Vor wenigen Tagen war es soweit: Nervös schwitzige Spielerhände schoben weltweit runde Datenträger in ihre Konsolen, um das seit Monaten als „Spiel des Jahres?!“ propagierte AAA-Prinzesschen Destiny endlich zu spielen. Es wurde ja auch Zeit, immerhin hatte der europäische Durchschnittspieler bereits rund 10 Stunden in der Alpha und Beta des neusten Bungie-Ablegers verbracht. Das Internet tauchte in vorübergehende Stille während die Spielermassen auf dem Mond und der Venus herumreisten. Nun gibt es erste Reaktionen auf das Grafikwunder – und diese fallen überraschend aus – zumindest vorläufig.

Uns ging es hier im Vorfeld nicht anders. Wir hatten große Lust auf Destiny und waren gespannt, welche futuristischen Geschütze Bungie für uns auffahren würde. So stürzten wir uns Seite an Seite mit riesigen Spielermassen in die Beta und nutzen unsere frisch erworbenen Fähigkeiten in der Videobearbeitung dazu, unsere Eindrücke festzuhalten. Schon damals klangen erste Zweifel an, die Vorfreude war getrübt, der Hype lahmte mittlerweile auf einem Bein.

Als das fertige Spiel schließlich in die Läden trudelte, schmissen wir die Testmaschine an und spielten fleißig in jeder freien Stunde. Allerdings haben wir noch lange nicht das Endgame erreicht oder haben einen Großteil des Universums von Destiny gesehen, so dass wir uns noch keine endgültige Wertung erlauben wollen. Stattdessen gibt es eine vorläufige Einschätzung des Spiels, die auf den bisher rund 20 gespielten Stunden basiert, die wir bisher in das Planetenspringen investieren konnten.

Destiny - Vorläufiger Test: Enttäuscht vom Hoffnungsträger des Jahres?!

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Die Welt von Destiny ist wahrlich hübsch.
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Eine Serotoninorgie für die Augen

Der erste Blick in die Welt von Destiny offenbarte viel Bekanntes in hübschem Grafikgewand: Die ersten zwei Spielstunden waren identisch mit dem Einstieg aus der Beta – zeigten aber noch deutlich mehr Oberflächendetails und Licht-Schatten-Spiele. Beeindruckt kämpfte ich mich bis zum dritten Levelaufstieg und den Eingang zum Social Hub, dem Tower, wo Ausrüstung verbessert, ge- oder verkauft werden kann sowie neue Missionen zur Verfügung stehen.

Destiny schickt den Spieler in der Rüstung von drei verschiedenen Klassen, die durch ihre Fähigkeiten noch einmal in je zwei Subklassen aufgespalten sind, durch das Universum. Warlock, Titan und Jäger decken rollenspielkonforme Klischeetypen ab und unterscheiden sich in ihrer Spielweise deutlich – bis ich allerdings beurteilen kann, wie gut diese Klassen vor allem im PVP-Modus gegeneinander ausbalanciert sind, muss ich das Endgame noch abwarten.

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Die Kämpfe sind fordernd und spannend - wieso wir kämpfen, wissen wir allerdings nicht.
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Destiny ist ein wirklich, wirklich hübsches Spiel. Kleine Partikel schweben durch die Luft unbekannter Planeten, dramatische Lichtwechsel tauchen ganze Galaxien in die exotischsten Farbkombinationen und statt eines einfachen Ladebildschirms mit traditionellem Fortschrittsbalken dürft ihr euch und eure Mitstreiter in Raumgleitern durch die Lüfte fliegen sehen.

Vorläufiges Urteil: Destiny wird viele Spieler enttäuschen.Fazit lesen

Apropos Mitstreiter: Coop ist ein Thema, das Destiny groß schreibt. COOP also. Ihr wisst schon.

Grundsätzlich jede Mission kann in den sogenannten Fireteams von bis zu drei Teammitgliedern gleichzeitg angegangen werden, wobei manche besonders schwere Quests ein voll besetztes Feuerteam erfordern – das automatische (und gut funktionierende) Matchmaking-System übernimmt dann das Auffüllen.

Anspruchsvolle Schusswechsel, inhaltsleere Geschichten

Ein volles Team ist manchmal auch wirklich notwendig, denn die Gegner-KI ist dem Entwicklerteam sehr gut gelungen. Die Vertreter der insgesamt vier verschiedenen Gegnerrassen suchen aktiv Deckung, versuchen Flankenangriffe und lassen dem Spieler kaum eine Verschnaufspause.

Auch das Gegnerdesign reicht von humanoiden Aliens über fliegende Kampfdrohnen bis hin zu seltsamhaft anmutenden Tentakelwesen. Zwar erfahrt man kaum etwas über die Geschichte dieser Alien-Parteien, die Schusswechsel mit ihnen machen aber viel Spaß.

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Es gibt eine ganze Reihe interessanter Schauplätze zu entdecken.
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Einen großen Teil der Freude am Gefecht macht dabei das realistische, knackige Schussfeedback der Waffen sowie die interessanten und abwechslungsreichen Schießprügelmodelle aus, die immer wieder Lust auf regelmäßige Besuche beim Händler machen. Die drei verschiedenen Waffenklassen sorgen für die nötige taktische Tiefe, um auch gegen die sehr, sehr widerstandsfähigen Endgegner in einem Gebiet etwas ausrichten zu können. Warum ihr allerdings ausgerechnet an Ort X die fiese Gegnerhorde Y bekämpfen müsst – das haben wir nie so wirklich verstanden.

Denn die Geschichte und alle erzählenden Charaktere sind fürchterlich blass. Es gibt keine charismatische Figur, die uns das Universum von Destiny näher vorstellt: Was ist mit all den Menschen passiert, wenn die Erde vom Bösen verschluckt wurde? Was oder wer ist eigentlich diese Dunkelheit? Und was hat der sagenumwobene „Reisende“ mit alldem zu tun?

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Tatsächlich ist die mangelhaft erzählte und transportiere Geschichte neben den repetitiven Quests der größte Kritikpunkt am Spiel, der momentan das Spielgeschehen trübt und sich von Level zu Level zum größten Feind des Spielspaßes entwickelt. Ich soll Missionsmarker erobern, Stellungen verteidigen, Dungeons erkunden – und verstehe beim besten Willen einfach nicht, warum. Ich hoffe, dass sich Destiny in dieser Hinsicht noch einmal zum Ende hin erholt – auch wenn ich damit schon lange nicht mehr rechne.