Zusammen mit dem Fernsehsender Syfy wagt Trion Worlds den Schritt in eine neue Ära der Unterhaltung. Wenn die Verschmelzung von TV-Serie und Onlinespiel tatsächlich wie geplant gelingt, wird Defiance am Ende weit mehr sein als die Summe seiner Teile. Und wenngleich Creative Lead Bill Trost als extrem kreativer Kopf gilt, hat selbst er noch Schwierigkeiten, das multimediale Großprojekt in seiner Gesamtheit zu erfassen.

MMO trifft TV-Serie

gamona: Wir stehen hier in San Francisco, dem Hauptquartier von Trion Worlds und hatten gerade die Gelegenheit, uns den Pilotfilm zu Defiance anzuschauen - zum ersten Mal überhaupt auf einer großen Leinwand.

Bill Trost: Oh ja - ich habe bereits Ausschnitte daraus auf einem Computerbildschirm gesehen und auch auf meinem Fernsehgerät zu Hause, aber ich sehe es auch zum ersten Mal auf einer so großen Kinoleinwand und es ist wirklich cool.

gamona: Wie fühlt sich das an, wenn man als Entwickler die Welt aus dem eigenen Computerspiel plötzlich so realistisch auf der großen Leinwand sieht?

Bill Trost: Es ist surreal. Ich bin auch nicht ganz sicher, ob ich es schon komplett begriffen habe. Es fühlt sich unwirklich an. Wir arbeiten nun seit viereinhalb Jahren gemeinsam mit Syfy an diesem Projekt. Da ist diese seltsame Nervosität und alles wird plötzlich so überwältigend. Es ist wirklich schwierig, das zu beschreiben.

gamona: Bedauerlicherweise dürfen wir bis zur Ausstrahlung keine Details zur Serie verraten. Über das Spiel können wir allerdings reden. Gib uns doch mal einen kurzen Überblick, worum es in Defiance geht.

Bill Trost: Klar - und in gewisser Weise gilt das ja auch für die TV-Serie. Defiance zeigt die Zukunft auf der Erde, die von den Nachwirkungen einer Art außerirdischer Zuwanderung heimgesucht wird. Es ist eine postapokalyptische Welt, in der Menschen und Außerirdische leben und die sie gemeinsam erkunden.

Defiance

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Bill Trost (li.) ist Creative Lead von Defiance.
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gamona: Gibt es nur eine einzige außerirdische Rasse?

Packshot zu DefianceDefianceErschienen für PC, PS3 und Xbox 360

Bill Trost: Im Spiel kann man zwar nur eine außerirdische Rasse selbst spielen, in der Geschichte der Welt gibt es aber eine Vielzahl an unterschiedlichen Völkern. Die Irathients, die man auch im Spiel auswählen kann, sind ein wilder Stamm von Außenseitern. Dann gibt es die Casthithans, die sehr majestätisch sind, bleiche Haut haben und weißes Haar, ein wenig aristokratisch.

Außerdem haben wir die Sensoth, echte Giganten, die eine hohe Lebensspanne haben und deswegen eigentlich nie in Eile sind, und die Liberata, diese kurzen, gedrungenen Charaktere, von denen einer auch für die Spieler von besonderer Bedeutung sein wird, weil über ihn auch eine Verbindung zur Serie hergestellt wird.

gamona: Treffe ich die Charaktere, die ich aus der Serie kenne, im Spiel wieder?

Bill Trost: Einige davon mit Sicherheit. Die Serie erscheint ja erst zwei Wochen nach Release des Spiels. Zwei der Hauptdarsteller, Nolan und Irisa tauchen gleich zu Beginn in der Spielwelt auf und der Spieler durchlebt einige Abenteuer mit ihnen, die dann direkt in jene Ereignisse münden, die wir im Pilotfilm zu Serie zu sehen bekommen.

Angriffsziel: Erde

gamona: Die Handlung findet ja auf der Erde statt, die allerdings nicht ganz so aussieht, wie wir das gewohnt sind. Was ist da mit unserem Planeten passiert?

Bill Trost: Die Hintergrundgeschichte besagt, dass all diese unterschiedlichen Wesen in einem fernen Sonnensystem lebten - einem System mit zwei Sonnen, um genau zu sein. Allerdings war dieses System in Gefahr. Also entschloss man sich, diese riesigen Raumschiffe zu bauen - Weltraum-Archen. Dort packten sie dann alles rein, was irgendwie wichtig war - alles Wissen, DNA und auch lebende Wesen, um sie auf eine jahrhundertelange Reise zur Erde zu schicken. Die hatte man vorher nämlich ausgekundschaftet und für geeignet befunden.

Ich bin mir, was die Zeitlinie betrifft, nicht ganz sicher, ich meine aber, dass man auf der Erde das Jahr 2013 schrieb, als die Außerirdischen ankamen. Und natürlich kam es zu den üblichen Konflikten, die letztlich dazu führen, dass diese riesigen Raumschiffe im Orbit zerstört werden. Das führte zu fürchterlichen Zerstörungen auf der Erdoberfläche und setzt die Terraforming-Maschinerie in Gang, die die Außerirdischen mitgebracht hatten, um den Planeten an ihre Erfordernisse anzupassen.

Ursprünglich wollte man das gezielt tun und unterschiedliche Biome erschaffen - voneinander getrennte Reservate, die auf die Biologie der jeweiligen Spezies zugeschnitten sein sollten. Als dann jedoch die Schiffe explodierten, wurden einige Programme unkontrolliert gestartet, auch in bevölkerten Gegenden. Einige davon haben funktioniert, andere nicht. Auf jeden Fall haben sie den Planeten radikal umgewandelt. Das sieht man dann sowohl im Spiel, das in einem radikal veränderten San Francisco spielt als auch in der Serie, die ja in St. Louis spielt.

gamona: Erkenne ich als Spieler reale Orte wieder?

Bill Trost: Bestimmte Gegenden, ja. Wobei wir nicht versuchen, die komplette Umgebung nachzubauen, doch du wirst mit Sicherheit die eine oder andere Sehenswürdigkeit der Bay Area über die Golden Gate Bridge hinaus erkennen, die dich immer wieder daran erinnern, wo du dich befindest und dass es immer noch die Erde ist.

Defiance

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Einzigartig: Parallel zum Spiel wird die TV-Serie auf SyFy ausgestrahlt.
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gamona: Anfangs hattet ihr das Spiel als Massively Multiplayer Game angekündigt, dann aber habt ihr umgestellt und präsentiert es jetzt als einen Online-Shooter. Wie kam es zu dem Gesinnungswechsel?

Bill Trost: Als wir mit der Entwicklung begannen, lag der Schwerpunkt gar nicht so sehr auf dem Shooter-Aspekt. Im Laufe der Entwicklung allerdings erkannten wir, dass man bei einem Shooter einfach keine Kompromisse eingehen darf, dass man den Weg konsequent beschreiten muss und den Shooter-Spielern das liefern muss, was sie sich wünschen.

Erst nachdem der Shooter dann fertig war und gut war, haben wir uns gefragt, mit welchen MMO-Elementen man diesen Shooter besser machen könnte. Und auf genau diese Elemente haben wir uns dann konzentriert.

Online-Shooter mit MMO-Elementen

gamona: Wenn die Spieler da draußen an Shooter denken, kommt ihnen normalerweise PvP in den Sinn. Jetzt, nachdem wir Defiance allerdings gespielt haben, müssen wir feststellen, dass es eine Menge PvE-Inhalte liefert. Gibt es da einen Unterschied zu anderen Shootern, was diese Inhalte betrifft?

Bill Trost: Uns war eine möglichst freie Spielerfahrung wichtig. Es gibt eine Charakterentwicklung, weil es sich um eine persistente Welt handelt. Die Leute sollen einen gewissen Stolz in Bezug auf ihren Charakter empfinden. Es sollte aber keine künstlichen Mauern geschaffen werden zwischen dem Koop-Spiel und den Auseinandersetzungen zwischen Spielern. All die Items, all die fette Beute, die ihr im Spiel findet, werdet ihr also auch in den Shadow Wars einbringen können - dem PvP-Teil des Spiels.

gamona: Wir haben also einen Online-Shooter mit MMO-Elementen vor uns. Deswegen auch das Geschäftsmodell...

Bill Trost: Richtig - du kaufst das Spiel und es gibt keine Abogebühren. Wir arbeiten an DLC-Veröffentlichungen, bei denen beide Bestandteile, das Koop-Spiel ebenso wie das PvP erweitert werden. Und natürlich handelt es sich immer noch im ein persistentes Onlinespiel - es wird also Updates über die DLCs hinaus geben. Wir bieten auch einen Season Pass an, über den man dann günstig an diese Sachen rankommt und dann gibt es noch Mikrotransaktionen.

gamona: Auch die TV-Serie wird ja möglicherweise fortgesetzt.

Bill Trost: Das hoffen wir.

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Defiance: MMO oder Shooter? Oder beides?
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gamona: Habt ihr schon einen Plan, was die Kooperation mit der Serie im Falle einer zweiten Staffel betrifft? Wie sieht es mit der Integration des Spiels in die Serie und umgekehrt aus?

Bill Trost: Wir arbeiten jetzt seit viereinhalb Jahren ziemlich eng mit den Machern der Serie zusammen. Mein Job als Creative Lead ist es, die Arbeit der Autoren von SyFy mit den Inhalten im Spiel abzugleichen. Jetzt hoffen wir natürlich alle darauf, dass Defiance ein großer Erfolg wird, damit wir daran anknüpfen können.

Es gibt ja eine Lücke nach dem Ende der ersten Staffel und dem Start einer zweiten. Für uns ergeben sich daraus ganz besondere Möglichkeiten. Wir können mit dem Spiel dann eine Brücke bauen, die Welt während dieser Zeit mit neuen Inhalten erweitern und die Verbindung zur zweiten Staffel herstellen, sofern wir die hoffentlich bekommen.

Im Laufe dieser Zeit werden wir dann auch ein Gefühl davon bekommen, was bei den Spielern und den Zuschauern ankommt. Wir können dann gezielt etwas liefern, das auf die Bedürfnisse beider Gruppen zugeschnitten ist.

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Zusätzliche Inhalte werden kontinuierlich als DLC nachgeliefert.
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gamona: Werde ich als Spieler die Handlung der Serie beeinflussen können?

Bill Trost: Die Möglichkeit, Einfluss auf die Serienhandlung zu nehmen, wird es in der zweiten Staffel geben. Bis dahin haben wir schon jede Menge Schnittstellen und Charaktere, die hier und dort auftauchen und das Element von Ursache und Wirkung mit hineinbringen. Letztlich haben wir aber wirklich Großes vor und wollen den Spielern die Möglichkeit geben, direkt auf die Serie einzuwirken.

Auch für Konsolen

gamona: Was wird aus dem Spiel, wenn Syfy die Serie nach der ersten Staffel nicht fortsetzt?

Bill Trost: Uns war von Anfang an bewusst, dass beide Produkte auch auf eigenen Beinen stehen müssen, um als Gesamtheit erfolgreichen zu sein. Unser Fokus bei Trion liegt darauf, einen qualitativ hochwertigen Online-Shooter zu produzieren, unabhängig davon, ob man die TV-Serie sieht oder nicht. Manche Leute haben einfach kein Interesse am Fernsehen und sind reine Spieler. Auch so jemand muss mit Defiance eine vollständige und lohnenswerte Spielerfahrung geboten bekommen.

Syfys Aufgabe wiederum ist es, die TV-Serie, die durch das Computerspiel zu einer reichhaltigeren Gesamterfahrung werden kann, so in Szene zu setzen, dass der Zuschauer auch ohne das Spiel zu spielen eine vollständige erzählerische Handlung genießen kann

gamona: In Europa ist Syfy als Bezahlsender nicht unbedingt verbreitet und nicht jeder Spieler wird in der Lage sein, die Serie zu sehen. Werde ich dann nicht trotzdem etwas verpassen?

Bill Trost: Du solltest eigentlich nichts verpassen, denn zu keiner Zeit verlassen wir uns im Spiel allein auf die Serie. Umgekehrt eröffnet dir der Zugang zur Serie ein paar tiefere Einblicke über die Hintergrundgeschichte und du verstehst, warum gewisse Dinge geschehen sind. Das ist aber nicht nötig, um im Spiel Spaß zu haben.

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Defiance erscheint auch für Xbox 360 und PS3.
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gamona: Ihr versucht, mit Defiance auch eine neue Community ins Online-Gaming zu locken: die Konsolenspieler. Wie glaubt ihr wird euer Spiel, das ja doch ein paar Gemeinsamkeiten mit einem MMOG aufweist, bei den Konsolenspielern ankommen?

Bill Trost: Das ist eine knifflige Sache. Als jemand, der MMOs spielt und entwickelt hat und der gleichzeitig Konsolenspiele mag, habe ich ja selber schon auf ein Spiel wie Defiance gewartet, weil ich dieses soziale Element, die Community und die Möglichkeit neuer Freundschaften an meiner Konsole im Wohnzimmer vor dem Fernseher erleben möchte. Und ich glaube, dass das eine neue und coole Erfahrung sein wird, die Konsolenspieler einfach in dieser Form noch nicht hatten.

Und was ist mit Endgame-Content?

gamona: Microsoft und Sony mögen sich aber nicht genug, um systemübergreifende Server zu erlauben.

Bill Trost: Ja, wir können die Server nicht miteinander verküpfen. Sony und Microsoft sind sehr streng auf ihre Systeme fixiert und wollen deren Integrität unbedingt schützen. Es gibt keine Verbindung zwischen PC, Xbox und PS3. Das sind dann unterschiedliche Server.

gamona: Wie viele Spieler verkraftet so ein Server?

Bill Trost: Leider kann ich da keine genauen Zahlen nennen. Wir bauen unsere Community jedoch so auf, dass niemand in die Situation kommt, einen Server wählen zu müssen. Jeder spielt in der gleichen Welt.

gamona: Angesichts der starken PvE-Ausrichtung - wie begegnet ihr dem bekannten Problem, dass die Spieler früher oder später den Content durchgespielt haben? Was habt ihr in Sachen Endgame geplant?

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Wird Trion genug Endgame-Content bieten, um Spieler langfristig zu halten?
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Bill Trost: Wir werden ständig neue Koop-Inhalte ins Spiel bringen. Klar werden wir nie die Nachfrage komplett befriedigen, doch wir tun unser Bestes, fügen DLC hinzu, der die Lebensspanne verlängert. Außerdem gibt es noch das PvP, das man immer wieder spielen kann. Und dann wäre da noch die Jagd nach Beute.

Die Waffen machen einen großen Unterschied bei der Art und Weise, wie man seinen Charakter spielt. Wir haben kein festes Klassensystem, sondern eine ganze Menge unterschiedlicher Waffen, die sich mit den verschiedenen Kräften kombinieren lassen. Es gibt viele wiederholbare Events, die man immer wieder spielen kann und die je nach eigenem Setup und dem der Mitspieler ganz unterschiedlich sein können.

gamona: Vielen Dank für die Einladung und viel Glück mit Defiance auf dem Fernseher ebenso wie auf Konsolen und PC.

Defiance - Live Action Trailer: Join the Fight9 weitere Videos