Mit der dritten Erweiterung König der Besessenen ist Bungie ein Jahr nach Release das Kunststück gelungen, aus Destiny ein sehr viel besseres Spiel zu machen. Endlich hat sich der Shooter den Zusatz „MMO“ verdient und bietet mehr Abwechslung als je zuvor. Mittlerweile gibt es gar so viel Endgame-Content, dass ich gar nicht mehr hinterherkomme, alle Waffen-Quests, den Hardmode des Königsfall-Raids oder das derzeit stattfindende Halloween-Event zu absolvieren. Wer wie ich dank Job, Familie und sportlicher Ambitionen nur über ein knapp bemessenes Zeitkontingent verfügt, wird mit König der Besessenen automatisch zum Casual-Spieler. Doch ich finde das absolut nicht schlimm, ganz im Gegenteil: Ich spiele Destiny eben in meinem ganz eigenen Tempo – und habe dabei so viel Spaß wie schon lange nicht mehr.

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Ich werde scheinbar altersmilde. Oder einfach gelassener. Oder weiser. Wie auch immer. Wo ich zu seligen World-of-Warcraft-Zeiten immer schnellstmöglich den jeweils aktuellen Raid-Content beenden wollte, dabei nicht selten ruhmreiche Server-Firstkills und Best-in-Slot-Ehren anstrebte, hat sich das bei meinem aktuell liebsten Onlinespiel Destiny ziemlich verändert. Es ist nicht so, dass ich mit meinem Titan völlig unambitioniert durch Bungies Science-Fiction-Welt stolpere, aber ich muss eben auch nicht immer der Beste, Schnellste und Coolste sein. Ich bin nun casual.

Jede Menge zu tun

Ich spielte König der Besessenen zwar in der ersten Woche nach Veröffentlichung – auch berufsbedingt – jeden Abend (beziehungsweise eher jede Nacht) durchschnittlich mehrere Stunden, doch danach musste ich meine tägliche Destiny-Dosis stark zurückfahren, um meinen Pflichten als Agenturinhaber, Vater und Ehemann nachzukommen sowie meinen Marathon-Ambitionen gerecht zu werden.

Destiny - Ich bin jetzt casual, na und?

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Casual, aber motiviert: Oryx musste im Königsfall-Raid auf dem normalen Schwierigkeitsgrad schon mehrfach sterben, im Hardmode ist er demnächst fällig.
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Die Folge: Wenn man sich wie ich „nur“ drei, vier Mal die Woche für ein oder zwei Stündchen in Destiny einloggt, kommt man seit König der Besessenen mit dem Content einfach nicht mehr hinterher. Das war zu Zeiten des Classic-Spiels oder der ersten beiden Erweiterungen Dunkelheit lauert und Haus der Wölfe noch völlig anders – da habe ich es irgendwie immer geschafft, sämtliche Inhalte so schnell durchzuspielen, dass sich irgendwann gepflegte MMO-Monotonie einstellte. Während Haus der Wölfe und nach Beendigung meiner fast schon epischen Suche nach dem Gjallarhorn wurde mir das Spiel gar so langweilig, dass ich dringend eine Pause brauchte. Jetzt aber hat man in Destiny richtig viel zu tun. Und das finde ich super!

Den normalen Schwierigkeitsgrad des dank ausgetüftelter Spielmechaniken wirklich tollen Königsfall-Raids habe ich mithilfe netter Mitspieler, die geduldig meine Fails in den Sprungpassagen (ich hasse sie!) ertrugen, immerhin bereits knacken und Endboss Oryx mehrfach auf die Polygon-Bretter schicken können. Um den „Taken King“ im vor kurzem veröffentlichten Hardmode umzuhauen, ist mein aktuelles Lichtlevel (302 Punkte) noch etwas knapp bemessen, also heißt es noch ein wenig Waffen und Rüstungsteile farmen, bis ich etwa auf 310 bin und den Raid auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad beenden kann. Aber hey, kein Stress, ich spiele König der Besessenen in diesen Tagen einfach so, wie es mir gefällt und wie es mein Zeitbudget erlaubt.

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Die Missionsreihe zum exotischen Fusionsgewehr Schläfer-Simulant ist vergleichsweise schnell erledigt – ganz im Gegensatz zur Quest für die Boshafte Berührung, die Casuals schnell an ihre (Zeit-)Grenzen bringt.
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Süßes oder Saures

Apropos Zeit: Mein Quest-Log platzt immer noch vor offenen Missionen – zum Beispiel muss ich unbedingt noch die Boshafte Berührung ergattern. Mir fehlen nur noch, ähem, 20 kalzifizierte Fragmente, dann bekomme ich das Ding. Kaum zu glauben, dass Bungie sich für dieses feine exotische Scout-Gewehr eine derart umfangreiche und vergleichsweise anspruchsvolle Quest ausgedacht hat. Wo man früher einfach nur Loot-Glück haben musste, um an die besten Waffen im Spiel heranzukommen, werde ich in Destiny heute für Fleiß und Können belohnt.

Darüber hinaus muss ich auch mal wieder online sein, wenn die tägliche heroische Mission ansteht, in der man die Schwarze Spindel bekommen kann. Ganz zu schweigen vom Exo-Schwert, mit dem gefühlt jeder zweite Destiny-Zocker längst herumfuchtelt, aber ich Casual-Noob noch nicht. Mit dem noch bis 11. November stattfindenden Ingame-Halloween Festival der Verlorenen fange ich gar nicht erst an. Es ist zwar bestimmt einigermaßen unterhaltsam, aber erstens muss ich an Halloween schon mit meinen „Süßes oder Saures?“ kreischenden Kindern durch die Straßen ziehen, zweitens habe ich mit solchen Events seit World of Warcraft abgeschlossen (Schlotternächte, anyone?) und drittens widme ich mich dann doch lieber dem sonstigen PvE-Content von König der Besessenen.

Halo 5? Destiny!

Dafür, dass das dritte Destiny-Addon bereits seit fast sechs Wochen auf dem Markt ist, fühlt es sich für mich immer noch erstaunlich frisch an und unterhält mich bestens. Bungie hat sich dafür wirklich ein Extralob verdient. Selbst die internationale Presse, die das Ur-Spiel ja teilweise ziemlich verrissen hatte, zeigt sich mit einem Metascore von 85 Punktenfür die PS4-Verson regelrecht enthusiastisch. Auf der Xbox One hat König der Besessenen gar 90 Punkte kassiert – da hält nicht mal das gerade erschienene Halo 5: Guardians mit. Zu Recht, wie ich meine: Wer nach einer ausgiebigen Runde Destiny den neuen Xbox-One-Shooter einlegt, wird feststellen, dass Bungie es in Sachen Gunplay, Waffendesign und Spielbarkeit einfach noch einen Tick besser raushat als die Entwicklerkollegen von 343 Industries.

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Wer’s braucht: Die neuen Emotes können schnell ins Echtgeld gehen.
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Also alles tutti im Destiny-Kosmos? Ja, ich habe in dieser Kolumne ausnahmsweise mal wenig zu meckern. Einzig die neu eingeführten Mikrotransaktionen für optionalen Emote- und Tanz-Schabernack hätte ich zumindest nicht gebraucht. Dann doch lieber die echten Engramme aus dem Bungie Store, da lacht das Nerd-Herz! Aber solange Bungie wie versprochen keine Pay2Win-Items implementiert, soll es mir egal sein – und ich freue mich weiterhin, dass die Entwickler aus Destiny endlich das Spiel gemacht haben, das sich viele von Anfang an gewünscht haben.

In diesem Sinne: Weiterballern, Guardians!