Es ist nun also passiert: Ich habe freiwillig eine Destiny-Spielpause eingelegt. In den vergangenen dreieinhalb Wochen war ich gerade einmal online, um mit meinem Titan einen Dämmerungsstrike und ein Arena-Match im Gefängnis der Alten zu absolvieren. Dabei habe ich den Bungie-Shooter seit seiner Veröffentlichung fast durchgehend gespielt, ihn trotz seiner Redundanz und Content-Armut stets verteidigt. Was ist passiert?

Destiny - Xur: Standorte und Inventar des Händlers26 weitere Videos

Ich habe den zweiten Destiny-DLC Haus der Wölfe recht intensiv, wenn auch nicht exzessiv gezockt. Aber es war offenbar in jedem Fall genug. Denn so gut mir die Erweiterung anfangs auch gefallen hat mit ihren Neuerungen, so schnell ist leider auch die Luft schon wieder raus.

Ich hatte ja bereits im Vorfeld befürchtet, dass Haus der Wölfe das Ende einer leidenschaftlichen Beziehung einleiten könnte. Aber so wirklich daran geglaubt habe ich offen gestanden nicht. Man kennt das ja von seinem Lieblings-MMO: Manchmal geht es einem total auf den Geist und man schwört sich, am nächsten Abend endlich mal wieder etwas anderes zu spielen oder die Kiste ganz aus zu lassen, aber man kommt einfach nicht davon los. Ich als Ex-World-of-Warcraft-Junkie weiß ganz genau, wovon ich rede.

Destiny - Warum ich eine Destiny-Pause brauche

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 286/2891/289
Insert Ätherisches Licht: Das Upgrade-System im zweiten Destiny-DLC Haus der Wölfe ermöglicht es euch, auch alte Waffen wie den Schicksalsbringer auf die aktuell höchste Gegenstandsstufe zu hieven.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Mir sind die Ziele ausgegangen

Und nun ist es doch eingetreten – ich habe derzeit absolut keine Lust mehr auf Destiny. Ich habe in dem Spiel schließlich alles erreicht, was ich erreichen wollte: Ich bin längst auf dem maximalen Licht-Level von aktuell Stufe 34 angekommen (okay, das ist nun wirklich kein Kunststück), ich habe so gut wie alle wichtigen exotischen Waffen und Raid-Knarren des Spiels ergattert (und die zwei, drei, dir mir noch fehlen, jucken mich nicht), im Gefängnis der Alten den Level-35-Endboss Skolas gelegt, Eisenbanner-PvP bis zum Abwinken gespielt, nach einer schier endlosen Odyssee endlich das Gjallarhorn abgestaubt (mittlerweile sogar zum zweiten Mal) und alle für mich relevanten Waffen und Rüstungsteile maximal aufgewertet und nach Belieben beim Turm-Waffenhändler umgeschmiedet.

Ein weiteren Twink hochspielen? Nein, danke, die Destiny-Storymissionen sind ja nicht gerade für ihr brillantes Design und ihre Plot-Tiefe bekannt. Grimoire-Karten farmen oder PSN-Trophäen freischalten? Teilweise schon geschehen – so habe ich zum Beispiel dank destinyghosthunter.net den „Finde 50 tote Geister“-Erfolg abgesahnt. Aber auch die Achievement-Jagd ist mir auf Dauer zu stupide. Die Prüfungen von Osiris? Einfach nicht mein Ding. Da sind nur die selbsternannten Pros unterwegs, die ohnehin eine Makellos-Serie nach der anderen hinlegen; Gelegenheits-Teams und PvP-Neulinge sehen da kein Land. Die unsinnige zeitliche Beschränkung (Freitag, 19 Uhr bis Dienstag, 19 Uhr) dieses kompetitiven Modus ging mir sowieso von Anfang an tierisch auf den Geist. Am Wochenende unternehme ich eben gerne mal etwas im Real Life; Destiny war für mich seit jeher das perfekte Feierabendspiel.

Packshot zu DestinyDestinyErschienen für PS3, PS4, Xbox 360 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Gebt mir endlich den Raid zurück!

Kurzum: Mir fehlt derzeit schlichtweg jegliche Motivation, Bungies Online-Shooter weiterzuspielen. Ich habe es wohl aber seit der Veröffentlichung des Spiels auch einfach etwas übertrieben – und dafür zahle ich nun die Quittung. Es gibt für Vielspieler aktuell nichts mehr zu tun; der fehlende neue Raid-Content und die Beschränkung auf Drei-Spieler-Teamaktivitäten sind die große Krux am Haus-der-Wölfe-DLC. Und das Upgrade-System, das euch erlaubt, jede beliebige Waffe und jedes erdenkliche Rüstungsteil via ätherischem Licht auf den Maximalwert zu tunen, raubt einem auf Dauer auch sämtliche Motivation. Ich will fette, coole Beute als Belohnung für das Absolvieren epischer Bosskämpfe! Beides gibt es derzeit in Destiny aber nicht.

Destiny - Warum ich eine Destiny-Pause brauche

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden3 Bilder
Vor lauter Langeweile habe ich mir zwischenzeitlich sogar die „Geisterjäger“-Trophäe geholt. Wer es mir nachmachen will: destinyghosthunter.net ist euer Freund.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Mir bleibt einzig die Hoffnung, dass Bungie sein Versprechen wahrmacht und mit der am 15. September 2015 erscheinenden dritten Erweiterung König der Besessenen einen großartigen Sechs-Spieler-Raid abliefert, wie es schon die Gläserne Kammer im Classic-Destiny war. Die Raids waren für mich bisher der Hauptanreiz, dieses Spiel bis zum Abwinken zu konsumieren. Also bitte, Bungie, gebt Gas, ihr könnt es doch eigentlich!

Goodbye, Gjallarhorn?

Sollte der kommende Sechs-Spieler-Content ähnlich schwach und anspruchslos sein wie der Crota-Raid, ist zumindest für mich Schluss mit lustig. Selbst der fanatischste Fan hat eben irgendwann genug von dem ewigen Hamsterrad: Dämmerungsstrikes, Beutezüge, Gefängnis der Alten, gähn. Und die alten Raids brauche ich nun wirklich nicht mehr: Laut destinystatus.com habe ich Atheon, den Endboss des ersten Destiny-Raids, 36 Mal besiegt; Crota, den Obermotz des ersten DLCs Dunkelheit lauert habe ich sogar satte 67 Mal auf die Bretter geschickt. Macht insgesamt über 100 absolvierte Schlachtzüge – das ist wirklich genug, oder? Ironischerweise hat mir Crota bis heute den nach dem Gjallarhorn wohl zweitbesten Raketenwerfer im Spiel verwehrt: Crotas Hunger.

Aber hey, was soll’s – Bungie will mit Patch 2.0 ohnehin das komplette Waffensystem auf den Kopf stellen und gerade das Gjallarhorn abschwächen. Was ja irgendwie auch schon wieder eine Frechheit ist: Da baut Bungie selbst einen Riesenkult um diese Waffe auf, verkauft sie lediglich kurz nach Spiel-Release bei Wochenendhändler Xûr (und dann nie wieder), lässt zahlreiche Spieler immer weiterzocken, in der Hoffnung, irgendwann selbst in den Genuss der Super-Wumme zu kommen. Und dann? Bäm! Ätsch! Nerf! Klar, an der Waffenbalance eines MMOs zu schrauben, das macht immer wieder Sinn.

Destiny - Warum ich eine Destiny-Pause brauche

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 286/2891/289
Das Umschiede-Feature war von Bungie gut gemeint, allerdings nimmt es Destiny auch viele Anreize, sich eine bestimmte Waffe wegen spezieller Perks zu erspielen. Denn wenn einem diese nicht passen, wird eben umgeschmiedet.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Aber gerade bei Destiny, das um die Bezeichnung „MMO“ aufgrund seines mageren Contents ohnehin hart kämpfen muss, gäbe es so viele andere Baustellen. Ich könnte wirklich heulen: Es steckt so unglaublich viel Potenzial in dem Spiel – doch Bungie respektive Activision nutzt die ihnen offen stehenden Möglichkeiten einfach nicht aus.

Warten auf Oryx

Wie lange ich nun pausieren werde? Keine Ahnung, wir werden sehen. Noch juckt es mich so gar nicht in den Fingern. Stattdessen hole ich zurzeit endlich mal einige Spiele nach, die ich aufgrund meines übermäßigen Destiny-Konsums versäumt habe: Hier ein bisschen The Witcher 3, da ein wenig Star Wars: The Old Republic, dort eine Runde Wolfenstein: The New Order.

Ich werde ganz sicherlich die dritte Destiny-Erweiterung spielen – in der sich alles um Oryx, den Vater von Crota dreht – und diese ausführlich für die gamona-Leser testen, so viel ist klar. Aber ob Der Besessene König wirklich der erhoffte Spielspaß-Zurückbringer wird? Ich hoffe es wirklich. Warten wir es ab. Hüter out.