Viel ist passiert in der Destiny-Welt seit meiner letzten Kolumne, in der ich mich hauptsächlich darüber freute, dass ich endlich das Gjallarhorn besitze. Bungie hat nicht nur die dritte Erweiterung „Der Besessene König“ offiziell angekündigt und dazu erste konkrete Informationen geliefert (dazu gleich mehr). Obendrein – anders kann ich es in diesem Kontext einfach nicht ausdrücken – ist jede Menge Bullshit durch den MMO-Äther geflossen. Bungie beziehungsweise Destiny-Publisher Activision haben es geschafft, die fragwürdigsten Marketing- und PR-Aktionen der letzten Monate, wenn nicht Jahre, abzuliefern. Wieso? Weiterlesen!

Ich habe euch letztes Mal versprochen, ein wenig über den neuen DLC zu schreiben. Ich halte Wort. Der Besessene König erscheint am 15. September, dieser schöne Teaser-Trailer (siehe unten) gibt euch erste Einblicke. Und wie Bungie gerade erst in seinem wöchentlichen Update enthüllt hat, wird die neue Erweiterung folgende neue Inhalte bieten, die ich für ziemlich vielversprechend halte.

Destiny - E3 2015 - Trailer zur Erweiterung26 weitere Videos

Ich fasse das Ganze einfach mal für euch zusammen – meine Gedanken dazu stehen in Klammern:

  • Neue Story- und Nebenmissionen, die sich um den Verteidigungskampf des Solar-Systems gegen Oryx (Crotas Vater!) und dessen Armeen (dann gerne ein wenig umfangreicher als in den bisherigen DLCs!).
  • Neue cinematische Zwischensequenzen (die man dann bitte auch optional abbrechen darf).
  • Neue Quests, exotische Waffen und Ausrüstung (jaja, die Item-Spirale, das kennen wir ja).
  • Komplett neuer Schauplatz „Das Grabschiff“ mit „einzigartigen Geheimnissen, Schatztruhen, Ritualen und vielem mehr“ (klingt gut).
  • „Neue Generation von Gegnern“mit neuen Waffen und Fähigkeiten (klingt noch besser).
  • Neue Level-Maximalstufe und neue Wege, „wodurch ihr eure Hüter noch mächtiger werden lassen könnt“ (das Übliche halt).
  • Neue „einzigartige und neu gestaltete“ Waffen, Rüstungen und Co. (Zeit wird’s, das Gjallarhorn kann ja nicht auf ewig die beste Waffe im Spiel bleiben).
  • Neue Sub-Klassen mit neuen Fähigkeiten (darauf freue ich mich am meisten, der Titan-Solarhammer sieht großartig aus!)
  • Neue kooperative Strikes mit „einzigartigen und dynamischen“ Boss-Kämpfen (ja, bitte!)
  • Überarbeitete und neu gestaltete Strikes: Dust Palace, Undying Mind und Cerberus Vae III (abwarten, in der Regel rusht man durch die Destiny-Strikes ja nur so durch).
  • Neue Schmelztiegel-Maps und Modi, einschließlich der zuvor enthüllten Spielvarianten Rift und Mayhem (schön für die PvP-Fraktion, macht mich jetzt nicht übermäßig an).
  • Der größte 6-Spieler Raid, „den es bisher gab“ (was ja bedeuten würde, der neue Raid wäre größer als die Gläserne Kammer. Das wäre genial, ich bin saumäßig gespannt!)

So viel also zu den Inhalten des dritten Destiny-DLCs. Jetzt aber zum eigentlichen Anlass der heutigen Kolumne: Preispolitik und Vermarktung von der Besessene König. Alter Schwede, da muss ich erst mal tief Luft holen, sonst verfalle ich in Schnappatmung. Argh!

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Der dritte DLC Der Besessene König führt je eine neue Unterklassen für die drei Destiny-Klassen ein. Der Titan bekommt einen Hammer, mit dem er kräftig Solarschaden austeilt.
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20 Euro für ein bisschen in der Gegend rumhampeln?

Dass es diverse Editionen von Der Besessene König geben wird: okay, kein Problem. Die Preise finde ich allerdings schon ziemlich happig; 100 Euro für die Collector’s Edition sind schon eine ziemlich stolze Summe. Aber egal, das ist nicht das Kernproblem. Sondern wie Bungie versucht hat, diese Preise zu rechtfertigen. In der Collector’s Edition von der Besessene König wird es exklusive Bonusinhalte – drei Emotes, drei Rüstungsshader und drei exotische Klassen-Items inklusive Erfahrungspunkte-Boost – geben, was ja alleine schone eine Farce ist, denn der MMO-Shooter ist nicht gerade für seine Content-Flut bekannt.

Packshot zu DestinyDestinyErschienen für PS3, PS4, Xbox 360 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Doch dafür sollten dann eben auch diejenigen treuen Spieler, die bereits brav das Hauptspiel und die bislang erschienen Erweiterungen Dunkelheit lauert und Haus der Wölfe gekauft haben, die volle Summe hinblättern.

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Die physische Collector’s Edition der dritten Destiny-Erweiterung ist für Neueinsteiger sicherlich interessant, Destiny-Veteranen haben aber bis auf den haptischen Faktor nur wenig davon.
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Bungies Kreativdirektor Luke Smith sorgte mit einigen ziemlich unbedachten Äußerungen in diesem Interview für einen Shitstorm in der Destiny-Community, weil er die Preispolitik vehement und mit aalglatten Äußerungen verteidigte. Daraufhin knallte es im Netz gewaltig, Bungie wurde von zahlreiche Websites und in Foren massiv kritisiert. Und lenkte schließlich ein: Smith entschuldigte sich im Weekly Update für seine Worte und kündigte an, dass es die Exklusivinhalte der Collector’s Edition nun doch für knapp 20 Euro separat zu kaufen gebe.

Ums noch mal zu betonen: Dafür bekommt man dann drei Shader, darf ein bisschen blöd in der Gegend herumwinken und noch schneller das Maximal-Level erreichen, was ja in Destiny bislang alles andere als ein Problem war. Ein Clan-Kollege hat zum Beispiel gerade seinen Jäger in acht (!) Stunden auf Level 33 hochgespielt (Max-Level ist aktuell 34). Aber hey, Hauptsache mal versucht, Bungie und Activision, die doofen Destiny-Spieler werden schon blechen!

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Red Bull kaufen, um mehr Inhalte in Destiny zu bekommen? Nein, Danke!
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Noch mehr Bullshit

Diese Aktion war schon ziemlich, sagen wir mal ganz vorsichtig „unüberlegt“, aber mit der Kooperation mit dem Energydrink-Hersteller Red Bull schießen die Marketing-Menschen bei Activsion gerade den Vogel ab. Wer sich das meiner bescheidenen Meinung nach supereklige und superungesunde Chemiegebräu kauft und die Lasche der Dose abzieht, entdeckt darunter einen Code, den er einlösen kann, um im Spiel 50 Prozent mehr Erfahrung und eine zeitexklusive Quest zu erhalten. Die Geschichte läuft zwar offenbar nur in den USA, aber sie zeigt einfach, wie sehr der Destiny-Hersteller darauf bedacht ist, seine 500-Millionen-Dollar-Marke bis zum Gehtnichtmehr zu melken – und das ohne Rücksicht auf Verluste oder Spielerbedürfnisse.

Was soll dieses ganze Exklusivgedöns? Nicht genug, dass Xbox-Spieler schon seit Längerem auf einige Inhalte des MMO-Shooters verzichten müssen, jetzt müssen sich die Fans auch noch Red Bull kaufen, um wirklich alles zu sehen, was sich Bungie für sein doch eigentlich so feines Spiel ausgedacht hat? Das kann einfach nicht der richtige Weg sein, kapitalistisches System hin oder her.

Da ist es denn auch nicht verwunderlich, wenn Bungie von Kollegen wie den Dying-Light-Entwicklern Techland auf Twitter verspottet wird. „Wir folgen dem aktuellsten Trend in Sachen Games-Vermarktung“, so das polnische Studio. „Wasser ist natürlich, vegan und zuckerfrei. Es ist herrlich und fördert die Gesundheit.“ Man fordert die Spieler auf, sich dabei zu fotografieren, wie sie ein Glas Wasser trinken. Wer diesen Schnappschuss samt dem Hashtag #DrinkRightDyingLight twittert, der erhält einen Code für eine Premium-Waffe in Dying Light. Cool auch Digital Extremes, die Entwickler von Warframe, die einfach mal vier neue Emotes kostenlos raushauen.

Ebenso wundert es mich keinesfalls, dass es Leute gibt, die die Red-Bull-Promo-Codes austricksen und selbst generieren. Das ist zwar für ehrliche Käufer des klebrigen Koffeingetränks verdammt ärgerlich und alles andere als eine gute Sache, aber irgendwie auch ein klares Zeichen dafür, dass die Destiny-Spieler sich eben auch nicht alles gefallen lassen.

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Techland, die Macher des Zombie-MMOs Dying Light, reagierten mit Humor auf Bungies und Activisions Red-Bull-Kooperation. Unter dem Hashtag #DrinkRightDyingLight rufen sie die Spieler auf, sich dabei zu fotografieren, wie sie ein Glas Wasser trinken – und belohnen diese mit einem Code für eine Premium-Waffe in Dying Light.
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Destiny für alle!

Ich wünsche mir, dass Bungie und Activision künftig ein identisches Spiel für alle Konsumenten anbieten würden. Und fangt ja nicht mit optionalen Ingame-Käufen oder gar Pay2Win an, das hat Destiny absolut nicht nötig! Der zweite DLC Haus der Wölfe hat dem Spiel wirklich gut getan, auch wenn mir nach wie vor ein neuer Raid schmerzlich abgeht. Damit der beschrittene positive Weg mit Der Besessene König aber fortgesetzt wird, sollten sich die Macher vor allem auf hochwertige Inhalte konzentrieren – und nicht auf Marketing-Aktionen, die kein Mensch braucht.

Denn irgendwann ist der Moment da, der das Fass zum Überlaufen bringt. Und dann werden selbst die fanatischsten Fanboys wie ich ihren Hüter ins digitale Nirwana verabschieden und dem Spiel den Rücken kehren. Das kann es doch auch nicht sein.