Desperados 2: Cooper's Revenge (PC Review)
von Nedzad Hurabasic

Fünf Jahre nachdem ihr sich in Desperados: Wanted Dead or Alive im Wilden Westen als Revolverheld betätigen durftet, erscheint nun mit Desperados 2: Cooper's Revenge der Nachfolger.

Dabei handelt es sich aber genau so wenig um ein reinrassiges Ballerspiel, wie beim Vorgänger. Vielmehr werden wieder verschiedene Actionelemente mit einigen taktischen und strategischen Aspekten in einen Topf geworfen und verrührt. Bleibt die Frage, ob diese bunte Tex-Mex-Mischung mit frischen Gameplay-Elementen das Zeug zum Hit hat…

Das "Du bist Deutschland"-Motto zieht bei Desperados 2: Cooper's Revenge nicht besonders gut. Allein schon die räumliche Distanz von Wilder Westen zu Old Germany spricht dagegen, aber auch die Tatsache, dass der Spieler in die Rolle von gleich sechs verschiedenen Helden schlüpfen darf. Wer meint, sich dabei schizophren fühlen zu dürfen, darf das auch. An sich aber nichts Besonderes, dass man mehr als einen Spielcharakter übernehmen darf. Bei Desperados 2 hat jede Figur einige ganz besondere Spezial-Fähigkeiten, in den verschiedenen Missionen stehen aber nicht immer aller Charaktere zur Auswahl. Manchmal macht sich der Spieler mit nur einem Helden auf den Weg und die Aufgabe wird am Ende mit der Unterstützung neuer Team-Kameraden abgeschlossen. Dann darf er wieder mit dem gesamten sechsköpfigen Team antreten.

Neben dem Titelhelden Cooper stehen Doc Holiday, dem Schlaf-Ampullen zur Verfügung stehen, die gleich mehrere Gegner schachmatt setzen können!

Desperados 2 - Coopers Revenge - Frischer Wind von Westen – Coopers Rache hat Licht und Schatten!

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Kate, die ihre Betörungskünste einsetzen kann, um Gegner abzulenken oder auch Sam Williams zur Seite, der mit Dynamit gleich eine ganze Reihe von Feinden ins Jenseits befördern oder zumindest betäuben kann. Die Brute-Force-Methode ist jedoch nicht immer und überall einsetzbar. Viele Level sind so konzipiert, dass es schon einiges strategisches Geschick und Überlegung erfordert, um ans Ziel zu gelangen. Andererseits beginnt jeder Level bei null, das heißt, die Helden haben nur sehr begrenzte Munition und Vorräte an Dynamit oder Anästhesie-Ampullen. Zudem tun uns die Widersacher nur recht selten den Gefallen, versammelt an einem Ort zu stehen und sich alle auf einmal ins Jenseits befördern zu lassen.

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Während die lose zusammenhängende Hintergrundgeschichte uns von einer Wild West-Location zur nächsten bringt - von Santa Fee über "Eye of The Needle" oder auch "Eagle's Nest", ändern sich auch die Aufgabenstellungen. Mal müssen alte Kumpel oder unser Bruder befreit werden, die sich unserer bunten Truppe fortan anschließen, dann wieder muss ein Siedlertreck ohne Verluste durch einen Canyon voller feindlicher Eingeborener geschleust werden. Oftmals steht uns dabei mehr als eine Lösungsmöglichkeit offen. Der direkte Weg, sich mit Waffengewalt zum Ziel zu ballern, ist nicht nur nicht empfehlenswert, er lässt sich in der Regel auch nicht umsetzen.Und das ist auch gut so, schließlich soll das Gameplay taktisch geprägt sein und nicht nur aus reiner Ballerei bestehen. Baller-Action gibt es zwar auch genug, die hat aber den einen oder anderen kleinen Haken.

So ist die Reichweite der meisten Feuerwaffen sehr beschränkt, das Scharfschützengewehr des Docs einmal ausgenommen. Ein direktes Feuergefecht ist aber auch deshalb aussichtslos, weil unsere Helden sehr, sehr schnell das Zeitliche segnen. Ehe man sich versieht, ist das Portrait eines unter Beschuss stehenden Helden auch schon rot verfärbt und er stirbt. Das gilt es aber um jeden Preis zu verhindern, da die Mission sonst sofort gescheitert ist. Ein Gefecht mit mehr als einem Feind gleichzeitig lässt sich aufgrund des Zielinterfaces aber auch kaum gewinnen. Das Fadenkreuz kommt nur sehr langsam auf dem Ziel zur Ruhe, erst dann versprechen Schüsse Erfolg. Stehen uns jedoch zwei Gegner gegenüber, ist es praktisch unmöglich beide mit einer Pistole oder dem Gewehr auszuschalten, bevor man selbst tödlich getroffen wird.Glücklicherweise fällt dieser etwas nervige Malus nicht zu sehr ins Gewicht, da man jederzeit per Quicksave eigene Speicherstände anlegen kann. Auch das Spiel sichert den Spielstand automatisch nach jeder abgeschlossenen Mission. Das teilweise ständige Neu-Laden kann mit der Zeit aber schon etwas nerven.

Von daher ist es von extremem Vorteil, dass Desperados 2 über die neue Möglichkeit verfügt, zwischen isometrischer Ansicht und 3rd-Person-Perspektive wechseln zu können, wann immer man es möchte. Erstere bietet hervorragenden Überblick über den taktischen Status auf der Map: wo befinden sich die Feinde, welche Wege führen zum Ziel. Letztere ist vor allem für die Genauigkeit bei Schusswechseln von Vorteil. Solange sich der Spieler nicht in Sichtweite der Feinde befindet, werden diese auch nicht auf ihn aufmerksam und in Ruhe kann eine Gewinn bringende Strategie ausgearbeitet werden.

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Wehe aber, Wachen werden auf betäubte oder getötete Kameraden aufmerksam: Sofort wird Alarm geschlagen und die nähere Umgebung, manchmal auch weit entfernte Gebiete, werden nach dem Übeltäter abgesucht. Einmal in die Enge getrieben, gibt es für den Spieler kaum eine Möglichkeit der Verfolgung zu entkommen. Entdecken sie uns nicht, beruhigt sich das Geschehen meist wieder.

Es ist auch jederzeit möglich, zwischen den einzelnen Spielfiguren hin und her zu schalten - sofern sie in diesem Level eingesetzt werden dürfen - und ihre jeweiligen Fähigkeiten einzusetzen oder sie taktisch zu platzieren.

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Das Gameplay erweist sich dabei nach anfänglich etwas zähem Beginn zwar als ziemlich linear, ist jedoch durchaus herausfordernd und spannend.

Um mit der Steuerung der Spielcharaktere zurechtzukommen, wäre aber ein kleines Tutorial von Vorteil gewesen. Anfangs verhaspelt man sich öfter, vor allem weil es auch Aufgaben gibt, die nur von bestimmten Spielfiguren mit ihren Spezialfähigkeiten erledigt werden können. Wenn man sich dann mit der falschen Spielfigur bis zum Ziel vorgekämpft hat, ist das schon ärgerlich, denn in den knappen Missionsbeschreibungen wird das nicht immer erwähnt.Die Gegner-KI ist größtenteils gut gelungen, sich nur hinter einem Busch zu verstecken reicht nicht, wenn man bereits Aufmerksamkeit erzeugt hat. Feinde gucken auch hinter Felsen nach und untersuchen Orte, von denen Schüsse abgegeben wurden. Beim Einsatz des Scharfschützengewehrs scheint die KI dann aber oft überfordert, direkt neben dem Opfer stehende computergesteuerte Feinde verharren entweder regungslos an Ort und Stelle oder drehen sich hilflos im Kreis. Wer genug Munition findet, kann auf diese Weise einen Teil der "Hindernisse" bequem aus der Ferne aus dem Weg räumen und dann zum Ziel spazieren. So war das sicher nicht gedacht.

In technischer Hinsicht bleibt das Spiel ohne größere Beanstandungen. Die Grafik ist leicht über dem Durchschnitt, auch wenn visuell sicher keine Bäume ausgerissen werden. Dafür kommt das Wild West-Ambiente aber bestens zur Geltung und wird durch den atmosphärischen Soundtrack noch zusätzlich unterstützt.Lediglich die etwas abfallende sprachliche Umsetzung kann nur als solide bezeichnet werden und nicht immer überzeugen. Interessant ist die Idee der Zwischensequenzen, die nicht wie üblich anhand von gerenderten Szenen dargeboten werden, sondern mit Hilfe von stilisierten Slides und einem im Hintergrund agierenden Erzähler, bzw. der Kommunikation der Helden aus dem Off. Abzüge in der B-Note gibt es außerdem für den nicht vorhandenen Multiplayer-Modus.