Ach, Destiny. Das Spiel der verpassten Möglichkeiten. Zwar war die Ende September 2015 erschienene dritte Erweiterung König der Besessenen wirklich gelungen – sie führte jede Menge sinnvolle Neuerungen, zahlreiche frische PvP- und PvE-Inhalte nebst gutem Sechs-Spieler-Raid und die bis dato spannendste Story-Kampagne in Bungies MMO-Shooter ein. Doch selbst wer sich genüsslich Zeit damit ließ, war spätestens nach drei Monaten mit dem Gebotenen durch. Jetzt gibt es endlich neuen Content – der für treue Fans wie mich mal wieder ein Schlag ins Gesicht ist.

Destiny - Xur: Standorte und Inventar des Händlers26 weitere Videos

Okay, streng genommen durften Destiny-Fans seit König der Besessenen durchaus neuen Content zocken, geliefert vom eigens bei Bungie dafür abgestellten Live-Team: Ein Racing-Minispiel in Form der Sparrow-Rennen und meiner Meinung nach komplett uninspirierte Halloween- und Valentinstag-Events, die ich zumindest absolut nicht brauche. Moment, ich habe die Mikrotransaktionen für den Kauf von Emotes und Level-Boosts vergessen. Ironie aus.

Destiny - Grind, Loot, Repeat? Bald ohne mich!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 229/2331/233
Die Neuerungen des April-Updates sind leider arg dünn. Wo bleibt ein neuer Sechs-Spieler-Raid? Wo sind frische coole Strikes oder sonstige Überraschungen? Das weiß wohl nur Bungie...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Vor knapp zwei Wochen hat Bungie nun endlich das lange angekündigte und von reichlich Twitch-Brimborium begleitete April-Update veröffentlicht. Und was soll ich sagen: Ich spiele nach einer über dreimonatigen Pause – es ist nicht die erste – seit Mitte Januar zwar tatsächlich wieder Destiny. Allerdings bin ich weit entfernt vom Grinding-Fieber vergangener Tage, in denen ich etwa verzweifelt dem Gjallarhorn hinterherlief. Es reicht mir derzeit, mich zwei, drei Mal pro Woche ein bisschen in Bungies Science-Fiction-Shooter austoben und mich mal wieder des immer noch großartigen Gunplays zu erfreuen. Was letztlich für Veteranen wohl auch neben der fanatischen Community der wichtigste Grund sein dürfte, dem Spiel weiterhin die Treue zu halten.

Packshot zu DestinyDestinyErschienen für PS3, PS4, Xbox 360 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Verspäteter Aprilscherz?

Doch für sich betrachtet ist Patch 2.2.0 ein schlechter Witz, über den man einfach nicht lachen kann. Die Patchnotes sind lang, der Inhalt aber ist doch erschreckend dünn ausgefallen. Wer auf einen neuen Sechs-Spieler-Raid oder sonstige spannende Content- oder Gameplay-Innovationen gehofft hat, wird bitter enttäuscht. Wieder mal.

Ich fasse mal kurz die wichtigsten Neuerungen zum – Zitat Bungie – „größten Destiny-Update seit König der Besessenen“ zusammen:

  • Das Lichtlevel wurde von 320 auf 335 erhöht. Das Hamsterrad dreht sich wieder, yeah!
  • Die Loot-Qualität hängt nun von eurem aktuellen Lichtlevel ab und ist nicht mehr nur noch rein zufällig: Ihr könnt ab sofort Gegenstände erhalten, die bis zu fünf Punkte über eurem jetzigen Ausrüstungsstand liegen. Beispiel: Ihr seid Lichtlevel 325, es können also Items bis 330 droppen.
  • Die im Raid Königsfall zu erbeutenden Gegenstände wurde dementsprechend angepasst: Auf „normal“ gibt es nun Loot bis Lichtlevel 320 zu erbeuten, auf „schwer“ bis 335. Der Raid selbst inklusive sämtlicher Spielmechaniken und Bosse blieb aber unangetastet. Will heißen: Ich soll einen alten Raid, den ich schon etliche Male durchgespielt habe, immer und immer wieder „clearen“. Nein, danke, seit der erfolgreich absolvierten, aber enorm nervenzehrenden Oryx-Challenge ist da bei mir die Luft raus. Immerhin: Man kann Lichtlevel 335 auch komplett ohne Raid-Teilnahme erreichen, das dauert dann eben einfach nur länger.

Destiny - Grind, Loot, Repeat? Bald ohne mich!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
So sieht der neu eingeführte Sterling-Schatz aus. Öffnet ihr ihn...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
  • Im Hof von Oryx gibt es jetzt ebenfalls besseren Loot. Aber auch sonst bleibt hier alles beim Alten.
  • Das Gefängnis der Alten, der Arena-Modus aus dem zweiten Destiny-DLC Haus der Wölfe feiert ein müdes Comeback: In der Level-41-Variante spielt ihr auf Wunsch per Matchmaking mit zwei zufälligen Mitspielern, den Herausforderungsmodus für Level 42 allerdings nur mit selbst erstellten Dreier-Fireteams. Wo auf Level 41 ganz normal fünf Runden absolviert werden müssen, erwarten euch auf Level 42 drei wöchentlich wechselnde Bossgegner, die ihr nacheinander erledigen müsst. Ist nur mäßig spannend, eine Hardcore-Herausforderung wie den früheren Arena-Endboss Skolas sucht man hier vergeblich.
  • Passend dazu gibt es drei wöchentliche Arena-Beutezüge bei Variks im Riff. Außerdem holt ihr euch bei dem Händler eine Punktekarte ab, die ihr ebenfalls einmal pro Woche durch Matches in der Level-42-Arena füllen könnt und für die ihr bei erfolgreichem Abschließen ein Belohnungspaket mit Items abstaubt.
  • Weitere Loot-Quellen sind unter anderem: Eisenbanner-Event, Prüfungen von Osiris, wöchentlicher Dämmerungsstrike (der nun immerhin wieder seine Daseinsberechtigung hat), Belohnungspakete von den Ruf-Fraktionen. Grinden, Baby!

Destiny - Grind, Loot, Repeat? Bald ohne mich!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 229/2331/233
... könnt ihr euch mit etwas Glück über neue Items freuen, etwa farblich mithilfe des neuen Materials Chromatin anpassbaren Rüstungs-Sets.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
  • Es gibt zwei frische Mini-Questreihen, an deren Ende der neue Drei-Spieler-Strike „Fauliger Kelch“ nebst Bossgegner Malok steht. Das Ganze wird euch allerdings nicht viel länger als eine gute Stunde beschäftigen, auch wenn der Obermotz und seine Besessenen-Begleiter durchaus fordernde Widersacher sind. Der Strike selbst ist mal wieder Recycling vom Feinsten – er schickt euch in ein altbekanntes Gebiet auf dem Mond, das ihr nun eben rückwärts spielt.
  • Es gibt jetzt eine Besessenen-Variante des Classic-Strikes „Wintersturm“. Wie... innovativ?

Was erlaube Bungie?

Das also sind die wichtigsten inhaltlichen Neuerungen von Patch 2.2.0. Bungie hat zwar noch jede Menge weitere Details implementiert, etwa mehr Tresorplätze spendiert, ein Schwert sowie Rüstungen im Besessenen-Look kreiert (Letztere besorgen sich Leute mit zu viel Geld einfach mithilfe die neuen Sterling-Schatzkisten, die es für Echtgeld zu kaufen gibt) oder an zahlreichen PvP-Feinheiten geschraubt (was mich als vor allem PvE-orientierten Spieler aber nun mal wenig interessiert). Außerdem hat man ein neues Infusionssystem eingeführt, das in der Tat wesentlich besser ist: das Lichtlevel infundierter Gegenstände wird nun eins zu eins übernommen. Doch ansonsten spiele ich auch im „großen April-Update“ ausschließlich altbekannten Content. Da ist es auch wenig verwunderlich, dass Bungie einige Jahr-1-Waffen- und -Rüstungen auf den Stand von Jahr 2 gebracht hat – und das auch noch als tolle Neuerung anpreist.

Da frage ich mich wirklich: Was zur Hölle machen die da bei Bungie eigentlich den ganzen Tag? Arbeitet ein Großteil der Mitarbeiter an Destiny 2? Oder hat man schlichtweg keine Lust, uns Destiny-Spielern endlich mal wirklich etwas Neues zu bieten?

Destiny - Grind, Loot, Repeat? Bald ohne mich!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Schwach: Die zwei neuen Mini-Questreihen von Patch 2.2.0 hat man locker in einer Stunde durchgezockt. Der neue Strike „Fauliger Kelch“ ist ebenfalls höchst einfallslos und lässt euch lediglich in ein altbekanntes Gebiet auf dem Mond zurückkehren, das ihr rückwärts spielt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Der Ist-Zustand von Destiny bleibt für Liebhaber des Spiels frustrierend – und so langsam mag ich fast nicht mehr daran glauben, dass Bungie doch noch eines Tages die Kurve bekommt. Genau diese Hoffnung hat mich bisher immer noch ans Spiel gefesselt: dass aus einem Spiel mit fantastischen Ansätzen eines Tages endlich etwas Großes entsteht.

Ich denke, mit dieser Ansicht stehe ich nicht allein da, wenn ich sehe, dass selbst ehemals fanatische Clan-Kollegen Destiny kaum mehr anrühren und stattdessen lieber in der Dark Zone von The Division unterwegs sind.

Es zeichnet sich leider immer mehr ab, dass Destiny ein einziges großes Versprechen seitens Bungie und Activision ist, das die Macher leider bis heute nicht eingelöst haben. Das enttäuschende April-Update macht das Ganze letztlich keinen Deut besser, ganz im Gegenteil.