„Wie, was, 'Diablo' trifft auf 'Monkey Island', und das auch noch erdacht und gestaltet von Ron Gilbert, dem Vater des kultigen Piraten-Adventures?! Das klingt zu gut, um wahr zu sein!“ Ganz genau, bei Konzepten wie dem von DeathSpank schallen bei jedem Gamer die Alarmglocken. Es muss einfach eine Schnapsidee sein, niemals lässt sich eine oberflächlich so attraktive Grundidee hinreichend umsetzen.

Vielleicht ja aber doch: Immerhin ist Gilbert nicht irgendwer und sein (mittlerweile bereits ehemaliges) Studio Hothead Games hat, obwohl dort bislang kaum etwas erschienen ist, bereits vielversprechende Beachtung seitens der Presse erhalten. Wenn es jemand schaffen könnte, suchtinduzierendes Itemgesammle, motivierendes Hack'n Slay und den explosiven Witz sowie die abgefahrene Gestaltung eines Lucas-Arts-Klassikers in einem Paket erfolgreich zu vereinen, dann noch am ehesten dieser Mann. Gut, vielleicht noch sein alter Kollege Tim Schafer, der mit „Brütal Legend“ ja auch schon einen beachtlichen Teilerfolg in diesem Feld erzielen konnte, aber dann wird es wirklich eng mit geeigneten Kandidaten. Wir sind gespannt...

Heroischer Tangaträger

DeathSpank, der Name ist Programm, ist ein Hüne von einem Mann, breite Schultern, mächtiges Kinn, kann keine zwei Sätze sagen, ohne voller Pathos das Wort „heroisch“ zu verwenden. Der Berufsheld und Dämonenklopper hat sich in Maske und lila Tanga geschwungen, um „Das Artefakt“ zu beschaffen – ein Relikt von solcher Macht, dass keiner genau sagen kann, was es eigentlich tut. Er weiß nur, dass ihn eine rothaarige Dame in Ritterrüstung namens Sandy danach gefragt hat, und da DeathSpank niemandem eine Quest oder Sidequest abschlagen kann, sucht er nun also noch dem ominösen Teil.

DeathSpank - Abgefahren und gut: Diablo trifft Monkey Island

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Schräger Stil: DeathSpank sind die Monkey-Island-Wurzeln anzusehen
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Doch seine Bemühungen werden vom bösen Lord Von Prong sabotiert, der es auf DeathSpanks Tanga abgesehen hat, weil dieser die Macht besitzt, den Träger im Falle des Todes respawnen zu lassen – und zwar an der nächsten öffentlichen Toilette.

DeathSpank startet also seine Suche und wir übernehmen die Kontrolle. Wer eine Antenne für den Humor Gilberts hat, der durfte bereits vor dem Start des eigentlichen Spiels ein paar mal schmunzeln, etwa wenn der Held uns versichert, das Hauptmenü sehe zwar ein bisschen schäbig aus, das Spiel aber sei schön designt.

Er hat dabei nicht einmal gelogen: Schlagartig fällt der zwar mittlerweile bekannte doch erneut professionell umgesetzte Look der gängigen humoristischen Adventures ins Auge - stilisierte Umgebung, die im Fall von DeathSpank fast schon nach eingefärbtem Scherenschnitt oder einem Kinderbuch zum Aufklappen aussieht, effektiv und stilsicher in den Karikaturbereich überzeichnete Charaktere und schön bescheuerte Monster machen die Cartoonwelt lebendig. Unweigerlich denkt man an die Tales of Monkey Island, an Superheldenparodien à la „The Tick“, aber auch an den Geheimtipp Torchlight, der uns letztes Jahr mit frischen Ideen und Budgetpreis vieler wertvoller Stunden beraubt hat.

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"Der Hüftknochen hängt am Brustknochen..." Ähm, falsches Spiel...
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Ein Schwert in der einen und ein Beil in der anderen Hand ziehen wir also los und vernichten unsere ersten glubschäugigen Zombies. Schnell merkt man, dass die Kampfmechanik gut funktioniert und ein paar Eigenheiten hat. So kann man in DeathSpank bis zu vier Waffen gleichzeitig ausrüsten und an jeweils einen der Facebuttons des Controllers binden, was im Kampf einen fliegenden Wechsel zwischen den Schlitz- und Haugeräten ermöglicht. Je mehr man kämpft und zwischen seinen Waffen variiert, desto schneller füllt sich eine Leiste, die dann einen mächtigen Spezialangriff ermöglicht.

Dieser richtet sich nach der benutzten Waffe und ermöglicht z.B., die Gegner in einem Areal um DeathSpank zu paralysieren oder einen einzelnen Widersacher wie einen Pfahl in die Erde zu rammen, so dass man ihm anschließend ohne Gegenwehr noch mehr auf die Mütze geben kann. Das alles funktioniert gut und macht auch Laune, wird sich bis zum Ende des Spiels jedoch nicht mehr allzu sehr verändern.

Von Tacos und Hühnerlippen

Allerspätestens beim ersten Questgeber lässt sich der Einfluss Gilberts nicht länger leugnen: Eine etwas unfreundliche Hexe hat den Zugang zum Artefakt versiegelt und will ihn nicht ohne weiteres öffnen, unter anderem auch deshalb, weil die von DeathSpank soeben erschlagenen Zombies ihre Partner für den wöchentlichen Bridgeabend waren. Sie hat aber, wie fast jeder Bewohner der Welt, ein Problem, bei dem DeathSpank helfen kann – ihre freilaufenden Drachenwelpen werden regelmäßig von untoten Hühnern geärgert. DeathSpank soll das Federvieh plattmachen und als Beweis... ihre Lippen sammeln? Zombiehühnerlippen? Klar, warum nicht?

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Reif für die Affeninsel: Ron Gilbert erfand die legendäre Monkey-Island-Serie.
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Es ist dieser Teil des Spiels, der am deutlichsten den “Monkey Island”-Einfluss zeigt, die Interaktion mit den schrägen Charakteren und die ansonsten für einen Dungeon Crawler so unwichtigen Dialoge. DeathSpank wirft euch eine abgefahrene Type nach der nächsten an den Kopf und lässt euch mit jeder Person weit über das notwendige Maß hinaus palavern. Das wäre komplett unnütz, wären die Dialoge nicht herrlich geschrieben und die Synchronsprecher voll in ihrem Element.

So schön lachen und metzeln kann man für einen so günstigen Preis sonst nirgends. Zwar könnte der Kampf etwas komplexer und die Vielfalt der Items größer sein, aber die Kombination aus Gestaltung und solider Spielmechanik überzeugt auf ganzer Linie.Fazit lesen

DeathSpank selbst sticht besonders hervor, sein eigentümlicher Tonfall zwischen aufgesetzter Heldenrhetorik, einer für einen Muskelprotz bemerkenswerten Eloquenz und leichter Verwirrung angesichts der anderen Charaktere und der verrückten Welt machen den Heroen sympathisch und auf verquere Weise sogar glaubhaft. Da nimmt man es gerne auf sich, einem alten Helden im Ruhestand einen Taco zu besorgen, man kann, genau wie DeathSpank selbst, den Figuren einfach keinen Wunsch abschlagen.

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Die Quests sind nicht innovativ, aber witzig.
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Die Gestaltung der Quests selbst ist nicht unbedingt das Highlight von DeathSpank, denn auch, wenn das Sammeln von Hühnerlippen oder die Besorgung einer Rock-LP für einen bekifften Baum im ersten Moment für Schmunzeln sorgen, sind sie letzten Endes doch nichts anderes als ihre allzu bekannten Konterparts aus anderen RPGs oder MMOs, es könnten genauso gut zehn Wolfspelze und die Kristallscherbe der Weisheit sein, die man da sucht.

Kleinere Variationen und ein paar nette Ideen sorgen aber dafür, dass die Aufgaben nicht zu sehr anöden: Mini-Rätsel lassen den Kopf nicht einschlafen und bewusste Konventionsbrüche amüsieren und halten bei der Stange – etwa, wenn man eine Reihe von sieben oder acht Fetchquests hintereinander erledigen muss, keines der zu holenden Items aber weiter als zehn Meter entfernt liegt.

Es klatscht – sogar Beifall!

Niemand hatte ja wirklich daran gezweifelt, dass Gilbert einen Designsieg davontragen würde – wie aber sieht es mit dem Rollenspiel-Anteil aus, der im Vorfeld so mutig mit der legendären Diablo-Reihe verglichen wurde? Wie erwähnt ist das Kampsystem solide, aber ohne nennenswerten Tiefgang und bietet bis zum Ende wenig Abwechslung, doch was den geneigten Gamer an der Ankündigung natürlich weit mehr interessieren dürfte, ist das Finden, Sammeln und Horten unzähliger Items.

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Wie im Flug: einmal Tomatensaft, bitte!
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Man kann nicht sagen, dass der erste Eindruck, den DeathSpank in dieser Hinsicht hinterlässt, enttäuschen würde: Schnell findet man die ersten Teile einer neuen Rüstung, die DeathSpank noch alberner als ohnehin schon aussehen lassen, und schon bald droppt die erste neue Axt... der “Cleaver of Cleaving”? Klasse!

Man schmeckt sogleich den Unterschied zur berühmtesten aller virtuellen Teufelsjagden heraus: Während man in Diablo zahllose Items nachgeschmissen bekommt, die meisten aus Zufallsattributen zusammengewürfelt und nur zum Verkauf geeignet, ist die Vielfalt in DeathSpank weit geringer, weil absolut jeder Gegenstand von Hand gefertigt ist. Dennoch stolpert man im Minutentakt über neue Ausrüstung, die nicht nur verschiedene Attribute und Kampfoptionen zu bieten hat, sondern, wie der Rest des Spiels auch, liebevoll designt ist.

Eher althergebrachte Waffen wie ein magisches Schwert tummeln sich gemeinsam mit Stiefeln an Griffen und riesigen Fäusten an Stielen im Equip-Pool. Und wenn die verbesserte Version der “Fire Axe” ins Inventar purzelt, freut man sich schon alleine über den Namen: “Fire Axe 2 – Fire Harder!” Sollte sich das Inventar mit veralteten oder unnützen Utensilien füllen, hat DeathSpank einen nützlichen Fleischwolf zur Hand, der die Gegenstände gleich zu Gold zerwürfelt und so den Gang zum Händler erspart, sehr praktisch.

DeathSpank - Coop TrailerEin weiteres Video

Erledigt man Quests und mäht Gegner um, steigt man irgendwann im Level, erhält bessere Statuswerte und darf sich jedesmal einen kleinen Perk wählen. Erwartet hier keine allzu großen Sprünge, stärkeres Zuschlagen oder höhere Renngeschwindigkeit sind schon die Höhepunkte. Ein Blick auf Statistiken im Spiel zeigt an, wie man sich bislang geschlagen hat und wie viel man noch zu erwarten hat. Leider strebt die Komplettierungsanzeige viel zu schnell gegen 100%, DeathSpank hält, wenn man die Nebenquests macht und sich Zeit lässt, ein paar lange Nachmittage, was angesichts des günstigen Preises ein fairer Kompromiss ist. Schade nur, dass dieses humorige Spiel keinen echten Wiederspielwert besitzt – es sei denn, man treibt einen Freund auf und schlägt sich dann gemeinsam durch den Couch Coop.