Müll. Müll! Und dort drüben… noch mehr Müll. Die Aussicht aus dem Schlafzimmerfenster von Rufus entspricht der auf die Straßen von Neapel, wenn die Müllabfuhr mal wieder den Dienst verweigert: Ganz seinem Namen gerecht werdend, ist die Oberfläche des Planeten Deponia eine einzige große Mülldeponie.

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Hier lagert, was andernorts als kaputt oder nutzlos aussortiert und von den Bewohnern der schillernden Oberwelt Elysium weggeworfen wurde. Die Gebäude, Gerätschaften, Inneneinrichtungen, selbst die Kleidungsstücke sind zusammengeklaubte Restposten, die geflickt, notdürftig verschweißt und vernietet einem neuen Zweck zugeführt wurden. Und auch das Wasser aus der Leitung wäre zu anderer Zeit oder an anderem Ort eher als Klärschlamm eingestuft worden.

Während sich die übrigen Bewohner von Kuvaq, so der Name der Deponia-Oberfläche, mit ihrem Leben im Abfall abgefunden zu haben scheinen, glaubt Rufus, zu Höherem berufen zu sein. Er will fliehen und in Elysium, der sagenhaften Oberwelt der Schönen, Reichen und Sauberen, seinen Traum von einem Leben im Luxus und blütenweißer Sonntagsgarderobe wahr machen.

Deponia - Was für ein Müll!

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Müll. Überall Müll. Deponia ist eine einzige große Müllhalde.
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Doch vor den Lohn haben die Macher die Fettnäpfchen gesetzt: Denn trotz übersprudelnden Einfallsreichtums wollen dem schusseligen Rufus die ausgeklügelten Apparaturen für seine Fluchtversuche nicht so recht glücken. Weswegen diese meist in Blessuren, Sachschäden und anderweitigen Versicherungsfällen für ihn und seine Mitbewohner enden. Diesmal aber wird alles glatt gehen, da ist sich Rufus sicher…

Aus ein paar ausrangierten Feuerwerkskörpern, einer Kanone und einer Kapsel, die aussieht, als wäre sie in einem früheren Leben mal ein Dixie-Klo gewesen, basteln wir in unseren ersten Schritten auf Deponia ein Höllengefährt zusammen, mit dem wir Rufus auf eines der am Himmel kreuzenden Luftschiffe nach Elysium schießen – nur um Momente später auf den schmerzhaften Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden.

Packshot zu DeponiaDeponiaRelease: PC: 27.1.2012
PS3: 3. Quartal 2014
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Der Fluchtversuch ist zwar missglückt, doch hat Rufus bei seinem kurzen Abstecher auf den Kreuzer nicht nur den Geschmack der Freiheit gekostet, sondern auch Bekanntschaft mit der Elysium-Prinzessin Goal geschlossen. Bei der Gelegenheit haben nicht nur Amors Pfeile Rufus‘ Herz perforiert, auch das engelsgleiche Mädchen wurde aus ihrem Wolken-Paradies verstoßen und hat eine Bruchlandung auf Kuvaq erlitten – wo sie nun im Koma liegt, während das komplette Dorf in Aufregung versetzt um die Gunst der unbekannten Schönheit buhlt.

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Sleeping Beauty: Rufus will das Herz der elysischen Prinzessin Goal erobern - und eine Eintrittskarte in die Oberwelt.
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Für Rufus steht fest: Er muss alles daran setzen, das schlafende Dornröschen wach zu küssen, nicht nur von Gefühlswegen, sondern vor allem, um sich mit ihr die Eintrittskarte durch die Hintertür ins gelobte Land Elysium zu ergaunern. Gewissensbisse und Interessenkonflikte für die späteren Kapitel sind damit bereits vorprogrammiert…

Die Frau, die vom Himmel fiel

Zunächst jedoch müssen wir einen Weg finden, Goal aus ihrem Tiefschlaf zu erwecken und dafür den ultimativen Wachmacher zusammenbrauen: einen Espresso. Ein Unterfangen, das in einer runtergekommenen und kontaminierten Umgebung wie Kuvaq leichter klingt, als es getan ist, und zunächst viel pointen & clicken verlangt.

Ganz sicher kein Fall für die Mülldeponie! Deponia hat das Zeug zum bislang besten Daedalic-Spiel.Ausblick lesen

Daedalic baut dabei die Tugenden ihrer bisherigen Spiele wie „The Whispered World“ und „Harveys neue Augen“ aus und schickt den Spieler auf Entdeckungsreise in eine fremdartige und doch auf bizarre Weise vertraute Welt voller schrulliger Gestalten und aberwitziger Situationen, die die Bühne für einfallsreiche Rätseleien ebnen.

So ist beispielsweise das Krankenhaus von Kuvaq in Ermangelung qualifizierten Personals gleichzeitig Polizeistation und Feuerwache. Auf Knopfdruck verwandeln wir das eine in das andere und müssen beim derartigen „Zappen“ durch die Realitätsebenen gehörig um die Ecke denken. Andernorts gilt es, die zugehörigen Häuser dreier Bürger herauszufinden. Hierbei hilft die zunächst nebensächlich scheinende Information, dass der Architekt mittlerweile auf Hutmacher umgesattelt hat… Schön, wie Daedalic auf derlei Weise immer wieder das eingefahrene Rätselschema vom Kombinieren passender Gegenstände verlässt und andernorts auf Ideenfang geht.

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Typisch Daedalic: der außergewöhnlich atmosphärische Grafikstil.
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Beeindruckend am Rätseldesign von Deponia ist neben dem in Daedalic-Spielen ohnehin rühmlichen Hang zur Weite und Nicht-Linearität vor allem die meisterlich absolvierte Schwierigkeitsgratwanderung. So spitz um die Ecke gedacht manches Rätsel sein mag, so behutsam legt das Spiel seine Fährten aus, um den Spieler dennoch um jede Klippe zu lotsen, ohne gleich das Navi mitzuliefern. Deponia ist damit etwas knackiger als zuletzt „Harveys neue Augen“, bleibt aber bei aller Abgedrehtheit stets logisch.