Goodbye Deponia ist Daedalic Entertainments ganz persönliches Mass Effect 3: Das eigentlich als Finale der Trilogie gedachte Adventure entfachte eine heftige Diskussion innerhalb der Community. Viele Fans wünschten sich einen versöhnlichen Abschluss der Serie, machten ihrem Unmut über Goodbye Deponia lautstark Luft – und stießen bei den Machern auf offene Ohren. Das Ergebnis: Deponia Doomsday.

Deponia Doomsday - Was bisher geschahEin weiteres Video

Vollkommen überraschend kündigte Jan „Poki“ Müller-Michaelis vor zwei Wochen im Rahmen der „Daedalic Days 2016“ Deponia Doomsday an. Noch viel besser: Das Spiel erschien bereits weniger als eine Woche später.

Ein mutiger Schritt, der gleichzeitig zeigt, wie selbstbewusst Daedalic Entertainment inzwischen mit seiner Deponia-Reihe umgeht. Über 2,2 Millionen verkaufte Exemplare sprechen schließlich Bände. Nun könnte man erwarten, dass bei Deponia Doomsday einfach nur ein weiterer Teil notdürftig an die bisherige Trilogie drangestrickt wird. Doch von wegen: Daedalic liefert mit dem „Anhängsel“ den womöglich besten Teil der Serie ab und nimmt dabei mehr Anleihen bei LucasArts, als die Hamburger vielleicht sogar zugeben würden.

Deponia Doomsday - Mach’s noch einmal, Rufus

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Habt ihr ihn erkannt? Ein sichtlich gealterter Rufus opfert sich im Intro scheinbar für Elysium.
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Retter oder Weltenvernichter?

Deponia Doomsday setzt kurz nach den Geschehnissen des ersten Teils an. Rufus ist also weiterhin mit seiner grantigen Noch-Freundin Toni zusammen und will von dem Schrottplaneten Deponia in Richtung Raumstation Elysium entkommen. Das Schicksal meint es diesmal jedoch nicht gut mit dem Taugenichts. Im Intro flüchtet ein sichtlich gealterter Rufus durch eine Eiswelt vor garstigen Monstern und sprengt am Ende sogar Deponia mit einem Druck auf den berüchtigten roten Knopf in die Luft.

Was danach folgt, erinnert an eine Mischung aus Day of the Tentacle und Zurück in die Zukunft. Nur wenige Momente nach diesem Alptraum erscheint der Zeitreisende Mc Chronicle und stürzt Deponia ins Chaos. Ganz unschuldig ist Rufus sicherlich auch nicht an dem heillosen Durcheinander. Wie schon in den Vorgängern präsentieren die Entwickler den Burschen erneut als liebenswerten Egomanen, der erst an sich und danach an alle anderen denkt.

Bei seiner Flucht von Deponia etwa baumelt Tonis Mutter am Heißluftballon. Sie brüllt: „Willst du mich umbringen?“. Doch anstatt die adipöse Frau an Bord zu ziehen, ruft Rufus ihr nur „Das ist Plan B, aber wir können den Ablauf auch gerne beschleunigen“ zu und schneidet das Seil durch. Serienschöpfer Jan Müller-Michaelis setzt also weiterhin auf den brutal-frechen Humor, der auch die Vorgänger ausgezeichnet hat. Wieso Rufus ein so liebenswerter Charakter ist, weiß ich ehrlich gesagt bis heute nicht. Eigentlich sorgt er, wo auch immer er auftaucht, für Chaos und geht dafür über Leichen.

Deponia Doomsday - Mach’s noch einmal, Rufus

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Spurensuche vor der Abfahrt nach Elysium: Rufus, Tuck und Mc Chronicle jagen den berüchtigten rosa Elefanten, der Rufus verfolgt.
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Trotzdem sind seine Eskapaden herrlich unterhaltsam. Sein Egoismus kollidiert immer wieder mit den rationalen Charakteren. Toni oder ihr Vater Burnert können in den ersten Spielstunden ein Lied davon singen. Weil Rufus einen Abfüllhahn benötigt, knackt er kurzerhand einen Tank mit hochexplosivem Inhalt. Die Flüssigkeit sickert ins Fundament des Gebäudes und führt schließlich zu einem Großbrand im Haus. Aber Rufus ist natürlich das Unschuldslamm in Person.

Keine Zeit!

Serien-Einsteiger könnten jetzt befürchtet, dass man alle drei Vorgänger gespielt haben muss, um auch an Deponia Doomsday Spaß zu haben. Dem ist glücklicherweise nicht so. Klar, Vorkenntnisse sind nützlich. Schließlich begreift ihr so die Beziehungen der Figuren und die unzähligen Anspielungen, die Daedalic einmal mehr in sein Adventure einbaut. Doch sind diese versteckten Gags entscheidend? Garantiert nicht.

Rufus auf Crash-Kurs: Deponia Doomsday ist der großartige Abschluss der Adventure-Serie.Fazit lesen

Ich für meinen Teil habe nicht nur ein verdammt schlechtes Gedächtnis, was Namen angeht, sondern nach Chaos auf Deponia auch eine Pause mit der Serie eingelegt. So richtig gestört hat mich das aber nicht, da es dem aktuellen Spiel wunderbar gelingt, seine 70 neuen Charaktere in den Mittelpunkt zu stellen und gleichzeitig die Hauptfiguren treffend darzustellen.

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Zeitvertreib für zwischendurch: Beim Faulapfel-Minispiel müsst ihr drei Äpfel in eine Reihe legen. Diese dürfen aber nicht von der Ratte gefressen werden.
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Gerade mit dem an Ned Flanders erinnernden Mc Chronicle kommt ein wundervolles Gegenstück zu Rufus hinzu. Er ist nicht nur das Hirn und die Stimme der Vernunft, obendrein bringt er die Zeitreisefunktion mit ins Spiel. Jeder, der schon einmal Adventures gespielt hat, wird nun „Ach, wie in Day of the Tentacle“ denken. Und tatsächlich nimmt Daedalic bei Deponia Doomsday im Aufbau seiner Rätsel viele Anleihen bei LucasArts. Schon im ersten Abschnitt auf dem Schrottplaneten drehe ich mehrfach an der Zeit und setze damit Puzzles zurück oder verändere die Gegenwart. Das führt wiederum dazu, dass ich zuvor gesammelte Gegenstände verliere und bestimmte Aufgaben noch einmal erledigen muss. Das ist auf der einen Seite logisch, auf der anderen Seite aber ein bisschen nervig.

Learning by doing

Wenn mich an Deponia Doomsday überhaupt irgendetwas stört, dann das zuweilen etwas wirre Rätseldesign. Manche Aufgabenketten konnte ich – vielleicht wegen mangelnder Kreativität – nur durch Ausprobieren lösen. Dass ich aus Dartpfeil, Biene und Strohhalm ein Blasrohr basteln kann, verstehe ich. Aber dass aus einer heißen Folienkartoffel, einem Kleiderbügel und einer Kartoffelhalbiermaschine ein paar Ohrenschützer werden sollen? Ist mir dann doch einen Tick zu abstrakt.

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Nach der Ankunft auf Elysium plaudert Rufus unter anderem mit der sprechenden Automatenblume Ronny.
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Glücklicherweise gibt das Spiel bei „normalen“ Kopfnüssen ausreichend Tipps, damit selbst Adventure-Legastheniker auf die Lösung kommen. Doch an manchen Stellen hätte ich mir eine „Schritt für Schritt“-Hilfefunktion und nicht nur einen Hotkey zum Anzeigen aktiver Objekte gewünscht.

Die zwischendurch eingestreuten Minispiele stören mich hingegen nicht die Bohne. Sie unterbrechen zwar das Spiel, sind aber letztlich nur nette Füller – anspruchslos und manchmal sogar witzig. Alles in allem sind meine etwa zwölf Stunden mit Deponia Doomsday wie im Fluge vergangen. Gerade gegen Ende zieht Daedalic nämlich das Tempo mächtig an und ich verliere mich förmlich in Zeitanomalien und Ortswechseln. Was sich negativ anhört, ist allerdings als Lob gedacht: Deponia Doomsday schafft es, die Spannung bis zum großen Finale hin zu halten und macht das auch durch sein Spieltempo deutlich.