Destroy all Humans (Xbox-Test)
von Patrick Streppel

Schon oft haben Spieler die Welt vor Aggressoren aus dem All gerettet - jetzt drehen THQ und Pandemic den Spieß einmal um: Als leicht dämliches Alien Krypto unterwandern wir mit telepathischen und kinetischen

Kräften die Menschheit. Oder wir steigen einfach in unsere Untertasse und schießen alles kurz und klein! Denn bei dem humorvollen Actionspiel Destroy all Humans ist der Titel Programm!

Destroy All Humans! - Destroy All Humans! E3 Trailer

Der vor allem mit Pixar-Lizenzen erfolgreiche Publisher THQ geht mit Destroy all Humans auf die Innovationsüberholspur: Die australische Niederlassung der Pandemic Studios (Full Spectrum Warrior, Star Wars Battlefront) kombiniert darin Gameplay-Elemente aus ihrem Shooter-Hit Mercenaries mit dem Humor von Tim Burtons Kult-Streifen Mars Attacks! - herausgekommen ist ein abwechselungsreiches, extrem witziges und dabei tot-schickes Actionspiel, bei dem der Spielspaß leider von einigen kleineren Patzern getrübt wird.

Der Titel ist Programm
Der Konflikt Menschen gegen Aliens ist so alt wie die Science Fiction selbst - und musste in Computerspielen schon unzählige Male als Hintergrund herhalten. Nur selten haben wir die Gegenseite gespielt - und Ausnahmen wie Incoming Forces bleiben nur wenig positiv in Erinnerung. Auch die Entwickler von Destroy all Humans trauen sich den Seitenwechsel: Anstatt die Erde von Fieslingen frei zu

halten, zwingen wir die Menschheit in die Knie. Doch die groß angelegte Invasion ist vor allem eines nicht: Nicht ernst zu nehmen.

Die Außerirdischen Furons haben ein Problem: Durch unentwegtes Clonen degenerieren die DNS-Muster in den Datenbanken - zu Deutsch, die Jungs werden mit jeder Inkarnation dämlicher. Frisches Material muss also her und welcher Ort könnte sich dafür besser eignen als der blaue Planet am Rande der Milchstrasse? Dort haben nämlich die Urväter der Furons ihr Unwesen getrieben und in der DNS-Kette der Menschen ihre Spuren hinterlassen. Doch eine erste Erkundungsmission geht gründlich daneben, als die Untertasse über der amerikanischen Kleinstadt Roswell versehentlich in einen Raketentest gerät und in der Wüste abstürzt. Krypto 136 gerät in Gefangenschaft und sein nächster Clone, folglich Krypto 137, wird zur Erde geschickt - mit weniger Hirnschmalz aber dafür mehr Feuerkraft.

Mutterschiff
Denn Krypto kommt diesmal nicht

Destroy All Humans! - Analsonde ahoi! Als Alien die Erde erobern!

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allein - das gewaltige Mutterschiff von Oberhaupt Plox kreist im Erdorbit und dient dem Spieler als Ausgangsbasis für seine Einsätze. Neben dem Hangar, der auf der Karte Nordamerikas - wir Europäer bleiben verschont - die Auswahl der nächsten Mission erlaubt, führt das Hauptmenü ins B-Movie Kino.

Dort ist neben den wenigen Render-Cutszenes auch das liebevoll gestaltete Bonus-Material abrufbar. Hintergrundinfos, frühe Animationen und Produktionsskizzen werden von einem umfangreichen wie witzigen Making-Of abgerundet, in dem die Erstellung des Spiels als Alien-Verschwörung dargestellt wird. Wie in einem SciFi-Film der 60er Jahre warnt ein Schauspieler US-Militärs vor der Invasion und führt Entwickler-Interviews als Beweise an - diese kleinen Beigaben tragen ungemein zur stimmigen Atmosphäre des Spiels bei.

Packshot zu Destroy All Humans!Destroy All Humans!Erschienen für PS2 und XBox kaufen: Jetzt kaufen:

Spielerisch relevanter ist da schon Plox' Labor, in dem Krypto sich und seine Untertasse stufenweise aufrüsten kann. Nach erfolgreichen Missionen werden Goodies wie stärkere Waffen oder neue mentale Fähigkeiten frei geschaltet. Doch die verstärkte Telekinese oder den Energiestrahler, der mehrere Ziele gleichzeitig aufs Korn nimmt, gibt es nicht einfach geschenkt: Plox tauscht die Erweiterungen im Gegenzug für gesammelte DNS, die wir durch das Erfüllen von Bonus-Aufgaben, das Auffinden von Analsonden (!) oder Absaugen von Gehirnen erhalten. Also nichts wie zur Erde!

DNS Sammler
Destroy all Humans geht bei den Einsätzen einen Spagat aus Open-Ended Gameplay wie wir es aus GTA oder Mercenaries kennen und klassischen, linearen Missionen. So hat jeder der rund 20 Einsätze eine Reihe fester Ziele, nach deren Erfüllung wir auf das Mutterschiff zurück dürfen.

Die Aufgaben folgen strikt auf einander und halten manche Überraschung parat. So beobachten wir in einer Kleinstadt Agenten der

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Regierungsbehörde Majestic, die mit einer TV-Übertragung die Bevölkerung manipulieren wollen. Zunächst gilt es nun ihr Auto zu vernichten, sich dann den Aktenkoffer mit der Kassette zu schnappen und dann zum Sender zu marschieren, wo sich der Wissenschaftler hinter dem Band. Plox gibt uns nun die Anweisung, den Mann auszuschalten und die Übertragung für eigene Zwecke zu nutzen - doch dafür müssen wir innerhalb eines Zeitlimits sämtliche Antennen umbiegen.

Erfahrene Zocker werden die "Pflicht-Missionen" trotz fehlender Speichermöglichkeit in den Missionen locker an einem Wochenende durchgespielt haben. Empfehlenswert ist es daher, die kleinen Nebenaufträge mitzunehmen, die an markierten Stellen im Level vergeben werden. Die Mini-Spiele reichen von "Ramme ein Dutzend Kühe in den Boden" über "töte zehn Frauen" oder "Springe so schnell wie möglich von einem Punkt zum anderen" bis hin zum klassischen "Armageddon" - was nichts anderes bedeutet, als dass wir alles in Schutt und Asche legen sollen. Die Aufgaben sind witzig und werden trotz der simplen Aufgabenstellung nicht zuletzt dadurch anspruchsvoll, dass die Bürger zunehmend Widerstand leisten sobald wir auffällig werden.

Begabtes graues Kerlchen
Kryptos größte Gefahr ist das so genannte Aufmerksamkeits-Meter:

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Laufen wir einem Mensch vor die Nase, so wird er panisch aufschreien, sich aber auch schnell wieder beruhigen - die anderen zweifeln gar an seinem Verstand. Werden wir jedoch von einer Gruppe Polizisten aufgespürt, wird die Situation schon schwieriger.

Und wenn wir zuhauf Menschen mit unserem Blaster umnieten oder Fahrzeuge in die Luft jagen, rückt nach der Polizei schließlich auch das Militär an. Gegen bewaffnete Soldaten und Panzer wird es schon verdammt schwierig, auch wer mit seiner Untertasse Gebäude zertrümmert, muss mit Lenkraketen rechnen. Irgendwann holt das auch erfahrene Piloten vom Himmel. Oftmals kommt es aber gar nicht so weit, denn dann gehört diskretes Vorgehen zu den Missionszielen.

Krypto kann auch anders: Neben zahlreichen Offensiv-Waffen und der Fähigkeit, via Telekinese Menschen und Fahrzeuge durch die Luft zu schleudern, können wir durch einen Scan die Gedanken der Menschen lesen und schließlich ihre Form annehmen. So schleichen wir uns getarnt an Wachen vorbei oder beruhigen als Bürgermeister die Landbevölkerung in einer Ansprache: In den Multiple-Choice Dialogen haben wir beispielsweise die Wahl, ob wir die Vorkommnisse (vergeblich) leugnen oder die Schuld auf die Kommunisten schieben wollen. Ein anderes Mal sollen wir unbemerkt die Schönheitskönigin von einem Jahrmarkt locken. Um die Tarnung aufrecht zu erhalten, benötigen wir jedoch mentale Energie, die wir durch das scannen von Personen auffüllen. Als wir schließlich Miss Rockwell gefunden haben, befehlen wir ihr mittels Hypnose uns zur Untertasse zu folgen, damit sie auf dem Mutterschiff obduziert werden kann.

Derber Humor
Man merkt schon, der Humor von Destroy all Humans ist bitterböse. Wie bei Tim Burtons SF-Streifen Mars Attacks! muss man nicht selten laut lachen, sollte seine Moralvorstellungen aber derweil lieber zur Seite legen. Im Spiel geht es trotz der grellen Grafik vor allem

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ums zerstören und die Missionsziele machen daraus keinen Hehl. Mal sollen wir "alle Frauen" vernichten, mal die halben Polizeistreitkräfte dezimieren um eine Waffe zu testen und ein weiteres Mal Kühe ungespitzt in den Boden rammen. Dabei kommt die Havoc-Physikengine so richtig zur Geltung.

Doch der Humor ist einer der größten Stärken, die über die kurze Spieldauer, simplen und sich schnell wiederholenden Minigames sowie die teils ungenaue Aufgabenstellung hinwegtrösten: Beim Lesen der Gedanken werden die Amerikaner der 60er Jahre gekonnt auf die Schippe genommen, speziell die Anspielungen auf Kultur und Politik jener Zeit bringen ein Schmunzeln auf die Lippen. Ein Polizist hofft, das Nixon das Vertauen in die Polizei wiederherstellt, ein anderer träumt von einer Erfindung namens "Diskotron" und ein Farmer sehnt sich nach heißen Abenteuern im Heu zurück. Zwischen den Missionen bekommen wir Zeitungsartikel mit Überschriften wie "Asteroideneinschlag in Rockwelll - Priester sagt es wird Feuer und Asche regnen" zu Gesicht. Auch viele der Dialoge sind einfach nur urkomisch, was nicht zuletzt auch der ordentlichen Übersetzung zu verdanken ist.

Effektschlacht
Auch optisch hinterlässt Destroy all

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Humans einen hervorragenden Eindruck: Die eigens entwickelte Engine ist - wie schon die von Mercenaries - technisch auf hohem Niveau, wobei natürlich die Xbox-Version ein gutes Stück vor der immer noch ordentlichen PS2-Variante liegt. Grelle Lichteffekte, detaillierte Texturen und große Explosionen erfreuen auf Microsofts Konsole das Auge, während wuchtiger Dolby-Sound aus den Boxen klingt.

Gebäude krachen realistisch in sich zusammen, Autos fliegen durch die Luft und krachen Havoc-getrieben in andere Objekte. Lediglich Gebäude - die zudem nicht behebar sind - hätten ein paar Details mehr vertragen können, doch dafür sind die Umgebungen mit Einrichtungen wie Kinos oder regem Straßenverkehr äußerst liebevoll gestaltet. Die Musik hält sich dabei gekonnt zurück, unterstreicht aber die Atmosphäre des Spiels. Für Anhänger von Mehrspielerpartien hat Destroy all Humans leider nichts zu bieten - der Titel ist ein reines Solo-Abenteuer.Was Tim Burton und THQ gemeinsam haben

Destroy all Humans erinnert vom Humor und Grafikstil her frappierend an Tim Burtons SF-Comedy Mars Attacks!, indem er ebenfalls Filme der 50er und 60er Jahre auf die Schippe nimmt. In dem Kinofilm von 1996 drücken sich die Stars die Klinke in die Hand: Pierce Brosnan, Jack Nicholson, Glenn Close, Danny DeVito, Sarah Jessica Parker und Michael J. Fox sind nur einige der bekannten Darsteller, die ihre Rollen mit sehr viel Selbstironie spielen und so auch Hits wie Independence Day gekonnt parodieren.

In dem Effektfeuerwek ließ Regisseur Tim Burton Marsianer auf die Erde los, die eine Welt der Zerstörung hinterlassen. Allein ein altes Musikinstrument kann die Außerirdischen bezwingen…

Pro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ schicke Grafik und Havoc-Physik + großartiger Humor und tolle Atmosphäre + abwechselungsreiche Aufträge + reichlich Bonus-Material + gelungene Synchronisation

Contra:
- relativ geringer Spielumfang - Nebenaufgaben wenig anspruchsvoll - kein Speichern während den Missionen - kein MehrspielermodusWas Tim Burton und THQ gemeinsam haben

Destroy all Humans erinnert vom Humor und Grafikstil her frappierend an Tim Burtons SF-Comedy Mars Attacks!, indem er ebenfalls Filme der 50er und 60er Jahre auf die Schippe nimmt. In dem Kinofilm von 1996 drücken sich die Stars die Klinke in die Hand: Pierce Brosnan, Jack Nicholson, Glenn Close, Danny DeVito, Sarah Jessica Parker und Michael J. Fox sind nur einige der bekannten Darsteller, die ihre Rollen mit sehr viel Selbstironie spielen und so auch Hits wie Independence Day gekonnt parodieren.

In dem Effektfeuerwek ließ Regisseur Tim Burton Marsianer auf die Erde los, die eine Welt der Zerstörung hinterlassen. Allein ein altes Musikinstrument kann die Außerirdischen bezwingen…

Pro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ schicke Grafik und Havoc-Physik + großartiger Humor und tolle Atmosphäre + abwechselungsreiche Aufträge + reichlich Bonus-Material + gelungene Synchronisation

Contra:
- relativ geringer Spielumfang - Nebenaufgaben wenig anspruchsvoll - kein Speichern während den Missionen - kein Mehrspielermodus