Grundsätzlich ist Deus Ex: Invisible War ein 3D-Shooter mit düsterer Science-Fiction-Atmosphäre: Die Welt steht am Abgrund, offen streiten die utrakapitalistische "WTO" und der terroristische "Orden" um die Macht.

Gleich zu Spielbeginn greifen Terroreinheiten des Ordens die Akademie an, an der Alex Denton zum Elitesoldaten ausgebildet wird. Die Flucht führt Alex nach Seattle, später weiter nach Kairo, Trier und in die Antarktis ...

Deus Ex 2: Invisible War - TrailerEin weiteres Video

Das Gameplay unterscheidet sich jedoch dramatisch von herkömmlichen Simpel-Shootern: Deus Ex: Invisible War bietet eine fast unglaubliche Vielfalt an möglichen Taktiken und Problemlösungen. Die Kapitel bzw. Regionen bleiben fest aneinandergereiht - Alex durchquert immer die Tarsus-Akademie, Seattle, Kairo, die Antarktis, Trier ... Was Alex dort aber macht, für wen und wie, das bleibt großteils dem Spieler überlassen.

Die zwei Fraktionen, die Alex anwerben wollen, unterscheiden sich grundlegend voneinander: Der Orden, geführt von "Ihrer Heiligkeit", greift zu terroristischen Methoden, um seine Ziele von naturverbundener Harmonie umzusetzen.

Die geldgierige WTO hingegen setzt auf radikalen Kapitalismus und verfügt über ein globales Spitzel- und Überwachungssystem. Immer wieder bieten die beiden Aufträge an, die einander direkt widersprechen: Soll Alex im

Deus Ex 2: Invisible War - Ein würdiger Nachfolger? Wir sagen es euch!

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Ordensauftrag den Erfinder einer verheerenden neuen Waffe töten? Oder lässt Alex den Wissenschaftler leben und schnappt sich statt dessen den Prototypen der Waffe, was die WTO freut? Ihre Entscheidung.

Auch das "wie" bleibt in der Hand des Spielers: Die "Biomod"-Technologie erlaubt es, Alex mit 15 möglichen Upgrades in 5 Kategorien zu "tunen" (Details siehe Kasten), was ziemlich spezialisierte Charaktere erlaubt: Scharfschütze, Rambo, Schleicher sind nur einige Standard-Spielarten. Je nach Charakter-Upgrades und Spielstil sind auch die Waffen mit Bedacht zu wählen: Sieben Nahkampfwaffen,
Fernwaffen, 11 Arten von Minen und Granaten und rund ein Dutzend sonstige Items gibt es im Spiel zu finden, die gut versteckten "Uniques" schon mitgezählt.

Ein Beispiel: Der Gang vor Ihnen ist schwer gesichert: Eine Kamera steuert den dahinter lauernden Flammen-werfer-Turm, mehrere bewaffnete Soldaten patrouillieren in der Nähe. Was tun? Einige Ideen...

Packshot zu Deus Ex 2: Invisible WarDeus Ex 2: Invisible WarErschienen für PC und XBox kaufen: Jetzt kaufen:

a) Oft führen versteckte Passagen oder Lüftungsschächte an Gegner vorbei oder zu guten Angriffspositionen.

b) Rambos aktivieren Schutzdrohne und andere Biomods. Gegen den Flammenwerfer immun, werfen sie eine EMP-Granate voraus und widmen sich dann den überlebenden Gegnern ...

c) Schleicher tasten sich im Dunkeln heran, aktivieren Sicht-Tarnfeld und Thermal-Tarnfeld - und können so vorbeischleichen. Wer will, verteilt unterwegs noch eine Handvoll Minen ...

d) Scharfschützen suchen sich eine dunkle Nische und versuchen einen Kopftreffer zu landen. Die Gegner laufen zu ihrem besiegten Kameraden, organisieren sich und schwärmen aus - ob Sie weiter kämpfen oder sich erstmal zurückziehen, ist Ihre Sache.

e) Samurai zücken das Schwert, aktivieren ihre Biomods und sprechen ein kurzes Stoßgebet. Dann greifen sie an. Schwieriger als mit Fernwaffen, aber schaffbar.

f) Hacker mit Neuralschnittstelle können oft Terminals finden, an denen man Kameras und Türme abschalten oder gar übernehmen kann.

g) Notfalls kann man sogar versuchen, einfach mit Tempomodi-fikation drauflos zu rennen und die Gegner abzuhängen.

h) In späteren Levels patrouillieren manchmal Soldaten miteinander verfeindeter Gruppen. Mit einem Schuss lockt Alex die feindlichen Wachen direkt vor die Flinten der anderen Gegner - und kümmert sich dann um die Überlebenden.

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Mit unterschiedlichsten Waffen vom Elektro-Taser bis zum Flammenwerfer ist für jeden Geschmack und Kampfstil etwas im DX:IW-Arsenal. Die Waffen lassen sich außerdem mit je bis zu zwei Waffen-Modifikationen aufrüsten, um etwa höheren Schaden anzurichten, weniger Munition zu verbrauchen oder dank Schalldämpfer die Tarnung nicht immer gleich auffliegen zu lassen.

Vor Spielende buhlen die Templer, die Illuminaten und JC Dentons Apostelgemeinschaft offen um die Gunst des Spielers.

WTO und Orden sind bei weitem nicht die einzigen Gruppen im Spiel:

Zwei Kaffehausketten liefern einander einen bitteren Kleinkrieg und bieten Aufträge an, immer wieder haben auch andere Privatleute Aufträge anzubieten.

Überhaupt lohnt es sich, jede Figur in der Spielwelt mehrmals anzusprechen: So gut wie jede Person rückt auf genauere Nachfrage mit weiteren Informationen heraus, die noch dazu von Alex' bisherigen Entscheidungen abhängig sind. Bald tauchen die ultra-fanatischen Templer auf, die alle biomodifizierten Lebewesen vernichten wollen. Auf hochgezüchtete, biomodifizierte Klonkrieger wie Alex sind die Templer natürlich besonders scharf! Später wird's noch mal komplizierter: Alex Denton deckt eine gewaltige Täuschung auf und entdeckt die mächtigen Geheimbünde, die im Verborgenen die Fäden ziehen ... So bietet Deus Ex: Invisible War ein hohes Maß an spielerischer Freiheit, orientiert sich aber immer an dem zugrundeliegenden Handlungsskelett.

Besser als der legendäre Vorgänger?
Das erste "Deus Ex" blieb lange Zeit spannend, für Spieltiefe war gesorgt: Erfahrungspunkte-System, elf Fertigkeiten, neun Steckplätze für rund 30 Implantate - das ist bis heute wohl unerreicht. Dass DX:IW nicht ganz so komplex ist wie das "legendäre" Deus Ex, mag einen Grund haben: Deus Ex erhielt zwar unzählige Preise, am Ladentisch klingelten die Kassen aber eher bei leichter verdaulicher Kost: Herkömmlichen Ballerspielen der Kategorie "Dort Gegner, du plattmachen".

Um die faszinierende Vielfalt von Deus Ex einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen (und, im Gegensatz etwa zum legendären Entwicklerteam Looking Glass (System Shock, Thief Dark Project, Ultima Underworld) wirtschaftlich zu überleben), musste man Deus Ex etwas einfacher machen, ohne ihm aber die Vielfalt an spielerischen Möglichkeiten zu nehmen. Oder, direkter formuliert: Es galt, Deus Ex für normale Menschen bedien- und erlernbar zu machen, die weniger als 20 Stunden pro Woche mit Computerspielen verbringen ... und das nach Möglichkeit, ohne die Freaks zu vergraulen. Das Kunststück ist überraschend gut gelungen: DX:IW bietet zwar "nur" fünf Steckplatze (mit je drei Upgrade-Levels) und 15 mögliche Biomodifikationen. Das genügt aber für immerhin 243 theoretisch mögliche Biomod-Kombinationen, die verschiedenen Upgrade-Stufen nicht mitgezählt. Einige Dutzend stark unterschiedlicher, gut spielbarer Charaktere sind da auf jeden Fall drin! Besonderen Spaß macht es, die Extreme auszuloten: Scharfschütze, Nahkampf-Samurai, infiltriert man als getarnter Hacker feindliche Festungen oder legt man sie als unbesiegbarer Terminator in Schutt und Asche? Man kann Deus Ex: Invisible War sogar als "Vampir" durchspielen, der seine Gesundheit ausschließlich durch Biomod-Absorption bewusstloser Frauen regeneriert. Herausfordernd, aber es klappt und macht Spaß!

Gelungen auch die Spielbalance:

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Unbesiegbare Killer-Charaktere sind kaum möglich, immer wieder muss man harte Entscheidungen fällen (was auch am recht kleinen Inventar liegt). Das innovative Interface lässt sich auf PC und Xbox gleichermaßen mittelprächtig bis gut bedienen und sieht (in der deutschen Fassung von vornherein, in der US-Version ab Patch 1.1) auch auf PCs recht gut aus. Das oft lautstarke Gezeter über die US-Fassung basierte großteils auf den hässlichen Riesenschriften und anderen Konfigurationsdetails, die wohl in der Hektik des vorweihnachtlichen US-Releases untergegangen waren. Bereits Patch 1.1 brachte der US-Fassung ein deutlich besseres Interface undetliche kleine Detailverbesser-ungen - die im deutschen Build be-reits von Haus aus eingebaut sind.

Musik und Soundeffekte halten sich meist dezent im Hintergrund, wichtig sind eher die vielen Dialoge - die dank ihres enormen Umfangs an der mehrmonatige Zeitspanne bis zum deutschen Release mit "schuld" sein dürften: Im Gegensatz zum Vorgänger, der mit Untertiteln auskommen musste, ist DX_IW nämlich komplett lokalisiert, inklusive Sprachaufnahmen.

Grafik & Performance
Die Grafik von DX:IW basiert auf der Unreal-Warfare-Engine, die jedoch extrem modifiziert wurde.

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Ähnlich wie in Thief: Dark Project sind Schatten und düstere Stellen oft spielwichtig, leider allerdings sind in den ersten beiden Levels stellenweise eher langweilige Architekturen zu sehen.

Großteils ist die Grafik sehr gelungen, macht aber nur mit flotten Grafikkarten richtig Spaß.

Die Biomods

Slot: Vorinstalliert
Licht: Erhellt die Umgebung (sicht-bares Licht, alarmiert Gegner)
Upgrades: Keine

Slot: Auge
Regeneration: Heilt Alex
Upgrades: Effizientere Heilung
Sichtoptimierung: Verbesserte Sicht ohne sichtbares Licht
Upgrade: Personen, Bots, Kameras und Türme durch Wände sichtbar
Spähdrone: Bewegliche Kameradrohne
Besonderheit: Kann ferngezündet werden, erzeugt EMP-Impuls

Slot: Schädel
Tarnfeld Alex ist fast unsichtbar

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Upgr.: Weniger Energieverbrauch Schutzdrohne Reduziert Schaden durch Feuer, Gas, Strahlung, Energie
Upgrade: Hitze- und Energiescha-den heilt Alex
Neuralschnittstelle Türme,Kameras ausschalten Upgr.: Türme kapern

Slot: Skelett
AG-DF-Drohne Sprengt Granaten und Raketen, bevor sie Alex erreichen
Upgrade: Höhere Reichweite
Thermal-Tarnfeld Alex wird für Bots, Türme und Kameras unsichtbar
Upgr.: Weniger Energieverbrauch
Elektrostatische Entladung: Nah-kampfangriffe verursachen EMP-Schaden

Upgrades: Funktionsstörungen bei Bots.

Slot: Arm
Biotoxin-Drohne: Greift nahe Gegner automatisch an Besonderheit: Toxin macht Gegner bewusstlos
Kraftmodifikation: Mehr Schaden im Nahkampf und durch Wurf-waffen
Upgrade: Zusätzliche Inventar-Slots
Bot-Kontrolle: Erlaubt Alex, kleine Bots zu kapern
Upgrade: Jeden Bot übernehmen

Slot: Bein
Schleichmodifikation: Weniger Laufgeräusch
Upgrade: Lauflos auch im Laufen, mehr maximale Fallhöhe
Tempomodifikation: Erhöht Tempo und Sprungweite
Upgrade: Weniger Energiever-brauch
Egel-Drohne: Besiegte Gegner werden zu heilendem Bio-Brei verarbeitet
Upgrade: Zersetzt auch Kleintiere (Ratten, Tauben, Pinguine)

Tipps

Bolzenwerfer kurz nach Spielstart
Nach der Tarsus-Freizeitebene geht's zurück in die Tarsus-Apartments. Billie Adams schaltet die künstliche Decke in Alex' Zimmer weg. Wer über die Anrichte auf den Trägerbalken klettert, findet einen Boltcaster.

Hellfire-Bolzenwerfer
Wenn Sie das Nassif-Gewächs-haus in Kairo betreten, sehen Sie nach oben. Sehen Sie das Fens-ter? Dort müssen Sie rein. Dazu müssen Sie zunächst das Gebäu-de durchqueren, im ersten Stock beim Medbot nach links auf den Balkon und rüber aufs Fenster.

Geheimer Party-Level
Auf Liberty Island betreten Sie das Unatco-Gebäude. Gleich im ersten Raum steht eine Flagge. Im Zwi-schenstockwerk mit den Zivilisten geht's in die Toilette im Nordosten. Speichern Sie das Spiel ab, man kann nämlich nicht mehr zurück - und betätigen Sie mit der Flagge in der Hand die Spülung.