Während sich die großen Publisher der Spielewelt den Krieg der Kriegs-Shooter liefern und ein Actionspektakel nach dem anderen für die "großen" Konsolen von Sony und Microsoft erscheint, versucht Entwickler Hudson Soft, mit “Der Schattenläufer” ein intelligentes Kleinod auf der Wii zu etablieren. In den Spuren von ICO, Braid und P.B. Winterbottom will der Schatten eines kleinen Jungen unsere Herzen erobern. Ob das gelingt?

Lost in Shadow, A Shadow's Tale, Der Schattenläufer – der neue Titel von den Machern von Bomberman und Mario Party hat in seiner Entwicklungszeit viele Namenswechsel durchgemacht. Die grundlegende Idee blieb aber stets gleich: Ein wortwörtliches Spiel der Schatten sollte es werden. Wir steuern unseren körperlosen Helden also auf der zweidimensionalen Ebene des Schattenwurfs und können diese dank Wiimote an vielen Stellen manipulieren. Ein spannendes Konzept, maßgeschneidert für Nintendos weiße Zockerkiste. Aber ist es auch gut?

Der Schattenläufer und die Rätsel des Dunklen Turms - Da Braid sich was zusammen

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Diesen majestätischen Turm gilt es zu erklimmen.
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Die Geschichte des Schattenläufers ist so minimalistisch wie die seiner Vorbilder und lässt viel Raum für Interpretation. Irgendwo im Niemandsland ragt ein riesiger Turm in die Wolken, auf dessen Spitze wartet unser Held. Doch er ist nicht allein: Eine finstere Gestalt nähert sich ihm, schnappt sich seinen Schatten und wirft ihn in die Tiefe. In Kontrolle dieses Schattens müssen wir nun zu unserem Körper zurück – wer wir sind, warum wir auf dem Turm waren? Das wissen wir nicht, denn der Schatten hat sein Gedächtnis verloren. Begleitet werden wir von Spangle, einer kleinen Fee, die als Cursor der Wiimote dient und deren Charakter weitesgehend unbeschrieben bleibt.

Packshot zu Der Schattenläufer und die Rätsel des Dunklen TurmsDer Schattenläufer und die Rätsel des Dunklen TurmsErschienen für Wii kaufen: ab 26,99€

Standbilder und nicht vertonte Texttafeln zwischen den Level-Abschnitten treiben die Geschichte voran. An besonders wichtigen Stellen bekommen wir vorgerenderte Zwischensequenzen zu sehen, aber auch diese bleiben stumm. Das vielversprechende Grundgerüst der Geschichte weiß zunächst zu faszinieren und zu motivieren. Auf Dauer konnte uns das Mysterium des dunklen Turms jedoch nicht fesseln, zu nebulös sind die Umrisse der Story, zu blass unser Held.

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Ihr bewegt euren Helden im Schatten, müsst euch also auf den Hintergrund konzentrieren.
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Der Schattenläufer ist im Wesentlichen ein 2-D-Jump-&-Run mit vielen Rätseln und einem simplen Kampfsystem. Unser junger Protagonist hat nämlich nicht nur diverse Kopfnüsse zu knacken, sondern muss sich auch gegen eine Vielzahl von dämonischen Schattenwesen wehren, vorzugsweise mit einem Schwert, das er schon früh im Spiel findet. Sogar Erfahrung kriegt er für die Beseitigung des spektralen Gesocks und steigt so stets im Level auf.

Der Schattenläufer

Wer jetzt allerdings mitreißende Action-Momente à la Castlevania erwartet, den müssen wir enttäuschen. Es gibt lediglich eine Waffe und eine Art von Angriff. Somit laufen die meisten Schnetzeleien auf die Dauerpenetration eures A-Knopfes hinaus. Eine Herausforderung bieten die Gefechte ebenfalls nicht, mit wenigen Ausnahmen werdet ihr eure Feinde im Handumdrehen erledigen und so schnell einen beachtlichen Bodycou... ähm, Verzeihung, Shadowcount anhäufen.

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Die Kämpfe gegen die skurrilen Schattenwesen sind äußerst simpel gestrickt.
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Monster gibt es nämlich an jeder Ecke und oft geht es nur weiter, wenn sämtliches Ungetüm beseitigt wurde. Das ist natürlich gut für euer Charakterlevel, allerdings macht sich die erhöhte Stärke mit jedem Aufstieg kaum bemerkbar, da ihr stets neuen Feinden gegenübersteht, die wieder mehr aushalten.

Aber wenn man "Der Schattenläufer" spielt, dann doch nicht, weil man sich spannende Scharmützel mit finsteren Mutanten erhofft. Die Rätsel sind die große Stärke des Spiels, richtig? Jein. Es ist durchaus faszinierend, auf wie viele Arten wir die Kulisse und somit deren Schattenwurf verschieben dürfen und wie clever und genau im richtigen Maße "Der Schattenläufer" die Fähigkeiten der Wiimote einsetzt. An manchen Stellen müssen wir einzelne Objekte im Vordergrund verschieben, Tore öffnen oder Plattformen anheben.

Anderen Ortes gilt es wiederum, die Lichtquelle mal auf horizontaler, mal auf vertikaler und mal auf beiden Ebenen zu manipulieren. Im weiteren Spielverlauf bekommen wir an vorgeschriebenen Stellen sogar für begrenzte Zeit einen Körper und müssen plötzlich in einer dreidimensionalen Umgebung zurechtkommen – "Der Schattenläufer" mixt also sogar 2-D mit 3-D, und das nahezu problemlos. Nahezu, weil die räumliche Navigation teils hakelig sein kann und man ab und zu an Kanten festhängt.

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Teilweise dürft ihr sogar in 3-D hüpfen und rätseln – Monster gibt es in diesem Modus nicht.
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Ziel eines jeden Levels ist es, die drei sogenannten Monitoraugen zu finden. Erst wenn wir alle drei davon gesammelt haben, öffnet sich das wabernde Schattentor zur nächsten Etage. In vielen Abschnitten betreten wir außerdem Schattenflure. Das sind in sich geschlossene Räume mit separaten Rätseln, die sich allerdings kaum von denen der normalen Level unterscheiden. Sobald wir das Ende eines Schattenflurs erreicht haben, eröffnet sich uns ein neuer Pfad, mal zu einem weiteren Monitorauge, mal zu einer versteckten Erinnerung. Letzere enthüllen nicht nur das Geheimnis des dunklen Turms, sondern auch euer maximales Leben.

Lost in Shadow

Die Mechaniken, die den Schattenläufer zu etwas Besonderen machen sollten, funktionieren also und sind nahtlos ins Spielgeschehen integriert. Während wir uns in den ersten Spielstunden noch hochmotiviert durch die vertrackten Etagen des düsteren Turms knobeln, setzt ab Stunde vier Langeweile ein. So innovativ und clever das Spiel mit den Schatten auch sein mag, so trist, öde und über weite Teile auch schlicht anspruchslos sind die meisten Level des alten Gemäuers.

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Die Rätsel laufen meist auf das Betätigen von Hebeln und Schaltern hinaus.
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Neunzig Prozent aller Rätsel laufen auf die Betätigung von Schaltern und Hebeln hinaus, die sich zudem stets ähneln. Die großartigen Aha-Momente eines Braid oder Winterbottom nach dem Lösen eines besonders schweren Brain-Teasers fehlen. Schon fast routiniert klettern wir den Turm hinauf, ziehen an Hebel A, um Tor B zu öffnen, hinter dem sich Schalter C befindet, der wiederum das Portal zu Raum D öffnet. Gähn. Kaum Höhepunkte, kaum Abwechslung, stattdessen immergleiches Rätseleinerlei.

Eine tolle Spielidee, die für kurze Zeit Spaß macht, aber sehr unter dem eintönigen Leveldesign leidet.Fazit lesen

Was dem Schattenläufer dabei am meisten schadet, ist seine Spielzeit. Auf eine Länge von drei Stunden reduziert und als WiiWare-Titel zum Download angeboten, würde dieses surreale Abenteuer durchaus funktionieren. Der Schattenläufer steht allerdings zum Vollpreis im Laden und wurde auf eine Spiellänge von über zehn Stunden gestreckt – teilweise mittels Backtracking. Über zehn Stunden der gleichen, simplen Kämpfe, Denkaufgaben und Hüpfeinlagen. Wirklich ärgerlich daran ist die Tatsache, dass es durchaus brillante Momente im Spiel gibt. An mehreren Stellen müssen wir etwa vor einem riesigen, herrlich abstrakten Schattenmonster fliehen und es am Ende sogar bekämpfen. Diese Passagen heben das Spieltempo an und sorgen für frischen Wind, sind aber viel zu selten.

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Mit den Schiebereglern am unteren und rechten Bildschirmrand beeinflusst ihr den Lichteinfall.
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Eine der großen Stärken von Hudson Softs ICO-Look-a-Like ist die Atmosphäre. Echte Musik gibt es nur selten und wenn sie eingesetzt wird, ist sie entsprechend effektiv – etwa bei den bereits erwähnten Fluchtpassagen. Größtenteils ist die Geräuschkulisse in diesem bedrohlichen Turm jedoch still und unheimlich. Ihr hört das Knirschen der Maschinen und Apparaturen, das Tapsen eurer Füße oder das Fiepen und Gezirpe eurer schemenhaften Feinde. Ein Gefühl der Einsamkeit und Isolation breitet sich aus – genau wie es sein soll. Nur ihr und der Turm mit all seinen Fallen und Gefahren.

Die blassen Farben und die verwinkelte Architektur des Turms tragen ebenfalls zur solitären Stimmung bei. Die Ähnlichkeit des Stils zu Fumito Uedas ICO ist eindeutig – Der Schattenläufer sieht sogar so aus, als wäre er im gleichen Jahr entstanden. Matschige Texturen und grobkörnige Schatten trüben nämlich das sonst so stimmige Gesamtbild. Umso schöner ist dafür das skurrile Monsterdesign mit seinen unmöglichen Schattenfiguren, die direkt dem Albtraum eines Zehnjährigen entsprungen sein könnten.