Er hat sie drauf, die komplette Kommandopalette aus dem Wälzer „In zwölf Schritten zum gehorsamen Vierbeiner“: „Platz“, „Sitz“, „Gib Laut“ - der Köter aus Dead to Rights: Retribution würde in der Hundeschule alle anderen ausstechen und in einer Tour giftige Blicke ernten. Wenn er dagegen auf „Los, reiß dem Mistkerl die Kehle auf, aber ein bisschen zackig“ reagiert, dann sollte man sich langsam Sorgen um seinen treuen Begleiter machen.

Oder ihn zur Verbrechensbekämpfung abrichten. Aber nicht auf die familienfreundliche Kommissar-Rex-Art, sondern als kaltblütiges Monstrum im Kampf gegen Terroristen, Korruption und andere Bedrohungen des heilen Weltbilds. Als Bestie, die sich in Kehlen und Beinen, in Armen, Gelenken und Fußsohlen festbeißt. Richtig mit Blutbächen und so. Damit lässt der Shadow genannte Sidekick sein Herrchen Jack Slate fast alt aussehen, so sehr knurrt und kratzt er sich ins Rampenlicht.

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Aber auch Jack ist kein Zimperlieschen, sondern ein Erst-zehnmal-ballern-dann-fragen-Raubein, das unheimlich viel erdulden muss – den bleihaltigen Hass einer ganzen Stadt nämlich. In Grant City ficht der entgleiste Cop einen Kampf gegen den Terrorismus, der mehrere Stadtteile in Beschlag nimmt. In Chinatown weht eine seichte Stranglehold-Brise – mit leuchtender Reklame, charakteristischer Architektur und ungemütlichen Dreckecken. Später zischen die Kugeln unter anderem durch Bahnhofshallen oder die Tiefen eines Schrottplatzes, umhüllt von Dunkelheit, umwirbelt von Schneeflocken oder strömendem Regen.

Dead to Rights: Retribution - "Hol Stöckchen!" war gestern - heute heißt es: "Zerfleische und brich Knochen!"

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Hol Stöckchen, und dann brich Rotkehlchen!
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Warum die Fiesewichte so einen Terror machen, ist bislang gar nicht ersichtlich. Ein Kampf gegen Korruption und um sich schlagende Gewalt soll es sein – sicher funktionell, legitimiert die Rolle von Slate und Shadow als Krawummsduo, aber was steckt dahinter? Gibt es kräftige Hintermänner mit schrulligen Wesenszügen? Wartet da mehr als eine gesichtslose Stadt voller Verbrecher? Manifestiert sich die Gewalt irgendwann in Personen, wie man es aus Max Payne oder The Darkness kennt? Wird die Bedrohung überhaupt mit filmischen Mitteln in Szene gesetzt?

Mit harten Bandagen

Hoffen wir, dass die Entwickler von Volatile Games sie lediglich unter Verschluss halten wie Dagobert Duck den Glückskreuzer, denn innerhalb von zwei Präsentationen zeigten sie bislang nur die Quintessenz: Action. Die wird zwar nicht zum effektversessenen Spektakel wie in Stranglehold, da die Kulisse nicht zu Bruch geht, aber immerhin so geradlinig, so bodenständig inszeniert, dass man dank des facettenreichen Kampfsystems schnell und unkompliziert zur Sache kommen kann.

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Auch Herrchen ist wenig zimperlich.
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Ohne Schusswaffe bleiben Jack nicht mehr als zwei Daumentasten, um im Nahkampf kleine Kombos zu lancieren. Das sieht richtig gut aus und kracht ordentlich, wenn Faust auf Knochen trifft und man den schmerzhaften Bruch nur erahnen kann. Dann geht er einen Schritt weiter und entwaffnet den Gegner, wenn man die Tasten im richtigen Rhythmus beackert. Das klappt erst mal nur bei kleineren Gegnern, denn ein Moralsystem sorgt dafür, dass stärkere Brocken standfester sind und sich nicht so leicht übertölpeln lassen.

Dead to Rights: Retribution ist ein brachialer Tanz zwischen Mensch und Hund, aber auch auf Dauer unterhaltsam? Und vor allem: überraschend?Ausblick lesen

Aber auch der umgekehrte Fall ist möglich: Wer nicht aufpasst, wird schnell seiner Waffe beraubt und steht mit leeren Händen da. Zudem versinken entwaffnete Terroristen nicht in Panik, sondern schnappen sich die fallen gelassenen Gewehre ihrer Kollegen und kämpfen um das letzte Fünkchen Leben. Was ihnen spätestens mit einem der gnadenlosen Takedowns aus dem Leib gejagt wird.

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Krank Shit: Kopfschüsse und Genickbrüche lassen bei der USK die Alarmglocken schrillen.
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Kopfschüsse oder Genickbrüche, allesamt stilvoll in Zeitlupe inszeniert, lassen die rote Suppe spritzen und die USK-Glocken ohrenbetäubend schrillen. Deswegen sollten laut Projektdirektor Imre Jele auch „keine zu großen Hoffnungen die Runde machen, dass Dead to Rights: Retribution überhaupt in Deutschland erscheint.“

Ein Hund, sie zu zerpflücken

Okay, und was verpasst man ohne Gang zum Importhändler noch? Einen der am besten animierten Vierbeiner der Spielegeschichte: Shadow knurrt gebieterisch, zeigt aus der Nahansicht die spitzen Hauer und seine zornigen Augen – eine echte Bestie eben. Mit seinem Aussehen macht er genauso viel Angst wie mit seinem Verhalten, das die animalischen Instinkte herrlich morbide und mit klasse Animationen rüberbringt. Das Digikreuz genügt, um ihn durch die Gegend zu scheuchen und Feinden auf den Hals zu hetzen.

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Platz! Sitz! Box! Schlitz! Spritz!
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Wobei Hals wörtlich zu nehmen ist, denn er gräbt die spitzen Eckzähne mit Vorliebe tief in die feindliche Kehle, zerrt den armen Teufel zu Boden und lässt ihn elendig verenden. Oder er beißt ihm ins Bein, erhascht seine ungeteilte Aufmerksamkeit und macht die Bahn frei für Jack, der zum finalen Kopftreffer ansetzt. Geht das befellte Untier zu Boden, kann man ihm wie in Kane & Lynch oder Gears of Wars wieder auf die Beine helfen.

Scherzhaft merkt Imre Jele an: „Wir mussten ordentlich am Balancing schrauben. Die erste Version von Shadow, die wir ausprobiert haben, war einfach zu stark. Sobald man einen Raum betrat, tötete er jeden Gegner, ohne dass Jack überhaupt aktiv werden konnte. Das sah zwar cool aus, machte aber keinen großen Spaß.“

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Nix für Zartbesaitete – aber auch voraussichtlich nix für Deutschland.
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Und letztlich sollen ja auch die Passagen spannend bleiben, in denen man als Shadow agiert. Auf vier Beinen, schleichend, bellend. Entweder, um die Störenfriede auf leisen Sohlen von hinten zu überraschen, oder, und das ist die makabere Variante, um sich zähnefletschend auf sie zu stürzen.

Jedes nur erdenkliche Körperteil - ja, auch das typisch männliche - wird vor dem geistigen Hundeauge zur rot umrahmten Zielscheibe für die grausamen Kauwerkzeuge. Die armen Kerle lassen sich außerdem wie Puppen über den Boden schleifen, ordentlich durchschütteln und an Wänden oder Containern zu Tode trümmern.