Nachdem Rassismus-Vorwürfe gegen Square Enix in den USA laut wurden, nahm der Publisher offiziell Stellung. Allerdings halten viele den Entschuldigungsversuch für nicht ausreichend. Vor allem die afroamerikanische Bevölkerung soll durch einen Dialog im Spiel in ein rassistisches Licht gerückt werden.

Deus Ex: Human Revolution - Rassismusvorwürfe nehmen kein Ende

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Die Entschuldigung seitens Square Enix wird nicht ernst genommen. Wird der Dialog bald mit einem Patch entfernt?
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Infrage gestellt wird der Dialog mit dem Nebencharakter Letitia the Trash Lady. Beobachter behaupten, der dunkelhäutige NPC würde stark stereotyp dargestellt und spräche im Spiel einen Dialekt, der aus der Sklavenzeit stammt. Es handelt sich dabei um einen sehr gedehnten, amerikanischen Slang.

Square Enix versuchte sich zu entschuldigen und äußerte in seiner Stellungnahme, dass man nie die Absicht gehabt hätte, eine bestimmte ethnische Gruppe in ein schlechtes Licht zu rücken. Man wollte vielmehr die Vielschichtigkeit der Bevölkerung im Jahre 2027 darstellen. Diese Aussage ist einigen Kommentatoren allerdings nicht genug. Sie ziehen vielmehr Vergleiche zu der Entschuldigung Sonys, als im April über 100 Millionen Datensätze aus dem PlayStation-Network gestohlen wurden. Square Enix hätte sich ebenfalls nicht entschuldigt und die Sache sogar noch viel schlimmer gemacht, in dem sie von „Vielschichtigkeit“ sprachen. Man könnte in diese Formulierung hineininterpretieren, dass der Rassismusverdacht nur noch bestärkt würde.

Vor allem Industrygamers-Kolumnist Chris Morris zieht hier den Vergleich zwischen dem PSN-Skandal und Square Enix. Er weist zwar darauf hin, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen dem Verlust von personenbezogenen Daten und einem Dialog in einem Spiel gibt; schließlich gäbe es aber eine grundlegende Gemeinsamkeit zwischen den beiden Fällen: Die Leute nehmen sie sehr ernst und sehr persönlich. Square Enix hat seiner Ansicht nach den Fehler begangen, sich nicht sofort dafür zu entschuldigen, sondern sich zunächst einmal gegen die Kritik zu verteidigen. Etwas, womit ein Teil der Zielgruppe durchaus vergrault werden könnte.

Sony hätte ebenso falsch reagiert: Erst wäre das PSN unvermittelt und kommentarlos abgeschaltet worden, dann kam die Bestätigung, dass das Netzwerk angegriffen worden war und erst fünf Tage später hielt man es bei Sony für angebracht, sich für den Vorfall zu entschuldigen.

Datenverluste, auch in großem Maße, kämen in der heutigen Zeit vor. Man kann sich davor fürchten und sich darüber ärgern, aber dass es keine hundertprozentige Sicherheit geben kann, dürfte jedem bewusst sein. Man kann in so einem Fall die Schuld bei anderen suchen: Bei Hackern, Sicherheitsunternehmen, Serveradministratoren und so weiter. Hat man allerdings einen Dialog in einem Spiel, der als rassistisch aufgefasst werden kann, dann kann man schlecht die Schuld auf andere abwälzen. Hier muss dann der Publisher ran und nachbessern und zwar in erster Linie, in dem er sich entschuldigt und die fragliche Szene mit einem Patch entfernt. Ansonsten könnte die Affäre zu einer länger andauernden Schlammschlacht ausufern.

Ob es einen solchen Patch und eine weitere Entschuldigung seitens Square Enix geben wird, ist allerdings noch nicht klar.

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