So schnell kann es gehen. Hier habe ich noch voller Enthusiasmus erklärt, warum Destiny für mich das Spiel des Jahres ist, habe naiverweise darauf gehofft, dass die erste Erweiterung Dunkelheit lauert „Content-Kritikern so langsam die Argumente entzieht“. Nun ist der DLC vergangenen Dienstag endlich erschienen – und ich bin durchaus ernüchtert. Das war es also schon?

Destiny - Xur: Standorte und Inventar des Händlers26 weitere Videos

Lässt man mal den neuen Sechs-Spieler-Raid „Crota's Ende“ außen vor, der euch in die Tiefen des Höllenschlunds schickt und – nach meinen ersten, leider noch viel zu kurzen Eindrücken – herrlich düster, voller Monstermassen und voll auf Teamwork ausgelegt ist, muss ich selbst als großer Destiny-Verehrer sagen: Bungie und Activision, mit diesem 20-Euro-Download-Paket habt ihr euch keinen großen Gefallen getan.

Destiny: Dunkelheit lauert - Im Dunkeln funkelt nur ein schwaches Licht

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 280/2861/286
Los geht’s! Eris Morn hält für euch im Turm drei neue Storymissionen sowie etliche neue Beutezüge parat.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Klar, wer schon seit Wochen auf dem alten maximalen Licht-Level 30, das Dunkelheit lauert auf 32 erhöht, herumlief und den ersten Raid Die Gläserne Kammer rauf und runter gespielt hat, der würde wahrscheinlich, Zitat eines Mitspielers, „seine Frau verkaufen“, um von seiner Lieblingsdroge wieder den Dopamin-Kick verpasst zu bekommen, wie damals, als er endlich den Ice Breaker in Händen hielt. Und auch ich werde Destiny vorerst die Treue halten und weiterhin mit den Leuten spielen, die es genauso lieben wie ich. Ich bleibe bei meiner Meinung, dass es für mich persönlich das Spiel des Jahres ist. Das aber trotz, nicht wegen Dunkelheit lauert!

Die neuen Inhalte: Mehr vom Gleichen, davon aber nicht viel

Neue Planeten, Gegnertypen und Gebiete? Storymissionen, die die Handlung des Hauptspiels endlich in die ehemals als episch angekündigte Richtung lenken und weitere Hintergründe zum Destiny-Universum liefern? Richtig coole Beutezüge mit innovativen Ideen? Oder wenigstens der globale Textchat, auf den ich schon ewig warte, der die Kommunikation mit anderen Spielern deutlich vereinfachen würde und den auch andere Spieler fordern? Pustekuchen
.

Destiny: Dunkelheit lauert - Im Dunkeln funkelt nur ein schwaches Licht

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden6 Bilder
Am Ende des neuen Drei-Spieler-Strikes „Der Wille von Crota“ bekämpft ihr Omnigul, ein ziemlich nerviges Hexenweib.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die neuen Inhalte fasse ich im Folgenden in aller Kürze zusammen. Das ist gar nicht schwer, ausufernde Content-Ergüsse darf man von Dunkelheit lauert nun wirklich nicht erwarten. Zum einen gibt euch der neue NPC-Charakter Eris Morn im Turm drei frische Storymissionen, die sich – genau wie so ziemlich alles in dem DLC – um den neuen Oberfiesling Crota drehen, der das Destiny-Universum mit seinen Schar-Horden zu erobern versucht. Details spare ich mir; ein wenig Spannung soll euch schließlich erhalten bleiben.

Diese Story-Einsätze sind zwar gut gemacht und punkten mit dichter Atmosphäre, man hat sie aber viel zu schnell durchgespielt. Länger als eine knappe Stunde dürfte dafür niemand benötigen. Außerdem betreibt Bungie schon hier kräftig Recycling: Ihr erforscht vor allem bekannte Abschnitte – gelegentlich wird höchstens mal eine neue Tür geöffnet oder ein neuer Gang freigelegt.

Der DLC verpasst den Junkies die nächste Spritze und versetzt sie wochenlang in einen Sammelrausch. Wer das Hauptspiel bislang nicht mochte, wird von der Erweiterung allerdings nicht bekehrt.Fazit lesen

Tut euch einen Gefallen und geht diese Storylevels mit zwei guten Destiny-Kumpels direkt auf Schwierigkeitsstufe 30 an, so habt ihr ein wenig länger Freude damit. Denn sobald man die Story-Schnipsel durch hat, bekommt ihr von Eris Morn lediglich noch eine recht lästige Urnen-Quest in die mittlerweile zehn Beutezüge-Slots gepackt, die euch – Überraschung – an bekannte Schauplätze schickt, euch dort alles Mögliche töten und sammeln lässt. Nicht sonderlich einfallsreich.

Am Wochenende nicht da? Pech gehabt!

Toll auch: Damit ich diese spezielle Eris-Mission abschließen konnte, musste ich darauf warten, dass sich Xûr am vergangenen Wochenende endlich im Turm blicken ließ. Wer denkt sich so einen Quatsch aus? Was wäre gewesen, wenn ich am Wochenende nicht hätte spielen können? Noch eine weitere Woche warten? Ernsthaft, Bungie, das geht gar nicht. Und was folgt, wenn man diese leidige Aufgabe endlich absolviert hat (für die man immerhin etwas, ahem, Legendäres erhält)? Eris Morn setzt euch lediglich weitere 08/15-Beutezüge à la „Vernichte die Schar auf der Erde, mit dem Schwert einer Klinge“ vor.

Destiny: Dunkelheit lauert - Im Dunkeln funkelt nur ein schwaches Licht

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 280/2861/286
Nur für Sony-Spieler: Der Strike „Der unsterbliche Geist“ ist PS3- und PS4-Spielern vorbehalten und auf Stufe 20 oder als zufälliger 26er-Strike via Matchfinder spielbar.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Diese Beutezüge braucht ihr jedoch, um euren Ruf bei Eris zu steigern, damit ihr die neuen Upgrade-Materialien (namentlich Runenverzierte Kerne und Balsamierungskugeln) für die im DLC eingeführten besseren Waffen sowie obendrein spezielle Umhänge, die sich auf die Optik eures Hüters auswirken, erstehen könnt.

Um eure alten exotischen Waffen mit 300 Angriffspunkten auf die neue Höchstpunktzahl von 331 aufwerten zu können, müsst ihr übrigens bei Xûr spezielle exotische Bruchstücke kaufen, die ihr zudem zum Aufwerten neuer exotischer Rüstteile nutzt. Sehr nervig: Xûr setzt die Spezialfähigkeiten voll aufgerüsteter Waffen wieder komplett auf Null zurück – und ihr dürft wieder leveln, leveln, leveln. Kennt man ja.

Ach ja, nicht zu vergessen: Möchtet ihre eure (zufällig von den drei Bossen und zwei Kisten in „Crota's Ende“ ausgespuckte) Raid-Ausrüstung maximieren, geht das ausschließlich über die neuen Upgrade-Materialien, die ihr exklusiv im Raid abstauben könnt. Dieses System bringt einige Probleme mit sich, da die Aufrüst-Ressourcen arg knapp verteilt werden, wie die US-Kollegen von Polygon in diesem Artikel schön erklären. Dieser greift obendrein die Problematik auf, dass sämtliche in den vergangenen drei Monaten im „Gläsernen Kammer“-Raid erspielte Ausrüstung nun für die Tonne ist.

Destiny: Dunkelheit lauert - Im Dunkeln funkelt nur ein schwaches Licht

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden6 Bilder
PvP-Fans freuen sich über drei neue Schmelztiegel-Karten. Hier eine Impression der ziemlich weitläufigen Map „Himmelsschock“.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Apropos: Die Loot-Tabelle des alten Raids wurde für die Erweiterung bedauerlicherweise nicht angepasst, er ist somit für ambitionierte Endgame-Zocker ziemlich uninteressant geworden. Ich hoffe, dass Bungie sich etwas Kluges einfallen lässt, um die „Kammer“ – immerhin eines der bisherigen Highlights des Spiels – langfristig doch noch als festen Bestandteil des Endgames zu integrieren.

Ein neuer Strike für alle, ein zweiter nur für Sony-Spieler

Nun zu den weiteren Inhalten von Dunkelheit lauert. Den neuen Drei-Spieler-Strike Der Wille von Crota gibt’s auf allen Systemen. Er war in der ersten Woche nach DLC-Veröffentlichung auch gleich mal wöchentlicher heroischer Strike sowie Dämmerungsstrike, weshalb Spieler ohne Dunkelheit lauert außen vor blieben, genauso wie bei der „Täglichen Story“, die sich ebenfalls des DLCs bediente. Das fanden die Destiny-Spieler, die mit dem DLC-Download noch warten wollten, sicherlich ganz und gar nicht lustig.

Der neue Strike schickt euch – da ist auf Bungie Verlass – in ein zuvor schon oftmals bespieltes Gebiet im Kosmodrom, hetzt euch jede Menge Schar-Leibeigene auf den Hals und spielt sich schön flockig, aber eben äußerst vertraut. Immerhin ist Endboss Omnigul, eine störrische Hexenbraut, gerade auf den hohen Schwierigkeitsgraden eine fordernde Angelegenheit.

Destiny: Dunkelheit lauert - Im Dunkeln funkelt nur ein schwaches Licht

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 280/2861/286
„Crota's Ende“: Der neue Raid setzt auf massive Gegnermassen und kluges Team-Zusammenspiel.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Frech: Den zweiten neuen Strike Der unsterbliche Geist, auf Level 20 und per Strike-Liste auf Level 26 spielbar, erleben aufgrund eines Sony-Exklusivdeals bis mindestens Herbst 2015 lediglich Playstation-3- und -4-Besitzer, Microsoft-Hüter müssen dennoch den vollen DLC-Preis bezahlen. Sie verpassen aber nichts Weltbewegendes: In der Meridian-Bucht auf dem Mars ballert ihr euch nach dem gewohnten Muster durch etliche Vex-Verbände; wenigstens ist das Ende einigermaßen dramatisch inszeniert.

Für PvP-Fans hält der DLC drei neue Schmelztiegel-Karten bereit, die mir insgesamt recht gut gefallen: Während ich mir auf der extrem weitläufigen Map „Himmelsschock“ etwas verloren vorkomme und es nervt, dass man hier ständig von irgendwo im Nichts postierten Scharfschützen-Feiglingen niedergemäht wird, machen Der Kessel und Pantheon mit ihren übersichtlichen, auf Nahkampf ausgelegten Korridoren richtig Laune. Bislang konnte man die neuen Karten allerdings nur in den Modi „Konflikt“ (6-gegen-6-Team-Deatmatch) und „Rumble“ (6-Spieler-Deatmatch) angehen; ich hoffe doch stark, dass dies bald auch in meiner PvP-Lieblingsvariante „Kontrolle“ möglich ist.

Smells like Abzocke

Abgesehen von den neuen Waffen mit einigen richtig netten Modellen und den Dunkelheit-lauert-Rüstungsteilen, die euch wie eingangs erwähnt maximal auf Licht-Level 32 bringen, ein paar neuen Raumschiffen und einem neuen Gleiter, war es das dann auch schon an Inhalten. Angesichts des Preises von 20 Euro (bei einer Ersparnis von rund fünf Euro, wenn man sich den Season Pass holt, der auch den kommenden DLC beinhaltet) ist das schon arg dreist.

Destiny: Dunkelheit lauert - Im Dunkeln funkelt nur ein schwaches Licht

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden6 Bilder
Im alten Raid „Die Gläserne Kammer“ wurde die Gegenstandsstufe nicht auf DLC-Niveau angepasst. Im aktuellen Zustand ist er lediglich zum Anhäufen von Aszendenten-Material und für Waffensammler interessant.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Für, sagen wir, 4,99 Euro wäre dieser Minimal-Content okay, aber so ist das definitiv zu teuer. Gerade Spieler, die keine fünf Freunde haben, um sich im neuen Raid auszutoben (wo wir wieder bei der Notwendigkeit eines globalen Chats angekommen wären), könnten sich da schlicht veräppelt vorkommen.

Ich selbst werde mit dem Raid sicherlich noch viel Freude haben, zumal ich Crota bislang noch nicht besiegt habe, stattdessen in der ersten DLC-Woche weiterhin Atheon tötete, um an dringend benötigtes Aszendenten-Material zum Aufwerten der bei den Destiny-Fraktionen erwerbbaren neuen Rüstgegenstände heranzukommen. Doch ich bin auch in der glücklichen Lage, zahlreiche aktive Mitspieler zu kennen, was ja dann wieder für das Spiel spricht: Es wird, trotz aller Macken, trotz der durch und durch mäßigen ersten Erweiterung, wie verrückt gespielt. Ich bin sehr gespannt, wie lange ich dem Grind noch erlegen bin – im Moment macht mir Destiny jedenfalls nach wie vor sehr viel Spaß.