Ein Angebot, das wir nicht ablehnen können, will uns Electronic Arts machen. Und das bereits zum zweiten Mal. Doch während wir beim ersten Teil von „Der Pate“ dank stimmiger Atmosphäre und motivierender Story nur schwer „Nein“ sagen konnten, fällt uns die Abwehrhaltung bei dessen Nachfolger schon wesentlich leichter.

Zu schulden ist das der völlig umgekrempelten Spielmechanik, weg von packender Inszenierung, hin zu einer kruden Action-/Strategie-Mixtur. Die setzt sich zwar nicht völlig zwischen alle Stühle, lässt die Stärken der genialen Leinwand-Vorlage aber verpuffen wie gamona-Redakteure ihr Salär.

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Aller Anfang ist cool

Der erste Eindruck stimmt. Packend inszeniert erleben wir in der Rolle des aufstrebenden Nachwuchs-Paten Dominic anno 1958 an der Seite unseres Don ein rauschendes Silvesterfest in Kuba. Tragisch nur, dass just in dieser Nacht der amtierende kubanische Staatspräsident Fulgencio Batista per Staatsstreich von Fidel Castro abgelöst wird und kriegerische Unruhen ausbrechen.

Der Pate 2 - Ein Angebot, das wir gerne ablehnen

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Wie aus dem Gesicht geschnitten: Unser alter Ego dürfen wir individuell modellieren.
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Auf der Flucht zum rettenden Flugzeug wird el Cheffe Opfer des Aufstands, was uns in der Hierarchie automatisch eine Stufe nach oben bringt. Somit sind ab sofort wir das New Yorker Mafia-Oberhaupt, mit allen Rechten und Pflichten, die dazu gehören.

Und damit beginnt das runderneuerte Spielkonzept von „Der Pate 2“ überhaupt erst so richtig. Denn statt fremdbestimmt aufgetragene Missionen zu erfüllen, Handlanger-Tätigkeiten auszuführen und nach der Pfeife anderer zu tanzen, sind wir ab sofort der Macher. Dass das nicht immer spaßig sein muss, davon singt nicht nur unser werter Chefredakteur in seinen wöchentlichen Therapiesitzungen allzu gerne Lieder, sondern ab sofort auch wir, zumindest virtuell in „Der Pate 2“.

Die volle Ladung Action

Unsere Aufgabe: alleiniger Mafia-Pate zu werden, erst in New York, dann in Florida und schließlich in Kuba. Dazu notwendig: die Ausschaltung sämtlicher feindlicher Familien. Der Weg zum Ziel: mannigfaltig! Denn wie bereits erwähnt sind wir (meist) unser eigener Chef. Nur selten schaltet sich unser „Über-Don“, Michael Corleone, ins Geschehen ein, um die seicht erzählte Geschichte voran zu bringen und uns brisante Missionen aufzutragen.

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Hübsche Zwischensequenzen gibt es aufgrund der dürftigen Story-Bindung viel zu selten.
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So haben wir im Großen und Ganzen freie Hand, unser eigenes Imperium zu errichten und uns in die Annalen der Mafia-Größen einzureihen. Um unserem Ruf als Wohltäter zu entsprechen, wollen wir auch euch die Formel zum Gangster-Erfolg verraten. Da wäre zum Einen der Rückhalt in der Familia. Ein Oberschurke allein kann schließlich gar nichts bewirken. Also engagieren wir im Lauf des Spiels bis zu sieben gewiefte Experten, die uns auf unseren Streifzügen unter die Arme greifen.

Unter anderem im Angebot: Safeknacker, Sprengstoff-Experten und Scharfschützen. Die decken uns im Gefecht nicht nur effektiv den Rücken, sondern übernehmen analog zu ihrer selbsterklärenden Profession auch wichtige Aufgaben. Mit voran schreitenden Erfolgen dürfen wir die Burschen gar aufwerten, damit sie effektiver kämpfen, zielgenauer schießen oder mehr Treffer wegstecken können.

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Überzeugungsarbeit leisten: Wie im Vorgänger müssen Geschäftsinhaber erst davon überzeugt werden, unseren Schutz in Anspruch zu nehmen.
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Mit dem Mob im Gepäck, machen wir uns in der frei begehbaren Spielwelt schließlich auf, von Gegnern kontrollierte Betriebe zu übernehmen, etwa Bordelle, Bäckereien und Restaurants. Der Ablauf gleicht sich dabei stets wie ein Ei dem anderen. Erst müssen die gegnerischen Bewacher des Etablissements ausgeschaltet werden. Danach wird der Eigentümer von den Vorzügen unserer Bewachung überzeugt. Das geschieht wie im Vorgänger über Einschüchterung, von Bedrohung bis zur waschechten Tracht Prügel.

Ein Angebot, das durchaus abgelehnt werden kann. Der Pate 2 erkauft sich strategische Tiefe auf Kosten der Atmosphäre.Fazit lesen

Ebenfalls aus Teil 1 übernommen wurde in diesem Zusammenhang die Steuerung. So setzt „Der Pate 2“ Mausbewegungen direkt in Schläge um. Das ist im ersten Moment gewöhnungsbedürftig, klappt mit voran schreitender Spieldauer aber immer besser.

Und eine Prise Strategie

Haben wir unser Imperium schließlich um neue Geschäfte erweitert, kommt der neu hinzugekommene Strategieteil zum Tragen. Denn neben der typischen 3rd-Person-Action tummeln wir uns wohl oder übel fast ebenso häufig in der so genannten „Don-Ansicht“. Auf dieser frei dreh- und zoombaren Übersichtskarte der Spielwelt verwalten wir unsere Besitztümer und teilen diesen Wachen zu, die wir wiederum von eingenommenen Schutzgeldern bezahlen.

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Rein dienstlich: Abstecher in Etablissements des horizontalen Gewerbes stehen des Öfteren auf der Tagesordnung.
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Dieser Wirtschaftspart „light“ überfordert selbst Action-Puristen nicht, hat aber doch ein gewaltiges Problem: Auf Dauer ist der Verwaltungsapparat einfach zu langweilig und monoton. Ereignisreiche Story-Missionen mit packenden Skriptsequenzen kommen viel zu selten vor. Den Großteil der Spielzeit verbringen wir stattdessen mit immer gleichen „Geschäftsübernahmen“ und dem Managements unseres Mafia-Imperiums.

Belohnungen für diese repetitiven Handlungen sind rar. Nur wenn wir ein Monopol auf bestimmte Betriebe halten, also beispielsweise alle Casinos unter unserer Kontrolle haben, gesteht uns das Spiel kleine Extras zu. Im Fall der Glücksspiel-Hochburgen etwa dürfen wir fortan Brandmunition verwenden. Zu wenig, um dauerhaft für Motivationsschübe zu sorgen.

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Da knallt’s dich weg: Die Explosionen machen ordentlich was her, die sonstigen Grafik-Spielereien leider nicht.
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Auch technisch ist „Der Pate 2“ ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite locken spektakulär illuminierte Explosionen und vergleichsweise niedrige Systemanforderungen. Auf der anderen Seite aber wirken die Animationen seltsam ungelenk und die Texturen verwaschen. Für einen Titel auf Basis der „Dead Space“-Engine ein mittelmäßiges Ergebnis!