Es ist also bald soweit: Am 19. Mai veröffentlicht Activision Haus der Wölfe, den zweiten DLC für seinen nach wie vor polarisierenden, aber von Millionen gespielten MMO-Shooter Destiny. Ich als Fan der ersten Stunde freue mich natürlich darauf, obwohl mich das Spiel in letzter Zeit phasenweise doch etwas gelangweilt und immer wieder mal tierisch aufgeregt hat. Das zufallsbasierte Lootsystem kann einen wirklich in den Wahnsinn treiben. Ja, ihr ahnt es schon, ich habe das — beschimpfendes Adjektiv eurer Wahl einsetzen — Gjallarhorn tatsächlich immer noch nicht bekommen.

Mehr zu meinem schier endlosen Leidensweg könnt ihr hier lesen. Obendrein kann ich den Content des ersten DLCs Dunkelheit lauert schlichtweg nicht mehr sehen. Crota? Gähn! Nun also Haus der Wölfe. Sind wir mal ehrlich: Die neue Erweiterung kann das Spiel, so wie es aktuell ist, eigentlich nur besser machen. Doch nachdem Bungie in den letzten Tagen und Wochen häppchenweise alle neuen Inhalte in mehr oder weniger aufregenden Livestreams und Trailern enthüllt hat, befürchte ich vor allem eines: das Hauptproblem von Destiny – sein dürrer Inhalt – wird bleiben. Gerade PvE-Spieler könnten in die Röhre schauen. Nein, ich habe kein sonderlich gutes Gefühl bei der Sache.

Ein zünftiger Rant muss jetzt auch erst mal sein: Verdammt, was habe ich mich geärgert, als Bungie Mitte April (also knapp fünf Wochen vor dem neuen DLC!) mal so ganz beiläufig in einem Blogeintrag die Bombe platzen ließ und verkündete, dass es in Haus der Wölfe keinen neuen Sechs-Spieler-Raid geben wird. Alter! Ich glaube, es hackt! So etwas bringt dann auch nur Bungie Schrägstrich Activison. Dabei sind die Raids die beliebteste Endgame-Hauptbeschäftigung der meisten Destiny-Spieler. Und das zu Recht, denn selbst nach dem Hundertsten Mal macht „Die Gläserne Kammer“ im Hardmode immer noch richtig viel Laune, ist der Templer immer noch ein fordernder Boss und der olle Atheon sowieso. Es wird aber definitiv keinen neuen Schlachtzug geben – zumindest nicht in absehbarer Zeit.

Destiny - Allein unter Wölfen: Der zweite DLC könnte das Ende einer leidenschaftlichen Beziehung einleiten

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 286/2911/291
Kein Sechs-Spieler-Raid, dafür Arena-Action für drei Teilnehmer namens „Gefängnis der Alten“.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Kein neuer Raid. KEIN NEUER RAID!

„Später im Jahr“ wollen die Entwickler ihn nachliefern; sie reden sogar davon, dass sich bereits mehrere Raids in Entwicklung befinden. Da passt es ja prima ins Bild, dass Bungie zurzeit einen Senior Raid Activity Designer sucht sucht. Ganz ehrlich, den haben die Halo-Erfinder auch verdammt dringend nötig. Solch ein Bug-Festival wie in den bisherigen zwei Raids ist mir in einem Onlinespiel noch nicht begegnet. Zudem ist der Crota-Raid einfach nur lahm designt.

Die „Die Gläserne Kammer“ hingegen bietet genau das, was ich mir unter einem coolen kooperativen Spielerlebnis vorstelle. In einem eingespielten oder lustig zusammengewürfelten Team (in diesem Zusammenhang liebe Grüße an die tolle Facebook-Gruppe Destiny Deutschland kommt da verdammt viel Spaß auf.

Nun jedoch: kein neuer Raid. Kreisch! Stattdessen führt Haus der Wölfe das „Gefängnis der Alten“ ein – eine Arena, in der man fünf Runden lang immer jeweils drei, stetig stärker werdende Gegnerwellen und diverse Bossgegner bekämpfen muss. Loot winkt natürlich auch, sofern man den neuen Destiny-Knast überlebt. Hey, das habe ich mir in meiner letzten Kolumne doch sogar gewünscht, einen Horde-Modus!

Destiny - Allein unter Wölfen: Der zweite DLC könnte das Ende einer leidenschaftlichen Beziehung einleiten

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
Kann der neue Horde-Modus den fehlenden Schlachtzug ausgleichen? Wir zweifeln ja noch daran.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Der Arena-Modus kann die Schlachtzüge nicht ersetzen

Und zugegeben, das „Gefängnis der Alten“ sieht in ersten Videos gar nicht so übel aus und wird sicherlich eine nette Ergänzung zu den üblichen wöchentlichen heroischen Strikes und dem Dämmerungsstrike. Gerade die neuen Modifikatoren und die wechselnden Missionsziele könnten interessant werden. Es hat aber meiner Meinung nach einen großen, wenn nicht sogar monströsen Haken: Es kann keinen echten Sechs-Mann-Raid ersetzen! Schließlich ist dieser Horde-Modus lediglich für drei Hüter konzipiert. Vorbei also der feste Dienstags-Raid mit meinem Clan, stattdessen muss sich unsere eingespielte Sechsergruppe künftig wohl oder übel aufsplitten, will sie die aktuellen Endgame-Inhalte und -Ausrüstungsteile erleben. Aber gut, warten wir mal ab, wie unterhaltsam und spielbar das Ganze letztendlich wird. Ich wollte mich übrigens selbst nicht zu sehr spoilern, habe deshalb nur mal kurz in Bungies Twitch-Stream reingeschaut und werde bei Release von Haus der Wölfe ganz unvoreingenommen die neue Area betreten.

Trotzdem beschleicht mich in Bezug auf die zweite Erweiterung eine düstere Vorahnung: Für mich als eingefleischten PvE-Spieler wird Destiny in Zukunft noch weniger bieten als bisher. Fassen wir die kommenden PvE-Inhalte mal fix zusammen: Abgesehen vom neuen Horde-Modus wird es in Haus der Wölfe fünf frische Storymissionen geben – die höchstwahrscheinlich jedoch ähnlich fix beendet sein dürften wie diejenigen im ersten DLC Dunkelheit lauert. Darüber hinaus erwarten euch neue Beutezüge, das maximale Licht-Level erhöht sich von 32 auf 34 und das bisher lediglich auf der Planetenkarte sichtbare, aber als Schauplatz ungenutzte Riff bietet einen neuen sozialen Treffpunkt für die Spieler. Nicht zu vergessen die Möglichkeit, jede Waffe und jedes Ausrüstungsteil auf den neuen maximalen Angriffswert 365 anheben zu können, was aber, das muss selbst der größte Fanboy zugeben, dann doch wieder Content-Recycling vom Feinsten ist.

Destiny - Allein unter Wölfen: Der zweite DLC könnte das Ende einer leidenschaftlichen Beziehung einleiten

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 286/2911/291
Mit den „Prüfungen von Osiris“ führt Bungie im zweiten Destiny-DLC ein neues, zeitlich begrenztes PvP-Event ein. Blöd für PvE-Fans: Hier sollen mächtige Belohnungen winken.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Klar, schon irgendwie super, dass ich meinen geliebten Fatebringer auch in Zukunft benutzen darf. Und wer so glücklich war, den – ich mag das Wort schon gar nicht mehr tippen, grummel – tollen Raketenwerfer, der mit dem Buchstaben „G“ anfängt, abstauben konnte, wird ebenso froh sein, damit weiterhin mächtig Rabatz anrichten zu dürfen. Trotzdem wirkt dieses Konzept auch ein wenig einfallslos. Aber auch hier gilt: abwarten. Und es wird ja auch neue Waffen, mit den Sidearms eine neue Waffengattung und neue Rüstteile geben.

Aber was kommt denn dann noch für PvE-Fans? Ähm, ja, mal kurz nachdenken... Ein neuer Strike. Ja, genau, EIN mickriger neuer Strike namens „Der Schattendieb“, der auf dem Mond spielt und einem geschätzten Kollegen zufolge, der ihn schon zocken durfte, „so lala“ ist. Nun ja.

PvP-Pflicht in Haus der Wölfe?

Bungie möchte scheinbar ohnehin, dass das PvP in Destiny wichtiger wird. Drei neue Karten, deutlich mehr Belohnungen nach absolvierten Schmelztiegel-Runden und vor allem die neue Spieler-gegen-Spieler-Aktivität, die „Prüfungen von Osiris“, sollen euch für lange Zeit an das MMO fesseln. Der Osiris-Modus macht mich allerdings bislang irgendwie so gar nicht an. Mag sein, dass es für Freunde des kompetitiven Online-Wettstreits die ultimative Erfüllung sein wird, mit ihren Dreier-Fireteams um die Wette zu ballern und tausende virtuelle Tode zu sterben. Doch mir klingt das alles viel zu stressig; schon alleine, dass man eine Zugangskarte erwerben muss, ist doch Banane. Außerdem finde ich es eine Frechheit, dass Bungie mich zwingen will, die „Prüfungen von Osiris“ zwischen Freitagabend und Dienstagmorgen zu spielen, denn nur in dieser Zeitspanne findet das neue PvP-Event statt.

Destiny - Allein unter Wölfen: Der zweite DLC könnte das Ende einer leidenschaftlichen Beziehung einleiten

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
Auch alte Waffen wie das legendäre Gjallarhorn werdet ihr in Haus der Wölfe auf den neuen Maximal-Angriffswert 365 erweitern können. Sofern ihr es besitzt, haha.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Diese zeitliche Limitierung geht mir schon bei Wochenendhändler Xûr auf den Geist, aber mit „Prüfungen von Osiris“ übertreiben es die Entwickler und nehmen mir die Freiheit, in Destiny das zu tun, was ich will – und vor allem wann. Genau das sollte doch einen Online-Shooter mit Rollenspiel-Anleihen ausmachen, oder nicht? Am Wochenende habe ich manchmal auch einfach Besseres vor als stundenlang zu zocken – gerade jetzt, wo der Sommer vor der Tür steht.

Aber vielleicht bin hinsichtlich des zweiten DLCs generell einfach vorsichtig geworden, lasse mich nicht mehr so schnell hypen. Ganz im Gegensatz zu etlichen Destiny-Fans auf YouTube oder Facebook, die jeden noch so kleinen Teaser-Trailer zu Haus der Wölfe begeistert kommentieren und dem 19. Mai entgegenfiebern.

Destiny - Allein unter Wölfen: Der zweite DLC könnte das Ende einer leidenschaftlichen Beziehung einleiten

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 286/2911/291
Respektabel: Laut Activision haben sich inzwischen 20 Millionen Destiny-Spieler registriert. Die aktiven unter ihnen spielen immer noch drei Stunden täglich. Ob das mit Haus der Wölfe so bleibt?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Tag der Abrechnung: 19. Mai 2015

Ich für meinen Teil lasse es dieses Mal ruhig angehen, verbringe die nächsten Tage erst mal im Sonnenurlaub auf den Kanaren und komme dann, praktischerweise genau am 19. Mai, hoffentlich gut erholt aus dem Urlaub zurück. Und werde mir dann direkt Haus der Wölfe auf meine PS4 laden, Ehrensache.

Ich bin wirklich gespannt, ob meine Befürchtungen bezüglich des kommenden Contents gerechtfertigt sind oder Haus der Wölfe nicht vielleicht doch zum Überraschungshit avanciert. Ich siedle meine Erwartungen jedenfalls lieber bewusst niedrig an – in der heimlichen Hoffnung, dass Bungie und Activison das Ruder noch einmal herumreißen und aus Destiny das nahezu perfekte Onlinespiel machen, das es schon längst sein könnte.

Doch dann fällt mir plötzlich wieder ein, dass es in Haus der Wölfe keinen neuen Raid geben wird, und ich könnte mich schon wieder herrlich darüber echauffieren. Dann doch lieber erst einmal Urlaub. Wie gut Haus der Wölfe letztendlich sein wird, verrate ich euch dann, nachdem ich es ausgiebig getestet habe. Wir lesen uns an dieser Stelle!

Destiny - Trailer zur zweiten Erweiterung: Haus der Wölfe26 weitere Videos