"Deus Ex: Mankind Divided ist eine Bilderbuchfortsetzung, die spielerische Schwächen des Vorgängers konsequent ausmerzt, dafür jedoch inhaltlich abfällt." - Gregor Thomanek

Seit dem ersten Krachbumm-Trailer war da diese latente Angst im Hinterkopf, Eidos könnte mit dem Richtung Action verschobenen Fokus übers Ziel hinausschießen, aus einem subtilen Chamäleon einen Rambo im Dystopie-Mantel zimmern. Die Befürchtung war unbegründet, vielmehr ist das Gegenteil eingetreten: Nachdem Jensen in Human Revolution noch etwas hüftsteif durch Detroit zog, sich notgedrungen auf seine Schleicherqualitäten konzentrierte, weil die offensive Alternative schlicht keine war, ist er jetzt agiler und damit vielfältiger als je zuvor. Niemand schreibt euch vor, was ihr wie zu tun habt. Prag ist ein weit verzweigter Spielplatz, der sich ganz nach eurer Fasson richtet und keinen bestimmten Spielstil diktiert, euch vielmehr dazu ermutigt, verschiedene auszuprobieren.

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So vielfältig, bunt und facettenreich es spielerisch zugeht, so plakativ-plump inszeniert sich Mankind Divided jedoch inhaltlich. Der unbedingte Wille, Missstände anzuprangern und eine kritische Botschaft in die Welt zu schicken, ist nur allzu deutlich erkennbar. Nur fehlt dafür etwas Essentielles: die Botschaft. So großartig diese Welt in Szene gesetzt wird, hinter den Kulissen fehlt es ihr an echtem Fundament. Das neue Deus Ex ergeht sich in Cyberpunk-Klischees, hämmert uns die subversive Erkenntnis ein, dass Diskriminierung schlecht ist. Haltet die Druckerpressen an!

Eidos hat ein überaus kompetentes Spiel abgeliefert und kommt dem ursprünglichen Deus-Ex-Charme hiermit näher als jeder andere Teil der Reihe. Zugleich machen die Kanadier ihr Baby aber auch größer, als es tatsächlich ist. Sie hätten so gern einen ähnlichen Underground-Wurf hingelegt wie Ion Storm vor 16 Jahren, garniert mit einem progressiven Kern und viel Anti-Mainstream-Attitüde, strecken sich dafür bis zur Decke und werden doch immer wieder unsanft von jener Realität zurück auf den Boden geholt, die damit einhergeht, wenn man im Jahr 2016 einen AAA-Blockbuster produziert. In der Konsequenz ist Mankind Divided auch ein schizophrenes Spiel, hin und hergerissen zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Vor allem aber ist es eine kreative Spielwiese für alle, die diebische Freude am Ausprobieren, Tüfteln und Entdecken haben.

Deus Ex: Mankind Divided ist für PC, PS4 und Xbox One erschienen. Jetzt bei Amazon kaufen.

Pro

  • Schicke Optik
  • Kreativ verschachteltes Leveldesign mit verschiedenen Routen
  • Fehler des Vorgängers konsequent ausgemerzt oder zumindest verbessert
  • Stimmungsvoll gestaltete Welt mit Liebe zum Detail
  • Action macht Spaß und funktioniert endlich so, wie sie soll
  • Unterschiedliche Augmentierungen ermöglichen zig verschiedene Spielstile
  • Fabelhafter Soundtrack

Contra

  • Dialoge mit ständigen Schuss-Gegenschuss-Montagen etwas bieder inszeniert
  • Steife Gesichtsanimationen
  • Steuerung dezent überladen
  • Geschichte nimmt sich wichtiger als sie ist
  • Teilweise heftige Ruckler
  • Dusselige K.I.-Gegner

Grafik

Aus dem hässlichen Entlein ist endlich ein Schwan geworden. Eidos hat die aktuelle Konsolengeneration deutlich besser im Griff als die vorangegangene und zaubert in jeder Hinsicht eine wunderbar anzusehende Zukunftsvision auf den Bildschirm. In größeren Gebieten verschlucken sich die Daddelkisten allerdings bisweilen heftigst und auch die Gesichtsanimationen sind mit dem Rest der Technik nicht on par – unglücklich bei einem Spiel, das zu gefühlt 50 Prozent aus Dialogen besteht.

Sound

Mankind Divided klingt noch besser als es aussieht und hat verstanden, dass sich ein guter Soundtrack vor allem dadurch auszeichnet, das Geschehen subtil zu unterstützen, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen. Nun: Mission erfüllt. Der Rest ist auf ähnlich hohem Niveau, von den Sprechern bis hin zu allem anderen, was aus euren Boxen dröhnt.

Gameplay

Eine Fortsetzung, wie sie im Buche steht: Die Schwächen des Vorgängers wurden nahezu vollständig ausgemerzt, ergo wurde aus einem guten ein sehr gutes Spiel. Adam Jensen ist vielfältiger als je zuvor, seine Welt ebenso. Ihr könnt den stillen Schleicher mimen, mit dicken Wummen Stunk machen oder aus all den feinen Abstufungen dazwischen wählen. Der Strauß an unterschiedlichen Augmentierungen ist herrlich bunt.