Mysteriös, gnadenlos, dunkel: Kojima’s erstes Werk, das er mit seiner eigenen Produktionsfirma realisieren möchte, soll in die Geschichte der Videospiele eingehen. Ein Meisterwerk, über das er uns bis jetzt recht wenig verraten hat. Lasst uns ein oder am besten gleich beide Augen auf Death Stranding werfen und analysieren, mit was wir es (hoffentlich) bald zutun bekommen werden.

Wird Death Stranding so gut, wie uns der vergangene Hype um den Titel weismachen wollten? Der verstörende Trailer zum Spiel spricht eine eigene Sprache:

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Darum geht’s: Death Stranding soll ein Action-RPG mit Online-Elementen werden. Es gibt eine offene, dystopische Welt mit Tag-Nacht-Wechsel, die sehr wahrscheinlich die Erde nach einer von Menschen ausgelösten Naturkatastrophe darstellen soll. Über die Story wird noch gerätselt, allerdings sollte sie ähnlich bizarr und anspruchsvoll werden, wie in Kojimas letzten Werken.

Um völlig in die Vision von Death Stranding einzutauchen, solltet ihr euch Christopher Nolans Kriegsdrama Dunkirk auf euren Wunschzettel für Weihnachten schreiben: Kojima lässt sich gern von Filmen inspirieren, schon das erste Metal Gear aus dem Jahre 1987 wurde stark von dem US-amerikanischen Kinofilm Gesprengte Ketten (The Great Escape) beeinflusst. Dieser handelt von einem Massenausbruch aus einem deutschen Kriegsgefangenenlager.

Laut Kojima erneuert Nolans Dunkirk die Grundfesten des Kriegs-Genres, weswegen der Film als Inspirationsquelle für den exzentrischen Spielemacher dient.

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Death Stranding soll laut Kojima kein Spiel werden, bei dem es Gewinner und Verlierer gibt
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Das Anti-Krieg-Kriegsspiel

Sieg heißt nicht, seine Feinde, zu besiegen. Sieg heißt, seine Geliebten zu beschützen und zu retten. Kojima werkelt nicht nur an Videospielen, sondern ist ebenso ein Filmkenner, der seinen Gedanken gelegentlich in Essays Form verleiht. Was genau Death Stranding werden soll, erklärt der Autor und Entwickler in dem Rolling-Stone-Artikel “Hideo Kojima über Krieg, Videospiele und ‘Death Stranding’” – und die Vision hinter seinem neuen Werk gräbt sich zunächst tief in die Vergangenheit, bis zu einem Zeitpunkt, der auch als “Beginn der Menschheit” definiert werden könnte.

Packshot zu Death StrandingDeath StrandingRelease: PS4: 4. Quartal 2018 kaufen: Jetzt kaufen:

Damals, so der japanische Schriftsteller Abe Kōbō in seiner Kurzgeschichte “The Rope”, gab es genau zwei Werkzeuge, die sich durch alle Kulturen zogen – das Seil und der Stock.

Das Seil und der Stock sind zwei der ältesten Werkzeuge der Menschheit. Der Stock ist da, um das Böse in Schach zu halten, das Seil, um das, was gut ist, näherzubringen, die beiden waren die ersten Freunde der Menschen. Das Seil und der Stock waren überall dort zu finden, wo sich Menschen aufhielten.

Bleiben wir bei Seilen und Stöcken. Während Kojima selbst dieses Zitat in seinem Essay anführt und darüber redet, dass Videospiele sich zumeist auf die metaphorischen Stöcke konzentrieren – auf das Gegeneinander und den Kampf – möchte ich noch ein weiteres Werk von Kobo in den Raum werfen: “The Man Who Turned Into A Stick” (1957):

Diejenigen, die hochkamen, um verurteilt zu werden, aber kein Urteil erhielten, wurden in Stöcke verwandelt und füllten die Erde. Der Meister ist verschieden und die Erde wurde zu einem Grab aus verrotteten Stöcken …

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Die Welt von Death Stranding ist kaputt und tot - was ist hier passiert?
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In Kobos kurzem Theaterstück geht es um einen Stock, der ursprünglich ein Mensch gewesen ist und sich verwandelt hat. Die Erde sei ein Grab aus Stöcken, wie ein Mann und einer Frau aus der Hölle erklären, denn all diese Menschen werden stets zu Stöcken und “denken nie daran, sich in etwas anderes zu wandeln”. In Kobos Worten stecken etliche Metaphern und Möglichkeiten, diese zu interpretieren – für Kojima spielen Gewalt, Krieg und der Kampf zwischen den Menschen aber wohl die größte Rolle. Das Thema wurde bereits in einem Reddit-Thread genauer behandelt.

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Was ist Metal Gear immer gewesen; was soll Death Stranding werden? Action-RPGs, die sich gegen den Kampf aussprechen; das jedoch nicht nur auf einem inhaltlichen Level, sondern ebenso auf der Ebene des Gameplays: Videospieler kämpfen schon seit Anbeginn der Spieleindustrie mit Sticks, was Kojima mit Death Stranding nicht fortsetzen möchte: “Sie können sich nicht des Fluches erwehren, mit Sticks gegen das Böse zu kämpfen oder Feinde zu besiegen. Das will ich ändern.

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