Mein Kostüm für Halloween steht fest: Ein vollständiger Isaac-Clarke-RIG (Resource Integration Gear), am besten noch mit Beleuchtung am Rücken und natürlich eine Sci-Fi-Knarre. Auch, wenn Halloween dann eher ein trauriges Fest wird, in Anbetracht der letzten Ereignisse. Dead Space. Wirst du nun für immer im kalten, toten All verschwinden?

Ein paar Zeilen zum Dead-Space-Vater Glen Schofield und zur Schließung von Visceral Games.

Goodbye, Dead Space? Seht den ersten Trailer zum Spiel, der uns 2008 einen wohligen Schrecken über die Schultern jagte:

Dead Space - E3 2008 Dead Space Trailer24 weitere Videos

Darum geht’s: Die typische Sci-Fi-Story mit untypisch viel Grusel. Ingenieur Isaac Clarke wird auf die USG Ishimura gesandt, um herauszufinden, was mit der Crew passiert ist. Was ihn erwartet ist eine riesige, scheinbar leere Raumstation voller Schatten und etwas, das darin umherkriecht.

Wird Dead Space im toten Raum verschwinden? - Über Visceral Games und Isaac Clarkes letzten Kampf

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Dead Space: Wird Isaac Clarke seinen letzten Kampf verlieren?
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Die Idee für Dead Space schwirrte bereits einige Jahre durch meinen Kopf, während ich bei EA war. Ich sprach mit dem ehemaligen Präsidenten der Firma, als ich glaubte, es wäre endlich die Zeit gekommen, in der das Spiel in das Portfolio der Firma passen würde. Zu der Zeit verhalf EA größtenteils lizenzierten IPs zum Durchbruch, neue IPs dagegen hatten es schwer. Ich war wirklich dankbar für die Möglichkeiten, die er uns gab.” (Engadget)

Zwei Jahre nach dem Release von Dead Space 2008 sprach Ideengeber und ehemaliger Vizepräsident von EA Visceral Games Glen Schofield über die Entstehung des ersten Teils der Sci-Fi-Saga. Während unter seiner Führung Isaac Clarke laufen, schießen und schreien lernte, hieß Visceral Games noch EA Redwood Shores, ein kleines Studio in Kalifornien. Die EA-Tochterfirma entschied sich erst nach Release des ersten Dead-Space-Teils dafür, einen anderen, ‘cooleren’ Namen anzunehmen: Visceral Games. Ab 2009 wollten sie sich einzig auf actionorientierte Spiele konzentrieren und brachten neben den folgenden Dead-Space-Teilen auch Der Pate II, Dante's Inferno und zuletzt Battlefield Hardline auf den Markt.

Games-Redakteur Micky Auer erinnert sich an sein heftigstes Erlebnis mit Dead Space:Am Anfang, als sich die Atmosphäre erst aufgebaut hat, man aber schon voll in diesem ‘Alien meets Event Horizon’-Modus ist: Ich schleiche um eine Ecke, blicke einen spärlich beleuchteten Gang hinunter. Flackerndes Licht von Kurzschlüssen links und rechts wirft bizarre Schatten an die Wände, jedes mechanische Teil wirkt auf unerklärliche Weise organisch. Am Ende des Ganges steht eine dunkle, menschenähnliche Gestalt und blickt in meine Richtung. Mir bleibt das Herz stehen. Und am schlimmsten: Die Gestalt GEHT EINFACH WEG!!! Ohne den Blick von mir zu wenden. Ich blieb mehrere Minuten an der Stelle stehen, weil ich mich nicht getraut habe, in den nächsten Gang zu gehen."

ByeBye Dead-Space-Vater Glen Schofield

Und Schofield? Der hat Visceral Games aka EA bereits 2009 verlassen und zwar für Activision, den größten Konkurrenten des Publishers. Unter Activision gründete er gemeinsam mit Director Michael Condrey die Acti-Tochterfirma Sledgehammer Games, die 2011 ins Call-of-Duty-Geschäft eintrat. Heute sitzen die Jungs übrigens hinter Call of Duty: WW2, das sich am 3. November den Weg zu uns nach Hause freischießen wird.

Was ist passiert? In einigen Artikeln haben wir bereits die Leben großer Entwickler verfolgt, wie etwa in diesen Zeilen zu Diablo’s Big 4 oder den Jungs von Half-Life. In beiden Fällen verließen die hauptverantwortlichen Entwickler die Firmen, nachdem die Games den großen Durchbruch erlebten. Es scheint, als sei das wiederkehrendes Motiv in der Geschichte von Videospielen.

Packshot zu Dead SpaceDead SpaceErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Wir schreiben das Jahr 2010: “Wow, heute vor einem Jahr habe ich EA verlassen. Das war vielleicht ein Tag. Sie haben mich wirklich wie den letzten Dreck behandelt, sogar nachdem ich für sie Dead Space entwickelt habe”, schreibt Schofield auf Twitter und fügt ein wenig später an:

Scheint so, als hätte mein Tweet ziemlich viel Aufmerksamkeit erregt. Das war nicht meine Absicht. Aber nach einem Jahr EA-Bashing tut es gut, mir das von der Seele zu reden.

Er wollte damit keine Aufmerksamkeit erregen? Flunkert da jemand? Was auch immer zwischen Schofield und EA passiert ist, hat jedenfalls kein gutes Ende genommen. Und obwohl Dead Space 2 und 3 tatsächlich noch auf dem Markt erschienen, steht die Fortsetzung der Serie im Grunde schon seit Release des ersten Teils unter keinem guten Stern.

Games-Redakteur Marco Aronica über sein erstes Date mit Dead Space: “Nichtsahnend schlüpfte ich 2008 in die Haut des Ingenieurs Isaac Clarke, nachdem ich das Spiel zusammen mit einem Freund blind gekauft habe - keine Fotos, keine Videos. Als mir dann nach ein paar Metern die ersten Necromorph-Gliedmaße entgegenflogen, war ich gleichermaßen geschockt, mitgerissen und begeistert. Ein tolles Gefühl!

Visceral Games lebte im Schatten von Dead Space weiter

… und Schofield wurde freundlicherweise mit einem “Special Thanks” in den Credits der letzten beiden Teile erwähnt. Obwohl er nach eigener Aussage fester Bestandteil des Teams von Dead Space 2 war und den Titel bis in die Beta begleitete.

Dead Space 3 erschien 2013 und brachte (ebenso wie der zweite Teil) nicht genug Umsatz ein, wie wir kürzlich berichteten. Dazu kommt natürlich das Fiasko des mysteriösen Star-Wars-Spiels, welches im Zuge der Visceral-Schließung ebenfalls Veränderungen erfahren soll. Das geplante story-basierte Adventure wird EA-Vizepräsident Söderlund nach nun in Richtung Open-World krabbeln. Ob das etwas Gutes ist, dürft ihr entscheiden.

Übrigens: Dead Space war ebenso kein kommerzieller Erfolg, obwohl es durchweg gute Kritiken einstecken konnte. Der Sci-Fi-Horror war schon damals nichts für die breite Masse.

Wird Dead Space im toten Raum verschwinden? - Über Visceral Games und Isaac Clarkes letzten Kampf

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Isaac Clarke. Amen.
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Dead Space: Wirst du im ewigen All verschwinden?

Nein. Denn Dead Space ist mehr als nur ein Spiel und hier spricht nicht die Nostalgie-besessene Seite eines Fans, der in seinem kleinen Kämmerlein regelmäßig am eigenen Isaac-Clarke-Altar betet (Ich habe keinen Altar. Wirklich).

Dead Space ist ein Serienuniversum, das unter der erhaben Hand von Schofield nicht nur Spiele aus seinem Schoß in die Welt entließ, sondern auch Comics und Filme. Neben Dead Space: Extraction, das 2009 für die Wii und die PS3 erschien, gab es noch das Spiel Dead Space: Ignition (ein Action-Puzzle-Game. Moment. Action… -Puzzle…?) und dazu eine ganze Comicreihe von Antony Johnston und dem 30-Days-of-Night-Zeichner Ben Templesmith.

Auch die Filmindustrie verschlug es auf die USG Ishimura: Das Animationsstudio Film Roman inszenierte Dead Space: Downfall sowie Dead Space: Aftermath. EA bastelt derweil an einem Kinofilm zum Franchise, bei dem D. J. Caruso Regie führen soll. Irgendwann.

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Dead Space. Wir lieben dich. Auch, wenn du mich nie so sehr erschreckt hast, wie ich es gern gehabt hätte. Aber du warst dennoch ein wundervoll grausiges Spiel. Und ein inspirierender Gigant im Genre des Sci-Fi-Horrors.