Taranteln und Skorpione sind interessante Tiere. Zumindest, wenn man sie unter Glas beobachtet und sie still halten, weil sie eine fette Nadel im Rücken haben. Doch auch lebendig haben die flinken Krabbler einiges zu bieten. Sie sind gut an ihre Umwelt angepasst, perfekte Jäger und auch in unwirtlichen Gegenden wahre Überlebenskünstler. Davon abgesehen fungieren sie seit neuestem als Helden eines Computerspiels.

In "Deadly Creatures" nämlich hat man ausgiebig Gelegenheit, sich in die Rollen der genannten Vielbeiner zu versetzen und im Laufe des Spiels auf allerlei andere interessante Lebensformen zu treffen. Dass man die samt und sonders einen virtuellen Kopf kürzer machen muss, stört dabei die biologische Harmonie nur unwesentlich. Wir haben uns die Metzelei in Bodennähe angesehen.

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Sei mein Stecher!

Mit "Deadly Creatures" betritt Publisher THQ ungewohntes Terrain, denn die "Helden" ihrer kriecherischen Story sind Vielbeiner, auf die man im wahren Leben wohl eher ungern trifft: Tarantel und Skorpion. Die beiden treiben im schönen Texas ihr Unwesen und müssen sich im Spiel nicht nur mit anderen Vertretern der Gattung Kriech und Schleim auseinandersetzen, sondern treffen gelegentlich auch auf zwei Menschen.

Deadly Creatures - Das bisher ungewöhnlichste Spiel des Jahres

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Die tumben Texaner sind auf der Suche nach einem Schatz, den ein verstorbener Tankwart irgendwo in der Wüste vergraben hat – rein zufällig innerhalb des Lebensraumes der beiden giftigen Viecher. Doch die Rahmenhandlung ist eigentlich nur schmückendes Beiwerk, denn im Mittelpunkt steht die Welt des krabbelnden Mikrokosmos. Und die schert sich einen Dreck um Schätze. Hier herrscht ein ständiger Kampf ums Überleben.

Wer nun allerdings glaubt, dass Tarantel und Skorpion sich verbünden, um gemeinsam gegen übermächtige Feinde zu bestehen, sieht sich getäuscht. Dass sich die Protagonisten nicht sonderlich mögen, zeigt sich vielmehr sehr schnell bei einem Aufeinandertreffen der beiden. Natürlich zieht hierbei keiner den Kürzeren, die Begegnung endet unentschieden.

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Also zockt man Tarantel und Skorpion parallel im Wechsel – das ist spielerisch durchaus interessant. Denn je nachdem, mit welchem der beiden Exemplare man gerade unterwegs ist, unterscheidet sich auch der Kampfstil. Während die Tarantel gern auf Spinnennetz und Giftattacken setzt, arbeitet der Skorpion bevorzugt mit seinem mächtigen Stachel am Schwanz, um Gegner gern mal in der Mitte aufzuspießen. Das sieht nicht immer appetitlich aus, so dass zart besaitete Naturen gewarnt seien.

So ein Spinner!

Die Handlung läuft, wie schon angemerkt, in zwei mehr oder weniger parallelen Strängen ab. Obwohl man beide Tiere aus der Verfolgerperspektive von schräg hinten durch die gleiche Landschaft hetzt, erfordert jedes der beiden ein anderes Vorgehen. So kann die Spinne dank ihrer Netzwerkfähigkeiten beispielsweise Abschnitte erreichen, die einem als Skorpion verwehrt bleiben. Umgekehrt kann der stachelige Kumpel sich im Untergrund betätigen und Hindernisse untergraben.

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Doch leider geht die Entdeckungsreise durch die zehn Levels weit weniger abwechslungsreich vonstatten, als dies der erste Eindruck vermuten ließe. Oft lässt sich bis auf kleinere Verstecke nämlich nicht wirklich viel Neues entdecken, und so krabbelt oder hangelt man sich auf linear vorgegebenen Wegen von einem Abschnitt zum nächsten. Hier wäre sicherlich mehr möglich gewesen, zumal die sehr unterschiedliche Physiognomie der beiden Spezies deutlich mehr Raum für Abwechslung geboten hätte. Eine größere spielerische Freiheit hätte überdies die Motivationskurve weitaus länger oben gehalten. Doch die mangelnde Entscheidungsfreiheit, die das Erkunden oft auf ein pures Abgrasen der Strecke reduziert, lässt an einigen Stellen schnell Langeweile aufkommen.

Doch zum Glück gibt es auch Highlights, die aus der Masse der "Einheits-Erkundungen" herausragen. So zeigt die abenteuerliche Untersuchung eines rostigen Autowracks, was es darin alles zu entdecken gibt, wenn man nur wenige Zentimeter groß ist. Auch unheimliche Begegnungen auf einer völlig versifften Toilette haben durchaus ihren Reiz und eröffnen ungeahnte Perspektiven. Im wahren Leben dürfte diese Erfahrung für den durchschnittlichen, männlichen Single allerdings nichts wirklich Neues mit sich bringen.

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Auch die Bewältigung von Hindernissen, die aus Sicht der Menschen nicht mal als solche wahrgenommen werden, macht durchaus Spaß, wenn man nur wenige Zentimeter groß ist. Achtlos weggeworfene Dosen und anderer Müll bekommen auf diese Weise eine ganz andere Wertigkeit, egal, ob man als Tarantel oder als Skorpion unterwegs ist. Da freut sich das umweltbewusste Gewissen des sozial engagierten Zockers, der solcherlei Ungemach nutzen kann, auf die zunehmende Verschmutzung der guten, alten Erde hinzuweisen.

Das große Krabbeln

Wie eingangs erwähnt, treffen die beiden tierischen Helden gelegentlich auf zwei texanische Schatzsucher. Die Interaktion mit den Menschen verläuft aber meist eher indirekt. Denn die beiden Hohlköpfe bringen die Tiere durch ihr Tun ein ums andere Mal in schwierige Situationen. Und je mehr man sich ihnen nähert, desto größer wird die Gefahr, sich massiven Ärger einzuhandeln. Dagegen nehmen sich die zahlreichen Kämpfe gegen Heuschrecken, Ratten und anderes Getier schon fast harmlos aus.

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Schreckmomente sind allerdings garantiert, wenn beispielsweise eine riesige Schlange ihren gierigen Blick auf die tapferen Helden richtet. Zum Glück gibt es fair verteilte Speicherpunkte, die im Falle des Falles einen schnellen Wiedereinstieg ermöglichen. Und bei der nächsten Begegnung mit dem schuppigen Riesenkriecher ist man dann besser vorbereitet.

Es kribbelt, krabbelt und schmatzt im Wohnzimmer - für THQs neues Actionspektakel stand offenbar der Inhalt unseres Redaktionskühlschranks Modell.Fazit lesen

Apropos Kämpfen: Die Kloppereien mit Otterngezücht sind der eigentliche Hauptaspekt des Spiels. Um sich gegen mobile Nahrungsmittel durchzusetzen und seinen Hunger zu stillen, verfügen Tarantel und Skorpion über zahlreiche Standard- und Spezialangriffe. Während einfache Attacken durch simples Knöpfchendrücken oder Herumfuchteln zu erledigen sind, erfordern heftigere Angriffe auch anspruchsvollere Aktionen mit Fernbedienung und Nunchuk. Bei einigen Kombos muss man gar angezeigte Bewegungen auf dem Bildschirm blitzschnell nachmachen, um erfolgreich zu sein.

Voraussetzung für besonders sehenswerte Moves ist zudem, dass man genügend Aktionspunkte auf seinem Konto gesammelt hat. Denn für jede Technik ist eine Mindestpunktzahl notwendig, die man sich zuvor durch erfolgreiche Duelle mit kleineren Gegnern zusammenschlagen muss.

Je nachdem, ob man sich als Tarantel durch die Luft schwingt, als Skorpion aus der Deckung heraus angreift oder sich einen Tunnel gräbt, muss die Fernbedienung gedreht oder geschwungen werden. Das funktioniert zumeist reibungslos und ist dabei so fair gehalten, dass auch Anfänger schnell mit dem Konzept zurechtkommen werden. Doch so gut die Steuerung auch funktioniert, so ärgerlich zeigt sich manchmal die Kameraführung. In hektischen Situationen springt der Blickwinkel zuweilen nervös hin und her wie eine aufgescheuchte Zwölfjährige in einer Dorfdisko während einer Razzia. Das führt bei empfindlichen Seelen nicht nur zu Magenbeschwerden, sondern auch zu manchen hässlichen Ausrufen.

Nix für Kriecher

Technisch präsentiert sich "Deadly Creatures" erfreulich aufgeräumt auf der Wii. Die Grafik ist stimmig, allerdings etwas gleichförmig, denn es überwiegen braune und gelbe Farbtöne. Dafür warten einige der Viecher mit einem hohen Maß an Detailtreue auf, was in einer Welt, in der selbst kleine Ratten zu riesigen Gegnern mutieren, die Atmosphäre der Bedrohung verstärkt. Hinzu kommen gut animierte Bewegungsabläufe, die besonders beim Anblick einer laufenden Spinne zu akutem Juckreiz auf der Haut führen können.

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Aufgedeckt: Für seinen nächsten Auftritt musste der Scorpion King einige kosmetische Operationen über sich ergehen lassen.
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Akustisches Highlight sind die spartanischen Kommentare der beiden Schatzsucher, denen im Original die Hollywood-Größen Billy Bob Thornton und Dennis Hopper ihre Stimmen leihen. Ansonsten wird eher zweckmäßige Sparkost geboten, denn anstelle von richtiger Musik überwiegen ambientartige Soundteppiche. Dafür kribbelt, krabbelt und schmatzt es an jeder Ecke, so dass man, entsprechende Lautsprecher vorausgesetzt, die gefährliche Fauna im eigenen Wohnzimmer wähnt. Und so manches Rascheln, das in Wahrheit vom hungrigen Kater im Rücken des Testers ausgeht, kann dann für panische Sekunden sorgen.

Wer schon immer mal das aufregende Leben eines Skorpions oder einer Tarantel führen wollte und über einen stabilen Magen verfügt, sollte sich "Deadly Creatures" unbedingt ansehen. Spinnenphobiker und Reinlichkeitsfanatiker nehmen besser Abstand. Sie könnten bleibende Schäden davon tragen.