Spiele-Entwicklung unterliegt vielen Gesetzmäßigkeiten. Einige Designer legen sich selbst Regeln auf, nach denen ihr Spiel funktionieren soll. Meist sind das drei oder fünf Säulen oder Prinzipien, auf denen das Game fundamental basiert. Bungie hat gleich sieben Gebote aufgestellt, die ihr Werk maßgeblich definieren. Wir waren bei der Weltpremiere von "Destiny" dabei und haben erfahren, welchen Regeln das neue Spiel der Halo-Väter unterworfen wurde.

Destiny - Xur: Standorte und Inventar des Händlers26 weitere Videos

Wie Halo zuvor handelt auch Destiny von einer gewalttätigen, futuristischen Welt, in der das Überleben der Menschen auf einigen wenigen Schultern ruht - und dies gilt es, mit Waffengewalt durchzusetzen. Destiny ist ein Shooter, dessen Handlung in eine dauerhafte Online-Umgebung (persistente Welt) eingebunden ist. Aber er soll kein herkömmliches Stück Ballersoftware sein, sondern etwas Besonderes: ein episches Actionabenteuer. Eine Weltrettungsmission, die ihr nach Vorstellungen von Bungie nicht einsam unternehmt, denn das Spiel soll die Mauern einreißen, künstliche Beschränkungen aufheben, denen konventionelle Games unterliegen.

Destiny tritt an, um die Grenze zwischen persönlicher und öffentlicher Spielerfahrung abzuschaffen. Um eine bisher unerreichte Verquicking von kooperativen und kompetitiven Elementen zu erreichen, hat Bungie die 7 Gebote aufgestellt:

1. "Erschaffe eine Welt, in der die Spieler gerne sein wollen." Destiny soll trotz einer verzweifelten Situation für die menschliche Zivilisation kein depressives Flair verströmen, sondern Hoffnung auf eine bessere Zukunft wecken und den Willen zur Erkundung anfachen. Hoffnung ist der Kern des Spiels, sagen die Entwickler. Das spiegelt sich im Artdesign wider, das neben der in Echtzeit berechneten atmosphärischen Beleuchtung eine Farbgebung aufweist, die allein schon eine Überzeugung zum Widerstand ausdrückt. Gegen wen? Schwer zu sagen. Activision und Bungie halten sich in vielen Bereichen mit konkreten Aussagen noch sehr zurück, lassen sich nur wenig in die Karten schauen - leider. Nur so viel ist bekannt:

Destiny - Artworks zu Bungies MMO-Shooter

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Eine geheime Macht hat die Erde in ein zerstörtes Trümmerfeld verwandelt. Nur der Einsatz des mysteriösen "Traveller" konnte die Menschheit vor der Auslöschung bewahren, doch der Konflikt hat den Planeten in eine teils giftige Ruine verwandelt, andere Teile hat sich die Natur zurückgeholt. Im gesamten Sonnensystem treiben sich bizarre Schiffsungetüme, verschollene Schlachtschiffe aber auch Aliens, Zombies und andere tödliche Gefahren herum. Die nicht-lineare Handlung führt uns also nicht ausschließlich auf die Erde, wo die letzte verbliebene Stadt als eine Art Kommunikations-Hub dient, sondern auch an Schauplätze wie eine Dschungelwelt auf Venus oder die roten Sanddünen des Mars.

Destiny - Weltpremiere: Das neue Spiel der Halo-Macher

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Die ersten Artworks machen Lust auf mehr.
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Wo wir wann was machen, soll uns frei stehen. Im Mittelpunkt steht die Suche danach, "was wir verloren haben", und dazu dringen wir ultimativ ins Sonnensystem vor, um Schätze zu finden und Geheimnisse aufzudecken. Jeder soll dabei eigene Abenteuer finden, ohne zu sehr an der Hand geführt zu werden. Gesehen haben wir davon nichts, aber immerhin: Der Soundtrack kommt von Marty O'Donnell (unter Mithilfe von Paul McCartney), der bereits Halo mit seinen Melodien versüßte und auch diesmal für akustischen Bombast sorgt.

Gemeinsam gibt‘s kein einsam

Das bringt mich zu Punkt zwei: "Es soll eine Menge zu tun geben." Destiny ist eine offene Welt, eine Sandbox, die sowohl für Einzelspieler, Koop-Ausflüge (für bis zu sechs Spieler), Gruppen-und Mehrspieler-Elemente mehr als genug Platz bieten soll. Angeblich hat Bungie in den vergangenen Jahren genug Material für die nächste Dekade angesammelt. Grundbedingung: Der Spielablauf soll sowohl Hardcore-Gamern als auch Gelegenheitsspielern ausreichend Betätigungsfelder bieten.

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Auf die Größe kommt es an: Egal, ob im Weltraum...
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Wie man bewerkstelligen will, dass sich beide Seiten symbiotisch vereinen, mit oder nebeneinander spielen, ohne mit gegenläufigen Interessen für Frust durch beispielsweise Griefplay zu sorgen, konnte oder wollte Bungie noch nicht beantworten.

Destiny muss (Punkt drei) Spielern "Belohnungen bieten, die ihnen etwas bedeuten". Das soll über reine Lootsystem-Gedanken hinausgehen, aber die Entwickler blieben diesbezüglich ziemlich wischiwaschi. Befriedigung soll vor allem aus dem sozialen Aspekt des Zusammenspielens bezogen werden. Bungie verspricht aber, dass es zig Waffen, Rüstungen und diverse Ausrüstungsgegenstände geben wird, mit denen wir unsere Recken individualisieren können.

Ein fantastisch anmutendes Science-Fiction-Online-Spiel, das trotz Weltpremiere seine wahre Feuertaufe erst noch erleben muss.Ausblick lesen

Die Enthüllung der drei Charakter-Klassen geschah aber nur sehr oberflächlich: Der "Titan" ist ein schwer gepanzerter Soldat, daneben schießen auch noch der verwegenen wirkende "Hunter" sowie der "Warlock" aus allen Rohren. Bisher unterscheiden sich diese "Hüter" nur rein äußerlich. Alle sollen jedoch über "unglaubliche Kräfte" verfügen, die sie vom "Traveller" erhalten haben. Ballern werden sie also alle, Details ihrer Spezialfertigkeiten sind leider noch nicht verfügbar. Aber immerhin: Die vorgestellte Hunter-Figur besaß eine Waffe namens "Schicksal aller Narren"...

Wie der Spieleinstieg überhaupt verlaufen wird, präzisierte Bungie ebenfalls nicht. Traditionelle Mechaniken wie herkömmliches Spiele-Interface oder eine Mehrspieler-Lobby sollen jedoch der Vergangenheit angehören. Hauptmenü? Fehlanzeige. Das vierte Gebot soll dem Spieler "jedes Mal eine neue Erfahrung ermöglichen" und deshalb zufällige Bekanntschaften genauso unterstützen, wie das Zocken mit Kumpels.

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...oder auf der Planetenoberfläche - Bungie denkt in großen Dimensionen.
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Denn (Gebot Nummer 5), "wer sich das Spielen mit anderen Leuten teilt, hat mehr Spaß daran, als alleine vor sich hin zu spielen". Gerade deshalb soll der kooperative Aspekt der Missionen unterstrichen werden, viele Aufgaben nur im Team zu bewältigen sein. Da ist es nur konsequent, dass Destiny eine aktive Internetverbindung voraussetzt. Aber ein MMOG soll es trotzdem nicht sein und schon gar nicht ein Abo-Modell als Geschäftsgrundlage haben. Wie Bungie und Activision mantrahaft vor sich hin beten. Andererseits will man aber auch noch nicht mit dem tatsächlichen Business-Modell herausrücken...

Vielleicht einfach deshalb, weil nicht zu früh bestimmte Zielgruppen ausgeschlossen werden sollen. Denn Gebot sechs sagt, "es soll für alle Skill-Level ein Vergnügen sein, Destiny zu spielen". Für Hardcore-Spieler sollen spezielle Spielelemente vorhanden sein, die ihrer Erfahrung gerecht werden. Anfänger hingegen will man gleichzeitig nicht überfordern. Ein sicherlich schwieriger Spagat, den Bungie da versucht.

Das führt direkt zu Punkt 7: "Destiny soll so zugänglich sein, dass auch Ungeduldige, Abgelenkte oder sogar Müde ihren Spaß haben sollen." Nach dem Motto: "Keep it simple", soll der Online-Shooter ein Schlaraffenland für jeden sein. Erfolge und Belohnungen sollen demnach auch in kurzer Zeit erreichbar sein und nicht nur durch stundenlange Spielsessions.