In den Staaten ist Deadpool eine ziemlich populäre Comic-Figur aus dem Hause Marvel. Hierzulande kennt ihn (gefühlt) keine Sau. Für mich war es jedenfalls die erste Begegnung. Dabei offenbart die prügelnde Quasselstrippe als Videospiel-Charakter durchaus einiges an Potenzial. Wir haben uns angeschaut, ob der vorlaute Anti-Held mehr drauf hat, als ne dicke Lippe zu riskieren.

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Wer ist dieses freche Großmaul?

Erstmals machte Deadpool Anfang der 90er Jahre von sich reden, damals noch als Bösewicht. Schnell gewann der Auftrags-Assassine jedoch an Popularität und erhielt ein paar Jahre später schließlich seine eigene Heftreihe. Bekannt als "Söldner mit flottem Mundwerk" soll der Anti-Held (mit bürgerlichem Namen Wade Wilson) heute zu den bestverkauften Marvel-Comics gehören.

Wie bei Wolverine und Sabretooth bilden seine immensen Selbstheilungskräfte die Grundlage seines gefährlichen Heldenlebens. Doch er kann nicht nur mächtig einstecken: Im offensiven Kampf bedient er sich auch zahlreicher fernöstlicher Kampfkünste, die zusammen mit seinen scharfen Katanas zu doppelt mörderischen Waffen werden. Auch nicht zu verachten für einen Assassinen: der höchst präzise Umgang mit Feuerwaffen aller Art, die er beidhändig abfeuert.

Doch seine Widersacher schickt er beinahe nebenbei ins digitale Nirwana. Fast jede Aktion wird frech kommentiert, dabei nimmt Deadpool ständig jeden und alles auf die Schippe. Nichts ist ihm heilig - er macht seinen eigenen Wahnsinn zur Methode, sagen die Entwickler der High Moon Studios (u.a. diverse Transformers-Titel).

Da reißt einer ganz schön die Klappe auf - ich bin gespannt, ob er den positiven Eindruck bestätigen kann.Ausblick lesen

Er begeht sogar selbstironisch Selbstmord - obwohl er eigentlich gar nicht sterben kann. Dafür sind natürlich seine übernatürlichen Kräfte verantwortlich, eine künstlich herbeigeführte Mutation. Selbst ein abgeschlagener Kopf bedeutet für ihn noch lange nicht das Ende - solange er wieder auf den Rumpf gesetzt wird.

Deadpool - So cool, dass ihr ihn kennenlernen müsst!

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Ich habe hier die größte Klappe, wetten?!
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Dafür aber für seine Gegner - und die gibt es natürlich reihenweise. Deadpool rückt den Widerlingen mit einer Mischung aus Ballereinlagen und Kampfkunst und seinen Schwertern auf die Pelle - was meist mit unangenehmen Folgen für die Bösewichte endet. Eine weitere Fertigkeit: Der Nahkämpfer ballert zunächst beidhändig mit den Wummen auf seine bemitleidenswerten Feinde, die sich vor ihrem virtuellen Ableben auch noch gepfefferte Tiraden anhören müssen. Dann teleportiert sich Deadpool über geringe Distanzen über das Spielfeld und gibt ihnen mit dem Schwert den Rest.

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Meist wirken die übermenschlichen Aktionen elegant, doch in der aktuell gezeigten Version des Spiels scheint das Geschehen zwischendurch immer mal wieder abgehackt und nicht ganz flüssig abzulaufen. Schwierig einzuschätzen, ob das am Demo-Typen liegt oder ein Problem der Engine offenbart.

Eine weitere wichtige Komponente des Gameplays lässt Deadpools Geschicklichkeit aus einer anderen Perspektive aufblitzen: Kletter-Passagen. Einige der Plattform-Aufgaben meistert der Überlebenskünstler sogar in einer 2D-Ansicht, die jedoch irgendwie aufgesetzt wirkt. Die Idee ist zwar ganz nett - aber auch hier scheitert der Protagonist an einer simpel erscheinenden Hürde. Entweder ist die Steuerung nicht ganz durchdacht oder der Controller war wirklich kaputt.

Der ist doch total verrückt!

Viele Szenen triefen vor überzogener Gewalt - doch das kann man einfach nicht ernst nehmen - und das tut auch Deadpool nicht. Der hinterfragt sein eigenes Heldenwerk mit vorlauter Klappe, fläzt sich plötzlich zu einer Meute aufreizend gekleideter Mädels auf eine Couch und mimt den Gigolo ("Mein Fanclub!"), lichtet sich mit ihnen ab und bleibt so lange, bis den Damen langweilig wird. Mit diesem Schabernack treibt er Freund und Feind in den schieren Wahnsinn.

Der teils etwas kantige Holzhammer-Humor ist nicht immer total witzig, aber oft amüsant. Vor allem ist Deadpools verrücktes Auftreten erfrischend, weil er sich damit aus der Masse der sich oft viel zu ernst nehmenden Superhelden heraussticht. Bei der Flut von Filmen und Spielen, die immer noch "finstererer und härter" sein wollen, tut der chaotische Freigeist ziemlich gut.

Wenn er nicht sich, seine Feinde oder euch veräppelt, nimmt er Kameraden wie seinen Kumpel "Cable" (Sohn vom X-Men "Cyclops") aufs Korn, während sie gemeinsam eine Mission auf der abgelegenen Mutanten-Insel Genosha angehen. Früher lebten dort 16 Millionen genetisch veränderter Lebewesen als Gefolgschaft des Oberbösewichts Magneto - jetzt scheint dort nur noch eine zerstörte, leblose Ruine übrig zu sein. Doch dieser Eindruck täuscht natürlich bei genauerem Hinsehen...

Was Deadpool so von anderen etablierten Helden-Figuren unterscheidet, ist, dass er sich absolut bewusst ist, nur eine Comic- bzw. Spielfigur zu sein. Mehr noch: Er kommuniziert das in seinem endlosen Redeschwall ständig und interagiert dabei mit dem Zuseher/Spieler: klopft an die Matschscheibe, quatscht einfach drauflos und fordert mich auf, doch etwas genauer zu zielen - um seine Performance nicht leiden zu lassen.

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Im Nahkampf ist das Großmaul mindestens genauso tödlich wie mit seinen Wummen.
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Apropos Performance: Das Kombo-System sieht auf den ersten Blick nicht allzu komplex aus. Die eingesetzten Fertigkeiten hängen laut High Moon Studios aber in starkem Maße von den gerade aktiven Waffen ab. Die Spielmechanik wird also durchaus davon beeinflusst, ob Deadpool seine tödlichen Katanas oder Schießeisen in den Händen hält. Die Kriegswerkzeuge beeinflussen, auf welche Weise der Anti-Held herumschnetzelt, wie er Attacken ausweicht und was für Konter er anwenden kann.