Autor: Jörg Pitschmann

So ein Alien hat es nicht leicht auf Mutter Erde. Das wissen wir spätestens seit dem ersten Teil der spaßigen Sci-Fi-Verulke »Destroy all Humans«. Damals eröffnete man in Gestalt des kleinen, fiesen, außerirdischen Ekelpakets Crypto in den USA der fünfziger Jahre die Jagd auf die Menschheit und musste sich mit allerlei widerwärtigem Sicherheitspersonal, Alienjägern und der amerikanischen Landbevölkerung auseinandersetzen.

In zum Teil brüllkomischen Szenen beförderte Crypto seine Gegner auf schräge Weise ins Jenseits. Erinnert sei hier nur an die legendäre Analsonde, die den Opfern das Gehirn aus der Rübe zog - natürlich ohne Blutvergießen und mit viel sarkastischem Humor. Ob der jetzt erschienene zweite Teil in Punkto Spielspaß daran anknüpfen kann, verrät unser Test.

Destroy all Humans 2 - Trailer

Ich bin der Präsident
Seit den Geschehnissen aus dem ersten Teil hat sich eine Menge getan. Crypto, beziehungsweise sein Klon, ist inzwischen Präsident der USA geworden und vergnügt sich mit den heißesten Jet-Set-Miezen Hollywoods. Ach ja, und nebenbei regiert, beziehungsweise manipuliert er auch ein bisschen. Und das Beste: die Amerikaner merken nicht einmal, dass ihr oberster Chef ein Außerirdischer ist - was vermutlich auch in der Realität der Fall wäre. Alles könnte also zum Besten geregelt sein, wenn nicht die Russen finstere Pläne entwickelt hätten, um die Weltrevolution auszulösen und die Macht in den USA an sich zu reißen. Sie zerstören Cryptos Furon-Mutterschiff in der Erdumlaufbahn mit Atomraketen und schicken diverse KGB-Finsterlinge in den freien Westen, um dem kleinen Alien-Ekelpaket die Lichter auszublasen.

Destroy all Humans 2 - Der Mars macht mobil: Mit Gehirn-Sauger und Untertasse auf Invasions-Visite.

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Ein Feuergefecht mit KGB-Agenten. Cryptos Schutzschild leuchtet bei jedem Treffer auf.
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Doch zum Glück handelt es sich hier um ein Computerspiel, und das Geschehen ist mit allerlei Ironie und Satire angereichert. Zwar wird das Mutterschiff mit Cryptos Vorgesetzten Pox an Bord vernichtet, doch der kann sich als Hologramm auf die Erde flüchten und steht seinem kleinen Kämpfer für die ungerechte Sache mit Rat und Tat zur Seite.

Der hat alle Hände voll damit zu tun, sich gegen aufdringliche, schwarz beanzugte KGB-Agenten zur Wehr zu setzen und US-Polizisten sowie das Militär in seine Schranken zu verweisen. Dabei bedient er sich zum Teil altbekannter und beliebter Waffen und Methoden. Beschränkt sich sein Maßnahmenkatalog anfangs auf die bekannte, Stromstöße verschießende Zap-O-Matic, rüstet der kleine Wasserkopf sein Arsenal im Laufe der Zeit kräftig auf. Beliebtestes Instrument: die schon in Teil eins inflationär zum Einsatz gekommene Analsonde, die den Opfern einige Gesäßschmerzen und kurz darauf buchstäbliches Kopfzerbrechen bereitet. Auch nett: der Diskolator, der zwei Disks abschießen kann, welche jeden getroffenen Gegenstand in der Luft herumschleudern. Oder der Desintegrator, der in bester »Mars Attacks«-Manier Menschlein innerhalb kürzester Zeit brutzelt und nur die Skelette übrigläßt.

The Sun ain't gonna shine any more
Wie schon im ersten Teil ist auch bei »Destroy all Humans 2« der krude Charme amerikanischer B- und C-Movies aus den fünfziger Jahren erhalten geblieben - nur dass die Handlung diesmal in der drogenumnebelten Welt der sechziger Jahre und ihrer Hippie-Generation angesiedelt ist. Folgerichtig nimmt die Story in San Francisco, der Hochburg alternativer Lebenskultur, ihren Anfang. »Star Trek« ist bereits in aller Munde, und die nach freier Liebe und Drogen lechzende Gemeinschaft sehnt sich nach dem Weltfrieden.

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Make War, not Love!
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Im Laufe der Handlung verschlägt es den kleinen Grauen dann nach London, ins japanisch Yokohama sowie ins tiefe Russland. Ohne auf konkrete politische Vorgänge jener Zeit einzugehen, parodieren die Entwickler das Lebensgefühl der Golden Sixties liebevoll und treiben es gleichzeitig auf die Spitze. Das macht nicht nur Spaß, sondern verleitet auch dazu, sich einige Details näher anzuschauen. So lohnt es sich beispielsweise, überall die Gedanken der Menschen zu scannen, die, analog zum Vorgänger, mal mehr und mal weniger vor skurrilen Einfällen strotzen. Sie machen sich ihre Gedanken über die sexuelle Revolution, ob und welche Form der Verhütung sinnvoll ist oder schwärmen für die freie Liebe. Daneben gibt es natürlich auch Zitate aus Filmen jener Zeit.

Körperkult
Da das Spielprinzip ähnlich wie bei »GTA« funktioniert und man selbst entscheidet, wann man welche Mission angeht, bleibt zwischendurch genügend Zeit herumzutollen und allerlei Schabernack zu treiben. Allerdings sollte man dazu einen menschlichen Körper übernehmen, um nicht aufzufallen. Denn sobald die Menschen Crypto in seiner wahren Gestalt sehen, sorgt das für einiges Aufsehen. Und das bedeutet meistens: Stress mit wild schießenden Polizisten oder Militärs. Welchen Grad von Aufsehen man erregt hat, lässt sich anhand einer farbigen Skala auf der Radarmap leicht erkennen.

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Psychokinese in Aktion.
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Ähnlich wie bei »GTA« steigert sich der Alarm, je mehr Aufmerksamkeit man auf sich zieht. Hat man es anfangs mit ein paar leicht bewaffneten Sherrifs zu tun, so kommen bei steigendem Level Soldaten mit automatischen Waffen hinzu, bis man sich einer Übermacht von Panzern und schwerem Gerät gegenübersieht. In einem solchen Fall helfen meist nur noch die Flucht und der Versuch, mittels Psychokinese möglichst unbemerkt einen menschlichen Körper zu übernehmen. Gelingt dies, so lässt die Aufregung ziemlich schnell nach. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, einen Polizisten zu übernehmen und über eines der überall verteilten Notruftelefone bei der Polizeizentrale den Alarm sofort zu beenden.

Wird man beim Körperklau beobachtet, empfiehlt sich eine schnelle Gegenmaßnahme. Da Crypto in diesem Zustand von seinen Waffen keinen Gebrauch machen kann, setzt er seine mentalen Kräfte ein. Mit deren Hilfe kann er unliebsame Zeugen die Vorgänge vergessen lassen, oder er verleitet sie für einige Sekunden zur "freien Liebe", bei der die Opfer wie in Trance zu wilden Jimi-Hendrix-Rhythmen auf der Straße tanzen. Während der Vergessens-Trick nur auf Einzelpersonen angewendet werden kann, sorgt die freie Liebe für glücklich tanzende Einwohner im weiteren Umkreis.

Das ist praktisch bei Schießereien mit mehreren Gegnern oder wenn viele Zeugen eine Transformation bemerkt haben. Außerdem sieht es lustig aus und stellt eine echte Alternative zu wüsten Straßenkämpfen dar. Denn Crypto ist natürlich nicht unverwundbar. Zwar hat der kleine Bursche einen Schutzschild, der sich wieder auflädt, wenn er nicht in Schießereien verwickelt ist, doch bei hohem Gegneraufkommen kann auch ein dezenter Rückzug nicht schaden. Zumindest solange nicht, bis man irgendwann seine Waffen und Schutzschilde soweit aufgerüstet hat, dass man sich halbwegs gefahrlos mit den bösen Buben duellieren kann.

Hoch die Tassen
Wie schon erwähnt, bewegt sich Crypto in der Stadt vollkommen frei und erreicht schwer zugängliche Orte in aller Regel mit seinem - natürlich upgradebaren - Jetpack. Manche Missionen erfordern jedoch den Einsatz der schon aus dem Vorgänger bekannten fliegenden Untertasse. Damit schwebt der graue Unsympath über dir Häuser der Stadt und zerlegt die Umgebung bequem von oben. Natürlich verfügt die Untertasse wieder über allerlei Gimmicks, angefangen beim alles zerlegenden Laserstrahl bis hin zu Traktorstrahlen, mit denen Crypto je nach Bedarf Fahrzeuge, Gegenstände oder Menschen ansaugen kann.

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Cryptos Untertasse in einem Hinterhof.
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Neu hinzugekommen ist eine Tarnvorrichtung, die das gute Stück für Gegner komplett unsichtbar macht. Allerdings kann man im eingeschalteten Tarnmodus keine Waffen benutzen, und der Energieverbrauch der Vorrichtung ist immens hoch. Der regeneriert sich zwar nach einer Weile, was aber viel Zeit benötigt. Dafür kann man mit den Bordwaffen eine Menge Spaß haben. Doch je heftiger man aus der Luft attackiert, desto mehr Raketenpanzer machen Jagd auf die Untertasse.

Dann hilft nur noch, mit dem Traktorstrahl Fahrzeugen Energie abzuziehen, um seine Tasse zu reparieren. Auf diese Weise kann man sich eine ganze Weile in der Luft halten, doch irgendwann ist der Widerstand so heftig, dass man mit dem Reparieren nicht mehr hinterherkommt. Insofern sollte man sowohl die Tarnung äußerst sparsam einsetzen, als auch nicht zuviel Unfug am Boden anrichten, sondern sich auf die Missionen konzentrieren.

Je nach Aufgabenstellung muss Crypto beispielsweise eine bestimmte Anzahl von Hippies, Polizisten oder anderen Personen einfangen, die dann im Genmixer gemäß Vorgaben lustig miteinander kombiniert werden und so neue Fähigkeiten freischalten. Oder er muss vorgegebene Ziele zerstören, was sich angesichts der nicht gerade flinken Steuerung mal mehr, mal weniger schwierig gestaltet. Dennoch muss man sagen, dass auch hier der Fun-Faktor eindeutig überwiegt. Und wer den Vorgänger gespielt hat, wird mit der grundlegenden Steuerung der Untertasse wohl auch keine großen Schwierigkeiten haben.

Kleider machen Leute
Einige Missionen erfordern es, dass Crypto bestimmte Menschen übernimmt, um mit gewissen Personen reden zu können. Ein Hippie-Freak labert nun mal nicht gerne mit dem bourgeoisen Establishment, also sollte man sich ihm nur im Körper eines bärtigen Peace-Anhängers nähern. Umgekehrt verlangen beispielsweise gepflegte Sekretärinnen den Umgang mit beanzugten Business-Typen. Da man jedoch die gewünschten Personen relativ schnell und problemlos ausfindig machen kann, stellt dies keine echte Herausforderung dar.

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Erwischt! Eine Passantin hat Crypto als Außerirdischen erkannt und rennt schreiend davon.
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Einzig die Zeit sollte man nach einer Körperübernahme im Auge behalten, denn nach wenigen Minuten ist Schluss mit der Maskerade und Cryptos unfreiwilliger Wirt trennt sich von dem kleinen Alien. Je nachdem, wo man sich zu diesem Zeitpunkt befindet, kann das für böse Überraschungen sorgen, denn leider erholen sich Zeugen der Entleibung sehr schnell von ihrem Schrecken. Handelt es sich dabei um einen Trupp Soldaten oder Polizisten, hat man ein oder zwei Probleme. Empfehlenswert ist es deshalb, sein Waffenarsenal stets auf dem neuesten Stand zu halten, denn je besser die Knarren aufgerüstet sind, desto problemloser wird Crypto mit allzu aufdringlichen Angreifern fertig.

Da es Upgrades und neue Waffen wie alles im Leben nicht umsonst gibt, sollte man fleißig Datenkerne, Artefakte und sogenannte Furotech-Zellen sammeln. Hat man genügend zusammen, kann man im Pox-Shop einkaufen gehen und die neuen Errungenschaften postwendend ausprobieren. Wie schon erwähnt, kommt auch die beliebte Analsonde im Spielverlauf zum Einsatz, denn genau wie im Vorgänger geht es wieder darum, möglichst viele menschliche Gehirne einzusacken. Das ist hinlänglich witzig, allerdings leider nichts Neues. Denn sowohl inhaltlich als auch spielerisch hat sich gegenüber dem Vorgänger nur wenig getan. Einige neue Ideen mehr hätten dem Spiel zweifellos gut getan und die Wertung noch höher ausfallen lassen.

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Ein Meteorit rast auf San Francisco zu. Crypto nimmt Abstand.
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Immerhin kann man es der Menschheit jetzt auch zu zweit schwer machen, denn die Story lässt sich im Koop-Modus durchzocken. Da sich allerdings weder an der Handlung etwas ändert, noch für bestimmte Aufgabenlösungen zwei Spieler zwingend notwendig sind, ist der Mehrspielerpart etwas blass geraten. Bleibt einer der Spieler hinter dem anderen zurück, wird er nach Überschreiten einer bestimmten Entfernung automatisch zu seinem Kollegen gebeamt, denn eine Verzweigung der Handlung sieht das Programm offenbar nicht vor.

Immerhin: die Cryptos können sich durch Unachtsamkeit auch gegenseitig verletzen, so dass man in Massenballerszenen vorsichtig vorgehen sollte. Dennoch bietet der Mehrspielerpart zuwenig Abwechslung gegenüber der Singleplayer-Variante. Dies und die im Vergleich zum Vorgänger etwas spartanisch ausgefallenen Neuerungen sorgen leider dafür, dass dem Titel die höchsten Weihen in Form eines gamona-Awards leider verwehrt bleiben.