Mit ihren bisherigen Spielen der Runaway-Serie war es im spanischen Pendulo zumeist heiter bis wolkig. In ihrem neuesten Adventure „Der Fall John Yesterday“ wird es nun zappenduster. Bestialische Ritualmorde an Obdachlosen versetzen New York in Aufruhr. Doch die Polizei zeigt wenig Interesse an dem Fall. Nur eine Gruppe gemeinnütziger Helfer geht der Sache nach – und kommt einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur…

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"Düster bis blutig" statt "heiter bis wolkig"

Mit „Der Fall John Yesterday“ kehren die Pendulo Studios den überdreht skurrilen Abenteuern im fröhlichen Zeichenstil den Rücken. Bereits das Intro ihres neuen Spiels zeigte derart drastische Szenen, dass für eine PEGI-Altersfreigabe ab 16 Jahren einige besonders brutale Mord- und Folterszenen wieder entfernt wurden.

Dass „John Yesterday“ in keiner Weise zimperlich, bisweilen gar regelrecht zynisch vorgeht, merkt man spätestens, wenn einem der Lacher im Halse stecken bleibt, weil selbst eigentlich der Komik geschuldete Nebenfiguren aus heiterem Himmel kaltblütig erschossen werden.

Darüber kann auch der Pendulo-typische Zeichenstil nicht hinwegtäuschen, der nach wie vor unverkennbar in den Runaway-Spielen wurzelt, diesmal jedoch sehr viel stärker den düsteren Graphic Novels zugeneigt ist: Die extrem kontrastierende Farbgebung mit ihren tiefen Schatten tunkt die Welt in eine surreale Unwirklichkeit, die teilweise nur als Silhouette zu existieren scheint. Bei jeder Aktion poppen comicartige Bilderkästen auf, die den Miss- oder Erfolg kommentieren, häufig auch mit gerenderten Zwischensequenzen. Das sieht nicht nur schick aus, sondern ist auch weitaus unterhaltsamer als ein schnödes „So klappt das nicht.“

Der Fall John Yesterday - Baphomets Fluch in blutig

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Finster und surreal: Der Zeichenstil erinnert an düstere Graphic Novels
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Die Geschichte beginnt bereits mit einem Abstieg in die Hölle: Die beiden Streetworker Henry und Cooper sorgen sich um das Wohl der Obdachlosen von New York. Als einzige nehmen sie die Gerüchte über die grausamen Ritualmorde ernst und klettern in die verlassenen U-Bahn-Schächte hinab, in die sich die Ärmsten der Armen zurückgezogen haben. Doch schon bald entpuppen sich die vermeintlichen Opfer als die wahren Übeltäter: Denn hier unten hat sich im Verborgenen ein satanischer Kult eingenistet, der an Sündern die Rache der Inquisition vollstreckt.

Oder zumindest glauben wir das, bis es am Ende des ersten Kapitels zu einer weiteren gemein überraschenden Wendung kommt, die hier noch nicht verraten werden soll. Denn genau so funktioniert die Erzählweise von „Der Fall John Yesterday“: Das Spiel legt seine falschen Fährten aus, um einem im geeigneten Moment die lange Nase zu machen und das Gegenteil zu behaupten.

Der Fall John Yesterday - Baphomets Fluch in blutig

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In Paris kommt John einem uralten Geheimbund auf die Spur.
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Im zweiten Kapitel übernehmen wir dann die Rolle des titelgebenden John Yesterday. Jahre später sind wir noch immer einem uralten satanischen Kult auf der Spur, der weltweit seine Fäden zu ziehen scheint und mit einer weiteren Mordserie in New York in Verbindung steht. Doch kurz vor einem entscheidenden Durchbruch haben wir durch einen (Selbst-?)Mordversuch unser Gedächtnis verloren…

War es wirklich ein Selbstmordversuch, oder steckt jemand anderes dahinter? Was haben wir herausgefunden, dass uns jemand beseitigen wollte? Wer ist diese hübsche Frau aus unseren Träumen? Welche dubiosen Absichten verfolgt unser wohlhabender Retter Henry White? Und was hat das alles mit einer jahrhundertealten Sekte von Satanisten zu tun?

Nach den heiter bis wolkigen Runaway-Abenteuern wird es in John Yesterday zappenduster. Respekt, Pendulo!Ausblick lesen

Die Fragen, die „John Yesterday“ seinem Spieler stellt, halten die Spannung über die vier von insgesamt sieben Kapiteln, die wir bereits spielen durften, hoch. Hoffen wir, dass ihnen nicht wie zuletzt bei „The Next Big Thing“ auf halber Strecke der Arm einschläft.