Ja, ich bin ein ausgewiesener (aber dennoch zu Kritik fähiger) Destiny-Fanboy und spiele Bungies MMO-Shooter seit kurz nach dem Release im September 2014 fast durchgängig. Lediglich nach einer schier endlosen Suche nach dem Super-Raketenwerfer Gjallarhorn und exzessivem Konsum des zweiten DLCs Haus der Wölfe brauchte ich dringend eine Pause. Doch damit ist jetzt Schluss, denn Bungie und Activision haben am 15. September die dritte Destiny-Erweiterung König der Besessenen veröffentlicht. Und was soll ich sagen? Ich bin wieder voll dabei!

Destiny: König der Besessenen - Cinematic TrailerEin weiteres Video

Dabei sind die meisten meiner im ersten Destiny-Jahr hart erspielten Waffen und Ausrüstungsteile jetzt für die Tonne, auch mein geliebtes Gjallarhorn oder das Scharfschützengewehr Eisbrecher. Was Spieler von MMORPGs wie World of Warcaft längst kennen, hat nun auch Bungie umgesetzt – und mit dem neuen Add-on einen harten Item-Reset ausgeführt. Zwar gibt es einige altbekannte Waffen wie das Automatikgewehr Suros Regime (im Neu-Design), den Raketenwerfer Wahrheit oder die Playstation-exklusive Handfeuerwaffe Falkenmond auch in einer aufgemotzten Year-2-Variante. Doch die meisten alten Waffen und Rüstungen sind hinsichtlich ihrer Angriffswerte nun viel zu schwach, um mit den neuen Schießprügeln und Rüstungen aus König der Besessenen mithalten zu können. Der Item-Neustart ist aber letztlich nur konsequent, weil Bungie mit der dritten Erweiterung quasi ein Destiny 2.0 abliefert: Die Entwickler schnüren ein dickes Inhaltspaket und führen zahlreiche Neuerungen und Verbesserungen ein, die euch monatelang beschäftigen werden – und mich nun schon seit Tagen jeden Feierabend an die PS4 fesseln.

Neustart im Destiny-Universum

Das für Playstation- und Xbox-Konsolen erhältliche Baller-Epos gilt mit Entwicklungs- und Marketingkosten in Höhe von einer halben Milliarde US-Dollar als teuerstes Videospiel aller Zeiten. Doch obwohl Destiny täglich von Millionen Menschen gespielt wird und bereits zwei Erweiterungen vorweisen kann, polarisiert es wie kein zweiter Titel. Viele Kritiker erkennen zwar das starke Gunplay der zahlreichen futuristischen Waffen an. Sie werfen dem Spiel aber vor, dass hinter der pompösen Hochglanzfassade und dem unter anderem von Ex-Beatle Paul McCartney komponierten Soundtrack zu wenige Inhalte stecken. Mit König der Besessenen nimmt Bungie den Nörglern jedoch den Wind aus den Segeln – die neue Erweiterung krempelt die Destiny-Welt gehörig um.

Destiny: König der Besessenen - Destiny reloaded!

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Stop, Hammer time! Der Titan bekommt im neuen Destiny-Add-on einen mächtigen Feuerhammer spendiert und darf sich nun „Sonnenbezwinger“ nennen.
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Allen voran bekommen die drei Charakterklassen jeweils einen neuen Fokus spendiert: Während Warlocks jetzt als „Sturmbeschwörer“ Arkus-Energie manipulieren, um Blitze zu kanalisieren und Gewitterstürme auf ihre Gegner niederprasseln zu lassen, schlagen Titanen als „Sonnenbezwinger“ per Feuerhammer zu und durchbrechen mit ihren Solar-Flammen jede Verteidigungslinie. Auch Jäger freuen sich über eine neue Unterklasse: Als „Nachtpirscher“ greift ihr auf einen Bogen aus Gravitations-Leere-Energie zurück, der Gegnergruppen an sich bindet, sie verlangsamt und schwächt sowie ihre Fähigkeiten unterdrückt. Die neuen Fokusse sind allesamt recht mächtig und spielen sich aufregend neu – schön für Langzeitspieler wie mich.

Crotas Papa ist stinkig

Die neue, gut vierstündige Story-Kampagne fügt sich prima in den bestehenden – bis dato leider ziemlich dünnen – Destiny-Plot ein und führt einen frischen Bösewicht ins Spiel ein: Oryx, den Vater des im ersten Add-on "Dunkelheit lauert" (von mir laut destinystatus.com schlappe 67 Mal) getöteten Crota. Oryx will mit seiner Besessenen-Armee Rache für den Mord an seinem Sohn nehmen und die Menschheit ausrotten – was ihr selbstredend verhindern müsst. Klasse: Die Kampagne glänzt nicht nur mit cineastischen Zwischensequenzen nebst Raumschiffschlachten und Star-Wars-Momenten, sie überzeugt auch mit zahlreichen Überraschungen. Neben reinen Ballersequenzen kommen in König der Besessenen nämlich erstmals kleinere Rätselelemente, anspruchsvollere Sprungpassagen und sogar ein Schleichabschnitt vor. Ja, richtig gelesen!

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Neu: Im Rahmen der Story-Kampagne müsst ihr knifflige Sprungpassagen meistern. Dazu aktiviert ihr euren Geist, der euch nun den richtigen Weg zu den unsichtbaren Plattformen weist.
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Zudem lässt Bungie den im Spiel vorkommenden Figuren wie dem Vorhut-Jäger Cayde-6 oder Eris Morn mehr Raum, bezieht sie in die Story ein und und erzählt auf unterhaltsame Art und Weise, wie die Hüter der Galaxie sich Oryx und dessen Schergen entgegenstellen. Im Zusammenspiel mit der großartigen Atmosphäre und der bombastischen Präsentation hat mich die Kampagne überraschend gut unterhalten – trotz des gelegentlichen Recyclings bereits bekannter Schauplätze. So absolviert man die Stealth-Mission etwa im Crota-Raid oder kehrt in die Gläserne Kammer, den Schlachtzug des Ur-Destiny, zurück, um dort jede Menge Besessene zu eliminieren. Diese sind übrigens modifizierte Varianten bereits bekannter Feinde wie Kabale oder Schar und wurden von Bungie mit neuen Fähigkeiten ausgestattet. Die von Oryx kontrollierten Kreaturen teleportieren sich nicht nur blitzschnell an einen anderen Fleck, sondern können sich auch klonen und euch mit Finsterniswolken die Sicht rauben.

Bungie hat die Kritik der riesigen Destiny-Community ernst genommen und bessert seinen MMO-Shooter an allen Ecken und Enden aus. Wieso nicht gleich so?Fazit lesen

Von 1 auf 25 auf 40

Löblich: Neu- und Wiedereinsteiger finden leicht ins Spiel. Jeder Käufer von König der Besessenen erhält einen Lichtfunken, mit dem er einen beliebigen Charakter direkt auf Level 25 befördern darf. So gerüstet ist man schnell durch die Geschichte des klassischen Destiny und der ersten beiden Erweiterungen durch und kann in die neue Story eintauchen.

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Neues Levelsystem: In König der Besessenen kassiert ihr für sämtliche Aktionen Erfahrungspunkte und spielt euch so bequem bis zur neuen Charakter-Maximalstufe 40 hoch. Erst dann wird das frühere Licht-Level wichtig – je höher dieses ist, desto mehr Schaden teilt euer Hüter aus und desto resistenter gegen feindliche Angriffe ist er.
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Apropos Levelsystem: Dieses hat Bungie kräftig überarbeitet, es orientiert sich jetzt an klassischen Online-Rollenspielen. Das bedeutet konkret: Für jeden Gegner-Kill und jede abgeschlossene Mission werdet ihr mit Erfahrungspunkten belohnt, mit deren Hilfe ihr sukzessive die neue Helden-Maximalstufe 40 erreichen könnt. Das geht einigermaßen fix, ist aber erst der Anfang – danach kommen wieder die aus dem ersten Destiny-Jahr bekannten Lichtpunkte ins Spiel. Das Licht-Level ist nun der Durchschnitt der Angriffs- und Verteidigungswerte der aktuell eingesetzten Ausrüstung – je mehr ihr davon besitzt, desto effektiver agiert euer Alter Ego. Das Licht-Level-Cap in König der Besessenen beträgt derzeit 310 Punkte und dürfte sich erst erhöhen, wenn der neue Raid Königsfall in der heroischen Variante erscheint.

Das Endgame: Endlich episch!

Nach der Kampagne ist vor dem Endgame: Habt ihr die Story beendet, geht also alles darum, Waffen und Ausrüstung eures Hüters zu verbessern und euer Licht-Level zu erhöhen. Dadurch erhaltet ihr Zugang zu neuen Spielmodi, die schließlich noch fettere Beute bereithalten. Zu diesem Zweck warten nach Abschluss der Kampagne zahlreiche weitere neue Abenteuer auf euch: Darunter verschiedenste Solo-Quests (die sogenannten „Suchen“), die mich in die entlegensten Winkel der Destiny-Planeten schicken, wo ich zahlreiche Gefahren bestehe. Die haben stets einen Zusammenhang mit Oryx und seinen finsteren Plänen.

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Unterwegs auf dem Grabschiff: Der neue Destiny-Schauplatz ist düster, riesengroß und steckt voller Geheimnisse.
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Des Weiteren locken neue Beutezüge, Planeten-Patrouillen, spezielle Waffen-Herausforderungen, öffentliche Events wie der Hof von Oryx (eine Art Mini-Arena für Dreier-Gruppen), zahlreiche neue PvE- und PvP-Inhalte und vieles mehr. Sony-Spieler sind dank einiger Exklusivinhalte mal wieder im Vorteil. Insgesamt drei neue und drei überarbeitete Strikes für Drei-Spieler-Fireteams (plus ein weiterer exklusiver Strike in der Playstation-Version), drei neue kompetitive Modi und acht frische Spielkarten (eine davon nur auf Playstation-Konsolen) sowie der Königsfall-Raid eröffnen euch jede Menge Möglichkeiten, um die 13 neuen exotischen Waffen beziehungsweise 18 neuen Exo-Rüstungen sowie die unzähligen neuen legendären Ausrüstungsteile und Wummen zu ergattern. Und der neue Schauplatz Grabschiff, Festung von Oryx und ein gigantisches Raumschiff, ist ein herrlich klaustrophobischer Ort, der voller Geheimnisse steckt und auch den Alien-Filmen gut zu Gesicht stünde.

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Die gut vierstündige Kampagne der dritten Destiny-Erweiterung hat zahlreiche cineastische Momente und bietet dichte Science-Fiction-Atmosphäre.
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Den Königsfall-Raid habe ich übrigens bislang nur kurz antesten können; dessen Beendigung steht gerade auf der To-do-Liste meines Clans. Was ich aber bisher sehen durfte, ist extrem vielversprechend: Bungie hat sich jede Menge neue Mechaniken einfallen lassen und serviert euch vier wirklich knackige Bosse, die auch eingespielte Teams fordern. Fünf bis acht Stunden solltet ihr – zumindest in den ersten Raid-Runden – für Königsfall benötigen. Um hier eine realistische Chance zu haben, sollte euer Hüter aber mindestens über ein Licht-Level von 280 oder mehr verfügen.

Feintuning und Detailverbesserungen in rauen Mengen

Neben den neuen Inhalten liefert Bungie etliche Detailverbesserungen und Optimierungen, die das Spielerlebnis deutlich runder als zuvor gestalten. Die meisten davon wurden bereits mit Patch 2.0 eingeführt; ich beschränke mich mal auf einige der wichtigsten. So kann man – es geschehen noch Zeichen und Wunder – Zwischensequenzen ab sofort endlich abbrechen. Das ist eine auf den ersten Blick kleine, aber für Vielspieler enorm wichtige Neuerung, die gerade beim Aufleveln des zweiten oder dritten Charakters positiv zum Tragen kommt, da man hier die bereits bekannten Storymissionen noch einmal absolvieren muss.

Nicht minder angenehm: der vergrößerte Helden-Tresor, der neuerdings Platz für 72 Waffen und Rüstungen bietet. 36 Slots verbleiben für sonstige Gegenstände wie Shader oder Zeichen. Außerdem kann man nun bis zu 16 Beutezüge gleichzeitig annehmen und diese von überall abschließen. Bislang war dazu der Umweg zum Turm – dem sozialen Treffpunkt von Destiny, der Quest-Geber und Ausrüstungshändler beherbergt – nötig. Gut so, das spart jede Menge Zeit – und von der investieren Destiny-Spieler ohnehin mehr als genug in ihr Lieblings-Game.

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Das neue Upgrade-System für Waffen und Ausrüstungsteile nennt sich „Infundieren“: Zerlegt einen besseren Gegenstand als den aktuell angelegten, um dessen Lichtpunkte auf euer Wunsch-Item zu übertragen. In diesem Fall opfern wir eine Schrotflinte, damit wir unser Scharfschützengewehr aufmotzen können.
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Weiterhin hält mit dem sogenannten Infundieren ein neues, flexibles Upgrade-System für Waffen und Rüstungsteile Einzug ins Spiel. Dieses ermöglicht euch, ein bestehendes Ausrüstungsteil mit den Angriffswerten eines anderen, besseren Gegenstandes zu veredeln, welches dafür jedoch zerlegt werden muss. Das kostet allerdings neben der Spielwährung Glimmer, Licht-Partikeln (bekommt man für viele Endgame-Aktivitäten) und Waffenteilen (erhält man durchs Zerlegen nicht benötigter Knarren) auch die neuen legendären Marken.

Das Grinden ist des Hüters Lust

Diese erspielt ihr euch unter anderem in der täglichen heroischen Story-Mission sowie einem Daily-PvP-Match, in den heroischen Versionen der Strikes sowie in speziellen Endgame-Missionen. Aber Achtung, das Markensammeln und das Erhöhen des eigenen Licht-Levels kann durchaus in Grinding ausarten. Obwohl Destiny mit König der Besessenen nun wesentlich abwechslungsreicheren und vielfältigeren Content bietet als bisher, darf man hier kein komplett neues Spiel erwarten. Noch immer macht die Suche nach immer besseren Items, die eben auch das wiederholte Absolvieren bestimmter Missionstypen oder Spielmodi beinhaltet, den Hauptreiz des Spiels aus. Wen das nicht packt, für den ist Destiny auch mit König der Besessenen das falsche Spiel.

Mach’s gut, Tyrion

Ein weitere gelungene Neuerung zum Schluss: Bungie hat für die englische Sprachspur (Tipp: Konsole vor dem Spielstart im Systemmenü auf Englisch stellen) den US-Schauspieler und -Synchronsprecher Nolan North engagiert und sämtliche Sprachspuren der Gefährten-Drohne Geist neu aufzeichnen lassen. Zuvor war Game-of-Thrones-Star Peter Dinklage zu hören – der hatte seinen Job jedoch weniger enthusiastisch gemacht und war terminlich offenbar weitaus weniger flexibel als North, der einen überzeugenden Sprecher-Job abliefert.