestehenden Verbesserungen sind noch mal einige hinzugekommen, vorzugsweise offensive, denn sind wir mal ehrlich: Niemand muss der Reibeisenstimme mehr erklären, wie man sich ungesehen von A nach B schleicht.

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Gegen Echtgeld könnt ihr euch Bonusitems im Spiel kaufen. Abgesehen von den sportlichen Preisen zerstört dieses Prinzip die gesamte Spielbalance, lässt sich aber auch einwandfrei ignorieren.
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Folglich waren es seine Offensivfähigkeiten, die im Fokus der Entwicklung lagen. Der Plan ging auf: Der hochgerüstete Agent schleudert Energieblitze, knockt Gegner mit einem blitzschnellen Vorwärtsdash aus oder schießt seine Unterarm-Nanoklingen direkt zwischen die Augen eines armen Teufels. Jensen ist eine Killermaschine – wenn ihr ihn denn lasst. Und dieser Punkt ist wichtig, denn während euch in Human Revolution noch das Blaue vom Spielehimmel, verschiedene Spielstile versprochen wurden, erfüllt erst der Nachfolger dieses Versprechen vollends. Mit euren Entscheidungen und der Wahl der Augmentierungen backt ihr euren ganz persönlichen Protagonisten. Schaltet ihr lieber die Titan-Verstärkung frei, die Jensen unter einer dichten Diamantschicht nahezu unangreifbar macht? Oder soll es doch lieber die Erweiterung eurer Energiezellen sein, damit euren Augmentierungen nicht so schnell der Saft ausgeht? Es liegt bei euch.

Mit einem Höchstmaß an kreativer Verspieltheit zollt Eidos all diesen unterschiedlichen Vorgehensweisen auch in den futuristischen Straßen Prags und den anderen Schauplätzen Tribut, hat möglichst jeden Winkel dergestalt angelegt, dass es mehrere Wege gibt, ihn zu erreichen. Dieses Prinzip der multiplen Routen ist seit jeher eines der Aushängeschilder der Reihe und steht hier endgültig im Zenit. Es sind die stärksten, geradezu magische Momente, wenn euch Mankind Divided mit einem ermutigenden Schulterklopfer in ein riesiges Areal wirft, „Waidmannsheil!“ruft und euch einfach machen lässt.

Andere Spiele saugen sich dutzende verschiedener Enden aus den Fingern, um euch verzweifelt zum Wiederspielen zu animieren. Deus Ex: Mankind Divded liefert die Argumente dafür aus sich selbst heraus. Als Spieler im Allgemeinen und Videospielredakteur im Speziellen ist man oft dankbar für jeden Abspann; kurz zurücklehnen, Mund abwischen, nächstes Spiel – der Stapel der Schande wartet auf niemanden. Mir geht es da nicht anders, ganz im Gegenteil. Trotzdem freue ich mich schon jetzt auf das nächste Wochenende, wenn ich mir einen neuen Jensen zusammenbastele und mit ihm zwar kein völlig anderes Abenteuer erlebe, den Blickwinkel aber doch weit genug verschieben kann, um eine neue Erfahrung geboten zu bekommen. Das New Game + zwinkert mir seit dem ersten Durchgang verlockend zu. Wer kann da schon nein sagen?