"Alles begann mit eine Tech-Demo", erzählt Star-Entwickler David Cage anlässlich der Detroit-Demo auf der E3. Es habe nie einen Plan gegeben, daraus ein Spiel zu machen. Doch dann habe es fantastische Fan-Reaktionen gegeben und er habe sich gefragt, was eigentlich mit Cara passiert, nachdem sie die Fabrik verlässt. Das führte zu Detroit: Become Human. Und dazu, dass ich mir die Präsentation angeguckt habe. Der Rest ist Geschichte. Ich meine, der Anfang meiner Geschichte.

Detroit ist ein Neo Noir Thriller, der in der nahen Zukunft spielt, 20 Jahre von heute aus gesehen, sagt Cage. Es werden Millionen von Androiden hergestellt, die aussehen, sprechen und sich verhalten wie Menschen. Sie haben vielen Menschen die Arbeitsplätze weggenommen - sie arbeiten als Lehrer, Krankenschwestern oder Polizisten. Allerdings werden sie trotzdem wie Maschinen behandelt: Der Android Act beschreibt sehr spezifisch, wie Androiden zu behandeln sind. Zum Beispiel müssen sie ein blaues Armband tragen, das sie als Androiden kennzeichnet. Man könnte auch sagen: brandmarkt. Waffen dürfen sie auch nicht tragen.

Wann ist ein Mensch ein Mensch?

Es geht in dieser Geschichte nicht um gut oder böse, erklärt Cage. Im Mittelpunkt steht unsere Gesellschaft. Mit Detroit will er sich die Menscheit aus einem anderen Blickwinkel anschauen und Gamer ihre eigenen Antworten auf Fragen finden lassen, die das Spiel aufwirft. Ich selbst muss bei diesem Spiel und der Thematik immer an Lt. Commander Data denken. Das Buch The Metaphysics of Star Trek beschäftigt sich nämlich insbesondere mit der Frage, ob Data ein Mensch ist oder nicht. Und wenn ihr jetzt an Blade Runner denkt, liegt ihr damit sicher auch richtig, denn erstens zieht David Cage diese Parallele selbst und zweitens ist eine der Hauptpersonen ein Androiden-Ermittler names Connor.

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Detroit, das vielleicht als kleiner Einschub, orientiert sich in der Spielanlage eher an Heavy Rain denn Beyond. Sprich: Es wird wieder mehrere handelnde Personen geben, die jeweils Kapitel für Kapitel in Aktion treten. Neben Connor wird das selbstverständlich Cara sein, zu der Quantic Dream aber keine weiteren Infos rausgeben wollte. Connor ist ein fortgeschrittener Prototyp und jagt fehlgeleitete Androiden (Deviants). Er ist kalt, emotionslos und extrem clever - deshalb ist er in der Lage, seine Umgebung und die zahlreichen interaktiven Elemente augenblicklich zu analysieren. Seine Fähigkeiten helfen ihm, Tatorte zu rekonstruieren, dafür hat er auch Zugriff auf eine umfangreiche Datenbank.

Quantic Dream bezeichnet seine überragenden kognitiven Fähigkeiten als "Mind Palace". Betrachtet er etwa ein Familienfoto, weiß er sofort, wer die Personen sind und alles über ihren Hintergrund. Das hilft ihm, und damit natürlich dem Spieler, dabei, Informationen zu sammeln und den Fall zu lösen. Außerdem kann er etwa Schussbahnen nachverfolgen und an bestimmten Stellen die Zeit vor- und zurückspulen und sich alle Räume aus verschiedenen Kameraperspektiven anschauen. In dem aktuellen Beispiel wird Connor zum Schauplatz eines Mordes und einer Geiselnahme gerufen - ihr habt die Szene vielleicht im E3-Video bereits gesehen. Der Android Daniel hat ein kleines Mädchen gefangengenommen, den Vater getötet und droht, auch die Tochter zu ermorden.

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Der Clou: Mit jeder gesammelten Informationsfetzen, mit jedem Dialog, steigt die Erfolgswahrscheinlichkeit, die permanent eingeblendet und in Echtzeit von Connor berechnet wird. In der Umgebung sind viele Hinweise versteckt, dabei helfen auch die unterschiedlichen Kamera-Perspektiven. Das Problem: Man steht unter Zeitdruck - ewig wird Daniel nicht mit dem Mädchen an der Dachkante des Hauses warten. Und: Alle Charaktere können unwiderbringlich sterben. Wenn man nicht aufpasst (oder man absichtlich diese Entscheidung trifft) ist die erste gleichzeitig auch die letzte Mission für Connor. Ein Game Over gibt es aber in keinem Fall, Cage sagt, es gebe immer eine narrative Lösung für jeden Ausgang einer Situation.

Endlich hat Quantic Dream mehr über sein neues Spiel verraten - und ich bin jetzt noch heißer drauf als vorher.Ausblick lesen

Scheitert man bei einer Mission, hat das selbstverständlich Auswirkungen auf den weiteren Fortgang der Handlung. Wie in den früheren Spielen der Franzosen geht es auch in Detroit darum, moralische Dilemmas zu lösen und notfalls den Kompromiss zu finden, mit dem man am besten leben kann. Im konkreten Fall muss man entscheiden, ob man einen der Androiden oder das Mädchen opfern will, oder eine ganz andere Entscheidung trifft. Spannend ist das allemal, zumal Quantic Dream mehrere unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten für die Szene zeigt.

Technisch gesehen basiert Detroit übrigens auf einer brandneuen Engine, sagt Cage. Das erlaube vollkommen neue Gesichtsanimationen - und das sieht man dem Spiel auch an. Es ist wirklich erstaunlich, wie gut die Gesichter aussehen und wie realistisch sie animiert sind. Zwar sind alle handelnden Spielfiguren Androiden (bestätigt Cage), aber das heißt nicht, dass sie keine Emotionen zeigen würden. Es ist übrigens kein Zufall, dass Cage Detroit als Schauplatz für sein Drama ausgewählt hat. Er sagt der lange Zeit dahinrottenden früheren US-Autometropole eine glänzende Zukunft voraus, wenn sich jemals eine Androiden-Industrie in den USA etablieren sollte. Viele leerstehende Fabriken wären dafür der ideale Nährboden.