Destiny könnte man symbolisch für die Qualität der E3 2013 nehmen. Mit der „Next Gen“ will die Branche weg von Grafikblendern mit Schlauchmechanik, hin zu atemberaubend schönen Titeln mit offener Welt und intelligentem Spiel dahinter. So ziemlich jeder Entwickler zeigte sich erleichtert darüber, wie einfach es ist, für PS4 und Xbox One zu entwickeln.

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Die alte Generation hatte vor allem viel zu wenig Arbeitsspeicher, Entwickler mussten sich also oft zwischen Effektspektakel und offener Levelstruktur entscheiden. Die Zeiten sind hoffentlich genauso vorbei wie Bungies glorreiche Halo-Ära. Auf zu neuen, unbekannten MMO-Ufern.

Ups, jetzt haben wir es doch gesagt. Bungie hört den Begriff „MMO“ gar nicht gerne. Als unser Held auf einer Empore steht und in der Morgenröte über die wilden Lande blickt, spricht Studiochef Pete Parsons immer wieder von einem „Shared-World-Shooter“. Das hat zwei Gründe: MMO riecht nach Abogebühr, die gibt es nicht. Und Activision wollte wohl gerne ein cooles Marketing-Buzzword. „Destiny“ entlässt uns in eine persistente Welt, in der es von Spielern und Feinden gleichermaßen wimmelt, und fühlt sich nach einer bunten Kreuzung aus „Halo“, „Borderlands“ und „Mass Effect“ an.

Es beginnt mit einer Hightech-Kugel

Die Geschichte des Universums spielt in ferner Zukunft. Die Menschheit sitzt auf dem strebenden Ast ihrer Schöpfung und hat die Raumfahrt revolutioniert. Maßgeblich geholfen hat dabei ein fremdes Wesen, das als gigantische Kugel in der Erdatmosphäre schwebt. Die Anwohner nennen es „Den Reisenden“. Eine derzeit noch geheime Bedrohung führt jedoch beinahe zum Exitus der menschlichen Rasse und die restlichen Überlebenden suchen Schutz im Schatten des Reisenden.

Destiny - Wunderschönes MMO mit einem Hauch Halo

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Koop-Shooter mal anders: „Destiny“ lässt euch entweder in kleinen Kommando-Einheiten oder gewaltigen Armeen kämpfen.
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Wer Eins und Eins zusammenzählt, wird sich denken können, dass die Ozonschicht offensichtlich beschädigt ist und daher weite Teile in Wüste verwandelte. Ihr schlüpft dabei in die Rolle eines Guardians, einem Wächter der letzten Bastion, in der die Menschen noch Zuflucht finden.

Die Klassen: Titan, Hunter oder Warlock?

Welche Fähigkeiten wir im Kampf einsetzen dürfen, hängt maßgeblich von der Klasse ab. Bei der Charaktererstellung haben wir die Wahl zwischen drei Spieltypen. Titanen rauschen mit schwerer Rüstung und dicker Schrotflinte an die Front, wohingegen die Hunter mit ihrem Scharfschützengewehr bevorzugt aus dem Hinterhalt ballern.

Packshot zu DestinyDestinyErschienen für PS3, PS4, Xbox 360 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Freunde knallbunter Magieeffekte werden mit dem Warlock glücklich. Darüber hinaus sollen alle Klassen unterschiedliche Kräfte vom Reisenden erlernen können. Von einem gelehrten Magier gänzlich ohne Waffen müsst ihr euch laut Bungie-Chef Pete Parsons jedoch verabschieden: „Das hier ist ein Shooter. Also schießen alle.“

Die private Blase: Für Koop-Kampagnen

„Destiny“ will offensichtlich nicht den klassischen MMO-Weg gehen, wo sich Tausende Spieler in instanzierten Gebieten tummeln. Vielmehr sollen uns im Spielverlauf Gleichgesinnte spontan über den Weg laufen, ähnlich wie im Indie-Hit „Journey“. Das ermöglicht eine ausgeklügelte Match-Making-Strategie, die ohne unser Wissen im Hintergrund werkelt und uns zufällig einen Mitspieler vor die Nase setzt.

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Wächter der Menschheit: Ihr wählt zwischen den Klassen Titan (Soldat), Warlock (Magier) und Hunter (Scharfschütze).
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Haben wir gerade noch in der Pampa ein paar Leichen für die Beute gefleddert, taucht plötzlich ein Kollege auf, der die Quest erhalten hat, mit uns gegen plötzlich angreifende „Fallen“-Streitkräfte zu kämpfen. Das sind menschenähnliche Wesen, die mit ihren martialischen Rüstungen, dem schwarzen Umhang und der Atemmaske an die Helghast aus „Killzone“ erinnern. Und so funktioniert das System: Jeder Spieler hat seine kleine private Blase, in die drei bis vier andere reingelassen werden.

Halo-Mechanik mit der Quest- und Sammelwut von „Borderlands“, obendrein spannende Sci-Fi-Schlachten wie in „Mass Effect“ – das kann so verkehrt nicht sein.Ausblick lesen

Quasi eine Minigilde, die perfekt geeignet ist für viele Koop-Missionen, die oft in engeren Gängen und spärlich beleuchteten Basen spielen – erinnert an klassische Shooter. Wer keine Lust auf die anderen hat, kann auch als einsamer Wolf durch die vielfältige Landschaft streifen, von Dschungel über Lavagegenden bis hin zu Wüstenlandschaften. Eine echte Singleplayer-Erfahrung gibt es nicht, es werden immer auch andere durchs Bild springen.

Die öffentliche Blase: Für Mega-Events

Dann gibt es noch die öffentliche Blase, die für Mega-Events genutzt werden. Dabei werden die unterschiedlichen Einzelspielerwelten zu einer übergreifenden Mehrspielerwelt verschmolzen.

Abgesehen vom herkömmlichen Gekröse wollen uns mächtige Monstergruppen und Bossgegner ans Leder, die genau wie in Blizzards Klicktretmühle „Diablo“ über spezielle Eigenschaften verfügen. Die Kreaturen werden in altbekannter Halo-Manier über den Haufen geballert und nebenbei mit Zauberkräften gepiesackt.

Die außerirdischen Blechinsekten fressen zu viele blaue Bohnen? Kein Problem, Iron-Man-Style, den Handschuh aktiviert und die Meute mit kokelnden Laserbällen gebrutzelt. Wer danach noch was zu melden hat, knutscht den Gewehrkolben. Das sieht dank der flüssigen Animationen richtig klasse aus.

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Blitze schleudern und gleichzeitig ballern? Warum auch nicht. Bungie bricht das klassische Shooter-/Magie-Spektrum auf.
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Magier mit Bleispritze? Klar, das ist ein Shooter!

Schade indes: Von den prophezeiten Mega-Events hat Bungie nur einen kurzen Ausschnitt gezeigt. Zu sehen gab's lediglich einen kleineren Bosskampf vor der Stadtmauer, den die Spieler mit vereinten Kräften, Flammenbomben und knisterndem Blitzgewitter auseinandernahmen. Ausgeknockte Spieler wurden kurzerhand von Kameraden wieder aufgepeppelt.

Wer zu weit entfernt ist und zur richtigen Zeit am falschen Ort herumgurkt, schwingt sich auf eines der herumstehenden Speed-Bikes und düst zum Kampfschauplatz. Wir gehen davon aus, dass derlei Events auf der Karte verzeichnet werden. Dann dürfte es nicht lange dauern, bis sich Dutzende Spieler auf dem Schlachtfeld versammeln – bei „Guild Wars 2“ klappt das hervorragend.

Superdampfhammer Marke Eigenbau

Ein MMO – pardon – „Shared-World-Shooter“ wäre natürlich nichts ohne die typische Sammeltriebjagd nach Waffen und allerhand Beutestücken. Die Suche nach neuen Ausrüstungsgegenständen ist schließlich einer der größten Motivationsmotoren. Jedes Ausrüstungsstück ist am Guardian sichtbar und verleiht ihm so ein individuelles Aussehen. Bungie nutzt Waffen und Gadgets auch für interessante Spieloptionen: Beispielsweise haben wir eine Drohne dabei, die Licht in dunklen Anlagen spendet.

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Ein organischer Panzer mit vier Beinen. Das „Destiny“-Design ist super.
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Abgesehen vom 08/15-Standardgerät, das es in jedem Shooter gibt, sacken wir auch einzigartige Superwaffen von gefallenen Kontrahenten ein. So ein schmucker Revolver aus Alien-Knochen hat gleich viel mehr Wumms in der Trommel. Weil wir jedoch maximal drei Schießprügel und fünf Equipment-Gadgets tragen dürfen, fällt die Entscheidung nicht leicht. Zumal sich jede Waffe mit einem eigenen Skill-Tree und zusätzlichen Modifikationen aufmotzen lässt. Besonders mächtige Exemplare werden ohnehin nur als Quest-Belohnung winken. Vielleicht wartet nach einem erfolgreichen Bosskampf aber auch eine Schatztruhe, wer weiß.

Technik vom Feinsten: In your Face, Masterchief

Egal ob Xbox oder Xbox 360, Bungie hatte das Visier vom Masterchief stets mit dem falschen Glasreiniger poliert und mit der Halo-Serie nie einen wirklichen Grafikhammer abgeliefert. Ganz anders bei „Destiny“, für dessen Technik die modernsten Filter und Effekte zum Einsatz kommen. Besonders eindrucksvoll sind die dynamischen Lichteffekte. Wenn sich auf dem glasklaren See die Sonnenstrahlen spiegeln und rundherum die Fetzen fliegen, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das Next-Gen-Zeitalter, so könnte es aussehen.