Wenn die ersten Sätze in einer gamescom-Präsentation aus der unbedingten Empfehlung eines ekligen Youtube-Videos bestehen, in denen ein toter Wal explodiert, weiß man gleich, woran man ist. Capcoms Dead-Rising 4-Entwickler haben eine Schwäche für das Derbe und machen daraus keinen Hehl. Die neckische, ja fast schon kindliche Verspieltheit der Jungs sorgt auch im versprochenen Zombiegemetzel ihresgleichen. Zum Totlachen! Schade nur, dass die hiesige Jugendprüfstelle wenig Verständnis für diese Form des Humors aufbringt.

Dead Rising 4 - E3 Trailer

Flatsch! Kracks! Brutzel! Da spritzt sie, die rote Soße. Ein Schwung mit der Nagelkeule genügt, um den Kopf eines schlurfenden Zombies physikalisch korrekt simuliert gen Wolkendecke zu katapultieren. Wunderschön, und eine der leichteren Aufgaben für den Reporter Frank, der seine Haut nicht zum ersten mal inmitten einer Untoten-Apokalypse zu retten versucht. Übung macht den Meister und maßlose Übertreibung gehört hier zur Erzählstruktur.

Dead Rising 4 - Wenn es schwachsinnig ist, bauen wir es ein!

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Weniger ist mehr? Papperlapapp!
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Dead Rising 4, so könnte man beim ersten Blick auf die vorgestellte Windows-10-Version meinen, definiert keine großen Unterschiede zu seinen Vorgängern. Inmitten einer Horde von einer gefühlten Fastilliarde Untoter geht es für Protagonist Frank um das blanke Überleben und den infantilsten denkbaren Einfallsreichtum. Für beide Seiten. Einerseits bei den Entwicklern, die sich für keine bescheuerte Szene zu schade sind. Ein Reporter schießt Fotos, ist doch klar. Aber Selfies mit Zombie-Hintergrund und eigens wählbaren, furchtbar albernen Grimassen? Oder Fotos von überraschten Untoten, nachdem sich Frank herangeschlichen hat (sogenannte Stealthies)? Da bleibt kein Auge trocken!

Packshot zu Dead Rising 4Dead Rising 4Release: Xbox One: 6.12.2016 kaufen: Jetzt kaufen:

Kreativität ist auch beim Spieler gefragt, der so ziemlich jede Kombination an Gegenständen zu einer Waffe umfunktionieren kann. Kettensäge am Kanu-Paddel? Elektrifizierte Axt? Boxhandschuhe mit Klingen? Ein wenig Klebeband genügt, und wenn dadurch die Ketchup-Fontänen zu sprudeln beginnen, umso besser. Daher auch folgende Aussage:

„In unserem Spiel wird nicht geschmiedet. Crafting? Das wäre viel zu hochgestochen! In Dead Rising klebt man beliebige Gegenstände aneinander und schaut, ob sie Wirkung zeigen.“
- Joe Nickolls, Studio Head, Capcom Vancouver

Eine weitere Sternstunde des makaberen Gaming-Humors, die an deutschen Spielern leider unbemerkt vorbeiziehen wird.Ausblick lesen

Nichts Neues, weil seit jeher einer der besten Aspekte dieser Serie. Schaut man aber genauer hin, so entdeckt man dennoch diverse Abwandlungen im System, die Kenner interessieren dürften. Etwa die Möglichkeit, nach Belieben auf Knopfdruck zwischen mehreren Waffen eines Arsenals wechseln zu können, wodurch nun mächtige Kombo-Ketten in Aussicht stehen. Eine Propangasflasche ist auch so schon ein prima Wurfgeschoss, aber wer schnell genug ist, schießt sie im Flug an und verwandelt sie in eine gewaltige Bombe. Oder wie wäre es mit einer Getränkemix-Maschine, die man zum Schneesprenger umgestaltet? Je schwachsinniger der Gegenstand, desto mehr Chancen hat er, im Spiel zu landen. Etwa die „Blanka-Verkleidung“ die Frank einige Fertigkeiten des Street-Fighter-Berühmtheit verpasst. Mit grünen Klauen umherschlagen, Stromstöße verteilen, so etwas eben. Highlight der Messe war allerdings der „Gandelf“ Stab, der nicht zufällig einen ähnlichen Namen trägt wie der berühmte Zauberer aus dem Herrn der Ringe. Mit einem „You shall not pass!“-Bodenstampfer entlässt er kleine Gnome, die den Untoten das Leben schwermachen. Was für ein ungehobelter, köstlicher Blödsinn! Der Titel dieses Artikels ist ungelogen ein Zitat aus der Präsentation.

Spielekultur - Sie woll'n dir fressen! Zombies in Spielen

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Noch wichtiger in Sachen neue Regeln: In der Kampagne quält kein Zeitlimit mehr. Auch nicht in einem abgewandelten Spielmodus wie in Teil drei. Wer vom Uhrzeiger angetrieben werden möchte, kann sich von nun an in Online-Missionen versuchen, die bis zu vier Spielern knackige Koop-Aufgaben stellen.

Sperrige Waffen und Zeitlimits waren in den Vorgängern insofern hinderlich, als dass sie den Protagonisten vom Forschen und Sammeln abhielten. Ganz anders in Dead Rising 4. Zwar bildet ein brandneues, mehrstöckiges Einkaufszentrum das Zentrum der Spielwelt, aber keineswegs die Hauptattraktion. Unzählige begehbare Häuser im verworrenen Straßennetz einer Kleinstadt sowie ein komplettes Kanalsystem schaffen genug Platz zum Austoben. Nicht jedes Haus wird begehbar sein, aber verdammt viele, und die Jungs bei Capcom ermutigen den Spieler nun dazu, jeden Winkel der Stadt genauestens unter die Lupe zu nehmen. Nachtsichtgerät und andere Sichthilfen offenbaren Verstecke in den „ruhigeren“ Passagen.

Was man unterwegs findet? Na klar, vornehmlich Waffen. Oder Gegenstände, die sich zu Waffen umfunktionieren lassen. Aber auch Nahrung, Schlüssel für verschlossene Türen oder weitere von Übertreibung gezeichnete Ausrüstungsgegenstände. Bestes Beispiel: Eine Exo-Rüstung, die Frank übernatürliche Kräfte verleiht. Wie schon in den Vorgängern ermöglicht so ein High-Tech-Kampfanzug das Heben besonders schwerer Gegenstände oder etwa das Ausreißen einer verankerten Verkehrsampel, die ein prima Schnetzelwerkzeug abgibt.

Dead Rising 4 - Wenn es schwachsinnig ist, bauen wir es ein!

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Capcom hat wieder jede Menge schräger Einfälle.
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Jede Waffe (und auch der Anzug) bringt einen besonders ekligen „Gedärme-Angriff“ mit. Makaber, aber auch genretreu. So einen Zombie per Kampfanzug in zwei Teile zu zerreißen, macht optisch jedenfalls einiges her. Ein Spiel für die ganze Familie! Wenn auch mit fortschreitendem Spielverlauf recht knackig, denn mit der Einführung unberechenbarer Untoter soll jeder neue Anlauf eine individuelle Note erhalten. Die schlimmsten von ihnen hören auf den Namen „Evos“, weil sie eine Evolution der früheren Frischlinge darstellen. Sie sind noch viel schneller als Frischlinge und verfügen auch über eine beeindruckende Sprungkraft.

Was die gezeigte PC-Version angeht: Sie wird zwar über den Windows-Store vertrieben, aber nicht zum Play-Anywhere-Programm gehören, da diese Crossover-Funktion erst eingeführt wurde, als Dead Rising 4 längst in Entwicklung war. Erfreulich ist aber, dass die Bildrate nicht eingeschränkt wird. Je besser die PC-Hardware, desto flüssiger das Spiel.

Erscheinungsdatum ist der 6. Dezember 2016. Rechnet nur nicht mit einer Veröffentlichung in Deutschland, denn Dead Rising 4 dürfte unter keinen Umständen am hiesigen Jugendschutz vorbeikommen.