Dead or Alive 4 (Xbox 360 Review)
von Jörg Pitschmann

Die Zeit des Wartens hat ein Ende. Mit Dead or Alive 4 ist endlich die langersehnte Fortsetzung der Edelschläger-Serie aus dem Hause Tecmo erschienen.

Ähnlich wie seinerzeit Teil Drei als Referenztitel für die "gute, alte Xbox" galt, dürfte auch DOA 4 wiederum als Referenztitel für das technische Leistungsvermögen der neuen Redmonder Krach- und Spaßkonsole dienen. Ob das Programm auch in Sachen Spielspaß neue Horizonte in der noch jungen Geschichte der Xbox 360 eröffnet, bringt unser Test ans Tageslicht.

Dreschflegel
Wer die DOA-Reihe kennt, weiß, dass die Edelschlägereien von jeher mit starker Grafik und den niedlichsten weiblichen Spielcharakteren daherkommen, die in der Videospielwelt anzutreffen sind. Daran hat sich auch im vierten Teil nichts geändert. Natürlich trifft der geneigte Spieler wieder auf die allseits bekannten und beliebten Charaktere aus der DOA-Reihe. Egal, ob man die liebreizende Kasumi, die zickige Ayane oder den flegelhaften Proleten Zack wählt - wer jemals einen Teil der Prügelserie in Händen hielt, wird auch diesmal wieder mit seinen Lieblingen zu Werke gehen können.

Dazu geben sich übrigens einige neue Charaktere erstmals die Ehre. Kokoro ist eine niedliche Tänzerin und Geisha-Schülerin, die sich entschlossen hat, anmutige Bewegungen mit knallharter Auf-die-Fresse-Action zu kombinieren. Ihr Stil wirkt sehr verspielt, und besonders in Verbindung mit schnellen Kontern ist sie eine gute Allrounderin.

Dead or Alive 4 - Die Fortsetzung zur Edelschläger-Serie ist da! Noch besser als der Vorgänger?

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Dann wären da noch Eliot, ein pubertierender Milchbubi auf der Suche nach dem Zen des Lebens und einer verdammt schnellen Kung-Fu-Technik sowie die maskierte Wrestlerin La Mariposa, die mit ihrer rustikalen Kampftechnik in direkter Konkurrenz zu Tina und ihrem Vater Bass steht. Wer sich hinter der Maske der geheimnisvollen Schönheit verbirgt, stellt sich übrigens heraus, wenn man ihren Storymodus erfolgreich abgeschlossen hat.

Packshot zu Dead or Alive 4Dead or Alive 4Erschienen für Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Dafür muss man diesmal, zumindest zu Beginn, auf die edle Französin Helena verzichten, ihres Zeichens seit jeher mit einer riesigen Schleife im Haar und einem besonderen Hang zu operettenhaftem Outfit versehen.

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Aber Fans der drallen Blondine seien beruhigt: sie ist nach wie vor im Spiel vertreten. Zunächst nur als Gegnerin im Story-Modus, kann die Königin der Haarschleifchen später freigespielt werden.

Schlägern mit Kultur
Wie üblich bietet DOA natürlich neben rasanter Hau-Drauf-Action eine üppige und wunderschön animierte Grafik. So prügelt man sich beispielsweise in der pompösen, hochherrschaftlich anmutenden DOATEC Great Hall, im High-Tech-Ambiente des Tritower-Komplexes oder auf dem nächtlichen Asphalt des Zockerparadieses Las Vegas.

Oder man drischt in einem idyllischen Wald aufeinander ein, während man verträumt dem beruhigenden Plätschern eines sanft fließenden Bächleins lauscht und man sich am Anblick kleiner, putziger Kaninchen oder anderem Getier am Wegesrand erfreut. Falls es in dem Zusammenhang jemanden interessiert: nein, man kann das Viechzeug nicht auf den Gegner werfen oder hetzen. Dafür können manche Viecher für derbe Verletzungen sorgen, wenn man ihnen zu nahe kommt, oder sie laufen einen einfach über den Haufen. Doch unabhängig vom Ambiente des jeweiligen Stages gelten natürlich auch für den vierten Teil der Reihe einige grundsätzliche Kampfregeln, die schon in den Vorgängern zum Erfolg führten. So hilft es beispielsweise auch hier nach Ansicht erfahrener DOA-Kombattantinnen, während der Schlägereien wiederholt laut "Stirb, Du Schlampe!" zu brüllen. Noch wirkungsvoller ist es allerdings, sich mit dem Charakter seiner Wahl zunächst vorzubereiten, bevor man sich in den Story-Modus oder womöglich in Onlinegefechte wagt.Denn wie schon in den Vorgängern ist auch im vierten Teil der Trainingsmodus sehr gut gelungen. Hier kann man für jede Figur deren spezifische Techniken und Schläge einstudieren. Besonders Anfängern sei ein ausgiebiger Besuch der Trainingseinheiten ans Herz gelegt, denn durch pures Button-"Smashen" mag man vielleicht die Anfangskämpfe bestehen, doch spätestens im fortgeschrittenen Teil der Handlung - und natürlich im besonderen gegen andere Mitspieler - kommt man damit nicht mehr sehr weit.

Denn auch die KI hat sich gegenüber den Vorgängern verbessert. So kontern die Gegner Angriffe deutlich differenzierter als früher, und in Punkto Geschwindigkeit haben die Bots ebenfalls einiges dazugelernt. Der beste Weg, »Dead or Alive 4« zu lernen, besteht fraglos darin, sich entweder im Multiplayer-Gefecht mit anderen zu messen oder sich über Xbox-Live an Partnern abzuarbeiten, die einem nicht haushoch überlegen sind.

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Dazu bietet das Spiel ein Rankingsystem an, das Auskunft über die Skills der anderen Xbox-Live-User erteilt. Das ist praktisch, denn auf diese Weise kann man auch als Newbie mit ein wenig Glück der totalen Vernichtung durch DOA-Legionäre im Onlinematch entgehen.

Hallo Halo!
Der Storymodus spielt sich übrigens mit jeder Figur durchaus unterschiedlich. Insgesamt neun Gegner müssen bezwungen werden, um in den Genuss der Endsequenz des gewählten Charakters zu kommen.

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Als Belohnung für erfolgreich absolvierte Storykämpfe winken neue Kostüme und im späteren Verlauf auch neue spielbare Charaktere wie Nicole, eine Spartan-Kämpferin aus dem Halo-Universum. Zwar wirkt ihre Kluft im Vergleich zu den opulent ausgestatteten und teilweise recht verhalten bekleideteten jungen DOA-Damen ein wenig rustikal, aber es ist in diesem Fall die Exklusivität, die zählt. Denn welches andere Spiel kann schon von sich behaupten, Original-Gaststars aus Microsofts Alltime-Konsolen-Favourite aufzubieten? Außerdem peppen solche netten Details den auf Dauer recht eintönigen Singleplayer-Modus spürbar auf.Neben den schon erwähnten freispielbaren Kostümen und Charakteren kann man sich im sogenannten »Theater-Modus« sämtliche Cutscenes der bereits bewältigen Storykämpfe beliebig oft ansehen. Die Filme sind zwar inhaltlich von einer herzergreifend grottigen Qualität, technisch sind sie aber allemal einen Blick wert. Denn jede Figur feiert ihren Sieg auf andere Weise. Dazu gibt es jeweils musikalische Untermalung, die von pompös-dynamisch bis zu kitschig-mädchenhaft für jede Spielerseele etwas bietet. Und das allein, verbunden mit feinster Hochglanzgrafik und butterweichen Animationen der Protagonisten rechtfertigen das Durchspielen aller Storys, egal wie haarsträubend auch die zugrundeliegenden Geschichten sein mögen. Übrigens noch ein kleiner Tip am Rande: Da auch die Körper der Kombattanten und -innen sehr lebensecht animiert wurden, bewegen sich während eines Kampfes nicht nur deren Haare physikalisch korrekt…

Ich bin der Tod. Ich zerreiße Deine Seele in kleine Fetzen!
Die Kommentare der DOA-Charaktere in den Zwischensequenzen sind - zumindest in der deutschen Untertitelung - immer noch scheiße. Auch das ist eine Tradition, die aus den Vorgängern unverändert übernommen wurde. Aber gut, wie schon erwähnt - der Storymodus ist eh hanebüchen. Doch was bei DOA von jeher zählte, war die Action. Und die gibt's wie üblich unverschnitten. Die Moves und Kombos sind dabei von gewohnt hoher Qualität, und erwartungsgemäß gibt es davon wieder eine ganze Menge. Besonders mit den neu hinzugekommenen Figuren empfiehlt sich auch für alte DOA-Kämpfer ein intensiver Besuch des Trainingsareals.

Denn jeder Prügelstar spielt sich sehr unterschiedlich, so dass man dringend die verschiedenen Stile und Techniken ausprobieren sollte. Natürlich sind grundlegende Funktionen bei allen Teilnehmern gleich belegt: mit der gelben Taste schlägt man, mit Rot verteilt man Tritte, die grüne Taste sorgt für Würfe, und Blau blockt Angriffe.

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Viel wichtiger sind aber die verschiedenen Kombos, die sich aus den unterschiedlichen Verbindungen von Angriffs- und Richtungstasten ergeben. Hierbei hat jeder Charakter seine ganz eigenen Techniken und Schlagfolgen. Daraus resultiert auch eine sehr unterschiedliche Handhabung der Prügelknaben und -mädchen. Denn während sich beispielsweise die Wrestler Tina, Bass und Mariposa aufgrund ihrer eher gemächlichen Kampfart für fortgeschrittene Spieler eignen, die es verstehen, deren Attacken blitzschnell einzusetzen, ist ein flinker Allrounder wie der neu hinzugekommene Eliot aufgrund seiner Kampfart auch für Anfänger interessant.Die Arenen sind gegenüber den Vorgängern übrigens noch abwechslungsreicher geworden. Besonders schön ist es, dass jetzt auch stärker mit der Umgebung interagiert werden kann. Bei Handgreiflichkeiten auf den Straßen von Las Vegas muss man beispielsweise mit hinderlichem Autoverkehr rechnen, oder ein lauschiger Markt an einer Strandpromenade geht infolge heftiger Gewalteinwirkung Stück für Stück zu Bruch. Das macht Spaß und fördert das Durchsetzungsvermögen. Deutlich mehr als in älteren DOA-Versionen kommt jetzt auch die Schwerkraft in Form von tiefen Stürzen zum Einsatz. Prügelt man seinen Gegner beispielsweise von einer Hängebrücke in eine tiefe Schlucht oder ein barockes Treppenhaus hinab, so bringt das fett Schadensrabatt, wird allerdings nicht zum virtuellen KO führen. Da ist denn schon einiges mehr nötig. Auch die allseits beliebten elektrischen Zäune tauchen in einigen Stages wieder auf, und besonders in Wrestling-Arenen fühlt man sich zeitweise in echte Matches der legendären WWE-Helden versetzt.Nur, dass es hier natürlich deutlich schneller und härter zur Sache geht.

Live on Stage
Geht es nach Big M, so sollten alle stolzen Besitzer einer Xbox 360 mit dieser bevorzugt online zocken. Denn schließlich möchte so ein Konzern ja auch ein wenig verdienen. Und da man bekanntermaßen nur von den Verkäufen der weissen Schnuckibox nicht leben kann, sollen die Käufer bitteschön auch gleich noch ein Gold-Abo erwerben, das den Zugriff auf die Extra-Features des virtuellen Marktplatzes und natürlich das weltweite Schlägern mit seinen DOA-Lieblingen ermöglicht.

Dass es jedoch auch anders geht, wissen DOA-Veteranen nicht erst seit gestern. Denn abgesehen vom Singleplayer-Modus und Spezialitäten wie der Time-Attack hat das Spiel natürlich auch einen Offline-Multiplayerpart zu bieten.Dass es jedoch auch anders geht, wissen DOA-Veteranen nicht erst seit gestern. Denn abgesehen vom Singleplayer-Modus und Spezialitäten wie der Time-Attack hat das Spiel natürlich auch einen Offline-Multiplayerpart zu bieten.

Und der macht, wie nicht anders zu erwarten, auch auf der Xbox 360 richtig Laune. Erfreulicherweise haben die Entwickler hierbei nichts verschlimmbessert, so dass wie gewohnt bis zu vier Leute im 2-on-2 mit allen bekannten Features gegeneinander zocken können. Egal, ob man nun über Xbox-Live im weltweiten Netz andere DOA-Jünger verdrischt oder doch lieber im geselligen Beisammensein die heimische Couch ruiniert - in jedem Falle ist es lustiger, mit anderen Zockern gemeinsam zu spielen, als dauerhaft allein auf KI-Gegner einzuhauen. Wer die Gebühren des Microsoft'schen Monatsabos nicht scheut, den erwarten neben anderen gleichgesinnten Hobbyschlägern vielfältige Optionen und ein umfassender virtueller Marktplatz.

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Wer es jedoch vorzieht, sich am Anblick des von der Niederlage gezeichneten Gesichts seines Sitznachbarn zu laben, der sollte unbedingt ein paar Freunde zu sich nach Hause einladen und offline Spaß haben. Zumindest, solange er noch Freunde hat.