Es gibt bessere Einstiege in eine Präsentation als eine vorgezogene Entschuldigung für mögliche Fehler und unfertige Spielelemente, die innerhalb der nächsten Minuten auftreten können. Selbstsicherheit und vor allem Vertrauen ins eigene Spiel geht anders, zumal auftretende Bugs noch das geringste Problem von Dead Island 2 sind.

Das Berliner Entwicklerstudio Yager war so ziemlich das letzte, dessen Name mir noch vor ein paar Monaten in den Sinn gekommen wäre, wenn es um eine neue Mannschaft für einen offiziellen Dead-Island-Nachfolger geht. Mit dem cleveren, subtilen Spec Ops: The Line haben sich die Deutschen vom Fleck weg einen Namen gemacht und für einen der interessantesten Shooter der letzten Jahre gesorgt - nur um mit dem Nachfolger der stumpfen Zombie-Schnetzelei nun eine abrupte 180-Grad-Drehung hinzulegen.

Bereits der erste Teil war alles andere als eine Intelligenzbestie und niemand dürfte ernsthaft erwartet haben, dass sich auf den neuen Konsolen allzu viel daran ändert. Insofern war die Ankündigung durch Yager eine mittelgroße Überraschung; den Jungs wären ein paar frische Impulse zuzutrauen gewesen. 

Oder auch nicht.

Dead Island 2 - Wer nichts erwartet, kann auch nicht enttäuscht werden

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Keine Sorge, die wollen nur spielen. Also echt jetzt. In Dead Island 2 habt ihr vor den miefigen Typen hier nichts zu befürchten.
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Herr, lass Hirn regnen!

Die thematische Umorientierung in seichteres, leichter bekömmliches Fahrwasser ist ob der leichteren Vermarktbarkeit des Spiels noch eine nachvollziehbare Entscheidung (Sonne, Strand und Zombie-Gemetzel!), zugleich allerdings auch ein erstes Indiz für den allgemein heruntergeschraubten Anspruch. Nach 30 Minuten Spielzeit im Vier-Spieler-Koop standen neben den ersten Anzeichen zudem einige weitere handfeste Punkte auf der Liste, die aus den Indizien erste Tatsachen machten.

„Stumpfes Knöpfchendrücken“ stand an oberster Stelle, „Langweilige Missionsstruktur“ nur kurz darunter - von etwaigen Bugs war hingegen nicht auszumachen. Angesichts des noch einigermaßen frühen Entwicklungstands keine schlechte Leistung und einer der wenigen Lichtblicke innerhalb einer eher tristen halben Stunde. Der technische Unterbau dürfte für Yager in den kommenden Monaten das kleinste Problem sein, auch wenn Dead Island 2 vermutlich nie ein Aushängeschild für seine Plattformen werden wird.

Packshot zu Dead Island 2Dead Island 2Release: PC, PS4, Xbox One: 2016 kaufen: Jetzt kaufen:

Spielerisch schon gar nicht, denn selbst im Licht der „Wir wollen euch während unserer Präsentation nicht überfordern“-Prämisse war der kurze Ausflug ins sonnige Kalifornien in jeder Hinsicht ein Rückschritt, was bei den ohnehin nicht für ihre Komplexität bekannten Vorgängern schon ein kleines Kunststück darstellt.

Dead Island 2 - Official E3 2014 Announcement TrailerEin weiteres Video

Während auf PS3 und Xbox 360 zumindest noch ein vage ausgeprägtes Gespür für die Distanz zum Gegner und den richtigen Augenblick beim Zuschlagen nötig waren, rannten wir auf der gamescom in Vierergruppen ohne Rücksicht auf Verluste auch in die größte Zombiemeute, prügelten uns und ihnen gleichermaßen das Hirn aus der Rübe. Keine unterschwellige Bedrohlichkeit mehr wie in den vorangegangenen Spielen, dafür aber jede Menge lässige Sprüche und coole Musik (Sonne, Stand und Zombie-Gemetzel!).

Gehen die Berliner Entwickler diesen Weg konsequent weiter, bekommen wir irgendwann im nächsten Jahr eher ein maues Dead Rising als ein neues Dead Island - oder eben auch nicht, denn bislang haben die Sichter der USK noch so ihre Problemen mit fein säuberlich filetierten Untoten in roter Soße.

Wer den Zombies ihre Zähne zieht, muss sich nicht wundern, wenn sie plötzlich nicht mehr zubeißen können.Ausblick lesen

„Der stark überzeichnete Stil von Dead Island 2 lässt uns vorsichtig optimistisch in die Zukunft schauen. Mit etwas Glück können wir der Ironie, ein Spiel in Deutschland zu entwickeln, jedoch nicht veröffentlichen zu können, hoffentlich entgehen“, erklärt mir einer der sympathischen Yager-Jungs auf Nachfrage.

Bleibt zu hoffen, dass der Lohn die Mühen am Ende wert ist.