Was für eine Welt! Schlimme, schlimme Welt. So mausgrau und trist, so bieder und kalt. Die Mauern Prisma Citys sind nicht beschmiert, nicht mal verdreckt, sondern klinisch-steril, schwarz-weiß, kurzum: langweilig. Höchste Zeit, einen Farbklumpen durch die Straßen zu jagen und die Tristesse zu verscheuchen. Auftritt: de Blob, die Zweite.

Im Nachfolger zum Wii-Spiel, das irgendwie keiner haben wollte und bei dessen Erwähnung mich meine Kumpels immer schulterzuckend mit dem Kein-Plan-Blick anschauen, macht der Blob genau das, was er am besten kann: Farbe zurück in die Welt klecksen – diesmal sogar auf Xbox 360 und PS3. Alle anderen Bewohner lassen sich ja lieber von Comrade Black und seiner Schmuddelbande unterbuttern, den bösen, bööösen Besatzern, Betrügern. Wer schon die kunterbunte Farbsause im Vorgänger erlebt hat, dem kommen die politischen Verhältnisse Prisma Citys auf Anhieb bekannt vor.

de Blob 2 - Jetzt spritzt er wieder

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De Blob ist wieder da - diesmal auch auf Xbox 360 und PS3.
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Hier die fiesen, schwarz-weißen Buhuuu-Männeken, die Wahlen manipulieren und alles übernehmen wollen, dort die farbenfrohe Rebellion, die im Untergrund brodelt und hoffentlich irgendwann überkocht. Dass aus dem zaghaften Blubbern tatsächlich eine Eruption der Umwälzung entsteht, dafür soll ich sorgen. Aber wie? Ich bin doch gerade mal ein kleiner, debil grinsender Ball, durch die Gegend hüpfend wie ein Flummi, schmächtig und langweilig – was kann der schon ausrichten?

Innerhalb von zwei Stunden, die ich ins Abenteuer reinschnuppern konnte, eine ganze Menge. Es macht „klecks, klecks“, als ich auf einen Farbeimer hüpfe, und „flatsch, flatsch“, als ich mit dem nun rot eingefärbten Blob gegen eine Mauer donnere. Ein Farbfilm rinnt an der Wand hinunter, zieht sich nach unten durch, bis das komplette Gebäude eingefärbt ist. Immer noch charmant und witzig.

Wie in Clovers Okami lasse ich verdorrte Bäume in einem leuchtenden Schwall erblühen, die trostlosen Kronen recken sich und werden zum prächtigen Blickfang. Ich kombiniere gelbe und blaue Kartuschen zu einem kräftigen Giftgrün, das ich in den Straßen verteile. Als würde ich aus der Gottesperspektive den Pinsel schwingen, platziere ich hier einen orangefarbenen, da einen blauen und dort einen lilafarbenen Tupfer, färbe die Häuser, wie es mir beliebt. Die Stadt ist meine Leinwand, gute Laune die bunte Tunke.

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Graue Gebiete werden kurzerhand bekleckst, Gebäude gefärbt, Bewohner befreit.
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Was wunderbar mit dem Soundtrack harmoniert, wieder einmal ein wahrer Strahlemann voller Lebensfreude. Wenn man ihn nur lässt: Bei einer Inky-Polizeistation, alles in monochrome Töne gehüllt, sind es kalte elektronische Melodien, wie ein Würgegriff, der sich um den Stadthals geschlungen hat. Sehr stimmungsvoll.

Ein Angriff auf die schlechte Laune, gewitzt und knallbunt. Und dieser Soundtrack.Ausblick lesen

Woanders, in den bereits mit Farbe besprenkelten Vierteln, schwappt die gute Laune über. Je nach Couleur, die am Blob haftet, schwankt die Instrumentierung – von Saxophon und E-Gitarre bis hin zum Keyboard -, während sich der zwischen Funk, Jazz und Schalt-mal-einen-Gang-runter-Klängen gefangene Soundtrack langsam entrollt wie ein Teppich. Ich muss einfach mitwippen. Geht nicht anders.

Gegen die Zeit

Im Kern unterscheidet sich „de Blob 2“ kaum vom Vorgänger und trotzdem – oder besser: deswegen - kann ich mir das Grinsen nur schwer aus den Backen wischen, solange die Stadt bunter, die Musik fröhlicher und die Stimmung ausgelassener wird. Es ist die beschwingte Leichtigkeit, das freudige Zurschaustellen albernen Blödsinns der Marke Katamari. Einfach Fünfe gerade sein lassen, die wabbelnde Murmel schubsen, pinseln und gut is’.

Wären da nicht die beiden Erzfeinde des Blob: die in den Straßen patrouillierenden Inky-Soldaten, die bis zum Ende in immer stärkeren Versionen aufmarschieren, und die Zeit. Fürchterlich wenig Zeit. Während die Soldaten Hüpfer auf die Rübe nicht verkraften, nicht mal einen einzigen, solange der Heldenklumpen ausreichend mit Fabe gefüllt ist, rast der Minutenzeiger wie ein Hundertmeterläufer. Ich weiß nicht, wie oft ich vom tickenden Schulterhocker eingeholt wurde und mir der nächste Versuch die Schweißperlen auf die Stirn trieb, weil nur lumpige dreißig Sekunden übrig waren. Um durch die halbe Stadt zu tigern und ins Polizeirevier zu springen, wo… Ihr versteht.

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Regelmäßig wechselt die Ansicht in die 2-D-Perspektive - im Inneren von Gebäuden zum Beispiel.
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Ja, es gibt sammelbare Uhrensymbole, mit denen man den Zeitrahmen jeweils ein Stück weit auseinanderdrückt. Aber das Aufspüren der wertvollen Minutenspender, das kann knifflig werden. Vor allem, wenn man dafür Hochhäuser erklimmen und erst einen Weg nach oben entdecken muss. Außerdem blöd, wenn man beim Von-Dach-zu-Dach-Hüpfen aus Versehen ein Gebäude zum Beispiel in stichigem Knallgelb färbt, das lieber grün geblieben wäre.

Obwohl es unheimlich Spaß macht, Prisma City frei nach Schnauze zu erkunden und bespringen, muss sich der Blob an eine strenge To-do-Liste halten, um weitere Stadtteile freizuschalten. Mal darf er Häuser mit genau dem Farbton überziehen, auf den ein Leuchten hinweist – erst dann geht es weiter. Mal stänkert eine Gruppe Inky-Soldaten so furchtbar, dass er ihnen die… äh… Hammelbeine langziehen soll. Einfach mit den linken Trigger (Xbox 360, PS3) anvisieren und draufhüpfen. Klappt sogar in einem Rutsch von einer Rübe zur nächsten, und das ohne große Probleme – wenn der Farbbeutel ordentlich vollgesaugt ist.

Sobald man ins Innere eines Gebäudes gelangt, macht die Ansicht eine 2-D-Grätsche. Sidescrolling von links nach rechts, manchmal auch von oben nach unten, natürlich mit viel Schaltergehopse, Sammelei bunter Symbole und Gegnern – nichts Großartiges, aber immerhin für ein paar verknobelte Momente gut. Beispielsweise beim Zermartern des Hirns, wenn man ein Wasserbecken überqueren muss, das Blob bei Berührung die Farbe raubt. Farbe, die er fürs Verlassen des Raumes dringend braucht.

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Und weil das ja alles, abgesehen von den 2-D-Abschnitten, nicht so fürchterlich neuartig und überraschend ist, lässt sich der Wabbelklumpen in den Orbit schießen. Irgendwann. In den letzten zwei Spielstunden oder so. Um den schwarzen Stänkerbolzen die Prisma City aus den Fugen hauende Überwaffe zurück in den Hintern zu stopfen. Natürlich inklusive Top-down-Passagen in marioesker Umrundung kleiner Planeten, Schwerkraftmanipulation und so weiter.

Keine Ahnung, WIE stark Entwickler Blue Tongue in Richtung Super Mario Galaxy geschielt hat und wie eigenständig sich „de Blob 2“ im Weltall spielt. Aber den Perspektivwechsel hat man sich beim Entwickler ganz oben auf den Merkzettel geschrieben. Sieht schick aus, keine Frage, hoffentlich bleibt auch der Anspruch erhalten.