Crypto ist wieder da! Der griesgrämige Außerirdische mit den flotten Sprüchen auf den schmalen Lippen hat sich erneut Zap-O-Matic und Analsonde geschnappt, um der Menschheit tüchtig in den Allerwertesten zu treten.

Diesmal treibt er sein Unwesen in den groovigen Siebzigern und versucht, der Fast-Food-Kette seines Kumpels Pox zum endgültigen Durchbruch zu verhelfen. Denn die servieren: Menschenfleisch! Ob die massive Junkfoodattacke von THQ auch im dritten Anlauf noch zu unterhalten weiß, zeigt unser Test. Bon Appetit!

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Amoklauf

So ein Alien hat's schon schwer auf der guten, alten Erde. Nicht nur, dass die Erdbewohner trotz eifriger Bemühungen schon seit 2005 den Vernichtungsbestrebungen widerstehen; der graugesichtige Crypto muss sich im nunmehr dritten Teil der Reihe auch mit allerlei inhaltlichen und technischen Problemen herumschlagen.

Destroy All Humans! Big Willy: Entfesselt - Dieser Big Willy ist lediglich ein Wiener Würstchen.

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Versuch beweist: Chronische Blähungen können sich verkehrsberuhigend auswirken.
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Wir erinnern uns: Teil eins konnte noch mit schrägem 50er-Jahre-Charme und allerlei derben Scherzen punkten. Der Nachfolger, erschienen 2006 und angesiedelt in der Flower-Power-Ära der Sechziger, hatte schon ein wenig von seinem Charme eingebüßt, denn anstelle echter Neuerungen wurden viele Gags und auch die Spielstruktur aus dem Vorgänger recycelt. Immerhin hatte der gute Crypto noch genug Potenzial, um hinlänglich zu amüsieren. Mit dem nun erschienenen dritten Teil haben nicht nur neue Entwickler das Ruder in die Hand genommen, sondern das Spiel betritt erstmals auch die Wii-Zappelbühne.

Die Story hat sich gegenüber den Vorgängern nicht geändert, spielt jetzt allerdings in den siebziger Jahren. Nach wie vor ist Crypto auf der steten Jagd nach menschlicher DNS, um die Unsterblichkeit seiner Rasse zu sichern. Also werden wieder so viele Menschen wie möglich mit Hilfe der beliebten Analsonde um ihre Gehirne erleichtert, die als Grundlage für die DNS-Gewinnung dienen. Um unnötige Panik oder massive Gegenwehr zu vermeiden, hat der radikale Außerirdische erneut die Möglichkeit, sich seine Opfer mittels Hypnose gefügig zu machen. Nur dass sie diesmal nicht nach Klängen von Jimi Hendrix und Co. durch die Straßen tanzen, sondern zu cooler Discomucke.

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Während Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst verleihen Demonstranten ihren Forderungen mit Straßenblockaden Nachdruck.
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Natürlich darf Freund Schmallippe im Verlauf seiner destruktiven Aktivitäten wieder heftigen Gebrauch von seinem reichhaltigen Waffenarsenal machen, aus dem wie üblich das Ufo als besonders effektiv hervorsticht. Es bereitet nämlich auch im dritten Aufguss noch viel Frohsinn und ungehemmte Freude, mit dem Hitzestrahl ganze Straßenzüge zu verwüsten. Neu im Programm der Vernichtungsmaßnahmen ist übrigens ein haushoher "Big Willy"-Roboter, mit dem man die Stadt erkunden kann. Spaß pur!

Eigentlich sollte hier ein pubertäres Wortspiel über meinen Big Willy kommen. Doch angesichts dieses Spiels ist mir der Humor vergangen.Fazit lesen

Neu ist auch, dass die bislang nutzlosen Körper der enthirnten Menschen diesmal dem Fastfood-Betrieb zugeführt werden und als Rohstoff für jede Menge Burger dienen. Cryptos Boss Pox hat nämlich die erfolgreiche Schnellrestaurant-Kette "Big Willy" hochgezogen, die sich wachsender Beliebtheit erfreut. Das wiederum stört die liebe Konkurrenz, die um ihr Geschäft bangt und deshalb mit allen Mitteln versucht, das Geheimnis von Pox' leckeren Burgern an die Öffentlichkeit zu bringen. Klar, dass Crypto dies verhindern muss.

Es geht um die Wurst

Anführerin des Burger-Widerstands ist Patty Wurst. Der Name passt nicht nur hervorragend in den Kontext des Spiels, sondern erinnert auch an die zugrunde liegende reale Figur der Millionenerbin Patty Hearst. Die war 1974 von einer linksradikalen Organisation in den USA entführt worden, hatte sich später ihren Entführern angeschlossen und an Banküberfällen teilgenommen. Nach ihrer Verhaftung hatte sie angegeben, sie sei von der Organisation unter Drogen gesetzt und zur Mitarbeit gezwungen worden. Im Spiel ist Frau Wurst die Anführerin der militanten Fast-Food-Gegner und erinnert auch äußerlich ein wenig an ihr lebendes Vorbild. Cryptos größte Sorge gilt ihren Bestrebungen, Beweise für die Herkunft der "Big Willy"-Burger an die Öffentlichkeit zu bringen.

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Medizinisch erwiesen: Blasenschwäche bei Kleinkindern führt zu Mittelstrahlverfärbung.
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Wie aus den Vorgängern bekannt, unterteilt sich das Spiel in Haupt- und Nebenmissionen. Wer will, latscht auch einfach nur durch die Stadt und sorgt für Chaos und Vernichtung. Das geht allerdings nicht lange gut, denn je mehr Staub man aufwirbelt, desto mehr Polizei und Militär kümmern sich um den Störenfried. Außerdem wird das freie Gelatsche relativ schnell langweilig, denn die Handlungsmöglichkeiten außerhalb der Missionen sind sehr begrenzt. Die Aufgaben selbst sind unspektakulär. Mal muss man einen Laster eskortieren, mal belastende Gegenstände verschwinden lassen oder Personen beschatten. Dann wieder müssen Gegenstände innerhalb einer bestimmten Zeit von einem Ort zum anderen gebracht werden. Außerdem müssen natürlich die Restaurants vor Bombenattentaten geschützt werden.

Garniert wird das Ganze von den anfangs sehr coolen und teilweise richtig witzigen Kommentaren von Pox und Crypto. Doch leider wiederholen sich die Sprüche bald. Außerdem nerven die pubertären Wortspielereien mit "Big Willy" ziemlich schnell. 14-Jährige, die jedes "Ficken" mit einem stimmbrüchigen "hihi" kommentieren, mögen vielleicht länger ihre Freude daran haben, ältere Zocker wohl kaum.

Steuerstreit

Geben die inhaltlichen Defizite lediglich Anlass zu Stirnrunzeln und Murmelei, so kann die technische Umsetzung nur als misslungen bezeichnet werden. Zwar geht die Steuerung mit Wii-Mote und Nunchuk simpel von der Hand, doch leider ist sie recht unsauber. Besonders als Fußgänger hat Crypto mehr Probleme, die Richtung zu halten, als sich mit den Gegnerhorden auseinanderzusetzen. Denn die Schwenks über den Bildschirmrand hinaus funktionieren zum Teil nicht richtig. Das ist in hektischen Situationen eher demotivierend. Auch beim Zielen kommt es wiederholt zu Unregelmäßigkeiten, da die Anzeige auf dem Bildschirm hin und wieder hinter den Bewegungen der Fernsteuerung zurückbleibt.

Natürlich können Gegner und Gegenstände auch wieder durch die Luft gewirbelt werden. Dazu drückt man A und B gleichzeitig und fuchtelt mit der Wii-Mote wild herum. Das klappt zwar gut, bietet aber gegenüber den Möglichkeiten der konventionellen Controller keinen echten Vorteil und hat auch früher auf der PS2 hervorragend funktioniert.

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Probleme mit Xbox 360 nehmen überhand: Ring of Death breitet sich unaufhaltsam aus.
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Gänzlich den Glauben an die schöne neue Konsolenwelt kann man jedoch angesichts der Grafik verlieren. Die dümpelt irgendwo jenseits von Gut und Böse über den Bildschirm, so dass man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass selbst die Erstausgabe von 2005 auf der PS2 um Längen besser aussah. Das ist doppelt ärgerlich, weil es Wasser auf die Mühlen all jener Dauernörgler ist, die die Wii am liebsten in den virtuellen Himmel schießen möchten, statt ihr den Erfolg zu gönnen. Hier hätten die Jungs von Locomotive Games mehr Sorgfalt walten lassen müssen. Es hat den Anschein, dass die Programmierer zwar die Vorgänger gründlich studiert haben und bestrebt waren, die Atmosphäre möglichst genau einzufangen, bei der technischen Umsetzung jedoch geschlampt haben.

Das gilt auch für den uninspirierten Multiplayer-Modus, bei dem sich entweder zwei Leidenswillige gemeinsam um die Burgerproduktion kümmern oder sich einen Wettstreit liefern. Das vermag eine kurze Zeit lang zu amüsieren, scheitert aber daran, dass der Mehrspielerteil improvisiert und aufgesetzt wirkt und auch schon bei den Vorgängern nicht gerade für Jubelstürme gesorgt hatte.

Immerhin wird in Sachen Sound solide Unterhaltung geboten. Die Musik passt gut zur schwiemeligen 70er-Jahre-Zeit, und die professionelle Vertonung glänzt mit lokalisierten Anspielungen auf deutsche Verhältnisse jener Zeit. Wären da nur nicht die inflationären Pickelcrème-Witze über Pox und seinen Big Willy...

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Die Animateure des Aida-Clubschiffs bei der Darbietung ihrer Interpretation vom Angriff der Klonkrieger .
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Fans der Reihe sollten eher einen Bogen um die Wii-Umsetzung machen und auf die angekündigte Fortsetzung "Der Weg des Furons" warten. Sonst fallen sie womöglich noch vom Glauben ab. Wer die Serie noch nicht kennt und auch keine Probleme damit hat, seiner armen Wii technisch unterdurchschnittliches Futter zu geben, kann einen vorsichtigen Blick riskieren. Die Gags und die comichaften Zerstörungsorgien bieten zumindest eine Weile lang ganz nette Unterhaltung.