„It's a nice, fun, game“, sagte Game-Designer Yohei Shinbori in einem Interview zu Dead or Alive: Paradise. Wir kennen das ja: Wenn das „Awesome“-Regal gerade leer oder man schüchterner japanischer Entwickler eines PSP-Spiels ist, von dem selbst die Macher wissen, wie primitiv ihre einzigen Design-Eckpfeiler sind, was bleibt da noch? Eben: Die Irgendjemandem-wird's-schon-gefallen-Keule rausholen.

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Was hätte er denn auch sagen sollen? So was wie: „Haha, meine ungeschminkte Meinung? Ich muss mich selbst fast übergeben, wenn ich diese Missgeburt sehe“? Oder: „Kein Mann mit einem bodenständigen, realistischen Frauenbild würde diesen Murks ernst nehmen“? Er hätte ja auch ehrlicherweise zugeben können: „Spart euch die Kohle, klickt auf den Trailer unten und ihr habt das Wichtigste vom Spiel gesehen.“ Herrschaftszeiten, wo kommen wir denn hin, wenn das Aufregendste an einem Spiel das Intro ist? Und das auch nur, weil sich überhaupt mal was bewegt.

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Ändert aber nix daran, dass bereits dieser zweiminütige Fleischzirkus an den Grenzen des Erträglichen kratzt: Ich kann mir das Video nicht bis zum Ende angucken, ohne mich in eine andere Dimension zu schämen. Eisleckende, naiv dreinblickende Kinder mit der nötigen Portion Hihi-Dämlichkeit und einem herumschlingernden Out-of-this-World-Vorbau, mit dem sich jedes normal tickende Doppel-x-Wesen unter der Couch verkriechen würde, sofern es nicht schon vorher umkippt und nie wieder auf die Beine kommt – ich hab Angst, echt jetzt. Schluss damit!

Dead or Alive: Paradise - "Da geht mirs spritzwasser von zusehen aus..." (User-Kommentar)

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Worum es in dem Spiel geht? Na, darum eben.
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Es würde vielleicht helfen, wenn die Frauen wirklich wie Frauen aussehen, nicht wie mit Hormonen aufgeblähte 15-Jährige. Was sagt ihr? Japaner stehen auf so was? Jepp. Sind die mit infantiler Bürste gequälten Auswüchse ihrer Phantasie deswegen auch sexy, ansehnlich oder reizend? Nicht in meiner Welt.

Um das klarzustellen: Die Figur Bayonetta ist sexy – weil ihr nicht nur ein Charakterdesigner den perfekten Arsch zurechtschliff, sondern auch ein fähiger Autor kluge Worte in den Mund legte. Die Figur Mona Sax ist sexy – weil sie den Geruch des Verbotenen verströmt und stark auftritt. Drückt man alle grafikgeilen Polygonaugen zu, geht heutzutage auch die liebe Cate noch als sexy durch. Aber hey, irgendwo außerhalb Japans muss es ja Männer geben, die sich angesprochen fühlen.

Billiges Pool-Hüpfen

Ehrlich gesagt fällt mir diese Vorstellung schwer. Und wenn sie sich doch einschleicht, dann formt sich vor meinem geistigen Auge eine Gestalt mit dünnem Oberlippenbart, fleckigem Pac-Man-Shirt, einem Second-Hand-Anorak, von Löchern zerfressener Jogging-Hose und Tennissocken, die schmutzstarrend unter Sandaletten hervorgucken. Aber lassen wir das... Die wichtigen Fragen sind auch nicht, warum die Frauen überhaupt auf dieser Insel sind, warum es nicht wenigstens einen köstlichen Zickenkrieg gibt, wieso außer ihnen kein anderer dort ist und so weiter. Nein, die essenzielle Frage ist eine ganz andere: Warum zum Teufel nur die PSP!?

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Zwischen den schlechten Nackedei-Filmchen gibt es dämliche Minispiele zu absolvieren.
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Wenn ich diese peinliche Doppel-D-Initialzündung erleben wollte, dann doch bitte dort, wo es knackscharf strahlt: auf der Xbox 360. Und da gibt es schon ein Dead-or-Alive-Glockenspiel. Warum also die PSP-Version? Auf diesem Fitzelbildschirm! Mensch, Tecmo, die Weiber sind unscharf, verwaschen, pixelig und hässlich – und das mal abgesehen von ihrem urjapanischen Fremdschäm-Design. Von den Details der Umwelt, die den Anblick der Palmen, des Wassers und des Strands versauen, fange ich gar nicht erst an. Überall flackert und flickert, zuckelt und krümelt es. Was hier lieblos auf eine UMD gepresst wurde, ist eine Schande für die PSP, zumal die Hälfte des Spiels aus sterilen Hintergrundbildern besteht. Elende Ladezeiten zwischen allem, was man tut, tja, die wird man nie los.

Falls noch jemand wissen will, WAS man eigentlich tut: Nun, zwei Wochen auf einer Insel verbringen und… na ja, Zeugs halt. Sich eine der zehn DoA-Schicksen aussuchen und anschließend in einem Tag-Nacht-Turnus durch sinnfrei zusammengewürfelte Minispiele hangeln. Pool-Hopping zum Beispiel: Man lässt die Dame mit kurzen oder langen Tastendrücken über im Pool schwimmende Plattformen hopsen, um Geld zu verdienen.

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Unser Rat? Reißaus nehmen! Ganz schnell.
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Das verplempert man wiederum in einem der belanglosen Insel-Shops für belanglosen Krimskrams wie zig Bikinis, Schuhe, Schweiß- oder Armbänder, Kuchen oder Cocktails. Letzteres kann man selbst vertilgen, was nur ein billiges Schluckgeräusch erzeugt, oder man lässt den Kram als Geschenk verpacken. Klar, einen Cocktail in Papier einwickeln – klasse Idee! Wer würde so was tun wollen?

Besser als Blasmusik

Wozu Geschenk? Um sich bei den anderen Schnallen einzuschleimen, was nur dann klappt, wenn man ihre Vorlieben beachtet. Das Frauenhandbuch, eine Bildersammlung aller DoA-Tussis, gibt Aufschluss über Lieblingsfarbe, -getränk und -speise. Ohne all das zu beachten, braucht man sich gar nicht in ihre Nähe zu wagen und mit einem Geschenk zu prahlen, geschweige denn um Teambildung zu bitten. Haaach, warum denn jetzt unbedingt ein Team? Na, wegen Volleyball und so. Ihr wisst schon: Die Sportart, die im ersten Xbox-Teil gaaanz laut mit zwanzig Ausrufezeichen „Dead or Alive: Xtreme Beach Volleyball“ brüllte und in den nächsten Teilen klammheimlich aus dem Namen gestrichen wurde.

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Wer sich die kümmerliche Pritsch-, Aufschlag- und Angriffsmechanik ansieht, weiß auch, warum das so ist. Ihr könnt euch mit dem Analogstick ein paar Meter bewegen, den Ball irgendwie annehmen, angreifen und mit Glück sogar.... Interessiert das wirklich noch jemanden? Den Rest des Tages verbringt man damit, am Pool rumzuhängen, Kohle im Kasino zu verjubeln oder seiner Ische dabei zuzusehen, wie sie sich unbeholfen an einer Palme räkelt. Wer das bewegte Trauerspiel für immer und ewig auf unbewegten Bildern festhalten will, zückt die Kamera und... Cool, der PSP-Akku ist leer. Endlich.

Billig, plump, hässlich – eine Schande für PSP und unser liebstes Hobby.Fazit lesen

Schuld daran ist nicht der Drang, mehr als fünf Tage auf der Insel zu überstehen, sondern der Soundtrack – jaha! Zum Spielen hab ich die PSP an die 5.1-Anlage angeschlossen, weil... man das halt so macht. Und was sich da aus den Boxen zwängt, man mag es kaum glauben, kann sich wirklich hören lassen: leicht beschwingte, fast schon in Richtung Acid-Jazz abdriftende Stücke, irgendwie genau das Richtige für den nahenden Sommer. In den besten Momenten, als die PSP nur auf der Couch lag, vergaß ich sogar, dass Sonys Kleine am Stöpsel hängt und erwartete fast, dass plötzlich Jay Kay oder die Sängerin der Brand New Heavies einsetzt. Muss man mögen, ich weiß.