Wenn es ein Film-Franchise der letzten Jahre gibt, das auch im Videospiel-Sektor so richtig gemolken wird, dann ist es wohl die Der Herr der Ringe-Serie. Strategiespiele, Actionspiele, Rollenspiele, auf fast jeder Plattform durften wir schon die Abenteuer der "Gefährten" um Aragorn, Gandalf und natürlich Frodo in allen erdenklichen Variationen nachspielen.

Doch selten durfte man seine böse Seite ausleben und die Armeen der Finsternis, angetrieben von Sauron, marodierend durch Mittelerde ziehen lassen. Der Herr der Ringe: Eroberung bietet euch nun die Möglichkeit, sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite actionreiche Schlachten auszufechten. Für wen werdet ihr antreten?

Der Ringkrieg in Bild und Ton: Nach dem Lesen des Artikels unbedingt unser gamona Video-Review zu Der Herr der Ringe: Die Eroberung anschauen!

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Erst Gut, dann Böse

Wir haben uns zunächst für die gute Seite entschieden. Aber das ist auch kein Wunder, denn schließlich muss man zunächst die Kampagne der Ringträger abschließen, um mit Saurons Bösewichtern Unheil anzurichten. Beide Kampagnen umfassen acht Missionen, die euch an wohlbekannte Orte wie Isengart, Minas Tirith oder die Minen von Moria verfrachten. Dort stellt ihr euch Uruk-Hais, benutzt Ents oder Trolle als Reittiere oder tretet gegen sie an, macht Hobbits nieder oder schlüpft gar in die Rollen von Gimli, Gandalf auf der einen oder einem Balrog und fiesen Zauberern auf der anderen Seite.

Der Herr der Ringe: Die Eroberung - Den Ringkrieg hautnah erleben

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Endlich so richtig böse sein: Eroberung lässt euch auch die böse Seite der Macht ergreifen.
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Der grundsätzliche Aufbau des Spiels mit seinen vier Grundklassen plus Heldenfiguren erinnert an Star Wars: Battlefront. Kein Wunder, das Spiel stammt vom gleichen Entwickler Pandemic Studios, der einige Elemente seines Erfolgspiels für Der Herr der Ringe: Eroberung recycelt hat. So steht euch grundsätzlich eine Kriegerklasse, Scout, Zauberer und Bogenschütze zur Auswahl.

Je nach Spielsituation eignen sich die Klassen zwar prinzipiell für unterschiedliche Aufgaben etwas besser oder schlechter, davon abgesehen steht auch die Wahl jedoch frei. Es ist sogar möglich, an bestimmten Orten innerhalb der Levels diese Auswahl zu ändern und vom Bogenschützen etwa zum Nahkämpfer zu wechseln und damit die Stärken und Schwächen der einzelnen Klassen auszugleichen. Jede Klasse verfügt dabei über einige Grundattacken, Kombos und zusätzliche Spezial-Fertigkeiten, deren Angriffsmoves jedoch Energie konsumieren.

Packshot zu Der Herr der Ringe: Die EroberungDer Herr der Ringe: Die EroberungErschienen für DS, PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Chaotische Kämpfe, viele Tode

Diese Energie lädt sich durch das Besiegen feindlicher Recken recht schnell wieder auf und die vier zur Verfügung stehenden Klassen unterscheiden sich gerade so sehr, dass man von Gameplay-Einflüssen sprechen kann. Trotzdem hat man nie das Gefühl, die Figuren wirklich gut unter Kontrolle zu haben, sie wirken schwerfällig, die Animationen sind bisweilen hölzern ausgefallen und oft wird man das Gefühl nicht los, dass einmal initiierte Aktionen nur behäbig ausgeführt werden.

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Besonders heftig wird es, wenn diese großen Brocken das Feld betreten.
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Das führt wiederum dazu, dass man immer wieder Button-Mashing betreibt, um den Eindruck der Schwerfälligkeit zu kompensieren. Das Kampfgeschehen läuft häufig chaotisch ab und man verliert sehr schnell den Überblick. Zum einen liegt das an der Übermacht der Gegner, derer man sich oft kaum erwehren kann. Feinde scheinen oft unendlich nachzuwachsen, bis man einen bestimmten Punkt erreicht hat bzw. eine Aufgabenstellung gemeistert hat. Oft macht es sogar mehr Sinn sich bis zu einer Position durchzuschlagen und die Widersacher unterwegs einfach zu ignorieren, als sich den anstürmenden Horden zu stellen.

Doch nicht nur das etwas unbefriedigende Kampfsystem birgt Anlass zur Kritik, auch das sich ständig wiederholende und auf Dauer wenig motivierende Gameplay sowie viele "billige" Tode können einen zur Verzweiflung bringen. Meist geht es darum, einige Stellungen zu erobern und dann für eine gewissen Zeit gegen die anrückenden Feinde zu sichern, bis es dann zum nächsten Punkt weitergeht.

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Da die Kämpfe zum Teil extrem hektisch und schwer sind, artet das Ganze schnell in ButtonMashing aus.
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Gelegentlich führt ihr auch kleinere Quicktime-Events aus, wenn man beispielsweise einem Troll zu Leibe rückt und ihn mit einem Tastendruck den Garaus macht - umgekehrt ereilt euch jedoch dasselbe Schicksal, falls euch der Koloss in seine Pranken bekommt. In unregelmäßigen Abständen steht euch dann ein bedeutender Widersacher gegenüber, dem ihr wiederum selber als Held gegenübertreten könnt. So stürmt ihr den Turm von Isengart natürlich ebenfalls als Zauberer Gandalf oder stellt euch den Trollen in Form von Gimli. Doch Obacht: Findet dieser Held den Tod, geht er euch dauerhaft verloren.

Frustration pur

Das gilt zwar nicht für die normalen Kämpferklassen, sterben werdet ihr mit ihnen jedoch auch öfter, als euch lieb sein könnte. Generell vertragen alle Spielfiguren nur sehr wenige Treffer. Doch wenn das schon nicht Nachteil genug wäre, fallen wir bei jeder Gelegenheit in Abgründe, werden unvermittelt von Brücken gestoßen oder stürzen in eine Kluft, nachdem wir einen Troll besiegt haben - Slapstick pur.

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Oftmals habt ihr es mit riesigen Feindmassen zu tun.
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Das wird jedoch noch getoppt, wenn sich Feinde auf diese Weise selber ausschalten und von einer Brücke plumpsen, bevor wir sie erreichen können. Befindet man sich zu nahe an feindlichen Kriegern, kann euch der Tod ebenfalls sehr schnell ereilen, viele ihrer Attacken gleichen praktisch Onehit-Kills. Aufgrund der häufig suboptimalen Kameraeinstellungen sieht man diese Angriffe teilweise noch nicht einmal kommen. Da man zudem leider nur über eine begrenzte Zahl von Leben verfügt, muss man die Levels daher immer wieder von vorne beginnen, selbst auf dem leichten Schwierigkeitsgrad.

Auch Sauron kann dieses Actionspektakel nicht vor der Mittelmäßigkeit retten.Fazit lesen

Der "mittlere" Modus "Heldenhaft" mutet für Gelegenheitsspieler schon sehr schwer zu meistern an. Diesen Umstand kann man noch halbwegs abmildern, indem man sich Kumpels heranholt, mit denen man entweder online oder offline die Kampagne im Koop-Modus gemeinsam angeht. Dann machen die unterschiedlichen Klassen auch mehr Sinn, wenn beispielsweise ein Nahkämpfer mit den Heilsprüchen des Zauberers am Leben gehalten wird oder der Bogenschütze aus dem Hintergrund seinen Verbündeten unterstützt.

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Toll: Grafik und Stil erinnern an die Herr der Ringe-Filme.
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Auf die KI-Kameraden kann man sich nämlich kaum verlassen. Zum einen werden sie meist recht schnell von den feindlichen Horden niedergemetzelt, zum anderen profitiert man nur selten von ihren Fertigkeiten, wie z. B. den Heilsprüchen. Meist rennen sie so kopflos über die Schlachtfelder wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen und werden dementsprechend schnell niedergestreckt.

Koop- und Multiplayerfreuden

Neben diesem Koop-Modus erwartet euch zudem ein Multiplayer-Modus für bis 16 Spieler mit insgesamt drei Spieltypen. Generell ist der Mehrspieler-Modus recht taktisch aufgebaut und basiert auf dem Zusammenspiel der Teilnehmer. Einzelspieler dürften kaum einmal "den Tag retten", wenn sie auch im Hero-Deathmatch in die Haut von Heldenfiguren schlüpfen dürfen. Im Mittelpunkt steht aber wohl der Eroberungsmodus, bei dem die beiden konkurrierenden Parteien um vier auf dem Schlachtfeld platzierte Flaggen kämpfen und sich durch ihre Eroberung Punkte sichern.

Sichert sich ein Team alle Flaggen, schaltet sie auch hier Heldenfiguren frei und wird dadurch mächtiger. Generell versprüht Der Herr der Ringe: Eroberung zwar die Atmosphäre der Filme und auch der Mythos der Bücher ist fast fühlbar. Doch leider ist die technische Umsetzung nicht überzeugend. Während der Soundtrack wohl durchweg aus dem Film entnommen wurde und dementsprechend hochklassig daher kommt, kann man dies von den deutschen Synchronstimmen nicht behaupten.

Zum einen handelt es sich dabei nicht um die Originalstimmen aus dem Film und zum anderen wirken die Sprecher uninspiriert. Die Optik leidet zudem unter schwachen Texturen, die nur selten hoch aufgelöst erscheinen und auch die Ausarbeitung der Spielfiguren hätte detaillierter ausfallen können, zumal die Animationen bisweilen etwas hüftsteif wirken.