„Der Fluch des Osiris“ und „Kriegsgeist“ haben die Erwartungen der Community an Addons für Destiny 2 kaum erfüllt. Immer gleiche Missionen, kaum Geschichte und nur wenig Inhalt. Doch Bungie will mit Destiny 2: Forsaken alles anders und vor allem wieder gut machen.

Destiny 2: Forsaken zeigt sich schon im Trailer episch – aber kann es das einhalten?

Destiny 2 - Forsaken – Launch Trailer: Nehmt Rache im neuen Addon von Destiny 222 weitere Videos

Die Addon-Geschichte von Destiny ist durchwachsen. Einst beim Erstling mit „Dunkelheit lauert“ und „Haus der Wölfe“ eher schwach begonnen, wurde „König der Besessenen“ zum neuen Höhepunkt des Spiels. Nur, um dann in „Das Erwachen der Eisernen Lords“ wieder auf die unterwältigende Ebene zurückzukehren. In Destiny 2 hat es sich bislang ähnlich zugetragen. „Fluch des Osiris“ war vor allem eine Ansammlung von immer gleichen Arenen samt Backtracking und „Kriegsgeist“ war schneller vorbei, als man „Das war aber kurz“ sagen konnte.

Geht man von der Reihenfolge aus, müsste Destiny 2: Forsaken als drittes Addon wieder ein Kracher werden. Und, um eines schon vorweg zu nehmen: Das ist absolut der Fall! Forsaken bringt die Story endlich auf eine ordentliche Tragweite, erweitert das Destiny-Universum um tiefgreifende Ereignisse und hat eine Wagenladung an neuem Content dabei. Darunter mit dem Bogen auch eine der besten Waffen, die das Spiel je gesehen hat, viele neue Fertigkeiten und massig zu tun. Also lasst uns ohne große Umschweife in die Welt von Destiny 2: Forsaken springen.

Ulden Sov und seine Barone sind Bösewichte, die ihr mit Freude und Hass durch die Galaxie jagen werdet.

Noch ein kleiner Hinweis: Wer übrigens genau hinschaut, wird erkennen, dass hier die englische Sprache samt Untertiteln für dieses Special zu Destiny 2: Forsaken über den Bildschirm lief. Das liegt daran, dass die sonore Stimme von Nathan Fillion (Castle, Firefly) in der englischen Sprachausgabe mir persönlich mehr Spaß macht, wenn Cayde-6 seine kessen Sprüche klopft.

This time it’s personal…

Was Forsaken ganz klar von den ersten beiden Erweiterungen abhebt, sind Story und Inszenierungen. Bungie ist wieder zur Erzählweise des Hauptspiels zurückgekehrt und beschert uns jetzt auch abseits von Anfangs- und Endsequenz einige Cutscenes. Und was für Zwischensequenzen das sind! Da es schon von Anfang an so kommuniziert wurde und in den ersten fünf Minuten des Addons passiert, scheue ich mich an dieser Stelle nicht vor vermeintlichen Spoilern. In Destiny 2: Forsaken begebt ihr euch zusammen mit dem vorlauten Jäger Cayde-6 in ein großes Weltraumgefängnis, in dem die schlimmsten Buben untergebracht werden. Dort ist ein Aufstand an der Tagesordnung und einige Gefangene – darunter Ulden Sov und seine Barone – entkommen.

Jeder der Barone bekommt seine eigene Mission, die sich stark an ihren Fertigkeiten orientiert.

Leider stellt sich Cayde-6 wagemutig entgegen und muss dafür den ultimativen Preis zahlen. Die Story von Destiny 2: Forsaken dreht sich also nun darum, wie ihr zusammen mit der Unterstützung einiger alter und neuer Verbündeter, die Barone und Ulden am Rande des Universums jagt. Im Gegensatz zu „Fluch des Osiris“ und „Kriegsgeist“ wird hier eine Geschichte erzählt, die zu Herzen geht und euch ständig antreibt, weiterzumachen. Für Cayde-6 und für Recht und Ordnung. Allein die erste Mission hat schon so viel mehr Pfeffer und Gänsehautmomente als die beiden ersten Addons zusammen, dass man nur noch mit großen strahlenden Augen vor dem Bildschirm sitzt.

Eine gigantische To-do-Liste

Im Laufe der Geschichte werden auch die neuen Fertigkeiten für euren Guardian nach und nach freigeschaltet. Jede Sub-Klasse der einzelnen Klassen bekommt eine neuen Skill-Tree beziehungsweise eine neue Super-Fertigkeit. Im Endeffekt landen wir dabei bei neun neuen Special-Fertigkeiten sowie vielen kleineren Änderungen an Titan, Warlock und Jäger. Meine Hexenmeisterin darf jetzt in ihrer „Stormcaller“-Ausrichtung beispielsweise zu einem Blitzstrahl wechseln, auf den selbst Son-Goku mit seinem Kamehameha neidisch wäre. Die neuen Fertigkeiten bringen neuen Schwung ins „alte“ Spiel und geben auch Veteranen etwas, worauf sie sich abseits der Handlung und der Raids freuen dürfen.

Die neuen Fertigkeiten sind bildgewaltig und laden zum Ausprobieren neuer Wege ein.

Nach der Story ist aber auch vor den zahlreichen Nebenbeschäftigungen, die Destiny 2: Forsaken noch so zu bieten hat. Das reicht von den Kopfgeldjagden auf ausgebrochene Gefangene über Strikes und heroische Quests bis hin zu den täglichen und wöchentlichen Herausforderungen, die Spieler nach und nach auf den bevorstehenden Raid vorbereiten sollen. Denn mit einer neuen maximalen Power-Stufe von 600 und dem Level-Cap von50 dauert es eine ganze Weile, bis ihr euch das nötige Equipment und die XP erfarmt habt. Das mag nach der Story etwas nach langwierigem Grinden aussehen, macht aber trotzdem dank dem weiterhin hervorragenden Gunplay und dem schnellen Erhalt von neuen Items immer wieder Spaß. Mal schnell eine Runde Destiny 2: Forsaken spielen und die täglichen PvE-Quests abschließen, bevor man sich dann wieder anderen Dingen widmen kann: Dem Highlight des Addons beispielsweise.

Der geheime Star des Addons

Ich weiß, dass ich schon zu Beginn dieses Specials zu Destiny 2: Forsaken den Bogen als neue Waffe als Gewinner des Addons gekürt habe. Dann mache ich eben an dieser Stelle einen auf Oscar-Verleihung und sage doch noch schnell den echten Gewinner an. Denn dieser heißt „Gambit“ und ist der neue PvE-PvP-Modus des Shooters. Zur Erklärung: Zwei Teams aus jeweils vier Spieler treten indirekt gegeneinander an, indem sie in Arealen Feinde besiegen und deren fallengelassene Punkte an einer Sammelstelle abgeben.

In Gambit müsst ihr leuchtende „Motes“ einsammeln, um gegen die anderen Spieler zu gewinnen.

Gebt ihr dabei nicht nur einzelne Punkte ab, sondern riskiert den Verlust durch das Ansammeln eines großen Betrags, gibt’s entweder einen KI-Blocker, der dem gegnerischen Team den Sammelpunkt versperrt oder ihr schickt gar einen eigenen Spieler eures Teams auf die Gegnerseite. Dieser darf dann bei den anderen ordentlich Stunk machen. Wer am Ende alle Punkte abgegeben hat und einen Boss besiegt, bevor es die Gegnerseite tut, geht siegreich aus der Runde hervor. Und ich sage euch: Das macht eine Riesengaudi.

Gambit ist rasant, actiongeladen und bis zur letzten Sekunde spannend. Eine Partie, die fast ausschließlich von einer Gruppe dominiert wird, kann sich am Ende noch drehen, wenn das andere Team den Boss heilt oder schnell noch einen Spieler rüberschickt. Jede Runde spielt sich zudem aufgrund der verschiedenen Zusammenstellungen des eigenen Teams und der Gegner sowie der wechselnden Feindtypen auf dem Schlachtfeld immer wieder ein bisschen anders. Hier hat Bungie gezeigt, dass sie in Sachen Shooter-Neuerungen ganz oben mitspielen können, ohne auf einen mittlerweile fast schon ausgelutschten Battle Royale-Modus zu setzen.

Die Story-Missionen bieten viel Abwechslung und sind nie störend repetitiv.

Viel Verwirrung für neue und alte Spieler

Einen kleinen Kritikpunkt bekommt Destiny 2: Forsaken aber dennoch von mir mitgegeben. Beziehungsweise richtet sich dieser eher an Publisher und Entwickler, die mit ihrer Vertriebspolitik für viele Fragezeichen bei den Spielern sorgen dürften. Denn Destiny 2: Forsaken ist die Eröffnung eines zweiten Season Pass für Destiny 2. An sich kein Problem, denken sich vermutlich viele und greifen zum zweiten Pass. Der Haken: Habt ihr Destiny 2 gespielt, die beiden ersten Addons aus diversen Gründen übersprungen und wollt nun mit Forsaken wieder einsteigen, müsst ihr euch dennoch die ersten beiden Erweiterungen kaufen. Sonst funktioniert Destiny 2: Forsaken einfach nicht.

Wer also nur Destiny 2 hat, kauft zunächst die ersten beiden Erweiterungen, im Anschluss Forsaken und hat dann 60 Euro für alle drei Addons bezahlt. Das ist sehr umständlich und alles andere als Kundenfreundlich. Für Neueinsteiger, die noch gar keine Berührung mit Destiny 2 hatten, ist es aber die perfekte Gelegenheit, um loszulegen. Denn dafür gibt es schließlich ein Bundle (59,99 Euro ohne zukünftige Addons, 99,99 Euro mit dem aktuellen Jahrespass), das alle Wünsche erfüllt.

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Fazit zu Destiny 2: Forsaken

Destiny 2: Forsaken hat mich absolut vom Hocker gehauen. Die persönliche Geschichte über den Verlust eines geliebten Freundes packt zum ersten Mal in der Addon-Reihe des Shooters und nimmt den Spieler auch eine Rache-Tour mit. Abseits davon gibt es dann noch massig neue Inhalte wie Waffen, Nebenaufgaben und Spielmodi, die den Gesamteindruck wunderbar abrunden. Destiny 2: Forsaken ist das erste Addon, das sich für die Spieler richtig lohnt und auf deren Wünschen aufgebaut wurde. Bungie hat sich selbst eine hohe Messlatte gesetzt und ich möchte bitte, dass sie diese nicht beim nächsten Addon wieder unnötigerweise abreißen.